Posts mit dem Label Predigt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Predigt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 9. Juli 2017

Gepredigt: Christsein im säkularen Zeitalter

Ausgehend von Esther 4, 12 - 17 habe ich einige Parallelen zu unserer Zeit gezogen und komme zu einigen Anmerkungen für unsere Zeit: 

"Wenn unsere Zeit immer säkularer wird, müssen wir uns fragen: Was können wir von Esther lernen, um in dieser Zeit zu leben? Es ist eine Zeit, in welcher christliche oder biblische Werte immer weniger eine Rolle spielen. Das war zur Zeit Esthers nicht anders. Das Gefühl von König Xerxes, seine momentane Befindlichkeit, gab den Ton an. Esther reagierte darauf nicht mit dem Ruf nach christlichen Werten. Sie reagierte mit dem Verstand, indem sie dem König darlegte, wie es um ihr Volk stand. Sie ging auf den König ein.
Unser Problem ist, dass wir uns auf den christlichen Werten ausgeruht haben, während das Fundament der christlichen Werte, die Bibel, immer weiter ins Abseits gerutscht ist. Wir sind alle davon überzeugt, dass die christlichen Werte ein Segen für alle Menschen sind, keine Frage. Aber wir haben uns auf dem ausgeruht was frühere Generationen für uns getan haben, indem sie die biblischen Werte im Grundgesetz verankert haben, und haben es versäumt, den nächsten Generationen klarzumachen, warum diese biblischen Werte für alle ein Segen sind. Wir haben das für selbstverständlich gehalten und nicht vernünftig begründet – und jetzt regen wir uns darüber auf, dass sich eine Mehrheit findet, die dem widerspricht und andere Werte haben möchte. Wir regen uns auf, dass sich Menschen von den biblischen Werten diskriminiert fühlen, während viele aus unseren christlichen Reihen tatsächlich andere Menschen diskriminiert, beleidigt, ausgegrenzt haben. Es ist an der Zeit, dass wir darüber Buße tun und Gott um Hilfe bitten, diese Menschen erreichen zu können, ihre Herzen erreichen zu können, sie persönlich annehmen und verstehen und lieben zu lernen, ohne mit der Wahrheit Kompromisse einzugehen.
Es ist an der Zeit, dass wir lernen, die biblischen Werte als Segen für alle Menschen zu begründen, bevor wir diese Werte einfach einfordern mit einem „so ist es halt, Gott hat das so gesagt, aus und fertig, und amen dazu“.
Es ist auch Zeit, dass wir lernen, dass Gott uns genau in diese Zeit hinein gestellt hat, damit wir zum Segen für diese Menschen werden können, die Ihn brauchen, die sich nach Gottes Liebe sehnen, ohne zu wissen, was ihnen tatsächlich fehlt. Jesus hat mit den Menschen Zeit verbracht, die sich von den übrigen Menschen ausgestoßen, verachtet, alleingelassen fühlten, und ging genau zu ihnen, um sie zu lieben und für sie da zu sein. Er ist für alle Sünder gestorben, die Ihn brauchen, und unter diesen sind wir ebenso zu finden. Der Unterschied ist nur, dass es gerechtfertigte Sünder gibt, nämlich jene, welche Gottes Vergebung annehmen, und andere, welche ihre Last und Schuld selber tragen wollen.
Und es ist auch an der Zeit, dass wir endlich unser Privileg kapieren, das wir mit dem Gebet haben. Ein Mensch ohne Gott kann nur alle vier Jahre Einfluss auf die Politik ausüben, indem er wählen geht. Der Christ darf jeden Tag für die Regierung beten, wie Paulus schreibt: So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen darbringe für alle Menschen, für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit; denn dies ist gut und angenehm vor Gott, unserem Retter, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. (1Tim. 2, 1-6)

Esther, Mordechai und die Juden der Stadt Susa fasteten und beteten zusammen, und dann ging Esther hin, und nahm allen Mut zusammen, sie wusste, dass es ihr Leben kosten kann, aber sie ging hin und redete mit dem unberechenbaren König, sie tat Gottes Willen, sie war gehorsam, auch unter Lebensgefahr. Als Christen wissen wir nicht, wie sich unsere Zeit weiter entwickeln wird, wir wissen nur, dass es mit dem Tod nicht zu Ende ist; und wir wissen auch, dass gerade die Todesgefahr für Christen oft zu Zeiten großer Erweckungen geführt hat. Unser Auftrag ist es, Gott zu gehorchen, die Menschen zu lieben, und Tag für Tag unseren Teil zu tun, damit alle Gottes Größe sehen können."

Dienstag, 14. März 2017

Gott hört dich! - neuer Predigtband von Michael Freiburghaus

Freiburghaus, Michael, Gott hört dich!, Esras.net GmbH, 1. Aufl. 2017, 108S., Amazon-Link

Gebet ist das Einfachste und das Schwierigste zugleich, hörte ich vor einiger Zeit in einer Predigt. Und das stimmt. Einerseits ist es einfach, weil wir einfach zu Gott reden dürfen und das ist dann das Gebet. Zugleich stellt sich aber auch die Frage, was wir beten und wie wir beten sollen, also der Inhalt und unsere innere Haltung Gott gegenüber. Es ist kein Zufall, dass Jesu Jünger Ihn baten: Herr, lehre uns beten! Der Herr Jesus war und ist ein Meisterbeter. An Ihn kommt keiner ran. So ist es also enorm wertvoll, sich mit dem Gebet auseinanderzusetzen. Was ist Gebet? Was sollen wir beten? Wie sollen wir beten? Diese Fragen hat Michael Freiburghaus in einer Predigtserie beantwortet, welche mit einer detaillierten Auslegung des Vaterunsers beginnt, sich danach aber auch noch anderen Gebetsarten zuwendet, die wir in der Bibel finden. Besonders die Ausführungen zu den Rachepsalmen und was uns diese heute zu sagen haben, finde ich persönlich sehr bewegend und ermutigend. Unbedingte Leseempfehlung! 

Samstag, 25. Februar 2017

Predigt hören mit Gewinn

Als Prediger sehe ich häufig die eine Seite, nämlich wie die Predigt vorbereitet wird und wie sie rübergebracht wird. Manchmal ist es dann nicht ganz einfach, ein guter Predigthörer zu sein. Ich kenne den täglichen oder wöchentlichen Kampf mit dem Text, der als nächstes gepredigt werden soll, nur zu gut; und die Gefahr besteht dann, dass man bei anderen Predigern vor allem da sitzt und ihre Predigt „bewertet“ („was hätte ich anders gemacht?“, etc.) Ich weiß aber, dass es für jeden Predigthörer eine Herausforderung ist, die sonntägliche Predigt so zu hören, dass sie tatsächlich im Kopf, im Herzen und in den Händen landet. Deshalb ein paar Überlegungen, wie wir das möglichst gut machen können.

1. Zu Hause lassen, was zu Hause bleiben soll
Eine häufige Ablenkung besteht in den Gedanken, die uns an alles Mögliche erinnern, was noch zu tun ist. Der Aufbruch in die Gemeinde wird zu einem hektischen Erlebnis, wenn Kinder dabei sind, die zur bestimmten Zeit bereit sein müssen. Trotzdem tun wir gut daran, eine Strategie zu entwickeln, wie wir möglichst das zu Hause lassen können, was zu Hause bleiben soll. Hier muss jeder den Weg finden, der am besten passt. Das ist ein Punkt, an dem ich auch immer am Üben bin.

2. Für ein offenes Herz und offene Ohren beten
Die Predigt ist Gottes Wort an die Gemeinde. Der Prediger ist Gottes Prophet, der Gottes Wort auslegt und an Gottes Volk weitergibt. Wir können keine zu hohe Sicht von der Bibel und keine zu hohe Sicht von der Predigt haben. Einen Teil des Gewinns, den wir von der Predigt haben, hängt damit zusammen, wie wir die Predigt empfangen. Deshalb tut es uns gut, wenn wir Gott bitten, unser Herz zu verändern durch diese Predigt. Auch wenn wir den Text der Predigt schon häufig gehört und gelesen haben, dürfen wir jedes Mal von Neuem etwas von Gott empfangen.

3. Die Predigt als Dialog sehen
Als ich meine ersten Predigten vorbereitet hatte, durfte ich schon sehr früh in Gemeinden als Gastprediger predigen. Ich war sehr aufgeregt; schließlich wollte ich alles richtig machen. Mein Problem war, dass ich mich dabei so an mein Predigtmanuskript klammerte, dass die Predigt über die Gemeinde „hinwegflog“. Dort habe ich den Tipp bekommen, etwas freier zu predigen. Nach und nach habe ich gelernt, dass die Predigt ein Dialog mit den Hörern ist. Ich sehe, wenn etwas unklar ist und noch besser ausgeführt werden muss, an den Gesichtern der Hörer. Oder wenn etwas Auflockerung gut tut. Heute habe ich viel mehr Freiheit, denn ich weiß, was ich sagen will. Auch als Hörer tun wir gut, die Predigt als Dialog zu sehen. Nicht in dem Sinne, dass wir die Predigt unterbrechen müssen oder etwas dazwischen rufen. Ok, das darf auch mal sein, aber worum es mir geht, ist, dass wir die Predigt aktiv aufnehmen, an den Lippen des Predigers hängen und das Gesagte gleich in uns aufzunehmen versuchen.

4. Notizen - ja oder nein?
Das ist eine gute Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Es gibt gute Gründe dafür und dagegen. Dagegen spricht, dass der unter 3. genannte Dialog durch das Notieren unterbrochen wird. Dafür spricht, dass man mehr Wissen ansammeln kann, was etwas Gutes ist. Wer genug Zeit hat, dem empfehle ich, Notizen erst beim Nachhören der Predigt von CD oder MP3 online zu machen. Dann ist die Predigt an sich nämlich ein prägendes Erlebnis der ganzen Gemeinde, das einzelne Detailwissen kommt durch das Nachhören trotzdem zustande. Wer dafür keine Zeit hat, kann sich Notizen während der Predigt machen, muss es aber nicht. Wichtig ist, dass jeder durch seine Methode sagen kann: Das ist mein Weg, der mich am besten näher zu Gott bringt. Ich persönlich habe in der Predigt keinen Notizblock, sondern schlage die Bibel mit auf, und wenn mir etwas wirklich ganz wichtig wird, dann schreibe ich in die Bibel an den Rand ein oder zwei kurze Stichworte.

5. Den „roten Faden“ oder „Skopus“ finden
In der Predigtlehre spricht man vom „Skopus“ einer Predigt. Der Skopus ist im Prinzip eine Minimalfassung der ganzen Botschaft der Predigt in einem kurzen Satz. Manche Prediger wiederholen diesen Skopus mehrmals in der Predigt, andere haben leider gar keinen solchen bewusst ausgearbeitet. Aber die Frage sollte immer sein: Was ist der „rote Faden“ der ganzen Predigt? Wie kann man diesen in wenigen Worten zusammenfassen? Leider muss man auch da sagen, dass manche Predigten gar keinen solchen haben. Dann muss man diesen Punkt überspringen und beim nächsten Punkt weitermachen.

6. Nach der praktischen Umsetzung der Predigt suchen
Nun stellen wir die Frage, wohin Gott mit dieser Predigt abzielt. Was soll an uns anders werden? Worin sollen wir wachsen? Was können wir davon ganz praktisch und möglichst sofort umsetzen? Auch hier gibt es ganz unterschiedliche Predigten; vermutlich ist das ein Punkt, an dem die meisten Prediger zu kämpfen haben, vom Wissen zum Tun zu kommen. Mir geht es jedenfalls häufig so. Auch die ganz „trockenen“ Predigten – so schade es ist, dass es sie gibt – beinhalten zumindest in den Bibeltexten Hinweise zur praktischen Umsetzung. Wenn der Prediger daran nicht genügend gearbeitet und mit dem Text gerungen hat, muss es der Predigthörer leider selbst tun.

7. Weiter über die Predigt nachdenken und beten
Die Predigt ist mit dem „Amen“ nicht zu Ende. Im Gegenteil: Das Wichtigste hat gerade eben erst begonnen. Sie will uns in die neue Woche hinein begleiten. Unser Auftrag ist es, auch gerade jetzt nach Gelegenheiten Ausschau zu halten, um die Predigt umsetzen zu können. Betend reflektieren wir das Gehörte, vielleicht auch gemeinsam in der Familie, im Hauskreis, und so weiter, und lassen Gottes Wort auf diese Weise reichlich unter uns wohnen, uns verändern und unser tägliches Tun und Reden beeinflussen.


Sonntag, 19. Februar 2017

Gepredigt: Verloren und gefunden – Teil 1 von Lukas 15

Heute habe ich eine neue kurze Predigtserie über Lukas 15 begonnen. Überblick über das Kapitel und besonders die ersten beiden Verse betrachtet. Nachzuhören wie üblich im Predigtarchiv.

„Der verlorene Sohn hat seinen Vater besser gekannt als der zweite Sohn, der zurückblieb. Der verlorene Sohn, der sein Erbe wollte, hat gewusst, dass der Vater den Wunsch hat, dass seine Söhne sich freuen sollen. Sein Problem war nur, dass er die Freude am falschen Ort suchte. Und falsche Orte um unsere Freude zu suchen, gibt es für jeden von uns genug. Wenn unsere Freude darin besteht, in einer Diskussion über die Bibel am Ende recht zu behalten, dann suchen wir am falschen Ort. Wenn wir unsere Freude darin suchen, zu murren, wie schlecht die Welt doch grad ist, dann suchen wir unsere Freude am falschen Ort. Manchmal geht es uns Bibeltreuen so. Wir lieben die Diskussionen, weil uns der Widerstand das Gefühl gibt, auf der richtigen Seite zu stehen. Das kann schnell einmal zum Grund für unsere Freude werden, und dann sind wir genau so wie der verlorene Sohn.“

„Die Preisfrage vom ganzen Kapitel 15 im Lukasevangelium lautet: Ist meine Freude dieselbe wie Gottes Freude? Es gibt ein Maß, mit dem man die Größe dieser Freude messen kann. Dieses Maß ist die Menge der Schwierigkeiten, die ich auf mich zu nehmen bereit bin, damit wer zum Glauben an Jesus Christus findet. Ganz praktisch zeigt Gott uns das in Jesus Christus: Gott liebt Seinen Sohn, Jesus Christus, aber Gott möchte uns erlösen und gibt dafür alles auf, weil Gottes Freude an der Erlösung von Sündern die größte Freude ist. So groß, dass Gott Vater bereit ist, Seinen Sohn dafür zu opfern. So groß, dass Jesus Christus Sein Leben dafür opfert. So groß, dass der Heilige Geist bereit ist, in so unfertigen und unperfekten Gefäßen Wohnung zu nehmen wie wir es sind. Und jetzt ist Gottes Frage heute morgen an jeden von uns: Ich habe alles getan, damit viele Sünder gerettet werden. Und was bist Du dafür zu tun bereit?“


„Lukas 15 erzählt uns die Geschichte von Gottes Freude, was geschieht, wenn Menschen gerettet werden. Diese Geschichte wird dreimal erzählt und es sieht wie drei verschiedene Geschichten aus. In Wirklichkeit ist es eine Geschichte, die von drei verschiedenen Seiten angeschaut wird. Es ist ein Kapitel, das uns auf die Knie treiben soll, weil wir viel zu oft eher so wie die Pharisäer und Schriftgelehrten reagieren und murren. So haben schon die Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus Vorwürfe gemacht weil Er mit Menschen abhing, die sie nicht im Reich Gottes haben wollten.“

Montag, 21. November 2016

Predigtserie über Johannes 17

Gestern habe ich die Predigtserie beendet, die mich seit einem halben Jahr begleitet hat. Das Hohepriesterliche Gebet ist ein absolut starkes Kapitel, das mich immer wieder enorm herausfordert.

29. Mai 2016: „Verherrliche Deinen Sohn!“ (Joh. 17,1-5 Teil 1)
„Jesus Christus hat am Kreuz alles vorbereitet, damit wir mit Gott ins Reine kommen können. All unser Stolz, all unser Egoismus, all unsere Lieblosigkeit, all unser Unglaube, all unsere Süchte, alle unsere Unreinheit, all unsere Habsucht, alle falschen Dinge auf die wir vertraut haben, all das wurde zusammen zu einer Atombombe des göttlichen Zorns zusammengeschnürt und auf Jesus Christus am Kreuz hinabgeworfen. Dort ist Gottes Zorn explodiert und unter dem Zorn ist Gottes Liebe sichtbar geworden. Gott Sohn, Jesus Christus trägt den ganzen göttlichen Zorn und lässt Sich dafür zerschlagen und umbringen. Und dann am dritten Tag ist dieser Jesus Christus von den Toten wieder auferstanden. Alle Schuld war bezahlt. Der Weg zu Gott Vater war frei. Jeder, der an Jesus Christus glaubt, wird gerettet. Jeder, der sagt: Nicht wie ich will, sondern wie du willst! Dein Wille geschehe! Das ist Gnade, das ist Freiheit, das ist Liebe.“

19. Juni 2016: „Das ewige Leben“ (Joh. 17, 1 – 5 Teil 2)
„Das ewige Leben beginnt damit, dass wir anfangen, Gott zu fürchten, es geht weiter, indem wir Gott fürchten, und es wird für alle Ewigkeit so weitergehen, dass wir Gott fürchten. Gott zu fürchten bedeutet, dass wir uns bewusst sind, mit wem wir es zu tun haben. Mit dem ewigen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, der alle Zeit und jedes Ereignis in dieser Welt in der Hand hält, der alle Macht und alles Wissen hat, der zu jeder Zeit überall zugleich ist, und so weiter. Gott zu fürchten bedeutet ganz praktisch, dass wir vertrauen, dass Gott immer recht hat und wir deshalb jederzeit bereit sein wollen, Seinen Willen zu tun. Was ist diese Ewigkeit? Wir denken sehr oft sehr zeitlich, weil wir in der Zeit leben. Für Gott gibt es keine Zeit, also keine lange Abfolge von einzelnen Momenten. Bei Gott gibt es nur eine endlose Gegenwart. Alles passiert da zugleich, alles ist immer da. Nicht so, dass man mal das und mal jenes und dann wieder was anderes macht, sondern immer alles gleichzeitig und das ohne Ende.“

17. Juli 2016: „Die Herrlichkeit Christi“ (Joh. 17, 1 – 5 Teil 3)
„Das Licht macht alles sichtbar, was in uns drin abgeht. Und dieses Licht zeigt uns eine ganze Menge Dinge, die wir nicht gern in unserem Leben wahrhaben wollen. Eine ganze Menge Selbstsucht, Egoismus, Neid, Angst vor der Meinung anderer Menschen, Unversöhnlichkeit, Verbitterung, Stolz, und so weiter. Das alles ist Gift für unser Leben. Da haben wir nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir sehen auf Jesus oder wir verrecken elend an uns selbst. Wenn wir auf Jesus sehen, dann geben wir zu: Herr Jesus, ich bin voll von diesem Gift der Sünde! Rette mich davon! Ich brauche Dich! Und dann sehen wir Ihn am Kreuz von Golgatha hängen, wo Gottes Zorn über unsere Sünde auf ihn niedergeprasselt ist. Wo Er an unserer Stelle aufgehängt wurde, weil wir es verdienen würden, damit wir Frieden mit Gott haben können. Dort am Kreuz wird die Herrlichkeit Jesu ganz besonders deutlich sichtbar, und das meinte Er mit dem Gebet: Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. (Joh. 17,5)“

21. August 2016: „Das Gebet für Jesusnachfolger“ (Joh. 17, 6 – 10 Teil 1)
„Die Gemeinde ist in der Welt, aber nicht von der Welt. Sie ist wie ein Schiff, das über die Welt segelt und bereit ist, Menschen zu retten, die nach ihr Ausschau halten. Wenn das Schiff plötzlich zu Wasser wird, hat die Besatzung ein Problem. Dann ertrinken alle. Deshalb darf es nicht sein, dass die Gemeinde verweltlicht. Die Gemeinde ist das Licht in der Finsternis, wenn das Licht zur Finsternis wird, ist das tödlich für alle. Wenn wir ein Leuchtturm sein sollen, dann einer, der in die richtige Richtung weist.“

11. September 2016: „Die Schönheit Gottes“ (Joh. 17, 6 – 10 Teil 2)
„Einheit und Vielfalt sind keine Widersprüche. Einheit in der Vielfalt ist das Schönste, was man sich vorstellen kann. Es wird nur immer dann gefährlich, wenn das eine oder andere davon als Absolut gesetzt wird. Zum Beispiel ist es im Islam so, dass Einheit ganz wichtig ist. Allah darf nur einer, nur eine Person sein. Die Ummah, das heißt die weltweite islamische Gesellschaft oder Gemeinschaft, soll immer gleichartiger werden. Unterschiede sind schlecht, je ähnlicher die Menschen sich sind, desto besser. Im Fernen Osten ist es gerade umgekehrt. Im Hinduismus und im Buddhismus gibt es so viele Erlösungswege wie es Menschen gibt. Da muss jeder seine eigene Erleuchtung suchen und finden, und zwar auf ganz gegensätzliche Art und Weise. Das Problem dabei ist nur, dass jeder sehr unter Druck gesetzt ist, diese Erlösung zu finden. Es gibt keine Heilsgewissheit. Niemand kann dir tatsächlich sagen, dass du auf deinem richtigen Weg bist. Das macht die Gesellschaft sehr ichzentriert. Jeder sucht nur nach dem Seinen. Und da haben wir eine bessere Antwort. Jesus ha gebetet: Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht. (Joh. 17, 10) Jesus sagt, dass Er in uns verherrlicht ist. Und das ist die eigentliche Antwort. Unser Leben soll zu Seiner Ehre sein. Unsere Erlösung ist ein Mittel zum Zweck, es ist nicht das Letzte und Höchste. Die Erlösung ist nötig, damit wir zu Gottes Ehre leben können, aber sie ist erst der Anfang von einer ewigen, unendlichen, liebevollen, wunderbaren und atemberaubend schönen Beziehung mit Gott.“

25. September 2016: „In der Welt, nicht von der Welt“ (Joh. 17, 11 – 19 Teil 1)
„Rückzug wäre ungefähr das Letzte, was Jesus von uns wollte. Was ist dann die richtige Vorgehensweise? Wir brauchen einen Standpunkt, einen Maßstab und Mut. Der Standpunkt ist der Ort, an dem wir gerade stehen. Der Standpunkt beinhaltet alles, was wir bisher gelernt haben, alle Erfahrungen, die wir gemacht haben, usw. Den haben wir, so oder so. Dann brauchen wir einen Maßstab. Dieser Maßstab ist die Bibel. Wenn wir die Zeitung lesen oder die Nachrichten im TV sehen, dann tut es uns gut, dabei gleich zu überlegen, was Gott dazu sagt. Das dritte ist Mut. Mut, hinzugehen in die Welt. In dieses Reich des Teufels. Jesus sendet uns dort rein, damit Gottes Reich in den Herzen der Menschen und in Seiner Gemeinde ausgebreitet und vergrößert wird. Wir brauchen keine Angst vor der Welt haben, denn Jesus hat für uns gebetet und bewahrt uns. Wenn unser Leben in der Welt jedoch eine Bedeutung für das Ausbreiten von Gottes Reich haben soll, ist es immer ganz wichtig, dass wir uns da nicht anpassen, aber auch nicht zurück-ziehen. Christen sind immer eine Gegenkultur zur Welt. Jesus betete: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. (Joh. 17, 16) Wenn uns die Welt nicht hasst, sollte uns das zu denken geben. Es könnte es gut sein, dass wir auf einer der beiden Seiten vom Pferd gefallen sind.“

16. Oktober 2016: „Heilig durch die Wahrheit“ (Joh. 17, 11 – 19 Teil 2)
„Das ewige Leben ist die Gemeinschaft mit Gott oder anders gesagt: Es ist Gott anschauen in alle Ewigkeit. Ähm, Moment mal, und sonst gibt es da nix zu tun? Ist das nicht langweilig? Nein, das ist hochspannend, das ist eine ganze Ewigkeit lang ständig neue Facetten von Gottes wunderbarem Wesen erkennen und feiern zu dürfen. Das ist Forschung ohne Ende. Hochspannend! Das macht Freude, vollkommene, riesige Freude. Die Heiligung, nach der wir jagen sollen, ist die Vorbereitung auf diese Ewigkeit. Das ist ungefähr so, wie der Musikunterricht vor den Konzerten. Das Musikinstrument will gelernt sein und man verbringt so manch eine Stunde mit Üben und Vorbereiten, mit Grundlagen büffeln und korrigiert werden. Das ist die Vorbereitung, und wer gut vorbereitet ist, wird am Konzert viel Freude haben. Aber auch die Vorbereitung ist schon immer wieder mit Freuden und Höhepunkten verbunden. So ist es auch im Leben mit Jesus. Er möchte uns auf dem Weg der Heiligung immer wieder mit Freuden überraschen und diese kleinen Freuden auf dem Weg sind ein Motivator und zeigen auf die große Freude, die dann noch kommen wird. Je mehr wir Jesus Christus ähnlicher werden, desto größer werden diese Freuden werden, sowohl in diesem Leben, als auch in der Ewigkeit.“

20. November 2016: „Das Wesen geistlicher Einheit“ (Joh. 17, 20 – 26)
„Alle, die gläubig und wiedergeboren sind, haben durch die Erlösung diese biblische Einheit bekommen. Und diese Einheit findet am Fuß des Kreuzes von Golgatha statt. Das Kreuz ist der Ort, an dem wir am Boden sind. Es ist der Ort der Demütigung, denn vor dem Kreuz erkennen wir unsere eigene Schrecklichkeit und Verderbtheit. Wir erkennen unsere Selbstsucht, die von Jesus am Kreuz bezahlt werden musste. Wir erkennen, wie schlimm wir sind, weil wir erkennen, dass unsere Schuld vor Gott so groß ist, dass der geliebte Sohn Gottes das einzige Bezahlungsmittel ist, das groß genug ist, um unsere Schuld zu bezahlen. Einheit gibt es dort, wo wir uns immer wieder bewusst werden, wie sehr wir Jesus brauchen. Das einzusehen, macht unser Herz auch anderen Menschen gegenüber groß und hilft uns, sie noch mehr zu lieben. Die Einheit findet auch umso mehr statt, je mehr wir uns von Gott verändern lassen. Das Ziel unseres Lebens hier auf der Erde ist, dass wir dem Bilde Jesu gleichgestaltet werden. Das bedeutet, es geht um unsere Heiligung. Dass wir lernen, gegen Sünden anzukämpfen und uns ihnen zu widersetzen. Dieser tägliche Kampf gegen die Sünde verändert uns und hilft uns auch, für andere Menschen erträglicher zu werden. Ich will noch einen weiteren Punkt hinzufügen. Einheit entsteht dort, wo es um klare Inhalte geht. Das Evangelium ist nicht eine unklare, undefinierbare, diffuse Botschaft, die sich jeder selbst zurechtlegen kann, wie er will. Das heißt, wir müssen miteinander darüber reden. In unserer Zeit der vergötzten Toleranz ist uns die Fähigkeit zum Disputieren verloren gegangen.“

Sonntag, 30. Oktober 2016

Predigt: Eine biblische Weltanschauung für die nächste Generation


Ein paar Auszüge aus meiner heutigen Predigt über Richter 2, 6 - 19:

„Zuerst geht es um Josua: Er lebte 110 Jahre und starb dann. Zuerst begegnet uns Josua in den Mosebüchern, und zwar war er schon dabei, als Mose auf den Berg Sinai stieg, um das Gesetz von Gott zu empfangen. Dann ist ein besonderer Charakterzug, den wir in 2. Mose 33,11 finden: Josua wich nicht aus der Stiftshütte. Die Stiftshütte war der Ort, an dem Gott dem Volk Israel begegnete und bei ihm wohnte. Josua war immer in der Gegenwart Gottes. Er wollte diese Gegenwart Gottes nicht verlassen. Das war es, was ihn vorbereitete, um später die Aufgabe von Mose zu übernehmen. Er teilte das verheißene Land unter den 12 Stämmen Israels aus und schloss am Ende nochmal einen Bund zwischen Gott und dem Volk. Auch heute ist es wichtig, dass wir in der Gegenwart Gottes sind und da bleiben. Auch für die nächste Generation wird es wichtig sein und die nächste Generation muss das der übernächsten Generation beibringen und so weiter.“

„Es heißt hier: Sie kannten den Herrn, ihren Gott, nicht. Sie haben nichts mehr von Gott gewusst. Unwissenheit führt zum Götzendienst. Unwissenheit ist nicht ein entschuldbarer Mangel. Unwissenheit ist tödlich; und ein Affront gegen Gott. Wenn du mit dem Auto in ein anderes Land fährst, musst du dich mit den dortigen Geschwindigkeitsbegrenzungen und weiteren Verkehrsregeln auseinandersetzen. Wer das nicht tut, hat nicht einfach nur einen entschuldbaren Mangel an Wissen, sondern diese Unwissenheit kann tödlich sein und auf jeden Fall eine saftige Strafe mit sich bringen. Auch da gibt es nicht die neutralen Verkehrsregeln, bei denen das Übertreten einfach nur ein entschuldbarer Mangel wäre. In ein Land zu fahren, ohne dessen Regeln zu kennen, ist tödlich und auch ein Affront gegen das jeweilige Land.“

„Man hört ja heute häufig die Klage, dass Eltern ihre Kinder nicht nach ihrem Glauben erziehen ("indoktrinieren") sollen. Das Problem dabei ist, dass es überhaupt keine neutrale Weltanschauung gibt. Jeder hat seinen Glauben, und über Gott zu schweigen sagt sehr viel über Gott aus. Genau da liegt der Hund begraben – je mehr wir von Gott schweigen, desto mehr bringen wir der nächsten Generation bei, wie klein und unwichtig Gott ist.“

„In unserer Zeit ist es üblich geworden, von Gott zu schweigen. Man teilt das Leben in zwei getrennte Bereiche ein. Das Reden von Gott zählt man dann zum privaten Bereich. Wer was glaubt oder nicht glaubt, geht in der Öffentlichkeit niemanden was an – so denkt man. Das ist Privatsache. Da redet man niemandem rein – solange dieser sich in der Öffentlichkeit brav still verhält und von seinem Gott schweigt. Verlangt wird damit ein öffentlicher Atheismus. In der Öffentlichkeit zählen die harten Fakten, die Wissenschaft, die Vernunft, und so weiter. Ein tiefer Graben verläuft zwischen diesen zwei Bereichen und schafft so gespaltene Persönlichkeiten. Im öffentlichen Bereich herrscht die Vernunft, im privaten Bereich das Gefühl. Die Bibel gibt uns Werkzeuge, mit denen wir prüfen können, ob jemand eine biblische Weltanschauung hat. Eine Weltanschauung ist die Brille, mit der die Person die Welt anschaut. Das bedeutet erstens: Jeder hat irgendeine Weltanschauung und zweitens: Die Weltanschauung beeinflusst alles, was diese Person sagt oder tut – zumindest wäre es zu erwarten. Dass manche Leute darin inkonsistent sind, sollte uns zu denken geben.“

„Was braucht unsere nächste Generation? Sie braucht Vorbilder wie Josua es für Israel war. Menschen, die in der Gegenwart Gottes leben und von Gott reden. Sie braucht ein biblisches Weltbild von Gott als Schöpfer von jedem einzelnen Teil dieser Welt, vom Sündenfall als Problem in dieser Welt, und von der Erlösung, die durch Jesus Christus am Kreuz von Golgatha geschehen ist. Sie braucht Konstanz und Verlässlichkeit. Sie braucht unser Gebet um Erweckung, weil jede Generation wieder neu Erweckung braucht. Und sie braucht das Wissen darum, dass die Erlösung in der Ewigkeit vollkommen perfekt sein wird.“

Wer sie sich anhören möchte, findet sie wie alle meine Predigten im Predigtarchiv.



Das Zitat von Nancy Pearcey findet ich im Buch "Total Truth" ab S. 125 (Übersetzung von mir): 
„Wir müssen sichergehen, dass, wenn unsere Kinder das Haus verlassen, dieselbe Überzeugung tief in ihr Gedächtnis eingebrannt ist – dass das Christentum fähig ist, wenn es auf dem Marktplatz der Ideen herausgefordert ist, in sich zu verhalten. Es reicht nicht, junge Gläubige einfach zu lehren, wie man eine persönliche „Stille Zeit“ hält, wie man ein Bibellernprogramm befolgt und wie man mit einer christlichen Gruppe auf dem Campus Verbindung aufnimmt. Wir müssen sie auch darin anleiten, wie man auf intellektuelle Herausforderungen antwortet, die ihnen im Schulzimmer begegnen werden. Bevor die das Haus verlassen, sollten sie mit all den „-ismen“ wohlbekannt sein, vom Marxismus zum Darwinismus bis zum Postmodernismus. Es ist am besten für junge Gläubige, wenn sie von diesen Ideen zuerst von den vertrauten Eltern, Pastoren oder Jugendleitern hören, welche sie in den Strategien trainieren können, um die konkurrierenden Ideologien analysieren zu können.“

Freitag, 12. August 2016

Aller guten Dinge sind – vier!



Der Autor dieser vier Bücher ist Michael Freiburghaus, ein lieber Freund von mir, der im selben Jahrgang wie ich in Riehen studiert hat. Seit einem Jahr ist er in Leutwil-Dürrenäsch in der Schweiz Pfarrer. Ich wünschte mir mehr Prediger mit einer solchen Klarheit und Leidenschaft, dann wäre die nächste, dringend notwendige Reformation nicht mehr fern. Noch ein kleiner Hinweis am Rande: Die eBook-Version wird für acht Wochen zu einem besonders günstigen Preis angeboten. 



Logik unter Feuer
Der englische Pastor D. Martyn Lloyd-Jones definierte Predigen als „Logik unter Feuer“. An diese Definition wurde ich immer wieder erinnert, als ich den Sammelband der Aargauer Predigten „Ergreife Jesus – Von Jesus ergriffen“ las. Mit immer wieder erstaunlicher Leidenschaft versucht Michael Freiburghaus, seinen Zuhörern und Lesern Jesus Christus nahe zu bringen. Dabei schreckt er nicht vor aktuellen und kontroversen Themen zurück, sondern findet immer wieder neue Wege, um das Evangelium in allen Bereichen des Lebens anzuwenden. Möge Gott uns noch viele weitere so mutige und leidenschaftliche Prediger schenken!



Das EVANGELIUM
Was mich bei den Predigten von Michael Freiburghaus immer so sehr anspricht, ist, wie groß er das Evangelium schreibt. Nicht nur in Großbuchstaben, sondern so groß, dass alles vom Evangelium getränkt ist. Das Evangelium fürs ganze Leben. Nicht nur für den Anfang des Glaubens, sondern jeder einzelne Bereich und jede Zeit des Lebens soll durch das Evangelium bestimmt werden. Ein weiterer Band mit Predigten, die zeigen, wie kreativ eine solche Botschaft sein kann. Michael Freiburghaus sucht nach zahlreichen neuen Wegen und Beispielen, mit denen man die gute Nachricht von Jesus Christus den Menschen von heute verständlich machen kann. Ein wahrer Segen!



JESUS – ein Skandal!
Wenn man Jesus beim Wort nimmt und Seine unveränderliche Botschaft verkündet, so wird man immer auf Gegenwind stoßen. Es ist eine Botschaft, die Sprengstoff enthält und den Hörer verändern möchte. Das ist häufig unangenehm, aber notwendig. Auch in diesem Predigtband zeigt Michael Freiburghaus, wie die Botschaft von dem Skandal Jesus Christus auf ganz unterschiedliche Art und Weise immer wieder neu formuliert werden kann, ohne an Kraft und Klarheit zu verlieren.



Zwei Testamente – Eine Bibel
Was ist die Bibel? Sie besteht aus zwei Testamenten, einem Alten und einem Neuen Testament. Wie hängen diese beiden zusammen? Wie ergänzen sie einander? Worin bestehen ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten? Gibt es eine gemeinsame Botschaft, die sich durch die ganze Bibel hindurch zieht? All diesen Fragen geht Michael Freiburghaus auf den Grund. Ein sehr empfehlenswertes Buch!



Mittwoch, 20. Januar 2016

Gott liebt dich! 10 Predigten zum 1. Johannesbrief

10x Gottes Liebe entdecken, 10x ermutigt werden, 10x von Gottes Geist Veränderung erfahren, das alles ist in ein kleines Büchlein gepackt. Michael Freiburghaus, ein lieber Freund, den ich während meines Studiums kennenlernen durfte, hat in seiner Chelegmeind Leutwil-Dürrenäsch eine zehnteilige Predigtserie über den ersten Johannesbrief gehalten. In derselben Kirche, in welcher schon Eduard Thurneysen (hier habe ich ein Zitat von ihm gepostet) als Pfarrer gewirkt hatte, ist Michael nun tätig und darf erleben, wie Menschen von Gottes Wort gepackt und verändert werden.

Der Predigtband zum 1. Johannesbrief ist sehr leicht verständlich, zugleich auch kraftvoll und mitreißend. Man merkt ihm die Liebe zu Gott und zu den Menschen an. Jede Predigt schließt mit einigen Fragen zum Predigttext, die den Hörer und Leser herausfordern wollen, noch tiefer zu graben und auch gerade im Hauskreisgespräch oder in der Familie weiter zu besprechen.

Ich möchte der Chelegmeind Leutwil-Dürrenäsch zu ihrem neuen Pfarrer gratulieren und jedem, der nicht dorthin gehen kann, empfehlen, den kurzen Predigtband zu besorgen, zu lesen und durchzudenken.

Das Buch kann übrigens hier als Taschenbuch oder Kindle-eBook bezogen werden.


Montag, 2. März 2015

Einheit in Vielfalt und Vielfalt in Einheit

Gestern habe ich darüber gepredigt, dass Gott Vielfalt liebt, weil die Vielfalt in Gottes Wesen selbst zu finden ist. Im zweiten Teil der Predigt ging es um die Konsequenzen, die sich für die Gemeinde daraus ergeben, die wir in Römer 12, 3 – 5 finden.

Gott der Drei-Eine: Einheit in Vielfalt und Vielfalt in Einheit
Wenn wir über die Welt nachdenken, die Gott gemacht hat, oder über die Gemeinde, die Ihm gehört, dann ist es wichtig, dass wir verstehen, wie alle Dinge dazu gemacht sind, um Gottes Wesen bekannt zu machen. Das Thema Vielfalt und Einheit führt uns zur Lehre von der Dreieinigkeit Gottes. Ein Gott – eine Einheit – in drei Personen. Drei unterschiedliche Personen in einem Gott. Wir finden die Dreieinigkeit schon bei der Schöpfung am Werk: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. (1. Mose 1, 1 – 3) Hier haben wir Gott in drei Personen am Werk: Gott Vater spricht. Das Wort, das Er da ausspricht, ist Gott Sohn, von dem Johannes sagt: Das Wort wurde Fleisch. Und Gottes Geist schwebt über den Wassern. Da haben wir sie alle drei.

Zweites Beispiel: Die Taufe Jesu. Hier finden wir in allen Evangelien die Dreieinigkeit Gottes am Werk: Gott Sohn lässt sich taufen, Gott Heiliger Geist kommt wie eine Taube auf Ihn herab, Gott Vater spricht aus dem Himmel: Da kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe es nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt so geschehen; denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen! Da gab er ihm nach. Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser; und siehe, da öffnete sich ihm der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabsteigen und auf ihn kommen. Und siehe, eine Stimme [kam] vom Himmel, die sprach: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe! (Matth. 3, 13 – 17)

Wem das noch nicht reicht, der kann auch den Epheserbrief aufschlagen und im 1. Kapitel die Verse 3 – 14 lesen. Dort beschreibt Paulus, wie die drei Personen der göttlichen Dreieinigkeit das Werk der Erlösung unter sich aufgeteilt haben: Gott Vater sendet Gott Sohn, Gott Sohn vollführt die Erlösung am Kreuz, Gott Heiliger Geist wendet diese auf uns ganz persönlich an. Es gäbe übrigens noch genügend Beispiele mehr.

Vielfalt und die Schönheit der ganzen Schöpfung
Und dann werfen wir einen Blick auf die Schöpfung und sehen diese unaussprechlich große Vielfalt: Abertausende Arten von Tier, Pflanzen, Gesteinen, Himmelskörpern, alles ist aufeinander abgestimmt und passt zueinander. Zwar finden sich überall die Spuren des Sündenfalls, der zum Verderben, Krankheit, Tod, Verschleiß, etc. geführt hat, und doch ist überall ein gut Teil der Schönheit erhalten geblieben. Ich möchte an zwei Beispielen aufzeigen, was passiert, wenn wir die Lehre von Gottes Dreieinigkeit verlassen. Es gibt immer wieder Christen, die meinen, dass ihnen die Dreieinigkeit zu kompliziert wäre und wir deshalb darauf verzichten könnten oder sollten. Noch einmal zur Wiederholung: Die Dreieinigkeit bedeutet Einheit in der Vielfalt.

Islam: Einheit ohne Vielfalt
Wenn wir die Dreieinigkeit aufgeben oder vernachlässigen, dann haben wir auf der einen Seite Einheit ohne Vielfalt. Gutes Beispiel: Der Islam. Im Islam gibt es nur einen Gott, der keinesfalls in drei Personen besteht. Die Dreieinigkeit ist Gotteslästerung für den Moslem. Gott darf keinen Sohn haben. Gott darf nicht für die Sünden der Menschheit sterben können. Im Koran gibt es an mehreren Orten die Rede von der Liebe Allahs, aber die ist nur für Menschen, die für den Islam kämpfen, zu haben.

Das führt dazu, dass alle Menschen gleich werden müssen. Vielfalt hat keinen Wert, sondern ist gefährlich. Im Islam müssen alle gleich denken, handeln, leben, um Allah zu gefallen. Einheit ohne Vielfalt. Und genau diese Vielfalt, die der Realität entspricht, diese Liebe Gottes zu allen Menschen, diese Selbsthingabe Jesu am Kreuz für die Sünden der Menschen, genau das ist es, was für viele Muslime attraktiv am christlichen Glauben ist. Sie wissen als Muslime nicht, ob sie gerettet werden können. Das hängt laut Koran von Allahs Barmherzigkeit ab. Moslem sein rettet nicht, denn im Grunde genommen kann niemand das tun, was Allah gefällt. Diese Unsicherheit ist schrecklich und treibt uns viele Muslime in die Arme, denn bei uns gibt es echte Gewissheit der Erlösung. Aber auch bei Christen kommt es vor, dass man die Einheit überbetont. Immer dann, wenn es gesetzlich wird, ist das der Fall.

Postmoderne: Vielfalt ohne Einheit
Und so, wie man auf der einen Seite vom Pferd fallen kann, indem man die Einheit ohne Vielfalt betont, gibt es auch die andere Seite, die auch nicht besser ist: Vielfalt ohne Einheit. So war es in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts weit verbreitet, zu glauben, dass es keine absolute Wahrheit geben könne, sondern sich jede Kultur und Gesellschaft ihre eigenen Wahrheiten selbst schaffen würde. Dieses Denken war der Postmodernismus. Zum Glück ist dieses unsinnige Denken jetzt schon länger wieder vorbei, nur ist das halt leider in einigen Gemeinden noch nicht angekommen.

Wer jetzt noch wissen will, was das mit der Gemeinde zu tun hat, findet eine Aufnahme der Predigt wie üblich im Archiv verlinkt.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Zum 300. Geburtstag von George Whitefield


Heute vor 300 Jahren, am 16. Dezember 1714, ist George Whitefield geboren. George Whitefield? Wer soll denn das sein? Leider ist er schon länger nicht mehr so bekannt wie er sein sollte. Er war einer der größten und gesegnetsten Evangelisten des 18. Jahrhunderts. Millionen von Menschen haben ihn predigen gehört; und das ist etwas Spezielles – gab es doch damals weder Lautsprecher noch Rundfunk, Fernsehen oder gar Internet.

George Whitefield wuchs unter einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater starb, als George zwei Jahre alt war. Acht Jahre später heiratete seine Mutter Elizabeth ein zweites Mal, doch diese Ehe war so schwer, dass sie es nicht lange mit diesem zweiten Mann aushielt. Obwohl das „Bell Inn“, der Gasthof, den sie führte, ziemlich erfolgreich und beliebt war, ging es mit dem Geschäft in der zweiten Ehe beständig abwärts, bis es so schlecht lief, dass George, der inzwischen an der Lateinschule war, diese abbrechen musste, um zu Hause im Gasthof mitzuhelfen. George war damals 15 Jahre alt. Kurz darauf verließ Elizabeth ihren zweiten Mann. George folgte ihr und sie lebten deswegen sehr einfach.

Da er sich kein Studium einfach so aus dem Ärmel schütteln konnte, verdiente er es sich als Diener der reicheren Studenten, die ihm für seine Dienste (er weckte sie, putzte die Zimmer, machte ihnen Besorgungen, und so weiter) ihre alten Bücher fürs Studium und etwas Geld gaben. In dieser Zeit in Oxford lernte er die Brüder John und Charles Wesley kennen, die als Gründer der Metodistenkirche bekannt sind. Um diese beiden Brüder herum sammelte sich eine kleine Gruppe von Leuten, die mit dem Glauben besonders ernst machen wollten. Sie wurden deshalb als „Holy Club“ (Heiliger Verein) und als „Methodisten“ verspottet. In diesem Kreis auferlegten sie sich strenge Pflichten wie das regelmäßige Fasten, gemeinsames Lesen von Erbauungsliteratur, sowie das Führen eines Tagebuchs mit regelmäßiger Selbstprüfung. In seinem Eifer schoss der junge George dabei weit über das Ziel hinaus, bis er durch seine asketischen Übungen krank wurde. Dann endlich fand er den echten Frieden mit Gott – nicht durch Selbstkasteiung, sondern durch die Gnade allein.

Noch während seines Magisterstudiums wurde er von einem befreundeten Pfarrer gebeten, ihn für zwei Monate in London zu vertreten. In dieser Zeit kamen immer mehr Leute in diese Kirche, die den jungen Mann über die neue Geburt sprechen hören wollten. Kurze Zeit später dasselbe wieder, als er dann auch nach Dummer gerufen wurde, um auch dort jemanden zu vertreten. In dieser Zeit wuchs sein Entschluss, er wolle als Missionar nach Georgia über den großen Teich reisen. Doch noch während er sich auf die Reise in die Staaten vorbereitete, gab es plötzlich über Nacht eine Erweckung: Überall, wo er durchreiste und sich verabschieden wollte, wurde er gebeten, zu predigen – und überall wurden von seiner Predigt riesige Massen von Menschen angezogen und viele Herzen aufgeschreckt.

Nach mehreren Monaten Verzögerung konnte er endlich einschiffen und fuhr über den großen Teich in die Staaten. Inzwischen war aber noch etwas anderes passiert: John Wesley, der sein Studium schon früher beendet hatte, war auch als Missionar nach Georgia gereist. Und genau in der Zeit, als Whitefield darauf wartete, dass sein Schiff auslaufen konnte, kehrte Wesley zurück. Ihm war in der Zeit in Georgia bewusst geworden, dass er selbst auch noch eine echte Wiedergeburt nötig hatte. Whitefield kam in die Staaten und predigte in Georgia mehrmals täglich auf den Plätzen, besuchte die Leute, gründete zwei Schulen, und sein Herz wurde vor allem für eine Tätigkeit vorbereitet, die ihn den Rest seines Lebens begleiten sollte: Er wollte in Georgia ein Waisenhaus gründen.

An der Stelle möchte ich kurz innehalten und über etwas nachdenken, was wir von vielen Menschen lernen können, die in der Welt etwas bewegt haben. Der Management-Experte Fredmund Malik hat dafür viele Biographien studiert und sagt etwas ganz Wichtiges dazu: „Das Wesentliche ist, sich auf Weniges zu beschränken, auf eine kleine Zahl von sorgfältig ausgesuchten Schwerpunkten, wenn man an Wirkung und Erfolg interessiert ist.“ (Malik, Fredmund, Führen, Leisten, Leben, Campus-Verlag, 2. Aufl. 2006, S. 110) Bei George Whitefield wird das gut sichtbar, es gab für ihn nämlich ganz exakt zwei Schwerpunkte, auf die er sich spezialisiert hatte: Das Evangelium predigen und Geld sammeln für sein Waisenhaus in Georgia. Und diese beiden Dinge konnte er gleichzeitig machen. 13 Mal hat er unter großen Strapazen den Ozean überquert, der Europa von Amerika trennt, und was ihn dazu getrieben hat, war seine Sorge um sein Waisenhaus. Vermutlich wäre die große Erweckung in den amerikanischen Staaten nicht so schnell und so stark ausgebrochen, wenn Whitefield nicht dort gewesen wäre. Und vermutlich wäre er nicht dort gewesen, wenn er sein Waisenhaus in Georgia nicht gehabt hätte. Ich glaube, dass wir hier einiges zu lernen haben: Uns auf bestimmte einzelne Dinge – unsere Stärken – zu beschränken, diese dafür umso mehr zu trainieren, und nicht mehr alles selbst in der Hand haben zu wollen.

Als Whitefield nach England zurückkam nach seiner ersten Reise, war die Lage verändert. Er konnte zunächst noch in verschiedenen Kirchen predigen, aber immer mehr Pfarrer wurden ihm feindlich gesinnt, weil er so offen und kompromisslos von der Notwendigkeit der Wiedergeburt sprach. Immer öfter wurden ihm die Kanzeln verboten. So wagte er eines Tages den Schritt ins Freie. Durch diesen Schritt wurde eine Grenze gesprengt: Waren seine Predigten bisher durch die Größe der Kirchen begrenzt, konnten jetzt viel mehr Leute kommen, um ihm zuzuhören. Nach kurzer Zeit waren es schon mehrere tausend Zuhörer, die kamen, um ihn zu hören. So ähnlich hört sich der Rest seines Lebens an. Er predigte – wohlgemerkt: ohne Mikrophon, ohne Verstärker und Lautsprecher – vor riesigen Mengen. Einmal müssen es um die 80'000 Personen gewesen sein, die gekommen waren, um ihn zu hören. Und seine Stimme war laut und durchdringend: Sie konnten ihn alle hören.

Als Whitefield 26 Jahre alt war, heiratete er Elizabeth James, eine Witwe, die er bei seinen Reisen in Wales kennengelernt hatte. Sie war zehn Jahre älter als er. Auf mehrere Reisen begleitete sie ihn zunächst, so etwa auch auf die dritte Amerikareise. Später hörte sie jedoch damit auf, ihn dabei zu begleiten. Benedikt Peters schreibt dazu: „Mrs. Whitefield begleitete ihren Mann auf seinen zwei nächsten größeren Reisen: Auf seiner dritten Fahrt nach Amerika und einmal nach Schottland. Danach zog sie es aber vor, zu Hause zu bleiben. Das muss für sie weniger schwer gewesen sein. Jede Frau eines reisenden Reichsgottesarbeiters kennt dieses Dilemma. Sie ist gerne mit ihrem Mann zusammen; wenn sie aber mit ihm auf Dienstreise ist, so ist sie zwar bei ihm, und doch nicht bei ihm, weil der Dienst ihn meist so beansprucht, dass er keine Zeit für seine geliebte Frau hat. So findet sie es weniger schmerzlich, in der gewohnten Umgebung des Heimes zu sein und dort wenigstens die Ruhe zu haben, die sie auf den Reisen nicht findet.“ (Peters, Benedikt, George Whitefield, CLV, 2. Aufl. 2003, S. 263)

Nach vielen Jahren treuen und rastlosen Evangelistendienstes (es wird geschätzt, dass er insgesamt ungefähr 30'000 Predigten gehalten habe) zeigte sich, dass der Mensch auch Raubbau mit seinem Körper treiben kann. Täglich viele Kilometer zu reisen und mehrmals pro Tag zu großen Mengen von Menschen zu sprechen, belastet den Körper auf Dauer sehr. Die meisten Prediger und Pastoren kennen auch das Dilemma der selbständig einzuteilenden Zeit: Zeit für die Gemeinde, Zeit für die Familie, Zeit für gesellschaftliche Verpflichtungen, Zeit für sich selbst. Das ist immer wieder neu zu bedenken. Whitefield war mit 55 Jahren verbraucht. Brennend für Gott, die Rettung von Sündern und Gottes Reich – aber auch ausgebrannt. So starb er auf der siebten Reise in Amerika am 30. September 1770 um 6 Uhr früh. Noch am Abend davor hatte er unter großer Anstrengung gepredigt – in der Nacht hatte er mit Asthmaanfällen zu kämpfen und ging heim in die Ewigkeit.

Wer nach diesem kurzen Überblick Lust auf mehr bekommen hat, findet bei CLV das oben zitierte Buch von Benedikt Peters – entweder zum Kauf als Hardcover oder als kostenloser PDF-Download.


Mittwoch, 12. November 2014

Eine Singkultur entwickeln

Die letzten Wochen ist es ruhig geworden um meine noch nicht abgeschlossene Serie zum Thema „Lobpreiskultur“. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass ich nebst dem Bloggen viel anderes zu tun hatte, sondern auch damit, dass der heutige Teil eine ganz besondere Herausforderung ist. Bisher habe ich mich damit befasst, wie man der Gemeinde das Mitsingen einfacher machen kann (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4). Heute möchte ich den Kern des Problems angehen: Viele Menschen singen nicht mit, weil sie keine Gelegenheit hatten, eine Singkultur zu entwickeln. Noch vor einigen Jahrzehnten war es in manchen Berufen üblich, bei der Arbeit zu singen, aber versuche man dies heute mal in der Firma... Vielerorts würde das nicht einmal geduldet. Stattdessen wurde das aktive Singen durch passive Berieselung durch Radio, CD oder Ähnliches ersetzt.

Heute möchte ich ein paar Vorschläge machen, wie man als Gemeinde eine Singkultur entwickeln kann. Ich habe dazu in den vergangenen zwei Monaten einige Blogs und Predigten von Pastoren anderer Gemeinden gelesen und nach Hinweisen dazu gesucht. Eines ist aber wichtig, bevor ich zu den Vorschlägen komme. Wir müssen versuchen, die Hemmschwelle von Anfang an möglichst tief zu halten. Somit sollten die ersten drei oder vier Teile der Serie zumindest überdacht werden, was in der Hinsicht noch vereinfacht werden könnte.

1. Wir brauchen eine tief gegründete Theologie des Lobpreises
Singen ist nicht nur eine Sache, die uns Menschen gut tut. Das stimmt zwar auch, aber ist sekundär. Primär müssen wir sehen, dass wir einen singenden Gott haben. Dies wird in Zephanja 3,17 deutlich. Und weil Gott ein singender Gott ist und uns nach Seinem Bilde geschaffen hat, dürfen wir ein singendes Gottesvolk sein. Lobpreis ist außerdem eine wichtige Art der Antwort von uns Menschen an Gott – oder auch zuweilen ein Gebet oder eine Frage. Lobpreis kann Wunder tun – so etwa die Türen des Gefängnisses öffnen und manch anderes mehr. Beginnen wir also damit, über die Wichtigkeit und Bedeutung des Lobpreises nachzudenken und lassen unser Herz damit erfüllt sein.

2. Wir brauchen eine gesunde Lehre über den Lobpreis
Aus der tief gegründeten Theologie des Lobpreises folgt die gesunde Lehre in der Gemeinde. Wir Menschen tendieren dazu, die Wichtigkeit von Dingen aufgrund der Häufigkeit zu bewerten. Wenn häufig über den Lobpreis gelehrt wird, werden wir ihn auch als etwas Wichtiges empfinden. So braucht es immer wieder eine Erinnerung daran – und zwar nicht nur vom Lobpreisleiter, sondern auch in der Predigt. Es braucht also Predigten über den Lobpreis. Manche Prediger nutzen auch die Predigt-Einleitung, um ein Thema des Lobpreises noch einmal aufzugreifen und zeigen damit, dass er wichtig ist.

3. Wir brauchen gute Vorbilder im Lobpreis
Menschen brauchen sichtbare Vorbilder. Wenn die Ältesten und Leiter der Gemeinde passiv sind im Lobpreis, werden die übrigen Gemeindemitglieder – insbesondere die Männer unter ihnen – sich das zum Vorbild nehmen. Aktive Vorbilder, die mitsingen und sich auch sonst am Lobpreis beteiligen, haben es leichter, eine Singkultur in der Gemeinde zu etablieren. Dabei ist es unwichtig, ob man darin besonders begabt ist oder nicht – das sichtbare Vorbild macht Welten aus.

4. Wir brauchen Lobpreis in allen Bereichen der Gemeinde
Das ist jetzt eine Frage von Gemeindekonzepten. Der Lobpreis soll nicht auf den Gottesdienst am Sonntag beschränkt sein. Sei es bei Lehr- oder Gebetsveranstaltungen, im Kindergottesdienst oder bei den Royal Rangers (oder Jungschar, Pfadfinder oder wie auch immer man das nennt) und in der Jugend. Wenn möglich auch in Hauskreisen und ähnlichen Veranstaltungen. Wenn viel und häufig die Möglichkeit zum Singen geschaffen wird, fällt es leichter, mit einzustimmen.

5. Wir brauchen singende Familien
Ich denke, hier liegt ein großer Knackpunkt. Wer als Kind in der Familie ganz natürlich zum Singen angeleitet wird, hat es auch im späteren Leben viel leichter beim Mitsingen. Ideal wäre natürlich auch eine musikalische Familie, wo zusätzlich gemeinsam Instrumente gespielt werden. Ich persönlich hatte das Privileg, so aufzuwachsen und kann es nur weiterempfehlen. Dies jedoch von jeder Familie zu verlangen, wäre mehr als unrealistisch. Aber zumindest gemeinsame Zeiten des Singens in der Familie – und sei es zu einer leisen Hintergrund-CD – müsste machbar sein. Die heutigen Kinder werden eines kommenden Tages die Instrumentalisten und Sänger in der Gemeinde sein. Durch die Lieder im Lobpreis wird viel wichtige Lehre über Gott weitergegeben. Man darf nicht vergessen, dass die Psalmen mit ihren wunderbaren Aussagen über Gott das Liederbuch, der „Pfingstjubel“ der Bibel sind. Der Befehl von Kolosser 3,16 gilt auch der Familie, sie ist die kleinste Einheit einer göttlichen Versammlung von Menschen.

6. Wir brauchen Anleitung zu allen diesen Punkten
Zum Schluss möchte ich etwas noch einmal verdeutlichen: Nichts von all dem oben Genannten wird einfach so von selbst passieren. Alle diese Punkte brauchen klare Anleitung und Anweisung – und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder. Wir brauchen immer wieder die Reflektion einer Theologie des Lobpreises. Wir brauchen immer wieder Lehre darüber. Wir brauchen immer wieder Ermutigung und Anleitung dazu, wie das in den verschiedenen Bereichen der Gemeinde und auch des Familienlebens umgesetzt werden kann.


Dienstag, 19. August 2014

Timotheus Magazin #16: Die Predigt

Als ich vom Bundescamp zurückkam, wartete da schon die neue Ausgabe des Timotheus-Magazins zum Thema „Die Predigt“ auf mich. Die Grafik auf der Titelseite finde ich richtig ansprechend, ist sie doch eher etwas zurückhaltend und nicht so dominierend, wie es andere Titelgrafiken schon waren. Das Thema ist spannend, und so freute ich mich sehr auf die Lektüre. Eine Anmerkung noch zur gesamten Gestaltung: Mir schien, dass für diese Ausgabe häufig zu kurze Texte geschrieben worden sind, was letztlich durch doppelseitige Bilder und Titel wieder wettzumachen versucht wurde. So etwa auf S. 16/17 oder 32/33.

Hörst du richtig? (S. 4 – 7) von Thomas Reiner
Wer meint, diese Ausgabe sei vor allem für Prediger geschrieben, irrt sich gewaltig. Schon der erste Artikel von Thomas Reiner geht auf das aktive Zuhören der Predigt ein. Mit viel Tiefgang erklärt der Pfarrer der ERKWB Winterthur (CH), wie man sich auf das Hören der Predigt vorbereiten kann, um möglichst viel Segen aus dem Hören zu ziehen. Es ist wichtig, dass wir glauben, um hören zu können. Dass wir beten, um hören zu können. Dass wir die Bibel studieren, um hören zu können. Dass wir das Gelesene und Gehörte anwenden, um hören zu können. Dass wir uns davon begeistern lassen, um hören zu können. Und nicht zuletzt auch dass wir (gerade auch unseren Prediger) lieben, um hören zu können. Ein super Einstieg, der hungrig nach mehr macht.

Wie predigten die Apostel? (S. 8 – 11) von Daniel Facius
Daniel Facius geht in seinem Artikel davon aus, dass alle Christen dazu berufen sind, den letzten Auftrag Jesu an die Apostel (den so genannten Missionsbefehl) auszuführen. Er analysiert in diesem Beitrag die verschiedenen Predigten, die in der Apostelgeschichte abgedruckt sind und zieht daraus drei wichtige Schlüsse: Erstens ist die Predigt immer in Gottes Wort verankert. Zweitens geht sie auf den persönlichen Hintergrund der Zuhörer ein (Paulus spricht anders, ob er vor Juden in der Synagoge oder vor griechischen Philosophen in Athen predigt). Drittens ist das persönliche Zeugnis häufig auch ein wichtiger Zugangspunkt für das Gespräch über den Glauben.

Predige auslegend! (S. 12 – 15) von Thomas Hochstetter
Auf diesen Artikel habe ich mich besonders gefreut, zumal ich auch ein großer Freund der Auslegungspredigt bin. Leider geht der Autor nur am Rande darauf ein, was denn nun diese Art der Predigt tatsächlich ausmacht: „Jesus tat das, was auch schon Esra tat: Er erklärte den Menschen, ausgehend von den Schriften, Gottes Worte. Das ist, was eine Auslegungspredigt ausmacht.“ (S. 14) So weit, so gut, das ist eine korrekte Aussage. Aber würde nicht jeder Prediger – welchen der fünf Predigtstile er auch immer gebraucht – genau das auch sagen? Vermutlich bedürfte es jedoch einer gesamten Ausgabe des Magazins, um darauf einzugehen, was eine Auslegungspredigt ausmacht. Das Literaturverzeichnis (nicht Bibliographie) enthält einige exzellente Titel, von denen ich einzelne auch mal noch vorstellen möchte.

Warum ist geistliche Unterweisung wichtig? (S. 16 – 19) von Waldemar Dirksen
Waldemar Dirksen erklärt anhand der Ereignisse mit den zwei Emmaus-Jünger, weshalb geistliche Unterweisung so wichtig ist. Sie dient dazu, ein Feuer in unseren Herzen zu entfachen. Sie ist die Antwort auf die geistliche Not Israels, auf die geistliche Not der zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus, und auch auf unsere heutige geistliche Not.

Die berühmteste Predigt aller Zeiten! (S. 20 – 23) von Ludwig Rühle
Schon der Titel macht klar, dass es hier um die Bergpredigt gehen muss. Tatsächlich zeigt Ludwig Rühle auf, worum es in der größten Predigt aller Zeiten geht: Zuerst um unsere Beziehung zu Gott, dann um unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen – und am Ende um den Zusammenhang zwischen den beiden Bereichen: „Im abschließenden Gleichnis vom klugen und vom törichten Baumeister fordert uns Jesus eindringlich auf, seine Worte nicht nur zu hören, sondern auch zu tun. Doch das müssen wir beachten: Es geht ihm auch hier in erster Linie nicht um dein Handeln, sondern um dein Herz. Nicht dein Handeln bestimmt dein Herz, sondern dein Herz bestimmt dein Handeln! Doch das wird durch Jesu Worte offensichtlich, dein Handeln zeigt, womit dein Herz gefüllt ist.“ (S. 22)

Predigt im Alten Testament (S. 24 – 27) von Andreas Münch
Andreas Münch skizziert in seinem Beitrag kurz und prägnant den Untergang der echten Predigt im Alten Testament: Diese Aufgabe war den Priestern gegeben, doch wurde sie immer schlechter – wenn überhaupt noch – ausgeführt, sodass Gott immer neue Propheten sandte, um die Priester an ihre Aufgabe zu erinnern. Er zeigt anhand der Erweckungen, die im Alten Testament überliefert sind, dass Gottes Wort und die Predigt dabei immer eine zentrale Rolle spielen. Der Artikel wird durch ein Plädoyer für die Predigt des Alten Testaments gekrönt: „Doch die wichtigste Lektion für uns heute ist diese, dass das Alte Testament selber gepredigt werden will, angefangen von Genesis bis Maleachi. Das Alte Testament scheint für viele Gemeinden wie ein Löwe zu sein, der zu mächtig brüllen könnte, als wir es ertragen würden. Und so lässt man den Löwen lieber schlafen. Es braucht wieder mutige Männer, die sich als Werkzeuge gebrauchen lassen, damit die Verheißung aus Joel 4,16 in unseren Gemeinden Realität wird: „Wie Löwengebrüll, wie Donnergrollen schallt vom Zionsberg in Jerusalem die Stimme des Herrn und lässt Himmel und Erde erzittern. Doch für sein Volk ist der Herr eine sichere Zuflucht und eine schützende Burg.“ (Gute Nachricht Bibel)“ (S. 27)

Wahre Reformation... führt zu echtem Gottesdienst (S. 28 – 31) von Jochen Klautke
In diesem Artikel geht es weniger um die Predigt, als vielmehr um den Gottesdienst. Ausgehend von dem Gottesdienst, den Josia im Zuge seiner Reformation gefeiert hat, nennt Jochen Klautke sechs Merkmale, die einen echten Gottesdienst ausmachen. Klar ist der erste Punkt: Gottes Wort ist zentral. Die Predigt ist Mittelpunkt des Gottesdienstes, weil das die Zeit ist, in der Gott in einer ganz besonderen Weise zur Gemeinde spricht. Der zweite Punkt vom Ablauf des Gottesdienstes ist da schon etwas weniger durchsichtig. Wer letzten Endes wissen möchte, ob seine Gemeinde das nun „richtig“ oder „falsch“ macht, bleibt vom Autor weitgehend allein gelassen. Auch die weiteren Punkte wären durchaus ausbaufähig, sodass es dem Leser einfacher fallen würde, Gottesdienste nach klaren Kriterien zu beurteilen, wenn dies schon gefordert wird.

Die Predigt der Urchristen (S. 32 – 35) von Brian H. Edwards
Der letzte Artikel ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Wenn die Show das Wort erschlägt“. Der Artikel setzt sich mit dem Argument auseinander, ob unsere Zeit sich tatsächlich so sehr vom ersten Jahrhundert unterscheidet, in dem die Apostel gepredigt hatten. Sein Fazit ist, dass dies nicht der Fall ist, sondern ziemlich viele Parallelen bestehen. Edwards schließt mit den lesenswerten Worten: „Die ersten Christen evangelisierten das Römische Reich mit der effektivsten Waffe des Predigens, und sie beeinflussten die Gesellschaft so enorm, dass sie das Gesicht des gesamten Reiches veränderten. Die Gefahr heute besteht darin, dass die Welt das Gesicht der Gemeinde verändert.“ (S. 35)

Ich kann diese Ausgabe sehr empfehlen. Mein persönlicher Favorit war diesmal der erste Artikel über das Hören der Predigt. Gefehlt hat mir allerdings eine etwas ausführlichere Rezension eines guten Buches zur Auslegungspredigt. Wer die Zeitschrift noch nicht abonniert hat, kann dies hier tun.

Samstag, 5. April 2014

Fragen zur Predigtvorbereitung

Für den Blog von Marc Strunk habe ich ein paar Fragen zu meiner persönlichen Praxis des Vorbereitens und des Haltens von Predigten beantwortet (Link). Ich fand die Auseinandersetzung mit den Fragen sehr hilfreich - auch gerade für mich selbst, um mir einmal mehr klar zu werden, wie ich das mache und was ich noch lernen sollte.

In einer Diskussion kam die Frage auf, welche Kommentare ich verwenden würde. Zu den Kommentaren gibt es hier eine sehr gute Ressource (ich arbeite hauptsächlich mit englischen Kommentaren, da es meiner Meinung nach auf deutsch keine echten Alternativen gibt. Abgesehen von den Kommentaren aus der Zeit der Reformation, die zum Teil übersetzt sind und die neuere Serie HTA [Historisch-Theologische Auslegung], von der jedoch erst wenige Bände erschienen sind).

Zum Alten Testament ist die englische Serie NICOT (New International Commentary on the Old Testament) sehr zu empfehlen. Zum Neuen Testament wäre es vor allem NIGTC (New International Greek Testament Commentary), wobei hier auch noch einiges fehlt. Zum Epheserbrief zum Beispiel habe ich den besten Kommentar in der PNTC (Pillar New Testament Commentary) Serie gefunden (von Peter T. O'Brien), zu den Johannesbriefen in der BECNT (Baker Exegetical Commentary on the NT) Serie (von Robert W. Yarbrough).

Auf ein anderes Buch möchte ich auch noch hinweisen. In der Beantwortung von Marcs Fragen nenne ich als wichtigen Einfluss Dr. Martyn Lloyd-Jones. Sein Buch "Die Predigt und der Prediger" ist mein wichtigstes Buch zum Predigen. Ich versuche, es einmal pro Jahr zu lesen.

Montag, 23. September 2013

Christsein, das ist im Licht leben

(Diese Predigt kann in meinem Predigtarchiv auch als MP3 angehört oder heruntergeladen werden.)

Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, dass Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. (1. Johannes 1, 5 - 7)

Nachdem wir vorletzte Woche mit dem 1. Johannesbrief begonnen haben, werden wir heute damit fortfahren. Johannes hat uns in den ersten vier Versen gezeigt, dass es wichtig ist, dass wir mit Gott und unseren Geschwistern im Glauben in Gemeinschaft leben und dass diese Gemeinschaft zur Freude führen wird. Diese vier ersten Verse sind die Einleitung in diesen Brief. In den Versen von heute legt er das Fundament für das Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Lesen wir im 1. Johannes im ersten Kapitel die Verse 5 – 7.

Wir sehen hier das Fundament, das Johannes legt. Er fängt damit an, dass er sagt, dass Gott Licht ist. Ganz wichtig ist hier zu sehen, dass Johannes hier mit Gott anfängt. Die Bibel fängt immer mit Gott an, nie mit dem Menschen. Hier fängt Johannes mit Gott an. In seinem Evangelium fängt er mit Gott an: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (Joh. 1,1) oder der Anfang des AT: Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. (1.Mo. 1,1) Immer fängt die Bibel mit Gott an. Und weil die Bibel das tut, sollen wir das auch tun.

Das ist auch der Grund, weshalb es mir wichtig ist, dass wir immer wieder fortlaufende Auslegungspredigten haben. In der heutigen Zeit möchte man nicht mehr mit Gott anfangen, sondern sehr oft steht der Mensch am Anfang und im Zentrum der Predigten. Wenn man nicht diese Art der fortlaufenden Auslegungspredigten hält, so ist die Gefahr sehr groß, dass man mit dem Menschen, mit seinen Problemen oder mit den Lieblingsthemen des Predigers anfängt. Und das ist dann erstens sehr unausgewogen, weil immer wieder die gleichen Themen kommen und zweitens wird der Text sehr oft nur als Sprungbrett gebraucht, um zu dem zu führen, was der Prediger sagen möchte.

Eine Predigt besteht jedoch nie aus den Gedanken eines Predigers über einen Bibeltext, sondern die Predigt ist Gottes Wort an uns im Hier und Jetzt. Predigen heißt nämlich, die Bibel zu nehmen. Und sie ernst zu nehmen. Und den Text, der dort steht in seinem Kontext für die heutige Zeit verständlich auszulegen und auf unsere Zeit anzu-wenden. Und wenn man fortlaufend predigt, ist man erstens gezwungen, sich mit all den Themen der Bibel zu beschäftigen, was für Ausgewogenheit sorgt und hilft zweitens, dass man den Text nicht aus seinem Kontext herausreißt. Predigen heißt also, die Bibel zu kennen und gleichzeitig auch die heutige Zeit zu kennen, weil die Menschen der heutigen Zeit es verstehen sollen. In gewisser Weise sollte jeder von uns diese zwei Sprachen sprechen und die Sprache der Bibel für die heutige Zeit verständlich übersetzen können.

1. Gott ist Licht – und wir auch!
Johannes hat uns bereits gesagt, dass er den Brief geschrieben hat, damit unsere Freude vollkommen werden soll. Und nun fährt er fort, uns zu erklären, wie das geschehen soll. Was sagt er dazu? DAS ist die Botschaft, die ich euch sagen muss: Nämlich: Gott ist... was? Was würden wir an der Stelle erwarten? Dass Gott Liebe sei? Ja, das sagt er später im Brief auch. Aber hier sagt er uns, dass die wichtigste Botschaft über Gott die ist, dass Gott Licht ist und dass in Ihm keine – absolut keine – Finsternis ist. Und dies ist der Grund, weshalb jeder Mensch von Grund auf ein Problem mit Gott hat. Nicht Gott hat ein Problem mit dem Menschen, sondern der Mensch mit Gott.

Der Mensch tendiert dazu, seine Schwächen verstecken zu wollen. Er schämt sich dafür, nicht perfekt zu sein. Und das zeigt auch, weshalb er nicht von Grund auf in der Gemeinschaft mit Gott leben kann. Er hält es dort nicht aus, weil Gott Licht ist. Und wenn er in diesem Licht leben wollte, so kämen alle seine Sünden zum Vorschein, und er müsste sich mit ihnen auseinandersetzen.

Genau davon sprach der Herr Jesus im Gespräch mit Nikodemus: Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind. (Johannes 3, 19 - 21)

Weil Gott Mensch wurde und so das Licht in die Finsternis kam, hat die Welt begonnen, das Licht zu hassen. Wo Jesus hinkam, wurden Menschen von ihren Sünden überführt. Und das wollten sie nicht. Es ist natürlich auch sehr unangenehm, wenn man mal einen Blick in das eigene, verdorbene Herz werfen muss. Doch der Herr Jesus bietet uns nicht nur diesen Blick in die eigene Verdorbenheit, sondern Er will uns ein neues Herz schenken. Auf Chaos folgt immer das Gericht und dann die Wiederherstellung. Zuerst muss der Mensch einsehen, dass er Hilfe braucht. Dann schreit er nach dem großen Seelenarzt und wird so neu gemacht. Der Herr Jesus hat die Strafe für all unsere Sünden, für all unsere Schande, für all unsere Rebellion am Kreuz auf Golgatha bezahlt. Wenn du an Ihn glaubst und dich auf die Seite Gottes stellst und dein Leben anschaust und Gott recht gibst, dass du es verdienen würdest, diese Schuld durch ewige Trennung von Gott selbst bezahlen zu müssen, aber glaubst, dass der Herr Jesus diese Schuld bezahlt hat, dann wird Er dir ein neues Herz schenken.

Und jetzt kommt was ganz Spezielles. Nicht nur Gott ist Licht, auch wir sollen Licht sein. Unser Leben soll so sein, dass die Menschen in uns Gott erkennen können. Das Licht ist durch den Heiligen Geist in dein Leben eingezogen. Jetzt soll es nach außen sichtbar werden. Wie der Herr Jesus in der Bergpredigt sagte: Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Matth. 5, 14 - 16)

2. Gemeinschaft mit Gott – in allem!
Deshalb fährt Johannes auch fort in seinem Brief: Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. (1. Joh. 1, 6 – 7) Es geht immer noch darum, dass Gott Licht ist. Und jetzt wird uns die Konsequenz aufgezeigt. Die besteht darin, dass wenn Gott Licht ist, und jemand behauptet, dass er mit Gott Gemeinschaft hat, dann sieht man an seinem Verhalten, ob das stimmt. Wenn er immer etwas zu verbergen hat und anderen perfektes Leben vorspielen muss, dann kann da was nicht stimmen. Wir sollen auf der einen Seite in unserem Leben Gottes Charakter widerspiegeln aber zugleich nicht so, dass andere nur die Fassade der Perfektion sehen können. Jeder von uns braucht immer wieder Hilfe, und dafür hat Gott uns die Gemeinde geschenkt.

Wenn die Menschen in uns das Licht Gottes sehen sollen, so heißt das, dass wir nicht das Recht haben, uns in ein Kloster zurückzuziehen, sondern unser Leben in der Welt, sichtbar gestalten sollen. Das meinte der Herr Jesus in Seinem wunderbaren Gebet: Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. (Johannes 17, 14 - 16)

Die Menschen, die ihre Verderbtheit nicht sehen wollen, die hassen uns, und zwar deshalb, weil unser Leben ihnen zeigt, was ihnen fehlt. Deshalb braucht uns dieser Hass auch nicht zu erschrecken, er ist einfach ein Teil unseres Lebens. Unser Auftrag ist es, sie trotz dieses Hasses gegen uns zu lieben und ihnen das Beste zu tun.

Wir sind in der Welt, aber nicht von der Welt. Deshalb möchte ich den Begriff der Zweisprachigkeit einführen. Ich habe bereits in der Einleitung heute darüber gesprochen. Wir müssen einerseits die Bibel kennen und in ihr zu Hause sein. Zugleich aber auch unsere Zeit und Kultur kennen und in ihr zu Hause sein. Das sind zwei verschiedene Sprachen, die wir immer wieder übersetzen müssen.

Es gibt jedoch eine ganz große Schwierigkeit in unserer heutigen Christenheit. Sie besteht darin, dass wir unser Leben, das in der Welt aber nicht von der Welt sein soll, aufgespalten haben. Wir haben es in zwei Teile aufgeteilt. Nennen wir sie den geistlichen Teil und den praktischen Teil. Oder den privaten und den öffentlichen Teil unseres Lebens. Im geistlichen oder privaten Teil gilt uns das, was Gott uns sagt, und im praktischen oder öffentlichen Teil haben wir zugelassen, dass die Welt bestimmen darf, was für uns gelten soll. Das ist wie ein Mensch mit multipler Persönlichkeit. Eigentlich gibt uns die Bibel eine umfassende Weltanschauung, die alle Dinge des Lebens umfasst, doch wir haben der Welt erlaubt, uns für die öffentlichen Dinge eine der Bibel diametral entgegenstehende Weltanschauung aufzuzwingen.

3. Gott ist Licht - für alle!
Wir haben gesehen, dass Gott Licht ist. Und weil Gott Licht ist, ist Er Licht nicht nur für uns Christen, sondern für alle Menschen. Aus diesem Grund ist es auch so wichtig, dass wir uns nicht aus der Welt zurückziehen, sondern uns in ihr betätigen, zur Ehre Gottes. Wenn wir wählen gehen, dann wählen wir zur Ehre Gottes. Wenn wir zur Arbeit gehen, gehen wir zur Ehre Gottes. Wenn wir die Spülmaschine einschalten, geschieht dies zur Ehre Gottes. Gott hat uns zu Seiner Ehre geschaffen und zu Seiner Ehre mit Fähigkeiten ausgestattet, mit einem Verstand, mit Neugier, Kreativität. Dadurch, dass wir etwas in der Welt bewegen, ehren wir Gott.

Viele Christen haben das Gefühl, dass sie nur dann richtig zur Ehre Gottes leben können, wenn sie in die Mission oder in den Pastorendienst gehen. Das ist völlig falsch. Der Großteil des Lebens für Gott findet außerhalb von unserem Gemeindegebäude statt. Er findet in deiner Wohnung statt, an deinem Arbeitsplatz, in deinem Auto oder auf deinem Fahrrad, wo immer du bist.

Gott hat die Welt geschaffen und den Menschen und ihn auf die Erde gestellt und ihm den Auftrag gegeben, die Erde in Besitz zu nehmen, sie zu bebauen und zu pflegen. Wo Menschen Kultur schaffen, wird Gottes Ebenbild sichtbar. Wenn wir Musik genießen, wird Gott geehrt weil Er uns so geschaffen hat, dass wir sie genießen können.

Dann kam der Sündenfall. Der hat die Harmonie zwischen Gott und Mensch, die Harmonie zwischen Mensch und Mensch, so wie die Harmonie zwischen Mensch und Natur zerstört. Missverständnisse, Sprachverwirrung, Schweiß bei der Arbeit, Sünde, Schmerzen, Krankheit und Tod haben Einzug gehalten. Der Auftrag blieb der selbe. Stück für Stück hat uns Gott die Bedienungsanleitung für diese Welt übermittelt. Und am Schluss ist Er Selbst gekommen, um die Möglichkeit zu schaffen, dass die Harmonie wiederhergestellt werden kann. Wer sein Leben mit Jesus lebt in der Gemeinschaft und im Licht Gottes, darf erleben, wie Gott Sich das alles gedacht hat. Und wir dürfen den Menschen, die das noch nicht wissen, helfen darauf zu kommen. Das ist es, was Licht sein bedeutet.

Das ist die Weltanschauung, die uns die Bibel gibt. Gott hat alles sehr gut geschaffen, doch der Mensch hat gegen diesen Gott rebelliert. So ist nun alles von dieser Rebellion betroffen und verderbt. Dennoch bleibt der Auftrag derselbe: Der Mensch soll als Ebenbild Gottes die Erde in Besitz nehmen, pflegen, erforschen, Neues entdecken und erfinden, und so weiter. Wenn Menschen dies tun, sieht man Gottes Ebenbild in Aktion.

Wenn wir Licht sein wollen in dieser Zeit, so haben wir den Auftrag, hierbei zu helfen. Wir sollen uns nicht ins Kloster zurückziehen, sondern Licht sein bringt nur dort etwas, wo es dunkel ist. Unser eigentlicher Auftrag ist nicht nur in der Gemeinde, geistliches Leben findet in deiner Familie, an deinem Arbeitsplatz, wo immer du bist, statt. Die Zeit in der Gemeinde ist zur Stärkung und Ausrichtung auf Gott gedacht, und auch um Menschen einzuladen, von Gott zu hören. Aber sie dient nicht zum Selbstzweck, sondern dazu, ausgerüstet zu werden und dann so in den eigentlichen täglichen Kampf des Lebens zu ziehen. Licht sein heißt auch, dass wir uns dafür einsetzen, dass es in dieser Welt weniger Ungerechtigkeit gibt, dass Missverständnisse ausgeräumt werden und dass Vergebung passieren kann.

Schluss
Wir haben gesehen, dass Gott Licht ist, und dass dieses Licht darin besteht, dass alles aufgedeckt wird, was falsch gelaufen ist oder läuft. Wenn wir im Licht Gottes leben, werden Dinge sichtbar, die wir nicht sehen wollen. Aber wir müssen uns dem stellen und uns selbst vor Gott verurteilen. So wird in unserem Leben dieses göttliche Licht sichtbar, nämlich dass wir mit Gott Gemeinschaft haben. Wir sollen auch Licht sein in dieser Welt. Dies geschieht dadurch, dass wir die Welt mit Gottes Augen betrachten und uns dafür einsetzen, dass die Dinge, die beim Sündenfall kaputt gegangen sind, wiederhergestellt werden, indem Menschen von Jesus hören und indem die Ungerechtigkeit in der Welt bekämpft wird.