Samstag, 13. August 2016

Auslegungspredigt ist... eine Herzenshaltung!

Ich habe zur Auslegungspredigt bisher eine Minimaldefinition und eine "negative Definition" gegeben. Heute möchte ich einen weiteren Gedanken dazu äußern, was ich unter der Auslegungspredigt verstehe. Auslegungspredigt ist zunächst nicht so sehr eine Methode der Predigtvorbereitung, sondern eine Herzenshaltung, WIE ich an die Predigtvorbereitung herangehe.

Ganz einfach gesagt, geht es um den Unterschied, was ich von der vorzubereitenden Predigt im Kopf habe, bevor ich mit der Vorbereitung des Predigttextes anfange. Wenn ich in diesem Moment schon eine Vorstellung davon habe, was ich der Gemeinde sagen möchte, dann bin ich unfähig zur Auslegungspredigt geworden. Es geht also nicht nur darum, Sprungbrett-Predigten zu vermeiden, sondern auch darum, bei der Vorbereitung vom Text auszugehen und nicht von meinen Gedanken, die ich davor habe.

Anders gesagt: Auslegungspredigt stellt den Bibeltext an den Anfang, in den Mittelpunkt und an das Ende der Predigtvorbereitung. Der Bibeltext bestimmt, was ich am Ende in der Predigt sagen werde. Sobald ich nämlich schon meine eigenen Gedanken und Themen an den Bibeltext herantrage, bin ich voller Vorurteile, was der Text sagen soll. Und genau das gilt es zu vermeiden. Ein zweiter Grund ist damit verknüpft: Jeder von uns hat so seine bestimmten Themen und Gebiete, wo er sich zu Hause fühlt. Vorurteilsloses Herangehen an den Bibeltext führt dazu, dass wir über diesen Tellerrand hinausschauen müssen. Es bereichert auch unser eigenes Leben enorm. Drittens ist es so, dass ich andere nur mit dem zum Brennen bringen kann, wovon ich selbst schon brenne. Diese Herangehensweise führt dazu, dass man sich ganz intensiv mit dem Bibeltext beschäftigen muss, und diese Reibung am Bibeltext bewirkt, dass man immer wieder von Neuem von Gottes Wort in Brand gesetzt wird.

Des Weiteren ist es die Herzenshaltung, die Gott zeigt, dass wir Seinem Wort vertrauen. Es geht dabei nicht so sehr um unser Können und Wissen, Tun und Lassen (obgleich wir innerhalb des Bibeltextes natürlich unser Bestes geben), sondern es ist die Wirkung, die Gottes Wort zuerst an uns als Predigern und danach am Hörer hat. Deshalb ist es auch die einzige Herangehensweise, welche sicherstellen kann, dass wir Gottes Wort und nicht unsere eigenen Gedanken verkünden. Wenn jemand predigt, so ist es Gott, der durch den Prediger zum Hörer reden will. Durch die Auslegungspredigt stellen wir sicher, dass unsere Predigt tatsächlich dem Wort Gottes entspricht, das Er heute durch die Predigt an die Hörer richten will. Gottes Wort kommt niemals leer zurück, das hat Gott uns ganz fest versprochen. Und dafür bin ich immer wieder sehr dankbar.


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