Freitag, 6. Juli 2012

Früher Konstruktivismus und der Glaube an die Philosophie

Bin gerade auf eine interessante Aussage bei Wilhelm Vatke gestoßen:

In der That construirt Jeder die Geschichte, welcher sie mit lebendigem Interesse auffaßt und darstellt, und je nachdem ein Individuum sein eigenes Wesen mehr einseitig oder vielseitig begriffen hat, faßt es die Vergangenheit auf im Spiegel des Gefühls, der Phantasie, des Denkens u.s.w. Es kommt daher vor Allem darauf an, von vorn herein einen solchen Standpunkt zu nehmen, welcher selbst seinem Begriffe nach die größt mögliche Allgemeinheit hat und deshalb von keiner besonderen Auffassungsform abstrahiren darf. Diese höhere Objectivität kann nur die Philosophie erzeugen, als die Wissenschaft der Wissenschaften, welche die Schranken jeder einzelnen Wissenschaft und jeder besonderen Anschauungsweise aufhebt und dieselbe zum flüssigen Moment eines höheren Ganzen, der Wahrheit schlechthin, macht, und eben so in der Geschichts-betrachtung die verschiedenen Erscheinungsformen des Geistes zur Idee des Geistes selbst zusammenfasst.“

(Vatke, Wilhelm, Die Biblische Theologie, 1. Aufl. von 1835, S. 16)

Interessant, wie hier ein früher Konstruktivismus mit einem unwahrscheinlichen Glauben an die "Philosophie" einhergeht!

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