Freitag, 13. Juli 2012

Selig sind die Barmherzigen


Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen! (Matthäus 5, 7)

Bisher haben wir uns mit den in den Versen 3 – 6 ausgeführten Merkmalen des christlichen Charakters befasst. Nach diesen kommen in den Versen 7 – 10 die Merkmale des christlichen Verhaltens. Das erste dieser Merkmal ist, dass ein Christ barmherzig ist. Es ist von großer Bedeutung, dass wir wissen, dass das Verhalten immer ein sichtbarer Ausdruck des Charakters ist. Deshalb kommt auch hier in den Seligpreisungen zuerst der Charakter zur Sprache. Der Charakter ist immer das Fundament, auf dem das Verhalten aufgebaut ist, denn jedes Verhalten ist eine Frucht des Charakters. Nur so ist es zu verstehen, dass Paulus und Jakobus beide Abraham als Vorbild für die Rechtfertigung nehmen: Bei Paulus ist er ein Vorbild für den Glauben, der ein Teil des Charakters ist, und bei Jakobus ist Abraham das Vorbild für das Verhalten, welches ein sichtbarer Ausdruck, eine Manifestation dieses glaubensvollen Charakters ist.

So ist jedes Verhalten erst dann verständlich, wenn wir den Charakter unter die Lupe genommen haben aber zugleich kann man den Charakter aus dem Verhalten ableiten. Wenn wir einen Becher mit frischem Wasser füllen und sich das Wasser im Becher verfärbt, so können wir daraus schließen, dass der Becher nicht ganz sauber war. So widerspiegelt jedes Verhalten ein Stück vom Charakter der jeweiligen Person. So sind auch unsere hiesigen Seligpreisungen ein sehr guter Maßstab für unseren Glauben. An ihnen lässt sich erkennen, dass wir noch nicht ganz am Ziel angelangt sind. Zugleich sollten wir an ihnen auch erkennen können, dass wir dennoch im Laufe der Jahre ein Stück weit auf dieses Ziel zu gewachsen sind. Das können wir dann sehen, wenn wir unser Leben seit dem Zeitpunkt der Bekehrung bis heute durch das Fernglas dieser Verse betrachten.

Glückselig sind die Barmherzigen. Barmherzigkeit bedeutet, dass wir erstens erkennen, worin unsere Mitmenschen unter dem Fluch leiden, den die Ursünde über die Welt gebracht hat. Menschen, die krank sind, Schmerzen haben, trauern, ächzen und stöhnen unter der Last ihrer Arbeit, Ehen, die zerbrechen, eine Gesellschaft der Korruption, und so weiter. Die gesamte Pervertierung der so wunderbar geschaffenen Welt, der göttlichen Schöpfung, ist die Folge von Sünde. Gegenseitige Ausbeutung ist Sünde. Streit um des Gewinnens willen ist Sünde. Gemachte Versprechen brechen und dadurch andere Menschen enttäuschen, ist Sünde. Alles Elend dieser Welt lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Sünde. Und hier beginnt nämlich der erste Schritt der Barmherzigkeit, dass wir erkennen, dass dies der Fall ist.

Doch Barmherzigkeit bleibt nie beim Erkennen stehen. Leider meinen viele Menschen, dass die Probleme der Welt allein dadurch gelöst werden können, dass man sie anspricht. Doch wahre Barmherzigkeit spricht die Probleme nicht nur an, sie leidet mit. Sie tröstet die Trauernden, weint mit den Weinenden, beichtet mit den Beichtenden und gibt sich so an diejenigen hin, die ganz besonders am Fluch der Sünde zu leiden haben.

Drittens aber, und das ist das Wichtigste, Barmherzigkeit tut alles, um die Folgen der Sünde zu beseitigen. Wer wirklich barmherzig im Sinne Gottes ist, der gibt sich auch der Aufgabe hin, die Probleme zu lösen, welche das Resultat dieses Fluchs sind. Barmherzigkeit nimmt sich derer an, die an sich verzweifeln und gibt dort den Samen des Evangeliums in den Boden hinein, der, durch das schwere Leid gepflügt, tiefe Furchen aufweist. Manchen Menschen sieht man die Furchen des Herzens auch im Gesicht an. Gerade auch dort finden wir sehr oft einen Herzensboden vor, der über viele Jahre hinweg vernachläßigt wurde, und doch wunderbar vorbereitet ist. Oft ist der Boden derart ausgetrocknet, dass der Same erst dann wirklich keimen kann, wenn er durch die Gießkanne des Gebets mit genügend Wasser des Heiligen Geistes bewässert wurde. Vielfach lohnt es sich sehr, diesen Versuch zu wagen und vom Herrn Jesus zu erzählen. In unserer Zeit der fehlenden Werte und einer lügnerischen Toleranz hungern viele Menschen nach Verbindlichkeit und Wahrheit.

Als Christen dürfen wir wissen, dass Gott uns versprochen hat: Weil wir barmherzig sind, werden wir auch Barmherzigkeit empfangen. Gott weiß um unsere Nöte und leidet mit uns. Und eines Tages wird Er auch alle unsere Nöte beseitigen. Er wird neue Himmel und eine neue Erde schaffen. Wir werden aus diesem Leib des Todes und de Sünde herausgerissen und in Auferstehungsleibern die gesamte Ewigkeit mit unserem Herrn und Retter zusammen verbringen. Und gerade da wir Gott als den Barmherzigen als unser Vorbild haben, dürfen auch wir als Barmherzige leben.

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