Sonntag, 15. Mai 2016

Albert-Einstein-Biographie von Albrecht Fölsing

Da mich schon seit früher Kindheit die Erforschung der gesamten Schöpfung Gottes sehr interessiert, möchte ich in dem Bereich auch gern immer wieder Neues lernen. So habe ich mir nun die umfangreiche Biographie Albert Einsteins von Albrecht Fölsing vorgenommen, um die Person, Theorien und Wirkungsgeschichte des großen Physikers des letzten Jahrhunderts besser kennenlernen und verstehen zu können.

Obwohl ich persönlich Einstein in vielen Bereichen alles andere als nahe stehe (was den Glauben und die Weltanschauung, Politik oder Wirtschaft betrifft – ich komme weiter unten noch darauf zu sprechen), habe ich von dem Buch in vielerlei Hinsicht sehr profitiert.

Die Biographie umfasst fast 1000 Seiten, und vielleicht fragt sich der eine oder andere Leser, wie ich es schaffe, an einem so langen Buch dranzubleiben. Meine ehrliche Antwort lautet: Gar nicht. So lange Bücher teile ich mir auf. Zunächst schaue ich mir die Kapitel und Unterkapitel an. Ich weiß, dass ich in einer Woche gut motiviert 300 Seiten schaffe, mehr allerdings meist nicht vom selben Buch am Stück. Deshalb brauche ich zwischendurch Abwechslung durch andere Bücher. So habe ich die ersten 200 Seiten Ende März gelesen, dann 400 Seiten im Laufe des Aprils (mit Unterbrechungen) und den Rest im Mai, ebenfalls mit Unterbrechungen. Diese Art des Lesens braucht etwas Übung, damit man beim nächsten Aufgreifen des Buches noch genau weiß, wo man aufgehört hat. Da ich mir Wichtiges anstreiche und am Seitenrand Notizen mache, fällt mir das leichter.

Im Folgenden möchte ich ein paar persönliche Höhepunkte, wichtige Zitate und eigene Gedanken zum Gelesenen auflisten.

1. Von der Begabung:
Übrigens weiß ich ganz genau, dass ich selbst gar keine besondere Begabung habe. Neugier, Besessenheit und sture Ausdauer, verbunden mit Selbstkritik, haben mich zu meinen Gedanken gebracht.“ (Albert Einstein) → S. 19

2. Von der langsamen Entwicklung:
Wenn ich mich frage, woher es kommt, dass gerade ich die Relativitätstheorie gefunden habe, so scheint es an folgendem Umstand zu liegen: Der Erwachsene denkt nicht über die Raum-Zeit-Probleme nach. Alles, was darüber nachzudenken ist, hat er nach seiner Meinung bereits in seiner frühen Kindheit getan. Ich dagegen habe mich so langsam entwickelt, dass ich erst anfing, mich über Raum und Zeit zu wundern, als ich bereits erwachsen war. Naturgemäß bin ich dann tiefer in die Problematik eingedrungen als ein gewöhnliches Kind.“ (Albert Einstein) → S. 25

3. Über die Berliner:
Ich verstehe jetzt die Selbstzufriedenheit des Berliners. Man erlebt so viel von außen, dass man die eigene Hohlheit nicht so schroff zu fühlen bekommt wie auf einem stilleren Plätzchen.“ (Albert Einstein) → S. 382
(JE: Das gilt heute nicht nur in Berlin, sondern an jedem Ort, wo man sich beständig von allem möglichen ablenken und berieseln lassen kann. Mehr stille Plätzchen täten der ganzen Menschheit gut.)

4. Über die Erfahrung:
Wirklich Neues erfindet man nur in der Jugend“ schrieb er an Zangger, „später wird man immer erfahrener, berühmter – und dümmer.“ → S. 463

5. Über die Neo-Kantianer:
Der Kant ist so eine Landstraße mit vielen, vielen Meilensteinen, und dann kommen die kleinen Hunderln, und jeder deponiert das Seinige an den Meilensteinen.“ (Albert Einstein) → S. 543

6. Über Israel:
Ich bin glücklich, in diesem Land zu sprechen, von dem aus die Thora die Welt erleuchtet hat, und in diesem Haus [damit meinte er die Hebräische Universität; Anm. JE], das eine Stätte der Weisheit und der Wissenschaft für alle Völker des Ostens werden soll.“ (Albert Einstein) → S. 607

7. Eine Gabe, die ich mir manchmal auch noch mehr wünschte:
Aber auch hier bewährte sich seine von Freunden vielfach mit Erstaunen registrierte „merkwürdige Gabe, Dinge, die ihm unangenehm sind, abzuschütteln wie ein Pudel das Wasser.“ → S. 677

8. Vom Gebrauch der Technik:
Sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.“ (Albert Einstein) → S. 707f

9. Einsteins Religion des Pantheismus:
Wenn ich eine Theorie beurteile, dann frage ich mich, ob ich, wenn ich Gott wäre, die Welt in dieser Weise eingerichtet hätte.“ (Albert Einstein) → S. 791
(JE: In diesem Zitat findet man einiges über die Religion Einsteins. Gott war für ihn überhaupt kein persönlicher Gott, sondern die ganze Natur, also alles, was existiert, ist zusammen „Gott“. Das nennt man „Pantheismus“. Wir sollten deshalb nie Einsteins Worte dazu missbrauchen, um zu behaupten, Einstein hätte an einen persönlichen Gott geglaubt.)

10. Über eine Weltverfassung:
Wir müssen eine Verfassung der Welt, d. h. eine wirksame weltweite internationale Ordnung anstreben, die uns hilft, einen Atomkrieg zu verhüten.“ (Albert Einstein) → S. 810
(JE: Einstein war Kommunist, der sogar das russische Terrorregime Stalins verteidigte, indem er sagte, es würden in Russland so schwierige Umstände herrschen, die solches rechtfertigen würden. Er war zudem dafür, dass die USA als Weltpolizei als einziger Staat Atomwaffen aufrüsten solle, um die anderen Staaten durch Angst vor einem Atomkrieg in Schach halten zu können.)


Das Buch selbst ist verständlich geschrieben, da muss ich Fölsing ein großes Lob aussprechen. Dass ich die Theorien Einsteins jetzt wirklich verstanden habe, möchte ich noch nicht behaupten. Das wird noch einiges mehr an Lesen, Recherchieren und Nachdenken brauchen. Das ganze Leseerlebnis hat mir jedoch sehr gefallen, und ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen.


Sonntag, 1. Mai 2016

Biblische Weltanschauung im „Herr der Ringe“

1. Was ist Dein persönlicher Hintergrund zum Buch oder Film? Wie bist Du darauf gestoßen? Was hast Du davon erwartet?
Jonas Erne: Ich habe Tolkien erst kennengelernt, als „Herr der Ringe“ im Kino erschienen war. Das war mein erstes Mal, wo ich seinen Namen las und hörte. Als jemand, der verfilmten Büchern seit Kindheit sehr kritisch entgegensteht, wollte ich eigentlich nur die Bücher lesen. Diese haben mir gefallen; von den Filme war ich dafür erwartungsgemäß ziemlich enttäuscht. Beim ersten Lesedurchgang ist mir noch nicht besonders viel von der christlichen Weltanschauung dahinter aufgefallen. Wohl auch deshalb, weil ich nicht danach Ausschau gehalten habe.

2. John R. R. Tolkien wollte keine „biblische Geschichte“ schreiben, sondern einfach eine unterhaltsame Geschichte. Dennoch finden sich viele Bezüge dazu. Was denkst Du, woher das kommt?
Wenn ein Autor ein gläubiger Christ ist, wird dies in seinen Büchern immer auf irgendeine Art sichtbar werden. Ein Buch ist etwas, worin ein Autor sich und seine Phantasie ausgießt und deshalb auch immer ein Stück seiner selbst. Jeder Autor macht seine Weltanschauung in seinen Büchern sichtbar – wenn denn der Leser danach sucht.

3. Was ist überhaupt eine Weltanschauung? Was sind die Grundpfeiler der biblischen Weltanschauung?
Die Weltanschauung ist die „Brille“, durch die wir die Welt anschauen. Es sind persönliche Überzeugungen, die man mitbringt und die man (meist unbewusst) gebraucht, um die Realität zu bewerten und zu interpretieren. Ganz einfach gesagt sind die Grundpfeiler der biblischen Weltanschauung Schöpfung, Sündenfall, Erlösung und Wiederherstellung. Gott hat die Welt gut geschaffen, der Mensch ist durch den Sündenfall an Gott und der ganzen Welt schuldig geworden und hat sie ins Chaos gestürzt. Jesus Christus ist gekommen, um die bösen Mächte zu besiegen, den Menschen zu erlösen und die göttliche Ordnung wiederherzustellen.

4. In „Herr der Ringe“ finden sich viele Bezüge auf diese biblische Weltanschauung. Welche davon sind Dir beim Lesen oder Ansehen besonders wichtig geworden?
Wichtig geworden ist mir zum Beispiel das Prinzip der Verantwortung. Wir Menschen sind füreinander und für die ganze Schöpfung verantwortlich (das meint der Befehl zum Herrschen über die ganze Schöpfung im biblischen Schöpfungsbericht). Die Gefährten im Buch übernehmen Verantwortung füreinander und sind auch um die Natur besorgt. Oder Gollum, der am Ende (ungewollt?) Selbstmord begeht, um den Ring zu bekommen; dazu analog hat in der Bibel Satan Selbstmord begangen, indem er dafür gesorgt hat, dass die Bühne der Weltgeschichte so vorbereitet wurde, dass Jesus Christus – als Höhepunkt und Selbstzerstörung der Bosheit – ans Kreuz genagelt wurde.

5. Im „Herr der Ringe“ findet sich nicht eine einzelne Erlöser-Figur wie das Jesus Christus in der Bibel ist, vielmehr handelt es sich um eine ganze Reihe von Helden, die gemeinsam Mittelerde erlösen. Welche Personen machen welche Aspekte der „Erlösung“ aus?
Meiner Meinung nach ist die jesusähnlichste Person im Herr der Ringe Sam Gamdschie. Ja, genau, dieser unscheinbare Hobbit, der oft mehr ein Anhängsel ist. Aber wenn es mal wirklich drauf ankommt, ist er der zuverläßige Freund. Alle anderen Personen werden vom Ring entweder verführt oder sie trauen sich nicht, ihn anzufassen. Sam ist dazu bereit, als es nötig wurde. Er wusste nicht, wie er darauf reagieren würde, er weiß nur, dass es jetzt keine andere Möglichkeit gibt. Er opfert sich sozusagen selbst und durch dieses Opfer wird die Geschichte letztendlich ein Happy-End finden.

6. Gibt es Punkte an „Herr der Ringe“, die dem biblischen Weltbild widersprechen und die Du kritisieren würdest?
Was ich etwas schwierig finde, ist der Umgang mit der Magie im Herr der Ringe. Es kann der Eindruck entstehen, dass es so etwas wie „weiße Magie“ gibt, obwohl die Bibel jede Form der Magie eindeutig verbietet. In Wirklichkeit gibt es keine „weiße Magie“, egal was damit erreicht wird. Magie ist immer und in jeder Form dämonisch.

7. Wenn junge Autoren heute von Tolkien lernen wollen, was würdest Du ihnen empfehlen, aus dem „Herr der Ringe“ zu lernen, wenn sie auch eine unterhaltsame Geschichte auf der Basis der biblischen Weltanschauung schreiben möchten?
Lass dich von der Phantasie leiten, aber behalte immer die ganze Geschichte im Hinterkopf, um dich vor inneren Widersprüchen zu schützen.

8. Welche anderen Bücher kannst Du empfehlen, die auch unterhaltsame Geschichten auf der Basis der biblischen Weltanschauung sind?
Die Geschichten von C. S. Lewis, die Pilgerreise von John Bunyan, die Romane von G. K. Chesterton, aber auch von Dorothy L. Sayers.


Sonntag, 17. April 2016

Bibel lesen? Aber sicher, das hab ich nötig!

In einem kürzlichen Gespräch ging es um das Lesen der Bibel. Im Nachhinein habe ich noch weiter darüber nachdenken müssen, weil mir ein paar Dinge dazu ganz neu wichtig geworden sind. Ich könnte mir jetzt sagen: Du hast bis jetzt jedes Buch, jedes Kapitel und jeden Vers der Bibel mindestens 12x gelesen, die meisten davon schon deutlich öfter. Irgendwann reicht das doch. Ruh dich doch mal darauf aus. Du hast Theologie studiert und dabei viele Verse auswendig gelernt, eine ganze Zahl Texte aus dem Griechischen oder Hebräischen übersetzt. Reicht das nicht? Zugegebenermaßen hatte ich solche Gedanken auch schon. Aber noch jedes Mal bin ich beim Weiterdenken ganz eindeutig zum Schluss gekommen: Nein, das reicht noch lange nicht! Warum? Weil ich es nötig habe!

1. Ich habe es nötig, jeden Morgen in meinem Denken verändert zu werden. Ich bin jeden Tag ganz vielen Einflüssen ausgesetzt, die versuchen, mein Denken zu vergiften. Werbung versucht, sich in mein Denken einzuschleichen. Filme versuchen, mir ein falsches Weltbild einzutrichtern. Die Zeitungen und Zeitschriften strotzen von Artikeln und Berichten, die meine Aufmerksamkeit wollen. Jeden Morgen soll mein Denken weg von mir und weg von der Welt auf Gott ausgerichtet werden.

2. Ich habe es nötig, jeden Morgen etwas zu lesen, was ich nicht beurteilen muss. Dieser Punkt hängt mit dem ersten zusammen, geht aber noch mehr in die Tiefe. Alles, was sich außerhalb der Bibel befindet, ist fehlbar und muss deshalb beurteilt werden. Die Bibel ist da wohltuend anders. Sie muss nicht beurteilt werden, sondern ich darf mich von ihr beurteilen lassen. Das ist das Vorrecht aller Gläubigen: Das Wort dürfen wir „lassen stahn“, wie Martin Luther so treffend dichtete. Es muss nicht verändert werden, sondern es soll mich verändern. Die Bibel ist der fixe Punkt, mit dem wir das Universum aus den Angeln heben können.

3. Ich habe es nötig, mir jeden Morgen das Evangelium zu predigen. Ich liebe es, in einer Evangelisationsveranstaltung zu sitzen. Da kommen mir regelmäßig die Tränen, weil mir bewusst wird, wieviel der Herr Jesus für mich getan hat. Eigentlich weiß ich das schon, aber – ach! - wie schnell geht das wieder vergessen in der Eile des Alltags. Und wie gern würde ich da jeden Morgen in so einer Veranstaltung sitzen. Da das leider nicht möglich ist, habe ich es nötig, mir das selbst jeden Morgen zuzusprechen. Ich habe es nötig, mir wieder neu der Gnade und Größe Gottes bewusst zu werden.

4. Ich habe es nötig, dass Gott jeden Morgen neu zu mir spricht. So, und jetzt schreibe ich das als Pfingstler, der sich darüber freut, dass alle Gaben des Geistes im Hier und Jetzt für uns vorhanden und in Gebrauch sind. Die Gabe der Prophetie ist mir nichts Fremdes, und ich freue mich sehr darüber, von Gott immer wieder damit gebraucht zu werden. Und dennoch (oder gerade deshalb?) bestehe ich darauf, dass sich die Gabe der Prophetie nur dort gut und gesund entwickelt, wo wir Menschen des Wortes Gottes sind. Wenn wir wollen, dass Gott zu uns redet, dann wenden wir uns der Bibel zu. Dort redet Gott so zu uns, dass Sein Wort keine Überprüfung und keine Korrektur braucht. Paulus macht klar, dass dort, wo Menschen in der Gemeinde prophetisch reden, immer andere da sein müssen, die das Gesagte beurteilen. Die Bibel braucht das nicht, sie ist Gottes reines und unveränderliches Wort.

5. Ich habe es nötig, jeden Morgen für den Tag ausgerüstet zu werden. Jeden Morgen bekomme ich von Gott ganz bestimmte Dinge gezeigt, die mich durch den Tag begleiten und meine Augen für bestimmte Menschen und Situationen öffnen. Häufig werde ich so sensibel für Versuchungen, die mich an diesem Tag versuchen wollen. Dann kommt mir in den Sinn: Mensch, das haste ja heute früh gelesen! Finger weg davon! All das habe ich Tag für Tag von Neuem nötig, und deshalb lese ich auch sehr gerne und mit großer Freude, geradezu „gierig“ darin.

Und warum liest Du die Bibel (oder nicht)?


Donnerstag, 7. April 2016

Löwe und Lamm oder Despot und Waschlappen?

Was ist ein echter Mann? Wie werden Jungs zu Männern? Das ist so eine Frage, die mich schon länger beschäftigt und zu der ich auch schon ab und zu gebloggt habe. Im letzten Post habe ich versucht, das Verschwinden von Werten, Tugenden und Helden im Laufe der jüngeren Geschichte nachzuzeichnen. Heute versuche ich, darauf aufzubauen und ein wenig weiter zu gehen.

Ich meine, dass das größte Vorbild und die beste Quelle für echte Männlichkeit Jesus Christus ist. Johannes beschreibt Ihn kurz und knackig in der Offenbarung als Löwen und Lamm. Das finde ich eine sehr geniale Beschreibung: Siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamm Juda ist, die Wurzel Davids, um das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu brechen! Und ich sah, und siehe, in der Mitte des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten stand ein Lamm, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, welche die sieben Geister Gottes sind, die ausgesandt sind über die ganze Erde. (Offenbarung 5, 5 – 6)

Jesus Christus ist gleichzeitig der Löwe von Juda und das geschlachtete Opferlamm. Das ist, meine ich, eine treffende Beschreibung von Männlichkeit.
Löwe: Stark, anmutig, König der Tiere, schnell, majestätisch, ehrfurchtgebietend, etc.
Lamm: Schwach, demütig, klein, ausgeliefert, still, etc.

Entscheidend ist dabei die Fähigkeit, beides sein zu können und unterscheiden zu können, was wann dran ist. Und hier liegt in unserer Zeit häufig ein Missverständnis vor. Ein Löwe zur falschen Zeit wird zum Despoten, und ein Lamm zur falschen Zeit wird zum Waschlappen. Nehmen wir noch einmal Jesus Christus zum Vorbild. ER war ein Löwe, als Er die Händler vom Tempelvorhof verjagte. Da war Er alles andere als harmlos, Johannes berichtet sogar von einer (ziemlich schmerzhaften) Kamelpeitsche. Oder wenn es um die Gesetze der Pharisäer ging, welche um jedes Gebot Gottes herum noch einen „Zaun“ von menschlichen Geboten machten, konnte Er auch verbal ziemlich löwengleich werden.

Kurz gefasst könnte man sagen: Ein echter Mann ist ein Löwe, wenn er Schwache gegen Starke verteidigt, aber ein Lamm gegenüber den Schwächeren. Das Problem unserer Zeit ist, dass diese Unterscheidung fehlt. Ein Familienvater, der seiner Familie gegenüber als Löwe auftritt, wird zum Despoten. Und ich fürchte, dass es hier ein Problem gibt: Männer fühlen sich zu selten als Löwen, deshalb nutzen sie die Momente, wo sie Schwächeren gegenüber stehen, um den Löwen rauszuhängen und wandeln sich so zum Despoten. Oder manche Männer fühlen sich von ihrer Familie eingeschüchtert und meinen deshalb, sie müssten dann zum Löwen mutieren. All das macht uns zu Despoten.

Zugleich sind wir in der Öffentlichkeit allzu gern Lämmer, nach dem Motto: Immer angepasst, immer unauffällig. Das macht uns zu Waschlappen. Und dann gibt es in unserer Zeit auch eine Angst vor dem Heldentum: Lieber Waschlappen als Löwen, denn Waschlappen tun keinem was zu Leide. Das Löwentum wird unterdrückt, bis es eines Tages nicht mehr geht. Dann kommt plötzlich alle aufgestaute Löwenenergie raus und richtet sich – leider zu häufig – gegen Menschen, die uns eigentlich als Lämmer brauchten.

Wie gehst Du damit um? Ich würde mich auf Deine Gedanken dazu sehr freuen.


Dienstag, 5. April 2016

Wert-lose Gesellschaft

Was ist ein Wert? Wert hat etwas mit Seltenheit und Kostbarkeit zu tun. Wenn ich eine Arbeit erledige, die nur 100 andere Personen erledigen können, so ist sie wertvoller, als wenn es 10 Millionen gibt, welche dieselbe tun können. Oder wenn sie viel Vorarbeit braucht, so ist sie auch wertvoller, als wenn sie keine solche benötigt.

Es waren die Werte der christlichen Weltanschauung, welche die abendländische Kultur für viele Jahrhunderte geprägt haben. Dabei kann man nicht vom „christlichen Abendland“ sprechen, sondern lediglich vom mit christlichen Werten durchsetzten Abendland. Im Zuge der Aufklärung wurde versucht, diese Werte ohne Christentum zu propagieren. Spätestens Friedrich Nietzsche hat gezeigt, dass dies nicht möglich ist. Wenn man wie er schon kein Christentum wollte, dann müsse man auch auf all diese Werte verzichten. So versuchte er gegen Ende seines Lebens alle möglichen Werte zu durchdenken und auf eine neue Basis zu stellen, die sich an der griechischen Antike und nicht am „orientalischen“ Christentum orientierten. Erschienen ist dieses Werk nie; nach seinem Tod wurden die unfertigen Notizen dazu durchgesehen und veröffentlicht.

Nietzsche war ein einsamer Rufer in einer überaus optimistischen Zeit. Das christliche Weltbild hat eine Grundlage geschaffen, welche seit dem Zeitalter des Humanismus zu immer neuen Entdeckungen, Forschungen und Erfindungen führte. Die Industrialisierung war zu Nietzsches Zeiten weit vorangeschritten, der Mensch glaubte, keine Grenzen zu haben. Dieser Optimismus führte so weit, dass man dachte, man brauche in dieser Zeit der Vernunft keinen Krieg mehr zu fürchten. Und dann brach er doch herein, verwüstete viele Landstriche und führte zur Verzweiflung.

Die Zeit der Weimarer Republik war zunächst eine Zeit der Erholung, doch schon bald kam der nächste Schock: Sanktionen, Weltwirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit, und dazu eine Regierung, die alledem nicht gewachsen war. Der Ruf nach einem „starken Mann“, der den Karren aus dem Dreck zieht, wurde laut. Wohin das führte, wissen wir alle.

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurde es immer stiller um die Werte. Im Kino gab es nicht mehr den Helden, sondern den Anti-Helden. Man könnte regelrecht von einer Angst vor Werten, Tugenden und Helden sprechen. Es durfte nur noch schlechte Vorbilder geben, von denen man sagen konnte: Hauptsache anders als die! Egal wie, nur anders als die vor uns!

An die Stelle von Werten, Tugenden und Helden sind Diskurse, Gleichgültigkeit und Waschlappen getreten. Hauptsache man redet miteinander. Hauptsache wir haben uns alle lieb. Hauptsache wir legen uns nicht mehr fest. Wenn alles gleich gültig ist, dann ist auch alles gleichgültig. Weil es keine Wahrheit gibt oder niemand diese wirklich erfahren kann, sind wir zu einer wertlosen Wegwerf-Gesellschaft geworden.

Und dann geschehen Dinge, die uns plötzlich doch wieder überzeugen, dass es gut und böse, richtig und falsch, wahr und unwahr gibt und dass es möglich sein muss, dies zu unterscheiden.

Wie können wir in dieser Zeit leben? Wie können wir unserer nächsten Generation wieder echte Werte und Tugenden mitgeben? Wie können wir ihr zu Vorbildern und Helden werden?


Freitag, 1. April 2016

Zeitumstellung ist friedensfördernd

Einer neuen Studie vom Bundesamt für Staatssicherheit (Bass) zufolge soll die jährliche Zeitumstellung das Friedenspotential drastisch erhöhen. Erich Aushecker, Vorsitzender des Bass, erklärte diesen Umstand folgendermaßen: „Zunächst einmal hat jeder, der Krieg führen möchte, dank der Zeitumstellung ein halbes Jahr lang eine Stunde weniger; aufs ganze Jahr gesehen macht das 30 Minuten. Somit bleibt einem pro Tag rund 5 Sekunden weniger Zeit, um Krieg zu führen. Zweitens konnten wir empirisch nachweisen, dass in allen Ländern, welche die Zeitumstellung eingeführt haben, noch nie am letzten Sonntag im März zwischen 2:00 und 3:00 Uhr MEZ ein Krieg ausgebrochen ist. Und nicht zuletzt müssen wir zu bedenken geben, wie sehr die Zeitumstellung Menschen von vollkommen unterschiedlichen Interessen eint: Sie alle haben ein gemeinsames Thema, dem sie sich in aller Lautstärke und Tonhöhe widmen können. Die Zeitumstellung ist deshalb ein wichtiger Beitrag für die Völkerverständigung.“ Vielleicht sollte Herr Aushecker als nächstes eine tägliche Zeitumstellung von 24 Stunden beantragen?


Donnerstag, 24. März 2016

Fragen zum „Herr der Ringe“

1. Was ist Dein persönlicher Hintergrund zum Buch oder Film? Wie bist Du darauf gestoßen? Was hast Du davon erwartet?

Zum ersten Mal bin ich drauf aufmerksam geworden, als die Verfilmung von dem Herr der Ringe in die Kinos kam. Einer meiner Kollegen in der Ausbildung damals war ein begeisterter Fan von Mittelerde. Er riet mir auch dazu das Buch zu lesen (und zwar die Übersetzung von Margeret Carroux). Irgendwann habe ich dann eine antiquarische Ausgabe bei einem Buchhändler gefunden und ohne zu zögern zugegriffen. Die Filme gefielen mir außerordentlich gut, aber die Bücher sind mir noch lieber. Ich hatte erwartet, dass das Buch recht nah an den Filmen angesiedelt ist. Im nachhinein wurde meine Erwartung übertroffen, da nach meinem Empfinden, die Bücher noch mehr Tiefe enthalten, als es der Film wiedergeben kann. Doch ich bin mir bewusst, dass es sich dabei um zwei unterschiedliche Medien handelt und man schwerlich beide eins zu eins vergleichen kann.

Ich habe nicht mitgezählt, aber in den letzten Jahren habe ich das Buch mindestens 1-mal pro Jahr durchgelesen und werde diese Tradition beibehalten.


2. John R. R. Tolkien wollte keine „biblische Geschichte“ schreiben, sondern einfach eine unterhaltsame Geschichte. Dennoch finden sich viele Bezüge dazu. Was denkst Du, woher das kommt?

Ich denke das war für jemanden wie Tolkien unvermeidbar. Tolkien selbst bezeichnete sich als (katholischer) Christ. Seinen Briefen und Biografien ist zu entnehmen, dass er daran glaubte, dass es ein Eden in dieser Welt gab, dass durch den Sündenfall verloren gegangen ist, aber dieses Echo aus Eden immer noch in jedem Menschen zu vernehmen ist. Jeder Geschichte liegt eine gewisse Weltanschauung zugrunde. Tolkien schrieb auf dem Hintergrund seiner christlichen Weltanschauung und webte dadurch das grundlegende Konzept von Schöpfung-Fall-Wiederherstellung in seine fiktiven Geschichten ein.


3. Was ist überhaupt eine Weltanschauung? Was sind die Grundpfeiler der biblischen Weltanschauung?

Unter Weltanschauung verstehe ich die Antworten, die sich jemand auf die grundlegenden Fragen der Menschheit stellt: Wer bin ich, wo komme ich her, wo gehe ich hin? Daraus ergeben sich natürlich noch eine Menge weiterer Fragen, die wir uns stellen, um unsere Existenz zu erklären. Grundpfeiler einer biblischen Weltanschauung sind für mich, dass es einen Schöpfergott gibt, der alles Leben schuf und dem wir gegenüber verantwortlich; dass wir Menschen gegen unseren Schöpfer rebellierten und die Sünde dadurch Einzug in diese Welt erhielt, dass aber Gott sich uns Menschen offenbarte um uns Seine Heilsabsichten in Jesus Christus deutlich zu machen.


4. In „Herr der Ringe“ finden sich viele Bezüge auf diese biblische Weltanschauung. Welche davon sind Dir beim Lesen oder Ansehen besonders wichtig geworden?
Wer sich einmal „Das Silmarillion“ durchgelesen hat, der wird sofort an den biblischen Schöpfungsbericht und Sündenfall denken (sofern er die Bibel gelesen hat). Tolkiens Schöpfungsmythos folgt den Schilderungen der Bibel insoweit, dass es einen Schöpfergott am Anfang gab, und das eines seiner Geschöpfe „abfiel“ und danach trachtete die gute Schöpfung Gottes zu zerstören. Ein weiteres Merkmal ist die Tatsache, dass eine geistliche Welt hinter der natürlichen Welt steckt und eng mit dieser verbunden ist.


5. Im „Herr der Ringe“ findet sich nicht eine einzelne Erlöser-Figur wie das Jesus Christus in der Bibel ist, vielmehr handelt es sich um eine ganze Reihe von Helden, die gemeinsam Mittelerde erlösen. Welche Personen machen welche Aspekte der „Erlösung“ aus?

Ich sehe verschiedene „Anklänge“. Bei Gandalf denken wir sofort an die Rückkehr von den Toten, der in neuer Herrlichkeit erscheint. Aragorn ist der rechtmäßige König Gondors, der aus dem Exil zurückkehrt um die Herrschaft anzutreten und die Welt der Menschen zu ordnen. Frodo ist der demütige Held, der den Weg des Leidens geht (notfalls bis in den Tod) um das Böse endgültig zu vernichten. Alle diese Aspekte finden wir im Erlösungswerk Jesu vereint: Jesus ist der Gesandte, der starb und zu neuer Herrlichkeit auferstand; Er ist der rechtmäßige König aus der Linie Davids der die Herrschaft antritt, um alle Dinge in Ordnung zu bringen (endzeitlich betrachtet) und Er ist der leidende Gottesknecht, der den Weg der Schmerzen ging. Der Unterschied zwischen Mittelerde und der biblischen Botschaft ist, dass bei Tolkien es nicht den einen Erlöser gibt, es sich also nicht auf eine Person konzentriert, wobei im Christentum Jesus Christus der zentrale Erlöser ist – und der einzige und endgültige Weg zur Erlösung von der Macht der Sünde.


6. Gibt es Punkte an „Herr der Ringe“, die dem biblischen Weltbild widersprechen und die Du kritisieren würdest?

Das ist schwierig, da Tolkien sich darüber im Klaren war, dass er keine „christliche“ Welt mit Mittelerde entwarf. Eine Sache, die immer wieder von Kritikern hervorgebracht wird, betrifft den Gebrauch von Magie im Buch. Gandalf tritt als Zauberer auf, was für viele Christen problematisch ist, da es nach der biblischen Darstellung keine „guten“ Zauberer gibt. Wenn man sich jedoch die weitere Biografie von Gandalf anschaut, dann wird deutlich, dass er ein Gesandter der göttlichen Mächte, die unter der Herrschaft des einen Gottes stehen, ist, um im Krieg gegen Sauron zu helfen. Gandalf ist kein autonomer Zauberer, der alles zu tun vermag, sondern er ist in seiner Macht begrenzt und hat einen bestimmten Auftrag. In dieser Hinsicht erinnert er mich an einen Propheten des AT: Ein von Gott gesandter Bote, der dazu befähigt werden konnte Wunder zu tun. Nach meiner Sicht jedoch ist auch die Verwendung von Magie im Herrn der Ringe bei weitem nicht so vorherrschend, wie man es vielleicht erwarten würde. Zumindest im Buch wird die Geschichte fast ausschließlich aus der Sicht der Hobbits erzählt, die wiederum wenig oder nichts mit Magie am Hut haben, aber auf ihrer Wanderung damit in Berührung kommen.


7. Wenn junge Autoren heute von Tolkien lernen wollen, was würdest Du ihnen empfehlen, aus dem „Herr der Ringe“ zu lernen, wenn sie auch eine unterhaltsame Geschichte auf der Basis der biblischen Weltanschauung schreiben möchten?

Schreibe eine Geschichte, die du gerne lesen würdest! Denn das hat Tolkien (und C.S.Lewis) erst dazu gebracht Romane zu schreiben. Schreibe zunächst einmal für dich selbst und nicht für den Büchermarkt. Des Weiteren halte ich es für unabdingbar, dass Autoren eine christliche Weltanschauung einverleibt haben müssen. Das bedeutet, dass ihr ganzes Denken von einer christlichen Weltanschauung geprägt sein muss. Wenn das der Fall ist, dann wird die Geschichte automatisch christliche Züge annehmen. Mein Rat ist: Regelmäßig die Bibel lesen (ca. 1-mal im Jahr) und sich mal die Zeit nehmen eine der großen biblischen Theologien zu lesen und zu studieren (wie z.B. die Institutio von Johannes Calvin).


8. Welche anderen Bücher kannst Du empfehlen, die auch unterhaltsame Geschichten auf der Basis der biblischen Weltanschauung sind?

Zum einen natürlich die Narnia-Chroniken von C.S.Lewis. Gefallen hat mir ebenfalls die Trilogie „Das Lied von Albion“ von Stephen Lawhead.


Über mich: Andreas Münch (Jahrgang 1984) ist glücklich verheiratet und stolzer Vater eines Sohnes. Als Pastor und Autor ist er unterwegs in den Fußstapfen Calvins und Tolkiens. Weitere Infos unter: www.andreas-muench.com



Mittwoch, 9. März 2016

Fragen zur Biblischen Weltanschauung in „Herr der Ringe“

Dies ist eine erste Antwort auf die Fragen zur biblischen Weltanschauung im "Herr der Ringe". Vielen Dank!

Über mich:
Ich bin im Juli 1984 in eine christliche Familie geboren worden und habe mich mit 16 Jahren zum Glauben an Jesus Christus bekehrt und 3 Jahre später auch taufen lassen um diese Entscheidung nochmals zu bekräftigen. Ich würde mich selbst nicht als Philosoph und schon gar nicht als weise bezeichnen, jedoch denke ich dass ich mich als Denker und Kritiker bezeichnen darf. Um das kurz zu erläutern: Ich bin ein Mensch der gerne und viel über Dinge nachdenkt oft über eigene Umstände, Gott, Wahrheit, das Leben und nicht zuletzt auch um mit meiner Bildhaften Fantasie „Luftschlösser“ zu bauen. Vor dem Aufkommen von Handys und von Gratiszeitungen habe ich mich gerne damit beschäftigt, mich selbst in Welten von Büchern oder von selbst kreierten Universen zu versetzen. Womit ich nicht sagen will dass diese Form der “Beschäftigung“ seither nicht mehr existiert. Als Kritiker bezeichne ich mich deshalb, weil ich Dinge gerne hinterfrage. Seinen Ursprung hat diese Angewohnheit einerseits in einem seit frühester Kindheit existenten Wissensdurst, in der Erziehung (mein Vater hat viele Dinge die wir Kinder getan und gesagt haben hinterfragt um uns zum Nachdenken anzuregen) und vor allem auch durch Erlebnisse mit Gott (Ich wurde in meinem Leben von Gott immer wieder mit Dingen und Umständen konfrontiert die meine Welt auf den Kopf gestellt haben und mich dazu gezwungen haben die Dinge in einem anderen Licht anzuschauen).
In Bezug auf dieses Interview werde ich also die Fragen selbst auch kritisch betrachten und gegebenenfalls Kommentare dazu abgeben.


Frage 1: Was ist Dein persönlicher Hintergrund zum Buch oder Film?
Ich habe das Buch empfohlen bekommen und nach anfänglichen Schwierigkeiten, der Start ist sehr zäh, das Buch regelrecht verschlungen. Ich habe das Buch 17 - 20mal komplett gelesen und auch die Beiwerke „Silmarillion“, „Nachrichten aus Mittelerde“ und „Das Tolkien Lesebuch“ mindestens je einmal gelesen. Die von Tolkien erschaffene Welt hat mich erstmals dazu inspiriert eine eigene Geschichte zu schreiben, weit bin ich damit bis jetzt allerdings noch nicht gekommen, allerdings komme ich nach 10 Jahren fantasieren langsam zu einer schreibbaren Geschichte.

Wie bist Du darauf gestossen?
Ich habe das Buch von einem meiner besten Freunde empfohlen gekriegt, als dieser mein Interesse für Fantasy bemerkt hat.

Was hast Du davon erwartet?
Nichts mehr als eine spannende Geschichte, und meine Erwartungen wurden übertroffen!


Frage 2: J.R.R. Tolkien wollte keine “biblische Geschichte“ schreiben, sondern einfach eine unterhaltsame Geschichte. Dennoch finden sich viele Bezüge dazu. Was denkst du woher das kommt?
Ich denke, dass jeder, der eine Geschichte schreibt, bewusst und/oder unbewusst persönliche Überzeugungen und Weltansichten darin verarbeitet. Für mich zum Beispiel ist es undenkbar eine Welt ohne einen Schöpfer zu erschaffen, selbst wenn dieser Schöpfer am Ende ich selbst bin. Eine Welt ohne Schöpfer ist für mich nicht denkbar. Ich denke, dass Tolkien sich bei der Erschaffung von Mittelerde ähnliche Gedanken gemacht hat. Was in meinen Augen der auch der Grund ist wieso er im „Silmarillion“ bzw. im Vorwerk „Ainulindale“ den „Allvater“ Ilúvatar und die Ainur/Valar Mittelerde erschaffen liess, und von welchen später Melkor ähnlich wie Luzifer machthungrig wurde und nach mehr gierte als ihm zustand.
Eigentlich reicht es sogar Tolkien diese Frage selbst beantworten zu lassen.

In einem Brief an seine amerikanischen Verleger schrieb er (betreffend seines Werkes „Herr der Ringe“:
… “Es geht ‚um‘ gar nichts als um es selbst, Mit Sicherheit hat es keine allegorischen Absichten allgemeiner oder besonderer, aktueller, moralischer religiöser oder politischer Art. Die einzige Kritik, die mich geärgert hat, war eine, dass es ‚keine Religion enthalte‘“…
… “Es ist eine monotheistische Welt von ‚natürlicher Theologie‘. Der Merkwürdige Umstand, dass darin keine Kirchen, Tempel, religiösen Riten und Zeremonien gibt, gehört schlicht zu dem geschilderten historischen Klima.“…
… “Ich selbst bin jedenfalls Christ; aber das ‚Dritte Zeitalter‘ (das Zeitalter in welcher „Herr der Ringe“ spielt, Anmerkung meinerseits) war keine christliche Welt.“… 1

An eine neugierige Leserin schrieb Tolkien unter anderem:
… “Theologisch (wenn dieser Terminus nicht zu grossspurig ist) denke ich mir, dass das Bild nicht so weit von dem abweicht, wovon manche (darunter auch ich) glauben, dass es die Wahrheit sei. Aber da ich wohlweislich eine Erzählung geschrieben habe, die zwar auf bestimmten „religiösen“ Ideen aufbaut oder aus ihnen gebildet ist, aber keine Allegorie dieser Ideen (oder von irgendetwas anderem) ist und sie gar nicht offen erwähnt, geschweige denn predigt, will ich von dieser Form auch jetzt nicht abgehen und eine theologische Abhandlung schreiben, wozu ich nicht geeignet bin.“…2

Ich denke dass diese beiden Auszüge die biblische Inspiration ganz gut belegen, aber auch verdeutlichen, dass Tolkien keine biblische Geschichte schreiben wollte, oder dies zumindest nicht seine Absicht war.

Frage 3. Was ist überhaupt eine Weltanschauung?
Ich könnte hier jetzt Wikipedia zitieren, aber ich glaube das ist nicht Zweck der Sache. In meinen Augen (somit gehört das schon zu meiner Weltanschauung :D)ist die Weltanschauung die Art und Weise wie wir die Welt um uns herum anschauen, empfinden, wahrnehmen, aber auch beurteilen und bewerten. Sie bestimmt unseren Glauben gleichermassen wie unser ganzes Leben. Im Prinzip kann man sagen, dass jeder Mensch seine Individuelle Weltanschauung hat, und die Überschneidungen mit ähnlichen Ansichten anderer Menschen dann Religions- oder Interessensgemeinschaften bilden welche eine übergeordnete vereinheitlichte Weltanschauung besitzen welche die Individuelle Sicht entweder bestätigt, unterstützt und fördert oder aber unterdrückt, entwertet oder gar verbietet. Einfach gesagt die „Brille“ durch welche wir unsere Umwelt und uns selbst wahrnehmen.

Was sind die Grundpfeiler der der biblischen Weltanschauung?
Die Bibel (insbesondere die zehn Gebote), Jesus, Gott, und der Heilige Geist (der dreieinige Gott) und in begrenztem Masse der historische Konsens. Um die Bibel richtig verstehen und lesen zu können muss man sie mit Gott und Jesus als Mitte und geführt vom Heiligen Geist lesen. Lässt man das Wesen Gottes und das Wesen Jesu, welche beide in der Bibel ersichtlich sind, ausser Acht wird man früher oder später die falschen Schlüsse ziehen. Wenn man aus der Bibel allgemeingültige Regeln herausbilden möchte muss die Bibel auch historisch begutachtet werden, denn ohne Verständnis für die damalige Zeit können wir schlecht nachvollziehen wie das Wesen bestimmter Schriftstellen zur damaligen Zeit war. Das Alte Testament wird nicht umsonst „Wort Gottes“ genannt. Es ist in der Tat das lebendige Wort Gottes an uns Menschen und ist gerade deshalb so mächtig (und auch gefährlich) weil es durch den Heiligen Geist in der Lage ist uns persönlich und individuell anzusprechen. Die Bibel ist also für den Christen die persönliche individuelle Weltanschauung während die zehn Gebote, Jesus und Gott die Grundlage für die ergänzende und übergeordnete Weltanschauung aller Christen bilden. Für den lehrenden Teil der Weltanschauung kommt dann die historische Komponente dazu, welche uns hilft die Texte in ihrer vollen Tiefe zu verstehen. Wichtig ist es meiner Meinung, dass die biblische Weltanschauung nicht als starr und unveränderbar betrachtet wird, sondern als „lebendiges Wesen“.


4. In „Herr der Ringe sind viele Bezüge auf diese biblische Weltanschauung. Welche davon sind Dir beim Lesen oder Ansehen besonders wichtig geworden?
Bereits im „Silmarillion“, genauer gesagt bei der Schilderung der Erschaffung der Zwerge, wird klar dass die Liebe zum Leben ein durchgehendes Thema dieser Welt ist. Das zeigt sich in „Herr der Ringe“ besonders in Gandalf welcher dem Leben aller Lebewesen unglaublich zugeneigt ist. Auf der anderen Seite zieht sich aber auch durch die ganze Geschichte von Mittelerde die Aussage das Macht, Gier, Stolz und selbst Furcht unglaublich viel Schaden anrichten können. Das eindrücklichste Beispiel dafür ist in meinen Augen Sméagol/Gollum der sich von der Gier nach dem Ring so verzerren lässt, dass er schlussendlich zusammen mit diesem stirbt. Generell wirkt „der Eine Ring“ auf alle die mit ihm in Kontakt kommen und Stellt die Versuchung bildlich perfekt dar. Alle die der Versuchung des Rings widerstehen behalten ihre Stärke oder werden sogar für ihre Willenskraft belohnt (Faramir/Aragorn) während die die seiner Macht verfallen, oder ihn sogar tragen alle dafür büssen. (Selbst Frodo büsst einen Finger dafür ein und Bilbo wird bis zum Verlassen von Mittelerde von der Sehnsucht nach dem Ring geplagt).


5. Im „Herr der Ringe“ findet sich nicht eine einzelne Erlöser-Figur wie das Jesus Christus in der Bibel ist, vielmehr handelst es sich um eine ganze Reihe von Helden, die gemeinsam Mittelerde erlösen. Welche Personen machen welche Aspekte der „Erlösung“ aus?
Ich kann in „Herr der Ringe“ nur Bruchteile von Jesus erkennen. Gandalf steht mit seiner Verwandlung von Gandalf dem Grauen zu Gandalf dem Weissen sicher ein bisschen für die Auferstehung von Christus, jedoch darf man nicht übersehen das Gandalf vermutlich niemals tot war. Ausserdem ist er als lebensbejahender Gegenpart zu Sauron welcher die Welt zu unterjochen versucht sicher auch ein Beispiel für den Sieg von Jesus über den Tod. Jedoch darf man nicht ausser Acht lassen das sowohl Gandalf als auch Sauron lediglich Maiar oder anders gesagt „Unterengel“ sind. Der biblische Teufel findet sein Ebenbild in „Herr der Ringe“ nicht in Sauron, sondern in Melkor/Morgoth welcher fast ausschliesslich im „Silmarillion“ erwähnt wird.
Als weiteres „Bruchstück von Jesus“ wäre sicher noch Aragorn welcher am Ende des Buches die Rolle des gerechten und Gütigen Königs einnimmt was als Anspielung auf Jesus in der neuen Schöpfung verstanden werden kann.
Der dritte und in meinen Augen letzte Aspekt von Jesus ist in meinen Augen Frodo, der das Martyrium auf sich nimmt um den Ring zu vernichten er geht dabei fast durch die Hölle und erleidet Qualen die eigentlich nicht ihm gelten. Frodo hat ähnlich wie Jesus in seinem Tod Qualen und Probleme anderer auf sich genommen um damit die Welt von einem furchtbaren Feind zu erlösen.
Diese Personen mit Jesus zu vergleichen finde ich allerdings problematisch, da ihnen allen entscheidende Aspekte fehlen, welche sie auf eine Stufe mit Jesus heben würden.

6. Gibt es Punkte an „Herr der Ringe“ die dem biblischen Weltbild widersprechen und die Du kritisieren würdest?
Der grösste Unterschied zur biblischen Weltanschauung besteht meiner Meinung nach im Umgang mit dem Tod. Während Gott in den Zehn Geboten das Töten ausdrücklich untersagt gehört es in Herr der Ringe zum Alltag und wird auch selten geahndet. Der einzige der für einen Mord büssen muss ist Beregond der in die Grabstätten mit Blut besudelt und deswegen zur Verantwortung gezogen wird, jedoch spielt hier die Verunreinigung der Stätte und nicht der Mord eine Rolle. Und die „Strafe“ dafür fällt sehr milde aus. Insgesamt kann man also sagen das in Mittelerde Morde geduldet sind solange sie aus gutem Grund geschehen.
Ein weiterer Punkt der sicher nicht dem der Bibel entspricht ist die Beziehung der Menschen, Zwerge und Elben zu ihrem Erschaffer. Die Zwerge verehren ihre Vorfahren während die Elben allenfalls zu den Valar aufsehen, und die Menschen anerkennen überhaupt keine grössere Macht. Von einer persönlichen Beziehung zu ihrem Erschaffer ist in sämtlichen Büchern über Mittelerde nichts zu finden. Das entspricht sicher nicht dem was die Bibel vermittelt und dem was sich Gott von uns wünscht.
Es gibt bestimmt weitere Punkte (wie der Umgang mit dem Tod), aber die alle zu besprechen würde den Rahmen sprengen.
Kritisieren möchte ich keine dieser Punkte, da J.R.R. Tolkien sich bei der Erschaffung von Mittelerde auch an nordische Sagen gehalten hat und die ganze Welt entworfen hat, um einen geschichtlichen Hintergrund für das von ihm erfundene Elbisch zu haben. Er hat wie weiter oben erwähnt, immer wieder betont, dass seine Geschichte keine Allegorie ist und darf deswegen auch nicht als eine Solche bewertet werden. Ich betrachte „Herr der Ringe“ als eine fiktive Geschichte, und die kann hauptsächlich in ihrer Qualität beurteilt werden. Der einzig andere zu beurteilende Aspekt ist, welche Werte die Geschichte vermittelt. Und auch hier muss man sehen, dass ihre Hauptaufgabe die Unterhaltung und nicht die Belehrung ist. Anders als zum Beispiel „Game of Thrones“ ist „Herr der Ringe“ weder unnötig brutal oder übermässig bildhaft beim Beschreiben von Sexszenen noch ist sie in irgendeiner Weise okkult. Im Gegenteil: Die Geschichte vermittelt Werte wie Gnade, Mitgefühl für Schwächere und den Wert des Lebens. Und daran kann man nichts kritisieren.

7. Wenn junge Autoren heute von Tolkien lernen wollen, was würdest Du ihnen empfehlen aus dem „Herr der Ringe“ zu lernen, wenn sie auch eine unterhaltsame Geschichte auf der Basis der biblischen Weltanschauung schreiben möchten?
Ganz einfach. Wenn sie nicht ein Buch schreiben wollen welches wie Narnia ganz klar Jesus als Zentrum hat und über grosse Stücke auch als Allegorie dienen soll, dann sollten sie es ganz klar so machen wie J.R.R. Tolkien. Sie sollten kucken dass ihre Überzeugungen und die christliche Weltanschauung nicht zu sehr durchdrücken. Gerade wenn es um Fantasy oder Science Fiction geht, ist es wichtig dass die Geschichte eine Solche bleibt und nicht plötzlich zur Predigt wird. Die Biblische Weltanschauung kann ein Fundament sein, oder lediglich eine Inspiration, wenn die Story unterhalten soll darf die Weltanschauung des Autors nicht die Hauptsache sein, sonst wirkt die Story schnell künstlich. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten Überzeugungen und erlebtes in einem Buch durchblicken zu lassen, aber so wie ein Buch nur Bruchstücke einer Welt zeigt, sollte die Geschichte nur Bruchstücke einer Weltanschauung zeigen. Um das noch an einem Beispiel zu verdeutlichen, wenn ich von einer Person erzähle die beim Reden auf einen Haufen komischer Wörter zurückgreift, und ich diese Wörter die ganze Zeit benutze dann wird das ganze schnell schräg und ermüdend zu lesen. Anders ist es natürlich wenn die Geschichte sehr an unsere Realität angelehnt ist, dann kann es durchaus mal sein, dass eine Person ein Gebet spricht, oder in die Kirche geht um Antworten zu bekommen oder dort Gott zu begegnen.
Generell kann ich jedem der ein Buch schreiben will empfehlen ein Buch übers schrieben zu lesen. Meist wird hier auch erklärt wie man sich von grossen Autoren wie Tolkien inspirieren lassen kann. Empfehlenswert hierzu ist das Buch „Romane und Kurzgeschichten schreiben“ von Alexander Steele.
Als letzter Tipp: darüber beten, das Buch unter Umständen auch anderen Christen zeigen, während des Schreibens Worship hören. Wenn man Gott in die Geschichte mitnimmt, wird er am Ende auch darin spürbar sein.



8. Welche anderen Bücher kannst du empfehlen die auch unterhaltsame Geschichten auf der Basis der biblischen Weltanschauung sind?
Sämtliche Geschichten von C.S.Lewis, besonders die Perelandra-Trilogie und die Narnia-Bände. Und wenn man gerne Krimis hat dann sollte man sich auf jeden Fall die Bücher von Randy Singer antun (besonders die, die ähnliche Titel haben wie John Grisham-Romane, zum Beispiel: „Die Vision“, „Das Spiel“ usw.)


1 Das Tolkien Lesebuch, 3. Auflage November 2003, Seite 176

2 Das Tolkien Lesebuch, 3. Auflage November 2003, Seite 289

Samstag, 27. Februar 2016

Suchet Baden-Württembergs Bestes!

Einmal mehr stehen Wahlen vor der Türe – und ich bin dankbar dafür. Die Vielzahl der Parteien durch das ganze Spektrum hindurch ist ein Indikator dafür, dass wir in einem freien Land leben, unsere Meinung in mündlichen und schriftlichen Worten, aber auch durch die Wahl von Volksvertretern kundtun dürfen.

Die Bibel fordert uns auf, in unserem Umfeld zu leben – als Bürger des Himmelreichs und zugleich als Bürger unserer irdischen Städte, Orte, Bundesländer, Staaten. Als Israel in die Verbannung geführt wurde, nach Babel, in die Stadt der Feinde, die eigene Heimat zerstört, da sagte Gott durch Jeremia zu Seinem Volk: So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel weggeführt habe: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und eßt ihre Früchte; nehmt Frauen und zeugt Söhne und Töchter; und nehmt Frauen für eure Söhne, und eure Töchter gebt Männern zur Frau, damit sie Söhne und Töchter gebären, damit ihr euch dort mehrt und eure Zahl nicht abnimmt! Und sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum Herrn; denn in ihrem Frieden werdet auch ihr Frieden haben! (Jeremia 29, 4 – 7)

Sucht den Frieden, sucht das Beste für diese Stadt eurer Feinde! Also sogar für die Feinde und Unterdrücker sollten sie das Beste suchen. Wieviel mehr wir, die wissen, dass wir unter den Menschein keine Feinde mehr haben, die uns gefangennehmen wollen!

Eine Art, den Frieden und das Beste für unser Umfeld zu suchen, besteht darin, Menschen zu wählen, die wir am fähigsten halten, unsere Anliegen in der Politik zu vertreten. Das Wählen ist eine Möglichkeit, mit der wir Gott ehren können – von ganzem Herzen, mit ganzem Verstand, mit ganzem Willen und all unseren Kräften. Wir überlegen dabei, beten darüber, beschäftigen uns mit Dingen, die Gott wichtig sind, bewegen sie in unserem Herzen, fassen einen Entschluss und führen ihn schlussendlich aus. Jeder Schritt davon ehrt Gott, weil Er uns als Seine Ebenbilder geschaffen hat.

Doch wo fangen wir an?
Ein gutes Hilfsmittel ist der sogenannte Wahl-O-Mat. Die meisten Parteien haben dort die 38 Fragen beantwortet und das können wir auch tun und dann schauen, wieviel Prozent Übereinstimmung in welchen Fragen es mit welchen Parteien gibt. Oder vielleicht kennen wir auch bestimmte Personen, die man wählen kann, und halten diese für besonders gut. Das wäre natürlich ein Vorteil, der vieles vereinfacht. 

Dann hat jede Partei ein Wahlprogramm. Diese zu lesen lohnt sich sehr, denn mit 38 Fragen sind noch längst nicht alle Themen abgedeckt. Außerdem sieht man da auch, dass es zwischen den Bundesländern innerhalb derselben Partei häufig recht große Unterschiede gibt. In Berlin sind andere Themen und Positionen wichtig als in Bayern oder Baden-Württemberg. Das ist mit ein Grund, weshalb es falsch wäre, eine Partei in einem Bundesland für etwas zu „bestrafen“, was im ganzen Staat oder in einem anderen Bundesland beschlossen wurde.

Es gibt einige Themen, die die Bibel klar vorgibt: Recht, Freiheit, Verantwortlichkeit, und so weiter. Und dann hat jeder von uns von Gott so ein paar bestimmte Themen aufs Herz gelegt bekommen, die uns ganz besonders wichtig sind. Diese werden auch beim Wahl-O-Mat entscheidend sein. Und das ist gut so. Deshalb werden verschiedene Menschen auch ganz unterschiedliche Ergebnisse bekommen. Und auch am Ende ganz unterschiedlich wählen. Das ist gut so, und ich freue mich über die Vielfalt an Menschen, die Gott geschaffen hat und über die vielen verschiedenen Sichtweisen. Sie bereichern einander und geben dem Ganzen ein vieldimensionales und farbiges Bild.


Montag, 22. Februar 2016

Auslegungspredigt im Alten Testament

Schon im Alten Testament finden sich zahlreiche Auslegungspredigten. Prediger haben das genommen, was Gott davor gesprochen hat und für ihre Zuhörer ausgelegt und auf sie angewandt. So ist etwa der größte Teil des 5. Mosebuchs eine lange Predigt, in der Mose vom Volk Israel Abschied nimmt und noch einmal das Gesetz, insbesondere die 10 Gebote, ausführlich auslegt (Kapitel 5 - 28) und am Schluss auf das Volk Israel anwendet (Kapitel 29 - 30).

Viele Psalmen sind Auslegungen verschiedener Texte aus den fünf Büchern Mose. Auch die Schriften Salomos (Sprüche, Prediger, Hoheslied) enthalten an einigen Stellen solche Auslegungspredigten. Besonders deutlich wird es aber auch bei Nehemia. Dort las der Priester Esra das Gesetz (vermutlich das 5. Buch Mose) vor und die Leviten legten das Gelesene aus, sodass das Volk das Gesetz verstand und kapierte, dass es gegen Gott rebelliert hatte und zu weinen begann. Diese Auslegungspredigt brachte eine Veränderung in die Herzen. Als Antwort darauf feierten sie das Laubhüttenfest, wie Gott es ihnen befahl (Nehemia 8).

Besonders deutlich wird die Auslegungspredigt bei den Propheten. Diese hatten in erster Linie nicht den Auftrag, die Zukunft vorherzusagen (das taten sie zwar auch) sondern in erster Linie sollten sie Gottes Volk immer wieder zu Gott und Seinem Wort zurückrufen. Deshalb sind viele Kapitel in den Prophetenbüchern der Auslegung und der praktischen Anwendung des Gesetzes gewidmet.