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Dienstag, 14. August 2012

Wir müssen uns von der Bibel an die Hand nehmen lassen

Gerade ein gutes Zitat bei Prof. Hans Joachim Iwand gefunden:

"Wenn ihr nicht gewillt seid, darauf Rücksicht zu nehmen, in wessen Bereich und Wirklichkeit ihr eintretet, wenn ihr euch nicht von der Bibel an die Hand nehmen lasst, dann freilich werdet ihr gerade die Sache der Bibel nicht begreifen. Ihr werdet sie zerschlagen und auseinandernehmen wie eine Uhr in viele, viele kleine Teilchen, ihr werdet diese Teilchen genau untersuchen und studieren, aber ihr werdet sie nicht wieder zusammensetzen können und das Uhrwerk - der ihm eigentümliche Gang und Stundenschlag - wird vernichtet sein." (H. J. Iwand, Nachgelassene Werke, Bd. 1: Glauben und Wissen, S. 272)

Donnerstag, 12. April 2012

Gottes Wort bleibt in Ewigkeit


Gottes Wort bleibt in Ewigkeit

Es spricht eine Stimme: Verkündige! Und er sprach: Was soll ich verkündigen? »Alles Fleisch ist Gras und alle seine Anmut wie die Blume des Feldes! Das Gras wird dürr, die Blume fällt ab; denn der Hauch des Herrn hat sie angeweht. Wahrhaftig, das Volk ist Gras! Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen; aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit!« (Jes. 40, 6 – 8)

Die Aufgabe des Wegbereiters ist es, Menschen solcherart in die Beziehung mit Gott zu bringen, dass Er Seine Herrlichkeit unter den Menschen sichtbar machen kann. Dies kann nur da geschehen, wo der Mensch seiner Schwachheit bewusst wird, damit Gottes Stärke in ihm und durch ihn wirken kann. So ist es klar, dass der nächste Auftrag an Jesaja der ist, den Menschen ihre Schwäche zu zeigen. Ohne die Erkenntnis der eigenen Schwäche ist die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes unmöglich. So bekommt der Tröster und Wegbereiter nun seinen dritten Auftrag: Denjenigen des Verkündigers. Johannes der Täufer macht mit der Taufe klar, dass zum Leben mit Gott zuerst der Tod kommen muss. Das Eintauchen ins Wasser symbolisiert das Sterben, das Auftauchen aus dem Wasser die Auferstehung des Menschen aus den Toten. Und auch nach der Taufe besteht das ganze Christenleben aus einem einzigen Sterben: Das Abtöten des alten Menschen und Anziehen des neuen Menschen. Johannes der Täufer verurteilte die fleischliche Haltung der Pharisäer, die ihr Leben selbst retten wollten durch das Halten von Geboten und machte klar, dass Buße tun zu einem Leben mit Gott dazu gehört.

Auch heute gibt es eine große Bewegung, die Gott mit dem Fleisch ehren will. Wie bereits im Pharisäertum ist es auch da eine Bewegung, die den Menschen und seine menschengemachten Lehren ins Zentrum stellt und dabei Gottes Wort hinten anstellt. Gottes Wort, von dem hier die Rede ist, wird nicht mehr ernst genommen. Vielmehr wird es verdreht und zurechtgebogen, um möglichst wenig Widerspruch zu erfahren. Wo ist denn der Eifer und die Liebe zu Gottes Wort geblieben? Wo ist das Vertrauen in dieses Wort? Der Mensch ist wie Gras, das in der Wüste so schnell verdorrt. Was er sagt, ist vergänglich. Was er tut, ist vergänglich. Was er tut, ohne Gottes Wort befragt zu haben, ist wertlos, nichtig. Gottes Wort braucht keine Ökumene, um bestehen zu können. Es braucht nur Vertrauen, dass das, was es sagt, Bestand hat. Es gibt so viele Anti-Theologien, die Gottes Wort verdrehen, statt es zu fördern. Zum Beispiel die feministische „Theologie“, welche meint, eine eigene „Bibel“ in „gerechter“ Sprache haben zu müssen. Es ist echt ein Armutszeugnis!

Wer die Bibel ernst nimmt, muss auch ernst nehmen, was Jesaja hier verkündigt: Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen, aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit! Die Menschen können noch viel tun und versuchen, um Gottes Wort ungültig zu machen. Es sind viele mit dem Geist des Antichristen unterwegs und versuchen, die Gläubigen zu verführen. Wölfe im Schafspelz nennt die Bibel jene. Wo menschliche Philosophie, Wissenschaft und Besserwisserei sich über das Wort Gottes stellt, wird Gott Sich distanzieren. So sagt Christus auch zur Endzeit-Gemeinde von Laodizea: Siehe, Ich stehe vor der Tür! Christus ist dort nicht unter den „Christen“, nicht in der Gemeinde drin, sondern draußen. Vor der Tür. Und muss anklopfen. Welch ein Armutszeugnis! Alle Theologie, die Gott wirklich ernst nehmen möchte, muss deshalb unter dem Wort stattfinden. Sie darf sich nicht über die Schrift, über das Wort unseres Gottes stellen, sonst ist sie wie Gras, das in der Wüste schnell verdorrt. Wie die Blume, die für eine kurze Zeit zu begeistern vermag, aber doch so schnell zu Ende geblüht hat und eingeht. Lasst uns also Tröster, Wegbereiter und Theologen sein, die wissen, von wem sie reden: Von dem einen Gott der Bibel, dessen Wort in Ewigkeit Bestand hat. Von dem Einen, der Seine Herrlichkeit unter den Menschen sichtbar machen möchte, doch in den heutigen Gemeinden so oft außen vor bleibt. Er steht vor der Tür und klopft an. Öffnest du ihm die Türe? Möchtest du unter Seinem Wort stehen und von Ihm beurteilt und verändert werden, statt dich weiterhin darüber zu stellen und es mit deinem beschränkten Verstand beurteilen und verändern zu wollen?

Donnerstag, 30. Juni 2011

Ein wahrlich weises Wort

Angesichts all der modernen Bibelkritik, die von allen Seiten auf die Bibel und auf uns "Fundamentalisten" einstürmt, kann es nur gut tun, sich immer mal wieder bewusst zu werden, dass wir nicht die ersten sind, welche mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen haben. Manchmal kommt es uns so vor, als ob dies erst durch die moderne liberale Theologie und die Wissenschaftsgläubigkeit so gekommen sei. Doch bereits vor rund 450 Jahren hatte Johannes Calvin, der Genfer Reformator, mit genau den selben Problemen Ungläubiger zu kämpfen. Man lese selbst (Institutio 1, Kapitel 7, die Abschnitte 1 und 2):


Bevor wir weitergehen, muss zunächst noch einiges über die Autorität der Heiligen Schrift eingefügt werden. Diese Feststellungen sollen der Ehrfurcht vor der Schrift dienen und auch jeden Zweifel beseitigen. Ist es einmal anerkannt, dass es sich um Gottes eigenes Wort handelt, so wird keiner so vermessen sein, ja geradezu des Menschenverstandes und gar alles menschlichen Sinnes beraubt sein, dass er dem, der da redet, den Glauben weigern möchte. Nun ergehen aber nicht alle Tage Offenbarungsworte vom Himmel und es hat Gott gefallen, allein in der Schrift seine Wahrheit zu stetem Gedächtnis zu erhalten. Deshalb kann die Bibel nur dann den Gläubigen gegenüber die volle Autorität erlangen, wenn sie gewiss wissen, dass sie vom Himmel herab zu ihnen kommt, als ob Gottes eigene Stimme hier lebendig vernommen würde. Die Sache ist wahrlich wert, ausführlicher behandelt und genauer erwogen zu werden. Trotzdem müssen die Leser entschuldigen, wenn ich mehr auf den Umfang der Behandlung achte, den die Aufgabe des vorliegenden Werks erträgt, als auf den, der durch die Bedeutung der Sache erforderlich wäre.

Indessen hat sich bei vielen der verderbliche Irrtum eingeschlichen, die Schrift habe nur so viel Gewicht, als ihr das Gutdünken der Kirche zugestehe. Als ob Gottes ewige und unverletzliche Wahrheit auf menschliche Meinung gegründet wäre! Man spottet dabei des Heiligen Geistes und fragt: „Wer verbürgt uns, dass diese Schriften von Gott stammen? Und wer versichert uns, dass sie heil und unversehrt bis in unsere Zeit übergekommen sind? Wer soll uns überzeugen, dass das eine Buch in Ehrfurcht anzunehmen, das andere auszuschließen sei? Wer – wenn nicht die Kirche für alle diese Dinge eine klare Regel vorschriebe?“ - „Also“, so sagt man weiter, „hängt es von der kirchlichen Bestimmung ab, welche Verehrung der Schrift zukommt und welche Bücher ihr überhaupt zuzurechnen sind!“ So machen sich diese Menschen, die Gott die Ehre rauben, bei ihrem Versuch, unter dem Vorwand der Kirche, zügellose Tyrannei einzuführen, gar keine Sorge darüber, in was für Widersinnigkeit sie sich und andere verwickeln – wenn sie nur einfältigen Leuten die Meinung aufdringen, die Kirche hätte Vollmacht zu allem. […]

Aber solche Spitzfindigkeiten widerlegt ein einziges Wort des Apostels. Er bezeugt, dass die Kirche erbaut ist auf dem Fundament der Propheten und Apostel (Eph. 2,20). Wenn nun die Lehre der Propheten und Apostel das Fundament der Kirche ist, so muss sie schon eher Autorität haben, als die Kirche überhaupt da ist.

Nichtig ist auch der törichte Einwand, es sei, obwohl die Kirche ihren Ausgang von dieser Lehre genommen habe, doch immer noch ungewiss, welche Schriften denn nun den Propheten und Aposteln zuzuschreiben wären, wenn nicht hier das Urteil der Kirche eintrete. Denn wenn die christliche Kirche im Anfang auf die Schriften der Propheten und die Botschaft der Apostel gegründet wurde, so ging die Anerkennung dieser Lehre, ohne welche die Kirche nie entstanden wäre, doch sicherlich dem Dasein der Kirche voraus. Deshalb ist es leere Menschensatzung, wenn man sagt, die Vollmacht zur Beurteilung der Schrift liege bei der Kirche, so dass von ihrer Zustimmung die Gewissheit der Schrift abhinge. Denn wenn es zu solcher Anerkennung kommt, so bedeutet das nicht, dass die Kirche die Schrift, als wäre sie zuvor zweifelhaft und strittig, erst glaubwürdig mache. Es geschieht doch im Gegenteil, weil die Kirche hier die Wahrheit ihres Gottes erkennt und ihr deshalb, wie es Pflicht der Frömmigkeit ist, unbedenklich Verehrung entgegenbringt.

Wenn man daher fragt: „Woher sollen wir denn überhaupt die Überzeugung haben, die Schrift komme von Gott her zu uns, wenn wir nicht zum Urteil der Kirche unsere Zuflucht nehmen?“, so ist das genau so, als wenn jemand fragte: „Woher sollen wir denn Licht und Finsternis, Weiß und Schwarz, Süß und Bitter unterscheiden lernen?“ Denn die Wahrheit der Schrift erweist sich ganz von selbst und ist darum nicht weniger deutlich als die Farbe an einem weißen oder schwarzen, der Geschmack an einem süßen oder bittern Ding!“

(Johannes Calvin, Institutio deutsch, übersetzt von Otto Weber, Buchhandlung des Erziehungsvereins Neukirchen, Kreis Moers, 1936, Seiten 42 - 44)