Mittwoch, 27. August 2014

Bibliothek der Weltliteratur 1: Die Bibel

Vor Kurzem bin ich auf ein Projekt gestoßen, das mir – Schande über mein Haupt – noch gar nicht bekannt war. 1978 – 1981 wurde in der Zeitschrift DIE ZEIT eine Bibliothek der wichtigsten 100 Bücher der bisherigen Geschichte zusammengestellt und jede Woche eines davon vorgestellt. Ich finde die Zusammenstellung ziemlich gut gelungen – die einzelnen Artikel über die Bücher haben allerdings sehr unterschiedliche Qualität. Die Zusammenstellung findet sich natürlich auch auf Wikipedia. Ich möchte mich an dieser Zusammenstellung orientieren und in loser Reihenfolge einige dieser – und vermutlich auch andere – Bücher vorstellen, die meiner Meinung nach zu den großen Büchern der Weltliteratur gehören.

Weltbestseller Nr. 1
Über kaum ein anderes Buch wurde und wird mehr gestritten und diskutiert. Kaum ein anderes Buch hatte jemals so großen Einfluss wie die Bibel. Und so erstaunt es auch nicht, dass die Bibel seit Langem der absolute Weltbestseller Nr. 1 ist. Im Juli diesen Jahres berichtete die United Bible Society, dass die ganze Bibel (Altes und Neues Testament) bereits in 511 verschiedenen Sprachen übersetzt sei. Zusätzlich sei das Neue Testament in weiteren 1295 Sprachen erhältlich. Schon allein im Jahr 2012 wurden über 405 Millionen biblische Schriften (ganze Bibel, Neue Testamente oder weitere Teile der Bibel) über die nationalen Bibelgesellschaften verbreitet.

Das Buch unserer westlichen Kultur
Unsere westliche Kultur wäre ohne die Bibel undenkbar. Wir verdanken ihr ungeheuer viel, denn wie kein anderes Buch hat sie unsere Gesellschaft geprägt, lange Zeit unser gesellschaftliches Denken geschaffen und erhalten, hat die Entstehung der Menschenrechte und unserer westlichen Demokratie und Freiheit ermöglicht. Die Abschaffung der amerikanischen Sklaverei und die Stärkung der Rechte dieser Menschen wurde durch Leute vorangetrieben, die sich auf die Bibel gestützt haben und sie ernst nahmen. Die Bibel hat die Bildung aller Bevölkerungsschichten stark unterstützt, gerade da das Konzept der Bildung ihr direkt entspringt. Heute hört man häufig, dass die Probleme dieser Welt mit genügend Bildung gelöst werden könnten. Doch wohin Bildung ohne Christus führt, haben wir im letzten Jahrhundert mit seinen zwei Weltkriegen und dem braunen und roten Sozialismus zur Genüge gesehen. Wenn sich unsere Gesellschaft nicht wieder auf die Bibel und auf Christus besinnt, ist sie dazu verdammt, die Geschichte mit einem momentan zunehmenden politisch grünen Sozialismus zu wiederholen.

Das Wunder der Bibel
Kein anderes Buch wurde öfter verbrannt und hat doch bis heute überlebt. Die Bibel ist ein Buch der Wunder. Nicht nur, weil darin einige enthalten sind. Sie ist außerdem über den langen Zeitraum von 1500 Jahren entstanden und es gab über 40 Personen, die an ihr mitgearbeitet haben in diesem Zeitraum – und dennoch präsentiert sie sich als ein Ganzes, eine Einheit, eine große Geschichte, die sich zwar stückweise entfaltet, aber dennoch ohne echte Widersprüche auskommt. Sie hat nicht nur über 40 Menschen, die an ihr geschrieben haben, sondern vielmehr ist sie durch diese einzelnen menschlichen Autoren, die alle in ihrer einzigartigen Persönlichkeit Teil des Ganzen geworden sind, das Werk des lebendigen Gottes – des Gottes Abrahams, Isaaks, Jakobs, Josefs, Moses, Josuas, Davids, Elias, Jesu, Paulus und vieler mehr – bis auf den heutigen Tag. Die Bibel enthält die Geschichte Gottes – von der Erschaffung der Himmel und der Erde über den Sündenfall des Menschen und die Geschichte der Erlösung bis zur Ewigkeit in der Herrlichkeit bei Gott oder in der ewigen Trennung von Ihm: Was Gott getan hat, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verlorengehen, sondern ewiges Leben haben. (Johannes 3,16) Das Wunder der Bibel ist nicht so sehr, dass Gott alle möglichen Wunder tun kann. Das größte Wunder ist, dass Gott Menschen, die sich von Ihm abgewandt haben und Ihn mit ihrem ganzen Leben verachten, trotzdem so sehr liebt und sie zu Seinen Kindern macht, ihre Schuld übernimmt und deren Preis bezahlt und ihnen ein neues Leben schenkt – ein Leben in Frieden mit Ihm, mit sich selbst und mit seiner Umgebung.

Dienstag, 19. August 2014

Timotheus Magazin #16: Die Predigt

Als ich vom Bundescamp zurückkam, wartete da schon die neue Ausgabe des Timotheus-Magazins zum Thema „Die Predigt“ auf mich. Die Grafik auf der Titelseite finde ich richtig ansprechend, ist sie doch eher etwas zurückhaltend und nicht so dominierend, wie es andere Titelgrafiken schon waren. Das Thema ist spannend, und so freute ich mich sehr auf die Lektüre. Eine Anmerkung noch zur gesamten Gestaltung: Mir schien, dass für diese Ausgabe häufig zu kurze Texte geschrieben worden sind, was letztlich durch doppelseitige Bilder und Titel wieder wettzumachen versucht wurde. So etwa auf S. 16/17 oder 32/33.

Hörst du richtig? (S. 4 – 7) von Thomas Reiner
Wer meint, diese Ausgabe sei vor allem für Prediger geschrieben, irrt sich gewaltig. Schon der erste Artikel von Thomas Reiner geht auf das aktive Zuhören der Predigt ein. Mit viel Tiefgang erklärt der Pfarrer der ERKWB Winterthur (CH), wie man sich auf das Hören der Predigt vorbereiten kann, um möglichst viel Segen aus dem Hören zu ziehen. Es ist wichtig, dass wir glauben, um hören zu können. Dass wir beten, um hören zu können. Dass wir die Bibel studieren, um hören zu können. Dass wir das Gelesene und Gehörte anwenden, um hören zu können. Dass wir uns davon begeistern lassen, um hören zu können. Und nicht zuletzt auch dass wir (gerade auch unseren Prediger) lieben, um hören zu können. Ein super Einstieg, der hungrig nach mehr macht.

Wie predigten die Apostel? (S. 8 – 11) von Daniel Facius
Daniel Facius geht in seinem Artikel davon aus, dass alle Christen dazu berufen sind, den letzten Auftrag Jesu an die Apostel (den so genannten Missionsbefehl) auszuführen. Er analysiert in diesem Beitrag die verschiedenen Predigten, die in der Apostelgeschichte abgedruckt sind und zieht daraus drei wichtige Schlüsse: Erstens ist die Predigt immer in Gottes Wort verankert. Zweitens geht sie auf den persönlichen Hintergrund der Zuhörer ein (Paulus spricht anders, ob er vor Juden in der Synagoge oder vor griechischen Philosophen in Athen predigt). Drittens ist das persönliche Zeugnis häufig auch ein wichtiger Zugangspunkt für das Gespräch über den Glauben.

Predige auslegend! (S. 12 – 15) von Thomas Hochstetter
Auf diesen Artikel habe ich mich besonders gefreut, zumal ich auch ein großer Freund der Auslegungspredigt bin. Leider geht der Autor nur am Rande darauf ein, was denn nun diese Art der Predigt tatsächlich ausmacht: „Jesus tat das, was auch schon Esra tat: Er erklärte den Menschen, ausgehend von den Schriften, Gottes Worte. Das ist, was eine Auslegungspredigt ausmacht.“ (S. 14) So weit, so gut, das ist eine korrekte Aussage. Aber würde nicht jeder Prediger – welchen der fünf Predigtstile er auch immer gebraucht – genau das auch sagen? Vermutlich bedürfte es jedoch einer gesamten Ausgabe des Magazins, um darauf einzugehen, was eine Auslegungspredigt ausmacht. Das Literaturverzeichnis (nicht Bibliographie) enthält einige exzellente Titel, von denen ich einzelne auch mal noch vorstellen möchte.

Warum ist geistliche Unterweisung wichtig? (S. 16 – 19) von Waldemar Dirksen
Waldemar Dirksen erklärt anhand der Ereignisse mit den zwei Emmaus-Jünger, weshalb geistliche Unterweisung so wichtig ist. Sie dient dazu, ein Feuer in unseren Herzen zu entfachen. Sie ist die Antwort auf die geistliche Not Israels, auf die geistliche Not der zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus, und auch auf unsere heutige geistliche Not.

Die berühmteste Predigt aller Zeiten! (S. 20 – 23) von Ludwig Rühle
Schon der Titel macht klar, dass es hier um die Bergpredigt gehen muss. Tatsächlich zeigt Ludwig Rühle auf, worum es in der größten Predigt aller Zeiten geht: Zuerst um unsere Beziehung zu Gott, dann um unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen – und am Ende um den Zusammenhang zwischen den beiden Bereichen: „Im abschließenden Gleichnis vom klugen und vom törichten Baumeister fordert uns Jesus eindringlich auf, seine Worte nicht nur zu hören, sondern auch zu tun. Doch das müssen wir beachten: Es geht ihm auch hier in erster Linie nicht um dein Handeln, sondern um dein Herz. Nicht dein Handeln bestimmt dein Herz, sondern dein Herz bestimmt dein Handeln! Doch das wird durch Jesu Worte offensichtlich, dein Handeln zeigt, womit dein Herz gefüllt ist.“ (S. 22)

Predigt im Alten Testament (S. 24 – 27) von Andreas Münch
Andreas Münch skizziert in seinem Beitrag kurz und prägnant den Untergang der echten Predigt im Alten Testament: Diese Aufgabe war den Priestern gegeben, doch wurde sie immer schlechter – wenn überhaupt noch – ausgeführt, sodass Gott immer neue Propheten sandte, um die Priester an ihre Aufgabe zu erinnern. Er zeigt anhand der Erweckungen, die im Alten Testament überliefert sind, dass Gottes Wort und die Predigt dabei immer eine zentrale Rolle spielen. Der Artikel wird durch ein Plädoyer für die Predigt des Alten Testaments gekrönt: „Doch die wichtigste Lektion für uns heute ist diese, dass das Alte Testament selber gepredigt werden will, angefangen von Genesis bis Maleachi. Das Alte Testament scheint für viele Gemeinden wie ein Löwe zu sein, der zu mächtig brüllen könnte, als wir es ertragen würden. Und so lässt man den Löwen lieber schlafen. Es braucht wieder mutige Männer, die sich als Werkzeuge gebrauchen lassen, damit die Verheißung aus Joel 4,16 in unseren Gemeinden Realität wird: „Wie Löwengebrüll, wie Donnergrollen schallt vom Zionsberg in Jerusalem die Stimme des Herrn und lässt Himmel und Erde erzittern. Doch für sein Volk ist der Herr eine sichere Zuflucht und eine schützende Burg.“ (Gute Nachricht Bibel)“ (S. 27)

Wahre Reformation... führt zu echtem Gottesdienst (S. 28 – 31) von Jochen Klautke
In diesem Artikel geht es weniger um die Predigt, als vielmehr um den Gottesdienst. Ausgehend von dem Gottesdienst, den Josia im Zuge seiner Reformation gefeiert hat, nennt Jochen Klautke sechs Merkmale, die einen echten Gottesdienst ausmachen. Klar ist der erste Punkt: Gottes Wort ist zentral. Die Predigt ist Mittelpunkt des Gottesdienstes, weil das die Zeit ist, in der Gott in einer ganz besonderen Weise zur Gemeinde spricht. Der zweite Punkt vom Ablauf des Gottesdienstes ist da schon etwas weniger durchsichtig. Wer letzten Endes wissen möchte, ob seine Gemeinde das nun „richtig“ oder „falsch“ macht, bleibt vom Autor weitgehend allein gelassen. Auch die weiteren Punkte wären durchaus ausbaufähig, sodass es dem Leser einfacher fallen würde, Gottesdienste nach klaren Kriterien zu beurteilen, wenn dies schon gefordert wird.

Die Predigt der Urchristen (S. 32 – 35) von Brian H. Edwards
Der letzte Artikel ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Wenn die Show das Wort erschlägt“. Der Artikel setzt sich mit dem Argument auseinander, ob unsere Zeit sich tatsächlich so sehr vom ersten Jahrhundert unterscheidet, in dem die Apostel gepredigt hatten. Sein Fazit ist, dass dies nicht der Fall ist, sondern ziemlich viele Parallelen bestehen. Edwards schließt mit den lesenswerten Worten: „Die ersten Christen evangelisierten das Römische Reich mit der effektivsten Waffe des Predigens, und sie beeinflussten die Gesellschaft so enorm, dass sie das Gesicht des gesamten Reiches veränderten. Die Gefahr heute besteht darin, dass die Welt das Gesicht der Gemeinde verändert.“ (S. 35)

Ich kann diese Ausgabe sehr empfehlen. Mein persönlicher Favorit war diesmal der erste Artikel über das Hören der Predigt. Gefehlt hat mir allerdings eine etwas ausführlichere Rezension eines guten Buches zur Auslegungspredigt. Wer die Zeitschrift noch nicht abonniert hat, kann dies hier tun.

Montag, 18. August 2014

Royal Rangers Bundescamp 2014 in Neufrankenroda

Vom 8. - 15. August 2014 fand das Bundescamp der Royal Rangers in Neufrankenroda (Thüringen / Kreis Gotha) statt. 15'000 Teilnehmer trafen sich dort auf dem Gelände des Hofgutes Siloah. Ich hatte das Vorrecht, sowohl das Vorcamp mit dem Aufbau und der Vorbereitung, als auch das Hauptcamp mit meinem Royal-Rangers-Team miterleben zu dürfen.


Vorcamp (3. - 7. August)

Am Sonntag, dem 3. August begann unsere Reise vormittags mit einem Bus ab Schramberg. Gegen 15.00 Uhr trafen wir am Ziel an – auf dem Hofgut der Familienkommunität Siloah e.V. Dies ist ein Bauernhof, eine evangelische Lebensgemeinschaft, eine evangelisch-lutherische Kirchgemeinde und ein Treffpunkt für Jugendarbeit in einem. Nachdem bereits 1997 und 2005 an dem Ort Bundescamps der Royal Rangers Deutschland stattgefunden hatten, war auch dieses Jahr der Platz derselbe – das benutzte Gelände allerdings rund doppelt so groß wie 2005.

Eineinhalb Jahre intensiver Planung gingen dem Camp voraus, manche Dinge wie zum Beispiel die Trinkwasserversorgung beschäftigten auch schon im Sommer 2011 die Leitung von Siloah und das Bundescamp-Team der Royal Rangers, wie ein Bericht aus der Thüringer Allgemeinen zeigt. Beim Betreten des Geländes am ersten Sonntag fiel lediglich das riesige Stahlgerüst der Burg auf – eine Arena von 140x140 Metern, die allen Teilnehmern Platz für die Abendveranstaltungen gewähren sollte.

In den folgenden Tagen gab es viel zu tun: Die Burg musste „bekleidet“ werden, also das nackte Stahlgerüst wurde mit bemalten Tüchern, welche die Burgmauer darstellten, überzogen, die Band übte die Lieder, die Regionen (insgesamt gibt es 32 Regionen der Royal Rangers in Deutschland) fertigten ihre Regionalbauten, Bistro- und Workshopplätze an. Unsere Region BW-8 (Schwarzwald) bildete mit einer Holzkonstruktion und schwarzen Zeltplanen das Kloster Alpirsbach nach. Auch die Gemeinschaft kam nicht zu kurz, denn beim Anstehen zu den Mahlzeiten fand man immer wieder Zeit und bekannte Gesichter, die für a schees Schwätzle zu haben waren.
Die Tage begannen um 7:00 Uhr mit einer Morgenandacht in der Burg, die nach einer Gebetszeit in kleinen Gruppen ins Frühstück mündeten. Um 9:30 Uhr begann die Arbeit – entweder an den Bundesbauten (Burg, Soli Deo Gloria Dom, Kaufhaus, etc.), den Regionalbauten oder an den einzelnen Stammplätzen. Viel Neues durfte ich dabei lernen – unter anderem der Umgang mit dem Erdbohrer.



Hauptcamp (8. - 15. August)

Am Freitag, dem 8. August kamen die Teilnehmer an. Sie waren frühmorgens losgefahren, um zur Mittagszeit den Campplatz zu erreichen. Nun begann ein gut gefülltes Programm: Jedes Team hatte einen Teamplatz zugewiesen bekommen, auf welchem das Teamzelt, ein überdachter Esstisch, ein Feuertisch (Feuer direkt auf dem Boden ist in Camps verboten) und ein Sicherheitsbereich für den Umgang mit dem Werkzeug gebaut werden musste. Dies war die wichtigste Aufgabe für den Freitag und Samstag. Bis zum Abendessen am Samstag sollte diese Grundausstattung auf jedem Teamplatz vorhanden sein. Am Samstagabend war die Eröffnungsfeier, zu welcher die Teilnehmer erstmals die Burg betreten durften. Es gab verschiedene Ansprachen, so etwa vom BfP-Präses Johannes Justus. Das Theaterstück zum Thema „Aufbruch“ (es ging um die Reformation) nahm seinen Anfang. Besonders bewegend fand ich den Fackelzug (die Fackel weitergeben – von einer Generation zur nächsten, von einem Land zum nächsten), und als dann Richard Breite, der inzwischen über 80 Jahre alte Gründer des ersten Royal Rangers Stammes Bremen I die Arena betrat, hatte ich Tränen in den Augen. Ich freute mich sehr, dass dieser Pionier der deutschen Royal Rangers das riesige Camp miterleben durfte – und auch bereit war, selbst dabei zu sein. Mit einem Feuerwerk wurde das Bundescamp 2014 endgültig als eröffnert erklärt.
Der Sonntag war Besuchertag. Tausende von Eltern, Freunden, Bekannten, Gemeindemitgliedern und Pastoren fanden den Weg nach Neufrankenroda, um das beeindruckende Camp zu besuchen. Die Parkplätze auf unserer Seite des Geländes waren bald überfüllt – manche Besucher mussten am anderen Ende parken und den Weg zu unserem Stammplatz zu Fuß durch das Gewimmel suchen. Am Nachmittag spielte die Outbreakband vom Glaubenszentrum Bad Gandersheim in der Arena – ein Anlass, der zu Recht sehr gut besucht war. Den Abend gestalteten wir mit einem anderen Stamm – mit Royal Rangers Leitern, die aus der Mongolei nach Deutschland angereist waren, um hier das Bundescamp mitzuerleben.

Auch im Hauptcamp begann der Tag für Leiter um 7:00 Uhr mit der Morgenandacht und Gebet. Um 8:00 Uhr wurden die Teilnehmer geweckt und mussten in den Teams ihr Frühstück machen. Heißes Wasser zum Spülen des Geschirrs und für den Kaffee wurde selbstverständlich auf dem Feuer zubereitet. Nach dem Frühstück gab es die „Teamzeit“, in welcher im Team anhand eines Bibelabschnitts mit Lernversen und guten Fragen ein bestimmtes Thema besprochen wurde. Dabei war das Verstehen des Gelesenen, sowie die praktische Umsetzung davon zentral. Der Rest des Vormittags sowie der Nachmittag war für bestimmte Aktionen reserviert, abends ging es meist in die Burg, wo das Theater zum Campthema fortgesetzt wurde. Auch die Zeiten des Lobpreises in der Burg waren sehr gesegnet. Am Sonntag, Montag und Mittwoch war die Hauptaktion das Markttreiben in den Regionen mit ihren Angeboten und Workshops.

Am Dienstag ging unser Stamm ins Hallenbad in Gotha, wo es einen Sprungturm, verschiedene Schwimmbecken und die Möglichkeit zu Ballspielen gab. Der Donnerstag war für einen Ausflug in die Wartburg mit Führung reserviert. Das war für mich als Freund der Lutherforschung ein sehr eindrückliches Erlebnis. Nicht nur die großen Biergläser der damaligen Zeit, sondern auch die Geschichte der Wartburg mit ihren zahlreichen Verknüpfungen mit der deutschen Geschichte.

Am Freitag war schon wieder Abbau und Aufräumen angesagt. Trotz sehr wechselhaften Wetters mit teilweise starken Regengüssen war das Bundecamp ein wertvolles Erlebnis für mich und für viele andere Menschen, die mit dabei waren. Ich möchte an der Stelle allen herzlich danken, die dieses Camp möglich gemacht haben: Der Planung und Leitung, den hunderten von Mitarbeitern in den diversen Bereichen: Küche, Technik, Theater, Sanität, Band, Chor und Orchester, Wache, Aufbau, Regionalleitungen, und so weiter, ganz besonders aber unserem Herrn und Heiland Jesus Christus, der uns durch diese Zeit so reich gesegnet und bewahrt hat.

Auf Facebook habe ich übrigens noch mehr Bilder hochgeladen.

Samstag, 19. Juli 2014

Gott liebt Vielfalt – und Du?

Wer um sich schaut, kann nur staunen, wie reich an Vielfalt und Unterschiedlichkeit Gott alles geschaffen hat. Die Natur ist an Vielfalt kaum zu überbieten: So viele Arten von Pflanzen und Tieren, Sternen und Steinen, Flüssen und Seen, Bergen und Tälern. Vielfalt, wohin das Auge sieht. Auch wenn wir uns Menschen betrachten, stellen wir eine reiche Vielfalt fest: So viele verschiedene Menschen, so viele Begabungen und Talente, so viele Erfindungen und Entdeckungen, so viele Kulturen und Menschen. So viele Unterschiede schon zwischen Männern und Frauen, wohin wir schauen wird klar: Gott liebt Vielfalt. Doch gerade diese Vielfalt, diese Unterschiedlichkeit, diese verschiedenen Lebensgeschichten führen dazu, dass wir uns immer wieder missverstehen, dass wir stur verschiedener Meinung sind, dass wir manchmal auch dasselbe Wort so verschieden verstehen, dass sich daraus Konflikte ergeben. Paulus bietet uns eine Lösung an. Er schreibt im Brief an die Gemeinden der Galater:

Bevor uns Gott diesen Weg des Glaubens geöffnet hat, waren wir unter der Aufsicht des Gesetzes in das Gefängnis der Sünde eingeschlossen. Das sollte so lange dauern, bis Gott den vertrauenden Glauben als Weg in die Freiheit bekannt machen würde, und das heißt: bis Christus kam. So lange war das Gesetz unser Aufseher; es war für uns wie der Sklave, der die Kinder mit dem Stock zur Ordnung anhält. Denn nicht durch das Gesetz, sondern einzig und allein durch vertrauenden Glauben sollten wir vor Gott als gerecht bestehen. Jetzt ist der Weg des Glaubens geöffnet; darum sind wir nicht mehr unter dem Aufseher mit dem Stock. Ihr alle seid jetzt mündige Söhne und Töchter Gottes – durch den Glauben und weil ihr in engster Gemeinschaft mit Jesus Christus verbunden seid. Denn als ihr in der Taufe Christus übereignet wurdet, habt ihr Christus angezogen wie ein Gewand. Es hat darum auch nichts mehr zu sagen, ob ein Mensch Jude ist oder Nichtjude, ob im Sklavenstand oder frei, ob Mann oder Frau. Durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zu einem Menschen geworden. Wenn ihr aber zu Christus gehört, seid ihr auch Abrahams Nachkommen und bekommt das Erbe, das Gott Abraham versprochen hat. (Galater 3, 23 - 29)

Wer noch mehr Wertvolles von Paulus dazu lesen möchte, kann gerne auch im Epheserbrief 2 die Verse 11 – 22 noch dazu nehmen.

Was Paulus hier sagt, ist im Prinzip Folgendes: Es gibt zwei verschiedene Zeiten im Leben aller wahrhaft gläubigen Christen. Eine Zeit vor dem Glauben und eine Zeit danach. Und darin liegt die Lösung des Problems all dieser Konflikte. Ohne Glauben braucht es eine Vielzahl von Gesetzen, die das Leben regeln sollen. In Israel des Alten Testaments zählt man 613 Gebote und Verbote. In den heutigen Gesetzbüchern sind noch viel mehr Regeln enthalten. Und doch hat sich dadurch alles um keinen Deut verbessert. Immer noch gibt es Beleidigungen, Mord und Totschlag, sexuelle Gewalt, Scheidungen, Mord an Ungeborenen und vieles mehr.

Paulus sieht die Lösung im Evangelium von Jesus Christus, der für unsere Sünden gestorben ist und wieder auferstanden ist, damit wir mit Ihm ewig leben. Das Evangelium hat klare Konsequenzen für unser Leben – gerade auch im täglichen Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen. Das harmonische Zusammenleben in der Vielfalt ehrt Gott, denn durch den Glauben an den Herrn Jesus schafft Gott Sich ein neues Volk – ein Volk aus Gläubigen aus allen Völkern, Ländern und von allen Kulturen und Sprachen. Ein Volk aus beiden Geschlechtern – Männer und Frauen – und aus allen Gesellschaftsschichten. Arme und Reiche, Junge und Alte, Chefs und Angestellte, Beschäftigte und Arbeitslose. Asylanten, Ausländer und Einheimische. Die einzige Lösung für vielfältiges Zusammenleben in echter Harmonie ist das Kreuz Jesu Christi, durch welches Menschen aller Nationen, Völker und Länder zu einem neuen Volk in Jesus Christus werden.

Was bedeutet das nun konkret für uns?

1. Wir haben ein neues, ewiges Leben bekommen und damit eine neue Identität. Der Mensch ohne Evangelium definiert sich selbst entweder über seine Herkunft (Familie) oder über seine Leistung. In unserer Leistungsgesellschaft ist es das Zweitere. Doch durch das Kreuz sind wir von Gott teuer erkauft. Unser Wert definiert sich nicht mehr über unsere eigene Leistung, sondern über das, was der Herr Jesus für uns getan hat. Gott hat Seinen Sohn geopfert, weil du es Ihm wert bist. Das ist dein neuer Wert, deine Identität.

2. Wir sind aus Gnade allein durch den Glauben gerechtfertigt. Der Glaube ist nichts, wofür wir selbst etwas tun, auch er ist ein Geschenk von Gott. Das nimmt uns unsere Selbstgerechtigkeit und unseren Stolz. Wir merken, dass alles ein Geschenk ist. Alles kommt von Gott. Wir sind deshalb nicht besser als irgendwer anders.

3. Das Evangelium zeigt uns die Größe unserer Schuld auf. Das, was Gott uns vergeben hat, ist viel viel viel größer als alles, was uns jemals ein anderer Mensch antun kann. Wir sehen im Evangelium die tatsächliche Größe und Schrecklichkeit unserer Sünde und unserer Verderbtheit. Das hilft uns, anderen Menschen das zu vergeben, was sie uns antun. Jesus Christus ist für uns gestorben, als wir noch Seine Feinde waren. Er ist für uns gestorben, obwohl wir nichts Liebenswertes an uns hatten. Darin liegt auch unsere Aufgabe, gerade jene zu lieben, die andere Menschen nicht liebenswert finden.

4. Das Wissen darum, dass Jesus nicht nur theoretisch, sondern effektiv für uns gestorben ist, gibt uns das Wissen, dass Er uns festhalten wird, was immer noch kommen mag. Nichts und niemand wird uns je von Gott trennen können. Das gibt uns Sicherheit und Freiheit. Es nimmt uns die Angst vor allem Andersartigen und hilft uns, die Menschen gerade in ihrer Andersartigkeit anzunehmen.

5. Das Evangelium gibt uns einen Maßstab, mit dem wir uns selbst und unsere Gesellschaft, Kultur und Zeit beurteilen können. Wir wissen, dass unsere Kultur nie schon an sich gut und göttlich ist. Jede Kultur hat ihre guten Dinge, aber auch viel Ungöttliches. Wir müssen uns nicht mehr mit anderen Menschen oder Kulturen vergleichen, denn der eine objektive, ewig gültige Maßstab ist die Bibel.

6. Das Evangelium gibt uns die Kraft, Gott und unsere Mitmenschen zu lieben und sie in ihrem Anderssein anzunehmen. Es gibt uns Kraft, um gegen den Neid und das Vergleichenwollen zu kämpfen. Unser altes Ich, die alte Identität, ist mit Christus am Kreuz gestorben. Unsere Aufgabe ist es, dieses alte Ich als tot zu betrachten und ihm nicht mehr nachzugeben, sondern es aktiv zu bekämpfen.

7. Das Evangelium zeigt uns, dass alle Menschen im Bild Gottes geschaffen sind. In jedem Menschen können wir also ein Stück vom Abbild Gottes sehen. Gott will nicht, dass Unterschiede eingeebnet werden, sondern wir dürfen sie feiern und uns daran erfreuen. Alle Versuche der Gleichmacherei sind nicht nur zum Scheitern verurteilt, sondern vielmehr dienen sie dazu, das, was Gott gut gemacht hat, zu zerstören.

Lasst uns deshalb um des Evangeliums willen die Unterschiedlichkeit und Vielfalt feiern. Der Herr Jesus beschreibt unsere Zukunft wunderschön in der Offenbarung:

Danach sah ich eine große Menge Menschen, so viele, dass niemand sie zählen konnte. Es waren Menschen aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen. Sie standen in weißen Kleidern vor dem Thron und dem Lamm und hielten Palmzweige in den Händen. Mit lauter Stimme riefen sie: »Der Sieg gehört unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm!« Alle Engel standen im Kreis um den Thron und um die Ältesten und um die vier mächtigen Gestalten. Sie warfen sich vor dem Thron zu Boden, beteten Gott an und sprachen: »Das ist gewiss: Preis und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre, Macht und Stärke gehören unserem Gott für alle Ewigkeit! Amen.« Einer der Ältesten fragte mich: »Wer sind diese Menschen in weißen Kleidern? Woher kommen sie?« Ich antwortete: »Ich weiß es nicht, Herr. Du weißt es!« Da sagte er zu mir: »Diese Menschen haben die große Verfolgung durchgestanden. Sie haben ihre Kleider gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Darum stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel. Er, der auf dem Thron sitzt, wird bei ihnen wohnen. Sie werden keinen Hunger oder Durst mehr haben; weder die Sonne noch irgendeine Glut wird sie versengen. Das Lamm, das in der Mitte des Thrones steht, wird ihr Hirt sein und sie an die Quellen führen, deren Wasser Leben spendet. Und Gott wird alle ihre Tränen abwischen.« (Offenbarung 7, 9 - 17)



Dienstag, 8. Juli 2014

Lobpreiskultur – Auf die Liedwahl kommt es an

Im zweiten Blogpost zum Thema „Lobpreiskultur - für wen machen wir das eigentlich?“ haben wir gesehen, dass unsere Motive, unsere Beweggründe für den Lobpreis wichtig sind. Lobpreis zu leiten ist eine pastorale Aufgabe, und das sollte stets so geschehen, dass niemand vom Lobpreis ausgeschlossen wird – weder bewusst noch unbewusst. Hier hat die Auswahl der Lieder eine wichtige Funktion.

Von allen Lobpreisliedern, die schon geschrieben wurden, sind etwa 2% so gut, dass sie ein Jahrhundert oder noch länger überdauern können. Viele andere stehen später zwar immer noch in den Liederbüchern, aber weil sie niemand mehr kennt, gehen sie dennoch unter. Wir haben heute das große Vorrecht, auf den Liedschatz der besten 2% der Lieder aus 2000 Jahren Kirchengeschichte zurückgreifen zu können – und zugleich die Verantwortung, die Lieder unserer Zeit zu prüfen und die besten 2% zu finden. Wir müssen nicht auf jeden neuen Zug aufspringen. Weniger ist hier oft mehr, denn jedes neue Lied, das gelernt werden muss, bedeutet für die Gemeinde wieder eine neue Aufgabe, die es zu bewältigen gibt. Dies ist keinesfalls ein Aufruf, auf neue Lieder zu verzichten, aber zumindest die Bitte, sich zum Wohl der Gemeinde bei jedem neuen Lied, das eingeführt werden soll, noch ein zweites und drittes Mal zu fragen, ob das Lied tatsächlich der ganzen Gemeinde dient und folgende drei Kriterien erfüllt.

1. Lieder mit Botschaft und Tiefgang
Das erste und vermutlich wichtigste Kriterium ist inhaltlicher Art. Es geht um die Theologie, die hinter einem Text steht. Hat das Lied eine Botschaft? Erzählt es von der Gnade, von der Größe, Herrlichkeit, Heiligkeit, Gerechtigkeit und Liebe Gottes? Von der Ewiggültigkeit und absoluten Zuverlässigkeit der Bibel? Von der Schöpfung und Erlösung? Von der Reinigung und Heiligung von der Sünde durch den Heiligen Geist? Von der Sündhaftigkeit des Menschen? Von der Wiederkunft Jesu Christi als Richter aller Lebenden und Toten? Vom Leben und Auftrag der Kinder Gottes? Von der Schönheit der Gemeinde?

Nicht jedes dieser Themen muss in jedem Lied vorkommen, aber es geht im Lobpreis nicht darum, Jesus als Kumpel von nebenan zu begrüßen und ein wenig auf schöne Family zu machen. Auch sind Zweizeiler, die 50 Mal wiederholt werden müssen, um von der Länge her als Lied wahrgenommen zu werden, nicht gerade besonders tiefgründig.

2. Lieder mit verständlichen, korrekten Texten
Jeder sollte verstehen können, was er singt. Das ist zunächst eine Frage der Sprache eines Liedes. Versteht jede und jeder in der Gemeinde die englische Sprache so gut, dass man ganze Lieder in jener Sprache singen kann? Da kann die Situation in einem Jugendgottesdienst schon ganz anders sein. Bei übersetzten Liedern gibt es wieder etwas zu bedenken: Stimmt denn der deutsche Text inhaltlich überhaupt noch mit dem englischen Original überein? Da wäre zum Beispiel das absolut schöne englische Lied „In Christ Alone“ von Keith Getty und Stuart Townend. In der deutschen Version ist ein neues Lied entstanden, das außer der Melodie kaum noch etwas mit dem englischen Original gemeinsam hat. Hier wäre allerdings auch nötig, dass die deutsche Lobpreisszene wachsen kann. Und nicht zuletzt ist auch die Rechtschreibung eine häufig vernachlässigte Kunst. Doch wird in der Gemeinde durch falsche Ordokravieh – äh, pardon, natürlich Orthographie, wem ist es denn aufgefallen? – auch nur eine Person vom Singen abgehalten, so sind wir wieder unserer Aufgabe, jedem das Mitmachen zu ermöglichen, nicht gerecht geworden.

3. Lieder mit klarer, singbarer Melodie und Tonlage
Was der Gemeinde ebenso beim Mitsingen hilft, ist eine klare, deutliche und singbare Melodie. Sie sollte innerhalb des singbaren Spektrums liegen. Da auch zu Hause immer seltener gesungen wird, fehlt am Sonntag bei den meisten Gottesdienstbesuchern die Übung, die nötig ist, um ein möglichst großes Spektrum abzudecken. Kenny Lamm bestimmt in einem sehr lesenswerten (englischen) Artikel das ideale Spektrum zwischen dem A in der tieferen Oktave und dem D eine Oktave höher. Lieder, deren Spektrum noch weiter auseinandergeht, sind für den durchschnittlichen Gottesdienstbesucher gar nicht singbar. Wir tun deshalb auch gut daran, die Lieder so zu transponieren, dass die gesamte Melodie innerhalb dieses Spektrums bleibt. Zuweilen führt dies zu komplizierten Akkorden, aber gerade damit können wir wieder zeigen, dass eine gute Gruppe von Musikern auch das schafft. Professionalität zeigt sich beim Lobpreis gerade nicht darin, zu zeigen, was andere nicht können, sondern sich auf die Bedürfnisse der Gottesdienstbesucher einzustellen und ihnen zu dienen. 

Vielleicht wäre es auch an der Zeit, die guten neuen Lobpreislieder wieder zweistimmig zu komponieren und zu singen?


Dienstag, 1. Juli 2014

Lobpreiskultur – für wen machen wir das eigentlich?

Im ersten Blogpost zum Thema „Lobpreiskultur - Alles Show oder was?“ habe ich anhand eines englischen Artikels von Thom Schultz einen allgemeinen Überblick über die Problematik der heutigen Lobpreiskultur gegeben. Heute möchte ich etwas tiefer graben und nach der richtigen Motivation für den Lobpreis suchen. In vielen amerikanischen Gemeinden heißt der Lobpreisleiter „worship pastor“ (zu deutsch also „Lobpreis-Pastor“). Er erfüllt eine wichtige pastorale Aufgabe innerhalb des Gottesdienstes. Wir täten gut daran, den Lobpreisleiter als Pastor zu betrachten, welcher der ganzen Gemeinde dienen soll.

Drei Dimensionen des Lobpreises
Der Lobpreis-Pastor und mit ihm das ganze Team (zuweilen besteht es nur aus einer Person, öfter jedoch aus ganzen Orchestern oder Bands) führt die singende Gemeinde in drei Dimensionen des Lobpreises hinein. Um der Einfachheit willen unterscheide ich hier noch nicht zwischen den zwei Kategorien „Lobpreis“ (Lob für Gottes Werke) und „Anbetung“ (Lob für Gottes Wesen). Vielleicht komme ich darauf in einem anderen Post noch zu sprechen.

Lobpreis findet in drei Richtungen statt: Nach oben – zu Gott; nach außen - um mich herum – zu meinem Umfeld; nach innen – zu mir selbst:
Nach oben: Zuerst ist Lobpreis immer an Gott gerichtet. Der Singende dankt Gott, lobt Gott, betet Gott an, schüttet Gott sein Herz aus, und so weiter. Gemeinsame Lieder sind ein Hilfsmittel, das vielen Menschen hilft, ihre Situation, Gefühle und Gedanken in Worte zu kleiden. Lobpreis ist ein Gebet, ein Reden zu Gott, und zwar ein korporatives, ein gemeinschaftliches Reden zu Gott.
Nach außen: Die zweite Richtung geht nach außen. Im Lobpreis spreche ich meine Mitmenschen an, ich spreche ihnen die Größe und die wunderbaren Werke Gottes zu, ich mache ihnen Mut, an diesem Gott, dem ich alles in meinem Leben zu verdanken habe, festzuhalten. Ich sage ihm: Du bist nicht allein, es sind noch andere, die mit ähnlichen Situationen zu kämpfen haben, aber wir haben einen gemeinsamen Gott, der größer ist.
Nach innen: Damit ist keine mystische Versenkung in sich selbst gemeint, sondern der Zuspruch an sich selbst, dass dieser Gott, den wir gemeinsam loben, auch die eigene Lage im Griff hat. Ich mache mich bereit, diesem Gott der Bibel im Horchen auf die Predigt und im darauffolgenden Gehorchen persönlich zu begegnen.

Wem wollen wir wirklich dienen?
Ausgehend von diesen drei Dimensionen sehen wir, dass es wichtig ist, jedem Einzelnen in der Gemeinde zu helfen, dass er auch ein Teil dieses Lobpreises sein kann und darf. Es geht zuerst um Gott und um die Gemeinde. Lobpreis soll zuerst auf Gott hinweisen. Das Lobpreis-Team hat die Aufgabe eines Scheinwerfers: Ein Scheinwerfer, der sich selbst beleuchtet, tut seine Aufgabe sehr schlecht. Seine Aufgabe ist es, etwas anderes anzuleuchten und es sichtbar zu machen. So ist es das große Privileg, im Lobpreis auf Gottes Größe und Herrlichkeit hinzuweisen. Weil Gott exzellent ist, darf unser Musizieren auch exzellent sein. Wir müssen keine Fehler einbauen. Aber wir sind mit unserer Musik und dem Gesang in erster Linie Diener der Gemeinde. Unsere Aufgabe ist es, alles so zu arrangieren, zusammenzustellen, zu üben und zu spielen, dass möglichst jeder einzelne Besucher des Gottesdienstes möglichst gut mitsingen und die drei Dimensionen des Lobpreises miterleben kann.

Die eigene innere Haltung ist hierbei sehr wichtig. Sie sollte immer mal wieder überprüft werden:

- Worum geht es mir? Wem möchte ich mit meinem Instrument oder Gesang, mit meinem Können und Wissen dienen?
- Wie tue ich das am besten?

- Wie können wir als Lobpreis-Team der Gemeinde noch besser helfen, dass möglichst jede und jeder mitsingen kann und will?

Mittwoch, 25. Juni 2014

Die Bibel „meistern“ - eine Idee für die „Stille Zeit“

Gegen Ende des letzten Jahres habe ich mir folgende Frage gestellt: Die letzten 12 Jahre habe ich die Bibel jedes Jahr einmal ganz durchgelesen in meiner (oft nicht grad allzu stillen) „Stillen Zeit“. Verschiedene Versionen von Bibelleseplänen habe ich dazu genutzt, aber irgendwie habe ich mal nach was ganz Neuem gesucht. Beim Googeln bin ich dann auf einen englischen Artikel von Fred Sanders auf Patheos gestoßen, der das Buch von James Gray „Mastering The English Bible“ vorstellt (inzwischen scheint der Artikel bereits im Nirvana angelangt zu sein – allerdings lässt er sich über die „Wayback Machine“ noch abrufen). Die Idee dahinter fand ich sehr spannend, so habe ich mir das Buch von Gray gleich mal als PDF (Link) heruntergeladen und gelesen.


Wer war James Gray?

James Martin Gray (1851 - 1935) war Pastor, Bibellehrer, Autor, Dozent und Präsident des Moody Bible Institute in Amerika. Nebst den 25 Büchern, die er schrieb, hat er auch einige Kirchenlieder verfasst. Er arbeitete lange Zeit mit dem Evangelisten Dwight L. Moody zusammen. Über die Entdeckung „seiner“ Methode des Bibellesens schreibt er:
Die erste praktische Hilfestellung, die ich je bekommen habe, um die englische Bibel zu meistern, stammt von einem [theologischen] Laien. Wir waren gemeinsam Besucher einer bestimmten christlichen Konferenz oder Zusammenkunft und für ein paar Tage zusammengewürfelt, und ich sah in seinem Leben als Christ etwas, was für mich vergleichsweise fremd war: Ein Frieden, eine Ruhe, eine Freude, ein geistliches Gleichgewicht, womit ich nur wenig Erfahrung hatte. Eines Tages wagte ich ihn zu fragen, wie er denn zu dieser Erfahrung gekommen sei. Er antwortete: „Indem ich den Brief an die Epheser gelesen habe.“ Ich war erstaunt, denn ich hatte ihn gelesen, ohne zu diesem Resultat zu kommen, und deshalb bat ich ihn, mir die Art und Weise, wie er ihn gelesen habe, zu erklären, als er folgendes berichtete: Er war dann und wann aufs Land gegangen, um dort den Samstag mit seiner Familie zu verbringen, als er eine Taschenausgabe des Epheserbriefs dabei hatte, und am Nachmittag, als er in den Wald ging und unter einen Baum lag, begann er zu lesen; er las ihn in einem Zug durch und fand sein Interesse erwacht, und las ihn gleich noch einmal auf dieselbe Art, und unter zunehmendem Interesse wieder und wieder. Ich glaube er fügte hinzu, dass er ihn etwa 12 oder 15 Mal durchlas: „Und als ich aufstand, um ins Haus zu gehen“, sagte er, „war ich im Besitz des Ephesebriefs, oder, besser gesagt, er war im Besitz von mir, und ich war 'hochgehoben um an himmlischen Örtern zu sitzen in Christus Jesus' in einer Weise, die auf Erfahrung gegründet war, wie das zuvor noch nicht so mit mir war, und es wird nie wieder aufhören, so zu sein.“ Ich gebe zu, dass mein Herz voll Dankbarkeit zu Gott war für das erhörte Gebet, als ich diesem einfachen Vortrag zuhörte, ein Gebet seit Monaten, wenn nicht seit Jahren, dass ich erfahren möge, wie man Sein Wort meistern kann. Und doch, gleichzeitig zu dieser Dankbarkeit kam auch die Demütigung hinzu, dass ich ein so einfaches Prinzip zuvor noch nicht entdeckt hatte, welches ein Junge von zehn oder zwölf Jahren hätte kennen können. Und daran zu denken, dass ein „ordinierter“ Pfarrer zu den Füßen eines [theologischen] Laien sitzen muss, um das wichtigste Geheimnis seines Handwerks zu lernen!“ (James M. Gray, How To Master The English Bible, S. 17ff, Übersetzung von mir)


Worum geht es bei seiner Methode?

Das Wichtigste der Methode ist damit erklärt. Normalerweise wird man dazu angeleitet, die Bibel Buch für Buch durchzulesen und dann wieder vorne anzufangen. Gray schlägt jetzt auch vor, vorne anzufangen, aber das erste Buch der Bibel nicht nur einmal, sondern gleich 20 Mal zu lesen, bevor das zweite Buch dran kommt. Gray gibt ein paar Regeln zu diesem Lesen:

1. Fang vorne an, beginne dort zu lesen, wo Gott mit Schreiben begonnen hat.

2. Lies das Buch. Es kommt nicht auf unsere Geschwindigkeit an, sondern einfach darauf, es zu lesen.

3. Lies das Buch fortlaufend. Immer weiter. Manche Bücher können auch in einzelne Abschnitte geteilt werden, die das Lesen erleichtern.

4. Lies das Buch immer und immer wieder. Gray schlägt 20 Wiederholungen vor. Dies scheint mir sinnvoll zu sein.

5. Lies das Buch unabhängig von Kommentaren, Erklärungen und Ähnlichem. Fremde Hilfe ist in dem Fall immer nur wie eine Krücke, die uns von anderen abhängig macht.

6. Lies das Buch unter Gebet. Das ist die wichtigste Regel für Gray. Das ernnsthafte Suchen Gottes im Gebet hilft uns, das jeweilige Buch der Bibel vom Heiligen Geist erleuchtet zu lesen.


Was sind meine bisherigen Erfahrungen damit?

Auch wenn ich eine absolute Leseratte und ein großer Bibelfreak bin, hat mich eine Sache daran etwas erschreckt, und ich denke, dass dies für die meisten Menschen das größte Hindernis ist: Ganz vorne anzufangen, mit einem Buch, das 50 Kapitel lang ist. Bei 20 Wiederholungen macht das alles insgesamt 1000 Kapitel, was bedeutet, dass man bei einem Durchschnitt von 3 Kapiteln pro Tag fast ein ganzes Jahr im 1. Buch Mose verweilt. Bevor ich mich an ein solch großes Unternehmen wagte, wollte ich die Sache erst mal in Ruhe testen. So habe ich das erste Halbjahr von 2014 damit verbracht, kurze Bücher der Bibel nach dieser Methode zu lesen. Aus dem Neuen Testament die Johannes- und Petrusbriefe sowie Titus und die zwei an Timotheus, aus dem Alten Testament Ruth und einige der 12 „kleinen Propheten“, immer abwechselnd eines aus dem Alten und eines aus dem Neuen Testament.

Wer sich also auch fragt, ob sich das lohnen würde, dem empfehle ich, das Projekt so anzugehen. Welche Bücher man sich zu „Testzwecken“ aussucht, ist eine persönliche Geschmackssache. Für den Anfang lohnt es sich, mit kürzeren zu beginnen, da man die Schwierigkeiten auf diese Weise schneller ausfindig machen kann.

Was sind die Schwierigkeiten? Es ist ein großes Projekt, für das man sich einige Jahre (ich rechne bei mir als jemand, der schnell, gerne und viel liest, 15 Jahre für das gesamte Projekt. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, da dies im Durchschnitt 4 Kapitel pro Tag zu lesen bedeutet. Wer langsamer liest, sollte wohl eher mit 20 – 25 Jahren rechnen. Ebenso kommt man immer wieder an einen Punkt, an dem das Lesen schwierig wird. Es wird anstrengend. Man fragt sich: „Wie oft denn noch?“ In diesen Momenten ist es wichtig, dran zu bleiben und weiter zu lesen. Wieder und wieder und noch einmal. Hier ist Disziplin und ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung nötig.


Mein persönliches Fazit

Meine bisherigen Erfahrungen damit sind sehr gut. Es ist sehr hilfreich, über längere Zeit in ein und demselben Buch der Bibel zu „wohnen“ und zu bleiben. Ich werde das Projekt ab dem Juli diesen Jahres starten. Ich bin gespannt, wie es laufen wird und was dabei herauskommt. Das 1. Buch Mose werde ich in folgenden Teilen lesen: 1. Mose 1–11 (Urgeschichte), 1. Mose 12–25 (Abraham), 1. Mose 26-35 (Isaak und Jakob) und 1. Mose 36-50 (Joseph). Ich werde mir für das „Zählen“ der Leserunden eine Tabelle zum Abhaken / Ankreuzen machen. Falls Interesse besteht, kann ich diese auch zum Download bereitstellen.

Was hältst Du nach dem Lesen diesen Beitrags von der Idee? Wenn es die (momentan eher knappe) Zeit erlaubt, werde ich ab und zu mal wieder von den Ergebnissen berichten.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Ausflug zur Erzgrube / Nagoldtalsperre

Da heute ein freier Tag ist, haben wir uns kurzerhand entschieden, zur Erzgrube zu fahren. Das ist ein schöner Stausee im Nordschwarzwald.
 Dort angelangt wurden die Inline-Skates ausgepackt und die diesjährige Inliner-Saison eingeläutet. Erst einmal um den Stausee herumgefahren.
 Danach gab es beim Seeheiner - übrigens eine sehr leckere und empfehlenswerte Gaststätte - ein gutes Mittagessen. Für mich einen großen italienischen Salatteller mit Thunfisch und Zwiebelringen.
 Natürlich durfte auch ein Nachtisch nicht fehlen. Kaffee und Cappucchino mit Eis.
Wie man sehen kann, ist der Seeheiner gut frequentiert. Besonders Fahrer von großen, schweren Zweirädern kommen hier gern vorbei.
 Auch die Bibelverse, die an vielen Orten am Ufer entlang angebracht sind, gefallen mir gut. Manchmal muss man sie ein wenig suchen, um sie zu finden. Das macht es spannend ;-)
 Nach dem Mittagessen haben wir uns noch auf eine Liegewiese am Ufer des Stausees hingelegt...
 ... und gechillt.
Ein sehr schöner freier Tag.

Freitag, 6. Juni 2014

Lobpreiskultur – Alles Show oder was?

Eins gleich vorweg: Ich bin in der glücklichen Lage, zu einer Gemeinde zu gehören, in welcher ich kaum etwas am Lobpreis auszusetzen habe. Bei uns sind die Lieder vielfältig, das Spektrum reicht von Martin Luther und Paul Gerhardt bis zu Hillsong und der OutBreakBand, die alle gleichwertig nebeneinander stehen und auch in denselben Gottesdiensten gesungen werden.

Dennoch fällt mir auf, wie sich in vielen Gemeinden eine Lobpreiskultur breitmacht, die in eine Richtung geht, die mir zu denken gibt. Ich möchte deshalb in mehreren Blogposts auf verschiedene Aspekte eingehen, die mir auffallen und über die ich mit meinen Lesern nachdenken möchte. Ich bitte bewusst um Mitdenken und um Rückmeldungen, denn ich bin mir wohl bewusst, dass ich nur von meiner subjektiven Sichtweise herkommen kann und meine Beiträge deshalb ergänzungs- und korrekturbedürftig sind.

Aufgefallen ist mir immer wieder, wie oft es Lobpreiszeiten gibt, in denen nur wenige Menschen mitsingen. Ich persönlich liebe es, zu singen, ich bin mit Musik und Gesang aufgewachsen, und für mich ist eine Lobpreiszeit, bei der ich selbst nicht mitsinge, einfach unvorstellbar. Doch in manchen solcher Zeiten, wenn man sich verstohlen umblickt, fällt auf: Da sind bei vielen Liedern gerade mal noch 25 – 30% der Anwesenden am Mitsingen. Zuweilen noch weniger. Ich persönlich frage mich da halt, wozu der Lobpreis denn dann überhaupt noch dienen soll.

Eine wichtige Bibelstelle zum Lobpreis finden wir bei Paulus im Epheserbrief: Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt! Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus! (Epheser 5, 18 - 20)

Hier stellt uns Paulus den Lobpreis – das gegenseitige Zusprechen von Gottes Wort durch Lieder und gesungene Psalmen – als etwas vor, was dazu führen soll, dass wir voll vom Heiligen Geist werden. Hier ist jetzt kein Platz für eine nähere Ausführung einer „Theologie des Lobpreises“, auch wenn ich das gerne írgendwann mal in Angriff nehmen möchte. Aber es wird klar, dass Lobpreis etwas ist, bei dem alle mitmachen sollen (können). Natürlich auf freiwilliger Basis. Aber es soll zumindest niemand davon ausgeschlossen werden.

Natürlich: Wir schließen nie jemanden bewusst davon aus, das ist klar. Jeder darf mitmachen. Und doch werden manche Leute unbewusst ausgeschlossen, und zwar leider ziemlich schnell und häufig. Da mich das Thema schon seit Längerem beschäftigt, war ich natürlich sehr interessiert, als mir auf Facebook gleich von mehreren Freunden der folgende Artikel  von Thom Schultz empfohlen wurde: http://holysoup.com/2014/05/21/why-they-dont-sing-on-sunday-anymore

Thom Schultz beschreibt in diesem Artikel seine Probleme, die er mit der heutigen Lobpreiskultur hat. Ich kann diese vier Gründe vollkommen unterschreiben – auch wenn ich denke, dass sie mehr an der Oberfläche kratzen. Deshalb werde ich noch in weiteren Posts etwas tiefer graben. Aber für den Anfang wäre schon viel erreicht, wenn man sich mit diesen vier Punkten auseinandersetzt und daran etwas ändert. Hier also Thoms vier Punkte in meinen Worten (es ist keine wörtliche Übersetzung des Textes) zum Teil mit meinen persönlichen Anmerkungen dazu:

1. Alles Show oder was?
Thom bemängelt, dass der Lobpreis in vielen Gemeinden schon als Show aufgebaut ist – wie ein Konzert. Das Lobpreis-Team macht eine Show, der Rest besteht aus erwartungsvollen Zuschauern, die sich auf das freuen, was ihnen geboten wird. Die Band wird im Rampenlicht gut inszeniert, der Rest sitzt im Dunkeln.

2. Die Professionalität
In etwas gut zu sein ist nichts Verwerfliches. Im Gegenteil – es ehrt Gott. Aber gerade beim Lobpreis – zumindest wenn man sich wünscht, dass die Leute mitsingen – ist weniger oft mehr. Es geht darum, gut zu spielen, keine Fehler zu machen, aber nicht, sich und sein Können ins Zentrum zu rücken.

3. Der Lärm
Die Lautstärke wird oft so hochgedreht, dass die Leute ohne Mikrophon ihre eigene Stimme nicht mehr hören können. Das ist frustrierend. Weshalb also noch mitsingen? Hier kommt oft eine Frage der Technik ins Spiel. In großen Räumen ist es schwierig (und teuer), die Musik so zu verstärken, dass man sie zugleich überall hören kann, ohne dass es zu laut ist. Das ist auch wieder eine Frage an das Gemeinde-Budget und die Professionalität der Techniker. Dennoch sollte die Lautstärke immer so dosiert sein, dass man sich selbst noch singen hören kann.

4. Die Auswahl der Lieder
Viele Lieder sind schwierig zu singen. Andere Lieder sind unbekannt. Der Großteil der Lieder in einer Lobpreiszeit sollte bekannt sein. Wenn neue eingeführt werden, dann eher selten und nicht zu häufig hintereinander. Und unbedingt auch darauf achten, dass sie in einer singbaren Tonlage sind. Ich merke selbst, dass sich das Spektrum der Töne verringert, seit ich nicht mehr regelmäßig im Chor sondern nur noch in der Gemeinde singe. Lieder müssen von der Gemeinde gelernt werden. Und manchmal gibt es auch Lieder, die einfach inhaltlich derart flach und leer sind, dass man sie besser gar nicht erst ins Repertoire aufnimmt. Zum Thema Liedauswahl werde ich voraussichtlich mal noch einen extra Blogpost machen.

So weit die vier Punkte von Thom Schultz. Alle vier habe ich schon öfter als oft erlebt, und alle vier sollten möglichst eliminiert werden, um den Menschen die Freiheit zu lassen, mitzusingen. Ich habe lange darüber nachgedacht, woher die Sache mit der Lobpreis-Show kommt. Hier meine Theorie: Viele Menschen genießen es, auf christlichen Konferenzen und ähnlichen Events zu sein. Sie kommen von diesen Events zurück in eine „normale“ Gemeinde, in denen solche „Event-Kicks“ fehlen. Einige meiden deshalb die örtlichen Gemeinden, weil diese das nicht bieten können. Also „müssen“ nun die sonntäglichen Gottesdienste auch zu solchen „Events“ werden. Professionelle Musik, emotionaler Kick und mitreißende Botschaft. Außerdem lassen sich Menschen mit Musik im Hintergrund viel besser zu einer Entscheidung bewegen – weil sie psychisch manipuliert sind. Hier meine Anfrage: Brauchen wir das echte (und oft sehr stille) Wirken des Heiligen Geistes tatsächlich durch Manipulation ersetzen?

Auf Deine Nachfragen, Antworten und weiteren Gedanken freue ich mich!

Mittwoch, 4. Juni 2014

Auseinandersetzung mit dem EKD-Familienpapier

In zwei Wochen jährt sich die Veröffentlichung des Familienpapiers der EKD zum ersten Mal. Wie man sehen kann, ist diese "Orientierungshilfe" auf viel Kritik gestoßen. Vielen Kritikpunkten muss ich zustimmen. Dennoch bin ich dankbar, dass dieses Familienpapier diese Diskussion angestoßen hat. Dies und manches mehr daran zu würdigen ist mir wichtig. Ebenso auch, Alternativen aufzuzeigen oder wichtige Punkte davon weiterzudenken.

Ehe und Familie sind die Grundbausteine jeder Gesellschaft. Deshalb ist es wertvoll, darüber nachzudenken, wie dies in unserer Zeit und Kultur gelebt werden kann, aber auch, was die örtlichen Gemeinden tun können, um Ehen und Familien in ihrem Leben und Auftrag zu unterstützen. Deshalb möchte ich hier meine Gedanken dazu weitergeben. Eine Kurzfassung davon ist bereits in der BfP-Monatszeitschrift GEISTbewegt! vom April erschienen. Der Text dieser Kurzfassung findet sich auch hier.

Die etwas längere Version meiner Auseinandersetzung mit der Orientierungshilfe kann hier als PDF heruntergeladen werden. Er darf kostenlos weitergegeben, gemailt, ausgedruckt und verbreitet werden. Anfragen, Korrekturen und Kommentare sind jederzeit willkommen.