Donnerstag, 12. Juli 2012

Die jüdische Bibel und die Christen

Ich lese zur Zeit ein exzellentes Buch von Dr. theol. Erich Zenger, dem ehemaligen Alttestamentler der Universität Münster. Das Alte Testament wird oft kritisiert von manchen Christen. Zengers Anfragen an die Christen, die solches tun, sind einfach gut, sodass ich sie auszugsweise zitieren möchte:
"Das Alte Testament wird neben das Neue Testament gestellt und so an ihm gemessen, daß das Neue in jedem Fall "neu" erscheint. Dabei wird meist mit ungleichem Maß gemessen: Man sucht sich die Highlights des Neuen Testaments heraus und vergleicht sie mit "problematischen" oder schwierigen Texten des Alten Testaments. Man vergleicht zum Beispiel nicht die Botschaft Jesu vom barmherzigen Gott mit dem breiten Strom der Texte, die den Gott Israels in Aufnahme der "Sinai-Gnaden-Formel" Ex 34,6f [...] als den über die Maßen barmherzigen Gott verkünden, sondern sucht gezielt nach Texten, die zu den neutestamentlichen Texten ausgesprochene Kontrasttexte sind. [...] In der Tat: Nur wer das Neue Testament selektiv kennt oder liest, kann die dümmliche, weil falsche, Antithese Altes Testament = Gott der Rache / des Gerichts - Neues Testament = Gott der Güte / Barmherzigkeit weiterlallen." (Zenger, E., Das Erste Testament, Patmos Verlag Düsseldorf, 3. Aufl. 1993, S. 42f)

Später kommt er zu folgender Anfrage:
"Sind die christlichen Nörgler am Alten Testament, die diesem vorwerfen, es sei "anders" als das Neue Testament, nicht paradox? Sie nehmen das Geschenk an, nehmen sich den besten Teil davon heraus und nörgeln dann mit Blick auf den verbleibenden Teil, das Geschenk sei doch insgesamt ein minderwertiges Geschenk gewesen. Sie sind wie Leute, die in einer Bäckerei dem Bäcker vorwerfen, daß er kein Gemüse bäckt!" (ebd. S. 45)

Kommentare:

  1. Wir hatten letzte Woche in der Schule die Diskussion und vorgestern auch im Hauskreis, ob die Juden an Werksgerechtigkeit glauben bzw. ob es von Gott so gewollt war. Davon komme ich immer mehr ab und freunde mich sehr mit dem Gedanken, dass der Zugang zu Gott schon immer durch Glauben bestand, an. Ist vielleicht auch eine falsche Prägung, die man so mitgekriegt hat und die dazu führt, dass man durch das "neue" Testament das "alte" Testament als nicht gleichwertig ansieht. Besser wäre vielleicht gewesen von ersten und zweitem Testament zu reden...
    Dabei stellt sich auch die grundlegende Frage: Was ist eigentlich das "Neue" am "Neuen" Testament? :)

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  2. Wir hatten letzte Woche im Studium und vorgestern im Hauskreis die Frage, ob die Juden an die Werksgerechtigkeit glauben bzw. inwiefern das gottgewollt war etc. Davon komme ich immer mehr ab und freunde mich sehr mit dem gedanken an, dass der Zugang zu Gott schon immer durch Glauben bestand und die Juden auch schon immer einen gnädigen hatten und ihre Werke aus Liebe zu ihm bzw. um in seiner Nähe bestehen zu können, taten. Ich denke, dass da auch eine grundlegend falsche Prägung in uns ist, die dazu führt, dass wir das "Neue" Testament über das "Alte" Testament stellen. Besser wäre vielleicht von dem "Ersten" und dem "Zweiten" Testament zu reden.
    Dabei stellt sich grundlegend die Frage: Was ist eigentlich genau das "Neue" am "Neuen" Testament?

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