Kubsch,
Ron, Das komponierte „Ich“, Geistliche Studien, 2017, 50S., Amazon-Link
Der
Untertitel lautet „Identitätsfindung in der Postmoderne und das
christliche Menschenbild“. Der Inhalt basiert auf zwei Vorträgen,
die Ron Kubsch 2010 und 2011 gehalten hat. In der Einleitung geht es
um die Frage nach dem Subjekt. Wer bin ich? Diese Frage ist in
unserer Zeit sehr wichtig geworden. Lange Zeit war die Identität
keine so große Frage. Sie wurde durch die Einbettung in die Familie,
den Ort und die Kirche von außen vorgegeben. Durch die
Industrialisierung und später die Globalisierung wurde das Leben in immer mehr Teile aufgespalten,
und an jedem dieser Teile, wie Beruf, Gemeinde, Familie, Vereine, und
so weiter, wurde (und wird) erwartet, dass jeder eine bestimmte Rolle
spielt. So stellt sich halt schon immer mehr diese Frage: Wer bin
ich? Die Persönlichkeit wird plötzlich als etwas „Flüssiges“
gesehen, was sich ständig verändern kann, und der Gestalter dieser
Persönlichkeit ist das einzelne Subjekt.
Im
zweiten Teil beschreibt Ron Kubsch „Postmoderne
Identitätserfahrungen“. Hier schreibt er von einer
„Bastel-Mentalität“, also dass Menschen anfangen, ihre Identität
zu basteln und im Laufe der Jahre ständig überarbeiten. Er zitiert
den Leiter des Berliner Jugendkultur-Archivs, welcher schreibt, dass
junge Menschen immer wieder zwischen den verschiedenen Subkulturen
wechseln. Zygmunt Bauman, einer der wichtigsten Soziologen der
Postmoderne, spricht von einem „Nomadentum“, also dem ständigen
Umherreisen zwischen verschiedenen Subkulturen und Identitäten. Es
werde jegliche Festlegung bewusst vermieden, so Bauman.
Der
dritte und letzte Teil behandelt Gottes Antwort auf diese Entbettung,
die zugleich eine massive Unsicherheit mit sich bringt. Hier wird die
Liebe des Autors zu den jungen Menschen ganz besonders deutlich
sichtbar, zu welchen er spricht oder schreibt. Er bleibt nicht bei
einer Beschreibung des Zustands, sondern zeigt auf, wie auch in der
Bibel die Identität nicht nur eine fixe Sache ist, sondern formbar
und viele Personen, die in der Bibel beschrieben werden, eine
Identitätsentwicklung durchgemacht haben. „Gott
gibt den Menschen Zeit. Und: Gott mutet Menschen Schwierigkeiten zu,
um Identität zu entwickeln.“
(S. 36) Mit Psalm 139,14 – 16 entwickelt er Grundlinien einer
Theologie der Identität: „Gegeben
ist uns Identität durch unsere Herkunft. Jeder von uns ist ein
wundervoller Gedanke Gottes. Zugleich sind wir auf Beziehung angelegt
und entwickeln uns weiter. Das 'Ich' ist also keine ein für alle Mal
versiegelte Größe, sondern bleibt beweglich.“
(S. 37) Den Abschluss macht ein Blick in das Leben und besonders das
Buch „Bekenntnisse“ von Augustinus, welcher auch eine ganze Zeit
lang auf der Suche nach der Identität war und diese Suche mit den
Worten im Gebet zu Gott beenden konnte: „Unruhig
ist mein Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ (Zitiert
auf S. 44)
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