Sonntag, 16. August 2015

Bezahlter Missbrauch

Ich habe in den letzten Tagen das Buch „Paid for“ von Rachel Moran gelesen. Es geht um ihren Weg in die Prostitution, was sie darin erlebt hat und wie sie wieder herausgekommen ist nach sieben Jahren als Prostituierte in Irland. Sie erzählt dabei nicht nur von sich selbst, sondern bezieht die Erfahrungen vieler anderer Frauen mit ein, die sie dabei kennengelernt hatte und sieht deshalb auch viele Dinge, die quer durch die Prostitution hindurch gültig sind. Auch wenn mir vieles darin bereits bekannt war, hat mich das Buch immer wieder betroffen gemacht.

Die zentrale Aussage des Buches ist ungefähr die: Eine Frau, die sich prostituiert, erlaubt damit dem Mann, der sie bezahlt, dass er sie sexuell missbrauchen darf. Sie hat damit ihr Recht verkauft, den sexuellen Ausbeuter verklagen zu können – und damit hat sie sich selbst verarscht.

Wie kommen Frauen in die Prostitution? Rachel Moran kam aus einem sehr schwierigen Elternhaus. Fünf Kinder, die von Eltern erzogen wurden, die beide erhebliche psychische Probleme hatten. Der Vater wurde oft in einer psychiatrischen Klinik stationär behandelt, die Mutter war manisch-depressiv und hatte Angst vor der Umwelt. Alle Menschen waren böse, die Kinder wurden eingeschlossen ins Haus und durften nur zur Schule oder um das Nötigste einzukaufen das Haus verlassen. Rachel fühlte sich deshalb schon als Kind als Außenseiter der Gesellschaft. Sie konnte sich kaum vorstellen, einen respektablen Beruf auszuüben. Als sie etwa dreizehn war, beging der Vater Selbstmord und wenige Monate darauf wurde sie von der Mutter aus dem Haus geworfen. Sie war obdachlos geworden.

Obdachlosigkeit und die finanzielle Lage sind Probleme, die viele Frauen in die Prostitution bringen. Wer obdachlos ist, hat überhaupt kein Zuhause mehr, absolut keine Sicherheiten, und das ist ein riesiger Druck. Ein Freund, der auch obdachlos war, empfahl ihr, es mal mit der Prostitution zu versuchen. Sie hörte auf ihn, und war bald darauf (mit 15 Jahren!) eine Straßenprostituierte.

Die ganzen brutalen Erlebnisse erspare ich dem Leser mal, wer mehr wissen möchte, kann sich das Buch auch besorgen. Ok, ein Erlebnis ist mir ganz tief unter die Haut gegangen, das erzähle ich doch nach. Einmal, als sie mit 15 auf der Straße stand, kam ein Auto und ein Vater wollte seinem Sohn die Entjungferung durch eine junge Prostituierte schenken. Das finde ich ganz was Schreckliches, die Frage ist doch: Was geben wir der nächsten Generation für ein Bild von der Frau weiter? Auf diese Art lernte doch der Junge, dass sein Vater die Frau nur als ein Stück Fleisch auf dem Markt ansieht. Kein Wunder, dass die Probleme so zunehmen.

Als sie etwa 3 Jahre in der Prostitution war, führte Irland ein neues Gesetz ein, das die Prostitution von der Straße in die Bordelle und Call-Agenturen verbannte. Das Gesetz war dazu gedacht, die Sicherheit der Prostituierten zu erhöhen, aber es führte zum Gegenteil dessen: Auf der Straße war es Moran möglich, sich die „Kunden“ erst mal anzuschauen und dann auszusuchen, ob sie das Angebot annahm. Sie konnte so etwa Betrunkene am Atem herausriechen und wieder wegschicken. Im Call-Center war das nur anhand der Stimme viel schwieriger; auch wollten die Betreiber, dass sie nicht nein sagen. Dies führte zu viel mehr Gewalt und Leid (mal davon abgesehen, dass jeder Kunde eine Menge Leid und Gewalt bedeutete).

Nach sieben Jahren hörte sie auf. Sie hatte ein starkes Drogenproblem entwickelt – außerdem hatte sie einen Sohn, der in der Zeit in der Prostitution zur Welt gekommen war. Doch was konnte sie tun? Im ersten Jahr stieg sie aus den Drogen aus. Doch sie konnte sich kaum vorstellen, einen „normalen“ Beruf zu lernen, weil sie sich als Außenseiterin fühlte. Respektable Arbeiten können doch nur respektable Menschen tun. Und dazu zählte sie sich nicht. Doch Stück für Stück während vieler Jahre konnte sie einen Schulabschluss (College) nachholen und an der Universität in Dublin Journalismus studieren. Dies nur, weil sie Menschen um sich bekam, die ihr halfen, sie hatte ja keine Ahnung von all den Möglichkeiten.

Was können wir tun?

Zunächst ist es wichtig, dass wir Prostitution als das sehen, was sie ist: Nämlich sexueller Missbrauch gegen Bezahlung. Am Missbrauch ändert die Bezahlung nichts. Deshalb sollte die Inanspruchnahme dieser Dienste verboten werden – und gleich bestraft wie sexueller Missbrauch ohne Bezahlung. Vielleicht wäre es an der Zeit, eine Petition dazu zu starten.

Sodann ist es auch wichtig, was wir der nächsten Generation darüber weitergeben. Die Prostitution ist ein Thema, das nicht verschwiegen werden darf. Kinder werden früher oder später darüber stolpern; etwa wenn sie an der Schule die ersten Schimpfwörter entdecken und nach Hause bringen. Spätestens dann – besser vorher – ist Aufklärung darüber nötig.

Die Frage ist auch, wie wir Prostituierte sehen. Sie sind da, sie leiden unter ihrem Leben. Sie können häufig nichts dafür, wo sie gelandet sind. Sie brauchen Hilfe. Sie belügen sich selbst, weil sie keinen anderen Ausweg wissen, als eben in der Prostitution zu bleiben. Der Schritt heraus ist sehr schwierig und braucht viele Menschen und Hilfe.

Können wir Auffangnetze für diese Frauen aufbauen? Könnten das unsere Gemeinden sein? Könnte es sogar sein, dass das eine unserer Aufgaben als Gemeinden ist? Darüber lohnt sich nachzudenken.

Wenn Du weitere Gedanken, Fragen und Ideen hast, bin ich dafür immer dankbar!



Donnerstag, 23. Juli 2015

Papahilfen #1: Das Tragetuch

Unter dem Stichwort „Papahilfen“ möchte ich ein paar Sachen vorstellen, die ich als junger Papa unseres kleinen Sohnes schätzen gelernt habe. Manche Väter haben das Gefühl, dass man mit einem ganz kleinen Baby in den ersten Monaten nur wenig unternehmen und machen kann. Deshalb eine kleine Serie über Hilfsmittel, die ich gut finde.

Das Tragetuch ist eines der ältesten und am weitesten verbreiteten Hilfen, um ein Kind mit sich herumzutragen. Am Anfang ist es etwas gewöhnungsbedürftig, vorne am Körper das Gewicht des Kindes zu tragen. Da hat die Mama schon etwas mehr Erfahrung und Gewöhnung durch die Schwangerschaft. Mir persönlich ist es zu Beginn schwer gefallen, unseren Sohn länger als 10 Minuten so zu tragen. Das hängt einfach damit zusammen, dass ich untrainiert war. Inzwischen finde ich es sehr angenehm und mache auch schon kürzere Spaziergänge mit dem Tuch.

Mir gefällt dabei, ihn direkt an mir zu tragen und zugleich die Hände (mindestens eine Hand) frei zu haben. Ohne Tragetuch ist das viel schwieriger. So kann ich auch bestimmte Arbeiten erledigen und zugleich meinen Sohn an mir tragen. Man sollte sich allerdings daran gewöhnen, den Kopf zu stützen, wenn man sich vorne herunterbeugt, weil ein Baby noch nicht so viel Kraft im Hals hat, um ihn in dem Moment selbst gerade zu halten.

Ein Tragetuch zu binden ist nicht schwierig. Ich habe verschiedene Varianten getestet und muss sagen, dass ich die Kreuztragetechnik am einfachsten und angenehmsten finde. Hier in dem Video unten wird die Art ab 0:50 gezeigt. Im Herbst werde ich voraussichtlich noch einen Kursabend bei unserer Hebamme besuchen, wo es um weitere Tragetechniken und -hilfen geht. Vielleicht werde ich dann nochmal Neues erzählen können.


Dienstag, 14. Juli 2015

Wie wird ein Junge zum Mann? Gedanken zu Robert Blys „Eisenhans“

Im Laufe der vergangenen zwei Wochen habe ich das Buch „Eisenhans“ von Robert Bly gelesen. Ich muss dazu vorausschicken, dass mich das Werk als Ganzes enttäuscht hat. Dies wird zum Teil auch daran liegen, dass ich hohe Erwartungen an das Buch hatte. Seit ich vor einigen Jahren John Eldredges „Der ungezähmte Mann“ gelesen hatte und dieser Bly mehrmals lobend zitiert, war mir klar, dass ich den Eisenhans auch noch lesen muss. Nun habe ich mir die deutsche Übersetzung besorgt, da sie antiquarisch inklusive Versand günstiger war als das englische Original.
Enttäuscht hat mich dabei nicht, dass es kein theologisches Werk war. Mir war klar, dass da ein heidnischer Dichter am Werk war. So konnte mich weder erstaunen, dass er den Gott der Bibel ein schlechtes Vorbild nannte, noch dass er der Meinung war, dass im Christentum Satan der böse Bruder von Jesus sei. Das deutet zwar auf schlechte Recherche hin, war mir in diesem Fall jedoch ziemlich egal.
Enttäuschend war vielmehr die Art, wie argumentierte, nämlich häufig gar nicht. Viele seiner Behauptungen sind entweder gänzlich unbegründet, oder dann beruft er sich oft auf Gedichte bestimmter Dichter, welche er dann als „Argumente“ heranzuziehen versucht. Dass diese Gedichte häufig überhaupt nicht in den jeweiligen Zusammenhang passen, mag zuweilen den Grund in der Übersetzung haben. Aber allein eine Behauptung damit begründen zu wollen, dass jemand etwas Entsprechendes in ein Gedicht gefasst hat, ist mir persönlich zu wenig.
Auch hat mich seine blumige und metaphorische Sprache gestört. Er gebraucht viele Bilder; er will etwa in der Seele eines jeden Mannes sage und schreibe sieben verschiedene Charaktere mit je einer positiven und einer negativen Seite finden. Da jeder dieser sieben Charaktere drei bis vier verschiedene Namen trägt, wird es zuweilen recht komplex, der Schilderung zu folgen.
Dennoch gibt es einige Perlen zu finden in diesem Buch. Um jene soll es heute gehen. Bly wagt sich in seinem Buch nämlich an ein sehr wertvolles Thema heran. Er versucht, mit der Hilfe des Grimm'schen Märchens „Der Eisenhans“ zu erklären, wie ein Junge zum Mann wird. Sein Buch ist eine Abschnitt-für-Abschnitt-Auslegung dieses Märchens, und jeder Abschnitt wird dabei auf die Wortwahl, Bildwahl und Analogien aus den Mythologien und Praktiken der verschiedensten Völker und Kulturen untersucht.
Bly kommt dabei zu einem Ablauf des Übergangs, der sich in sehr vielen Kulturen – obwohl sich die genauen Umstände stark unterscheiden können – gleicht. Sehen wir uns diesen Ablauf mal an. Um es einfacher zu machen, versuche ich, die langwierigen Erklärungen dazu in eigenen Worten in Kürze wiederzugeben:
1. Bindung an und Lösung von der Mutter. Das Kind bindet sich bereits vor der Geburt, aber vielmehr noch danach, sehr stark an die Mutter. So kann es Vertrauen aufbauen und viel Wichtiges lernen. Diese Zeit umfasst die ersten etwa sieben bis acht Jahre.
2. Wechsel vom „Reich der Mutter“ ins „Reich des Vaters“. Dies geschah (und geschieht noch heute in vielen Kulturen) dadurch, dass der Vater seine Söhne mit zu seiner Arbeit nimmt und sie in den Fertigkeiten seines Berufs ausbildet. Dies fällt bei uns häufig weg, da viele Väter ihre Kinder nicht an ihren Arbeitsplatz nehmen (dürfen).
3. Lösung vom Vater und Wechsel zum Mentor. Der Mentor ist in den meisten Kulturen eine Gemeinschaft der älteren Männer. Diese, welche bei uns heute im Seniorenheim weggesperrt werden. In der christlichen Kultur war es lange Zeit der Taufpate, welcher die Aufgabe des Mentors übernommen hatte.
Was lernte der Junge beim Mentor? Zuerst lernte er, sich in ein neues Umfeld einzugliedern. Interessant ist da etwa auch die Lehr- und Wanderliteratur, da bei den wandernden Lehrlingen der Lehrmeister die Aufgabe des Mentors übernahm. Wem das zu lange ist, der kann sich auch mal die Ballade von J. W. v. Goethe „Der Zauberlehrling“ vornehmen. Dort erkennt man einen Lehrling, der wohl schon einige Zeit bei seinem Meister war, aber wie er sich anhört, durfte er wohl noch kaum selbst das Metier erlernen, sondern wurde zum Putzen und Aufräumen abkommandiert. Und dann – endlich – als der Meister einmal weg ist, da kann der Lehrling mal ausprobieren, was er von seinem Meister gesehen und gehört hatte.
Bly nennt dies den „Weg der Asche“. Man muss beim Mentor erst mal unten anfangen. Bei den Eltern ist man bekannt, da „ist man wer“. Beim Mentor muss man sich erst beweisen, man muss im Kleinen treu sein, um dann die größeren Aufgaben zu bekommen. So war es in den Lehr- und Wanderjahren häufig so, dass der Lehrling die ersten Monate nur putzen und aufräumen durfte. Wenn der Meister damit zufrieden war, dann begann die eigentliche „Lehre“.
Beim Mentor darf der junge Mann erst mal sich selbst kennenlernen. Er darf sich austoben und wachsen lernen. Man lernt sich selbst und seine Seele, seine Wunden, seine Stärken und Schwächen ganz neu kennen. In diese Zeit fällt auch eine Zeit der Trauer, denn das Kind, das man mal war, das stirbt langsam – und nach dieser Zeit ist man ein neuer Mensch – ein Mann. In manchen Kulturen gibt es am Ende dieser Zeit einen neuen Namen und der junge Mann wird seinen Eltern ganz neu vorgestellt, als ob sie ihn noch gar nicht gekannt hätten.
Ein wichtiger Punkt ist auch, dass man in dieser Zeit lernen muss, sich zu entscheiden. Man muss sich fragen, was einem wichtig ist und was nicht. Muss lernen, Prioritäten zu setzen.
Am Ende dieser Zeit kommt die Entdeckung. Im Märchen des Eisenhans lernte der junge Königssohn viel und wurde wegen seines Könnens am Schluss entdeckt. Die Leute wollen wissen, wer das ist, weil sein Können auffällt.
Eine solche Zeit des Mentors fehlt uns heute. Viele junge Männer wollen den dritten oder oft auch den zweiten und dritten Schritt überspringen. Das kann nicht gut kommen, denn der Mensch ist immer noch derselbe, er hat immer noch dieselben Bedürfnisse in sich.

Viele Probleme lassen sich auf diesen Mangel an Übergang in die Männerwelt zurückführen. Etwa die Probleme, die in der Pubertät auftauchen, wenn Jungen sich plötzlich von ihren Eltern distanzieren, was zu Streit führt. Sie merken, dass sie eigentlich woanders sein sollten, bei einem Mentor. Doch es mangelt an Mentoren und am Wissen, was diese weitergeben sollen.
Der Tenor lautet heute: Du musst dich selbst anpreisen, kannst nicht warten, bis du entdeckt wirst. Diese Selbstprostitution (Selbstzurschaustellung) kann dazu führen, dass manche junge Männer mit halbgegorenen Fähigkeiten schnell die Karriereleiter erklimmen, aber irgendwo steckenbleiben und nicht weiterkommen, weil sie zu ungeduldig waren und viele wichtige Charaktereigenschaften nicht gelernt haben.
Es ist alarmierend, dass zunehmend mehr Ausbildungsbetriebe darüber klagen, dass die Bewerber nicht ausbildungsfähig sind, weil es an den grundlegendsten Fähigkeiten wie etwa Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Ordnung fehlt. Das hat mit einem systematischen Versagen der Gesellschaft zu tun.
Auch die sogenannte Midlife-Crisis lässt sich darauf zurückführen, dass die Menschen in ihrer Lebensbildung einen Schritt übersprungen haben, nämlich zumindest den dritten. In der Zeit sollten nämlich die Menschen selbst zu Mentoren heranwachsen und merken, dass ihnen etwas fehlt, was sie weitergeben sollten. Sie beginnen rastlos danach zu suchen, was genau ihnen fehlt – und niemand ist da, der ihnen dabei helfen kann.

So weit meine Gedanken zu dem, was ich von Bly gelesen habe. Am Ende bleibt eine Leere übrig: Es fehlen die Hinweise darauf, wie man es besser machen kann. Wertvolle Analysen, ich nenne sie „Perlen“, doch keinerlei Verbesserungsvorschläge oder Hinweise darauf, was man damit machen kann. Wer hat eine Idee?

Mittwoch, 8. Juli 2015

5 Arten, wie man mit der Kirchengeschichte falsch umgehen kann

Immer wieder stoße ich in Diskussionen auf Missverständnisse und auch des Öfteren mal auf bewusste Instrumentalisierung und damit Missbrauch der Kirchengeschichte. Solch ein Umgang ist auch in zahlreichen Büchern häufig anzutreffen. Ich stelle heute eine kleine Auswahl der gängigsten Konzepte vor und kommentiere sie jeweils kurz.

1. „Wir leben heute – was geht mich da die Geschichte an?“ So klar würden es wohl die wenigsten ausdrücken, aber diese Haltung ist zunehmend zu bemerken. Geschichte wird als Disziplin der Professoren im Elfenbeinturm der Theorie betrachtet. Der Umgang mit Geschichte, der an der Schule gefördert wird (häufig besteht ein großer Teil des Geschichtsunterrichts aus der Zeit des und seit dem zweiten Weltkrieg, als ob es davor nichts gegeben hätte), hat mit zu dieser Haltung geführt. Geschichtsvergessenheit führt zu Identitätsverlust. Viele Menschen wissen nicht mehr, wer sie sind, sie bestehen nur noch aus den Wünschen und Begierden des Hier und Jetzt.

2. „Wir leben in einer ganz außerordentlich besonderen Zeit – die Kirchengeschichte hat uns schlicht nichts mehr zu sagen.“ So oder ähnlich wird gerne argumentiert, wenn man erklären will, warum das Bisherige einfach weggelassen und unhinterfragt durch das Neue (was auch immer) ersetzt werden soll. Hauptsache wir machen es anders als früher – das Alte ist überholt. Wir leben in einer „Umbruchzeit“, wir sind etwas so Besonderes, da darf man nicht einfach das Bisherige übernehmen. Heutzutage verstehen die Menschen nicht mehr, was früher gepredigt oder gemacht wurde, das muss man weglassen oder ersetzen. Dieses Denken ist Hochmut. Der Mensch ist immer noch derselbe gefallene Mensch, der dieselbe Selbsterkenntnis, Sündenerkenntnis, Gotteserkenntnis und Erlösung braucht wie in jedem anderen Jahrhundert auch.

3. „Die Kirchengeschichte zeigt uns eine Unzahl von gescheiterten Versuchen, die objektive Wahrheit zu erkennen.“ Diese Aussage dient dazu, die gesamte Geschichte mit einer Handbewegung wegzuwischen und damit zu sagen: Das Einzige, was man heute noch aus der Kirchengeschichte lernen kann, ist, es anders zu machen als die Menschen bisher. Der Kirchengeschichte wird vorgeworfen, sie sei an den Spaltungen der Kirchen schuld. Natürlich gab es in der Kirchengeschichte viele Debatten und auch viele nötige Trennungen. Diese sind aber häufig mehr Segen als Fluch gewesen. Das müssen wir anerkennen. Kirchliche Trennungen sollen nicht bewusst gesucht werden, aber häufig sind notwendig, um die Kirche zu schützen.

4. „Die Reformation zeigt uns, dass man sich auch über viele Jahrhunderte hinweg irren kann.“ Nun wird es langsam subtiler. Interessanterweise konnte mir bislang niemand ein wichtiges Thema nennen, in dem sich die gesamte Christenheit während vieler Jahrhunderte geirrt haben soll. Normalerweise haben schwere Irrtümer immer eine oben genannte notwendige Spaltung verursacht, sodass eine der neuen zwei Gruppen die Wahrheit weitergetragen hat und sie deshalb nicht untergegangen ist. Deshalb sollten wir auch heute nicht grundsätzlich spaltungsfeindlich sein. Paulus schreibt, dass Spaltungen manchmal notwendig sind (1. Korinther 11,18-19)

5. „Eigentlich hatte Marcion* doch recht.“ *hier könnte man auch Arius und andere Irrlehrer einfügen. Der deutsche Theologe und Kulturprotestant Adolf von Harnack hatte gewisse Sympathien für Marcion. Marcion hatte behauptet, die Bibel sei verfälscht, das Alte Testament solle kein Teil der Bibel sein und auch andere Bücher des Neuen Testaments, in Jesus und die frühe Kirche den Juden gegenüber freundlich dargestellt werden, ließ er in seinen Gemeinden aus der Bibel entfernen. Übrigens waren die Deutschen Christen im dritten Reich stark von Harnacks Marcion geprägt. Aber auch heute findet man immer mal wieder ähnliche Sichtweisen, die frühe Irrlehrer rehabilitieren wollen. Wenn man den Gott des Alten Testaments gegen den Gott des Neuen Testaments auszuspielen versucht, tut man nichts anderes. Ich bin sehr dankbar für die klaren Worte, die die frühen Konzilien diesen Irrlehren gegenüber gefunden hatten und wünschte mir auch für heute mehr davon.


Montag, 6. Juli 2015

Zweiter Teil der Varoufakissee gefunden!

Wie bereits im Februar berichtet, hat man bei Ausgrabungen ein bislang unbekanntes Heldenepos von Homer gefunden: Die Varoufakissee. Es berichtet von einem weiteren Helden von Troja – doch leider endete das damals aufgetauchte Fragment abrupt in der Erzählung. Nun wurde endlich der Rest gefunden. Archäologen konnten die Teile zusammensetzen und haben jetzt eine kritische Ausgabe in den Druck gegeben. Prof. Dr. Nilnovi, der Leiter jener Ausgrabungen, berichtet uns vom Rest des Epos:

Herr Prof. Dr. Nilnovi, was geschah mit dem Helden, als er ausgewählt wurde, um eine gute List zu ersinnen?
Zuerst reiste er durch alle Länder und führte Gespräche mit den jeweiligen Machthabern, um herauszufinden, ob man irgend eine Möglichkeit finden kann, um die ganze Sache zu aller Zufriedenheit zu lösen. Doch er fand schnell heraus, dass sich Schulden nicht einfach in Luft auflösen lassen. Deshalb geriet er zwischen zwei Fronten: Den Hellenen musste er erklären, dass eine Lösung nicht so leicht sei, wie sie es sich vorgestellt hatten. Das Heer der Hellenen war eindeutig zu schwach, um mit einem Angriffskrieg alle Gläubiger zu unterwerfen. Zugleich musste er den Gläubigern erklären, dass die Hellenen noch mehr Unterstützung brauchten.

Oweh, das klingt nicht gut. Was hat er dann gemacht?
Zunächst versuchte er es mit einer Drohung. Er sagte, dass die Gläubiger nicht nur ihr Geld nicht zurückbekommen würden, sondern auch ihrer eigenen Wirtschaft schaden würden, sollten sie versuchen, die Hellenen finanziell ausbluten zu lassen. Doch diese Drohung brachte ihm nur Spott ein.

Hatte er noch eine Idee, die alles retten konnte?
Sein nächster Vorschlag war, als erster Staat eine Demokratie unter den Hellenen zu gründen. Die anderen Länder, die unter der Eurokratie litten, so glaubte er, würden dann seinem Beispiel folgen und den Hellenen aus Dankbarkeit die Schulden erlassen. Deshalb ließ er die Hellenen abstimmen: Sie konnten aussuchen, ob sie mit den Vorschlägen der Gläubiger einverstanden seien oder nicht. Jeder durfte auf eine Tonscherbe „Ja“ oder „Nein“ einritzen. Er selbst empfahl jedem, „ochi“, also „nein“ zu stimmen. Tatsächlich ließ sich der größere Teil der Hellenen auf dieses Nein ein.

Was bewirkte dieses Nein?
Es verhärtete die Fronten zwischen den Hellenen und den Gläubigern. Jetzt ist der Held des Buches endgültig in die Zwickmühle gekommen.

Fand er einen Ausweg?
Das kommt darauf an, aus welcher Position man es betrachtet. Er schob den „Schwarzen Peter“ den Gläubigern zu und verabschiedete sich unverrichteter Dinge von seiner Aufgabe. Das Buch endet mit der Rückkehr nach Londinium, wo sein aus Troja mitgebrachtes Vermögen auf ihn wartete.

Vielen Dank für Ihre Zeit!


Montag, 15. Juni 2015

Die wichtigste Frage eines frischgebackenen Vaters

Vor gut einem Monat ist unser Sohn zur Welt gekommen. Unser erstes Kind. Für mich als frischgebackenen Papa hat sich dadurch eine Menge verändert – manch einem wird wohl auch aufgefallen sein, dass ich zur Zeit weniger häufig blogge.

Vater zu werden (und zu sein) ist etwas sehr Schönes, sehr Wertvolles. Und ich möchte aus dieser Zeit, in der ich meinen Sohn begleiten darf, möglichst viel machen. Ich möchte allen möglichen Segen aus dieser Zeit für meinen Sohn und für mich selbst (natürlich auch für meine Frau) rausholen. Deshalb stelle ich mir frühzeitig die wichtigen Fragen, damit ich nicht eines Tages aufwache und mich fragen muss, wo denn all die Zeit hingegangen ist. Sie wird noch schnell genug voranschreiten.

Meine wichtigste Frage (und meine unvollständige Antwort darauf) möchte ich heute mit euch teilen. Meine wichtigste Frage lautet: Wie kann ich meinem Sohn ein Papa sein, dessen Vorbild er nacheifern können soll?

Paulus schreibt im Brief an die Korinther: Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich Nachahmer des Christus bin! (1. Korinther 11,1) Seien wir mal ehrlich: Mein Sohn wird mich nachmachen und von mir lernen, ob ich das nun will oder nicht. Er kann noch nicht unterscheiden, was ein gutes und was ein schlechtes Vorbild ist. Und seien wir auch ehrlich: Egal wie ich mich anstrenge, es wird doch immer wieder und wieder Momente geben, die ich bereuen werde und dafür um Vergebung bitten muss.

Aber mein Wunsch ist es, dass mein Sohn zu mir aufschauen kann und daran sehen, was einen echten Mann ausmacht. Deshalb habe ich mich auch die letzten Monate immer wieder gefragt, was denn nun einen echten Mann ausmacht. Irgendwann werde ich dazu noch etwas ausführlicher schreiben.

Was tue ich, um diesem Ziel näher zu kommen, ein gutes Vorbild für meinen Sohn zu sein?
1. Ich bete. Ich bitte den Heiligen Geist, mir die Dinge in meinem Leben aufzuzeigen, die nicht zu diesem Ziel passen. Ich bitte den Geist der Heiligung, diese Heiligung in mir immer mehr zu bewirken. Mich immer christusähnlicher zu machen, damit ich meinem Sohn sagen (nicht unbedingt mit Worten) kann: Sei mein Nachahmer, gleichwie auch ich Nachahmer des Christus bin!
2. Ich suche nach Helfern. Ich schaue mich um nach anderen Männern, die mir bei dieser Aufgabe helfen können. Ich möchte, dass mein Sohn auch andere Männer sehen und kennenlernen kann, damit er von jedem von uns Männern bestimmte Aspekte des Mannseins lernen kann. Ich weiß, dass auch mein Mannsein ergänzungsbedürftig ist. Da brauche ich Hilfe.
3. Ich möchte meinem Sohn helfen, den Übergang vom Jungen zum Mann zu feiern. Ich suche nach einer Möglichkeit, diesen Übergang festzustellen. In der Soziologie nennt man diesen Vorgang einen „Initiationsritus“, also eine Art Ritus, die der jeweiligen Person hilft, zu verstehen, dass sie von einem Status in einen anderen übergegangen ist. Etwa die Feier der Hochzeit ist ein solcher Ritus, bei welchem der Übergang von zwei einzelnen Menschen zu einem Ehepaar gefeiert wird. Ich möchte, dass mein Sohn zurückblicken kann auf ein Ereignis und daran festmachen: Seither bin ich ein Mann geworden.

Ich habe in letzter Zeit mehrere Männer gefragt, wann sie vom Jungen zum Mann geworden sind, und meist sehr unbefriedigende Antworten bekommen. Vermutlich wissen es tatsächlich die meisten von uns nicht. Weißt Du es? Wie ist es bei Dir geschehen? Ich freue mich auf Deine Gedanken dazu.

Samstag, 6. Juni 2015

Geistliche Kriegsführung 2: Kenne deinen Kampfplatz

Im ersten Teil haben wir gesehen, dass wir den Kampf und den Feind kennen müssen, um ihn wirksam bekämpfen zu können. Als Zweites wollen wir den Platz dieses Kampfes anschauen. Dieser Kampf findet in unserem Herzen statt. Unser Herz ist das Zentrum unseres Denkens, Wollens, Fühlens. Dieser Platz steht ständig den Angriffen ausgesetzt. Deshalb empfiehlt der große König Salomo seinem Sohn ja auch: Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus. (Sprüche 4,23) Das gilt für uns alle. Was wir in unserem Herz dulden, wird uns immer verändern und unser weiteres Leben bestimmen. Genau da ist also der Kampfplatz. Unser Denken wird angegriffen, es werden Lügen gesät, Lügen über Gott („sollte Gott etwa gesagt haben...?“), Lügen über uns („das schaffst du eh nicht...“), und so fort. Der Feind kennt übrigens auch die Bibel sehr gut – und wird sie immer wieder benutzen, um uns von etwas zu überzeugen, was nicht stimmt.

Der Feind versucht, alles zu verdrehen, was wir von Gott bekommen haben. Er verdreht die Bibel, er verdreht die Beziehungen zwischen uns Menschen, aber auch die Dinge, die Gott uns ganz persönlich aufs Herz gelegt hat. Hier wird es ganz heftig hart für uns, aber es ist sehr wichtig, dass wir uns dessen bewusst sind. Sehen wir uns das am Beispiel von Abraham an. Er hatte von Gott das Versprechen, ja, die Vision, bekommen, dass er einen Sohn bekommen soll. Dies geschah, als Abraham 75 Jahre alt war. Er war da schon sehr lange mit seiner Frau Sarai verheiratet, und die beiden wünschten sich sehnlichst ein Kind, doch sie konnten tun was sie wollten, sie blieben ohne. Und dann hat Gott dem Abraham die Vision gegeben: „Ich will dich zu einem großen Volk machen!“ (1. Mose 12,2) Und dann gingen sie auf den Weg, und unterwegs warteten sie und warteten... ein Jahr ging vorbei, ein zweites Jahr, ein drittes Jahr... und nach zehn Jahren warten hatte Sarai eine Idee: Mensch, Abram, sagte sie, du könntest doch meine Sklavin auch noch dazunehmen, dann kann sie für mich unser Kind zur Welt bringen. Sie meinten, dass sie selbst Gottes Verheißung einlösen müssten. So kam Ismael zur Welt. Bis heute hat das Volk Israel wahnsinnig viel unter dieser falschen Entscheidung von Abram und Sarai zu leiden.

Gottes Plan war ein anderer. Und Gott ließ Sich durch das falsche Verhalten Abrahams nicht aus der Ruhe bringen, sondern schwieg einfach. 13 Jahre lang hatte Gott dem Abraham nichts mehr zu sagen. Und dann, nach 13 Jahren, also 24 Jahre nachdem Er Abraham die Vision gegeben hatte, redete Gott wieder zu ihm und machte ihm noch einmal klar, dass es tatsächlich ein Sohn von der Sarai sein soll, nämlich der Isaak. Zwischen der Vision und der Ausführung liegen also 25 Jahre, ein ganzes Vierteljahrhundert. Mit dem voreiligen Tun hat sich Abraham eine Menge Probleme eingehandelt. Manchmal müssen wir warten auf das, was Gott uns gezeigt hat. Manchmal Jahrzehnte. Was sich unser Abraham wohl gedacht haben wird in dieser Zeit? Auch er war anfällig für die Stimme des Verführers und Verdrehers. Du musst es halt selbst in die Hand nehmen, Abraham. Selbst ist der Mann. Da gibt es doch inzwischen Möglichkeiten, Abraham.

Manchmal wollen wir die Sache lieber selbst in die Hand nehmen. Wir haben vielleicht eine gute Vision für unsere Gemeinde, wir sehen, was falsch läuft. Wir sehen, wie Gott es eines Tages haben möchte. Und dann erzählen wir davon, aber irgendwie geht es nicht vorwärts. Es bleibt beim Alten. Vielleicht über Jahrzehnte, wie bei Abraham. Die Zeit ist noch nicht reif. Und dann kommt der Lügner und Verdreher und wendet seine fieseste Masche an: Das musst du selbst in die Hand nehmen. Da kannst du nicht mehr dahinter stehen. Da steht sogar in der Bibel davon, dass man sich von solchen Menschen, die sich von Gott nicht durch dich was sagen lassen, distanzieren soll. Und so weiter. Das ganze Arsenal.

Der Feind kennt uns sehr gut. Er weiß, was wir brauchen und warum wir es brauchen. Er weiß, dass er das Spiel so gut wie gewonnen hat, wenn er uns von der ganzen Herde, nämlich von der einzelnen örtlichen Gemeinde getrennt hat. Gottes Schutz gilt der ganzen Gemeinde: Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen. (Matthäus 16,18) Dieses Versprechen gilt der Gemeinde im Ganzen. Wenn der Feind es schafft, uns aus diesem Sicherheitsbereich herauszulocken, hat er ein relativ leichtes Spiel. Dann werden wir nämlich unsere Wunden lecken und uns bemitleiden und lassen keine anderen Menschen mehr an uns heran, die uns korrigieren und in unser Leben hineinsprechen dürfen. Oder höchstens nur noch das, was uns gefällt.

Hast Du, liebe Leserin, lieber Leser, solche Menschen, echte Freunde und geistliche Geschwister, die Dir auch dann ins Leben reden dürfen, wenn es Dir nicht gefällt?


Donnerstag, 4. Juni 2015

Geistliche Kriegsführung 1: Kenne deinen Kampf

C. S. Lewis, der Autor der Narnia-Buchserie, hat ein anderes Buch geschrieben, welches folgenden Titel trägt: „Dienstanweisung für einen Unterteufel“. Es ist ein Buch, in dem er auf humorvolle Weise in einem Briefwechsel einen jungen Dämonen anleitet, wie man einen Menschen verführen kann. Wer nach guter, leichter und nachdenklich machender Lektüre sucht, dem kann ich es sehr empfehlen. Im Vorwort schreibt er:
"Es gibt zwei gleich schwere, einander entgegengesetzte Irrtümer, die wir Menschen bezüglich der Teufel begehen können. Der eine besteht darin, nicht an ihre Existenz zu glauben. Der andere ist, an sie zu glauben und ein übertriebenes und ungesundes Interesse an ihnen zu zeigen. Sie selbst freuen sich über beide Irrtümer gleichermaßen und schließen den Materialisten ebenso herzlich in die Arme wie den Geisterbeschwörer."

So gibt es zwei gefährliche Standpunkte: Der eine ist, den Teufel ganz zu vergeistigen, indem man meint, das sei nur ein Symbol um vom Bösen in der Welt zu sprechen. Wenn wir anfangen, so zu denken, hat er schon gewonnen. Auf der anderen Seite sollten wir auch nicht hinter jedem Gebüsch den Teufel lauern sehen. Der Kampf ist sehr real, aber wir dürfen wissen, dass wir die nötige Ausrüstung dafür bekommen haben. Paulus schreibt:
Im übrigen, meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr standhalten könnt gegenüber den listigen Kunstgriffen des Teufels; denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen. (Eph. 6,10-12)

Ich glaube, dass dieser Abschnitt der Bibel von der Waffenrüstung Gottes einer der wichtigsten Abschnitte der Bibel für unsere Zeit ist. Es gibt viel Elend, Kampf, Streit und Probleme, weil wir das, was in diesen Versen steht, nicht verstehen oder vielleicht auch einfach nicht wahrhaben wollen. Aber Fakt ist, dass es diesen Kampf gibt, dass es in unserer Welt Mächte gibt, die Dinge zu tun vermögen, die wir uns gar nicht vorstellen können.

Wir müssen uns bewusst sein, dass unser ganzes Leben, von der einen Sekunde an, in der wir zu Gott gehören, ein Krieg ist. Christliches Leben ist Krieg. Eine christliche Ehe ist Krieg. Eine christliche Familie ist Krieg. Eine christliche Gemeinde ist Krieg. Und so weiter. Lasst mich erklären. Überall dort, wo wir mit anderen Menschen zusammen sind, werden unsere eigenen Schwächen offenbar. Gott möchte uns verändern, also schickt Er uns Menschen, die unsere Schwächen sichtbar werden lassen. Vielleicht auch Menschen, die uns immer wieder an unsere Schwächen erinnern. Und wir ärgern uns darüber und denken: Mensch, warum kämpfst du gegen mich?

Hier setzt unser Text an: Der Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut. Die Menschen, an denen unsere Schwächen offenbar werden sind nicht unsere Gegner. Im Gegenteil. Eigentlich sind sie dazu da, weil Gott sie uns als Geschenk geben möchte, um uns zu helfen, dem Herrn Jesus ähnlicher zu werden. Und hier kommt der Teufel ins Spiel. Er redet uns nämlich ein, dass diese Menschen, die Gottes Geschenk sind, in Wirklichkeit unsere Feinde seien. Kommt Dir das auch bekannt vor? Mir zumindest geht es immer wieder so. Ich rege mich über die Menschen auf, die eigentlich zu meinem Besten in mein Leben hinein gestellt sind. Ich habe im ersten Moment das Gefühl, sie seien meine Feinde. Und einer lacht sich ins Fäustchen, wenn der Kampf losgeht. 

Der Feind ist ein von Gott geschaffenes Wesen, und zwar von Beginn an als sehr mächtig geschaffen. Er war einer der stärksten, schönsten Engel im Himmel. Und dann ist er hochmütig geworden und wollte so sein wie Gott und an Gottes Platz auf dem Thron sitzen. So ist er ganz tief gefallen. Wie alle Engel ist er ein persönliches, aber geistliches Wesen. Er hat nicht in unserem Sinne einen Körper, kann aber einen annehmen, wie zum Beispiel den der Schlange in 1.Mose 3. Seit diesem Fall ist Satan ständig dabei, zu versuchen, möglichst viel Unheil in der Welt anzu-richten, aus reiner Bosheit und Freude am Schlechten. Wir müssen erkennen, wie sehr er auf Gott eifersüchtig ist, weil er nicht selbst so sein kann. Das ist auch der Grund für all das Übel in der Welt. Gott hat uns alle Menschen zu Seiner Ehre geschaffen, damit wir zu Seiner Ehre in der gesunden Abhängigkeit von Ihm leben sollen. Dem Teufel ist es egal, wovon wir abhängig sind, Hauptsache es ist nicht der Gott der Bibel. Es kann Stolz auf uns selbst sein, es kann das Vertrauen auf unser Geld sein, es kann die Liebe oder die Sexualität sein, und so weiter. Bei jedem von uns hängt die Gefahr unserer persönlichen Angriffsflächen und Abhängigkeiten mit unserer Lebensgeschichte zusammen.

Weißt Du, liebe Leserin, lieber Leser, wo Deine persönliche Angriffsfläche liegt?

Dienstag, 2. Juni 2015

Lieber Andy - der zweite Brief an einen jungen Mann

Erster Brief




Dienstag, 12. Juni 2007

Lieber Andy,
ich weiß, Du wartest schon ganz neugierig auf den Brief von heute. Am liebsten hättest Du jeden Tag einen. Aber weißt Du, zwischen den Briefen tut es Dir gut, immer wieder genügend Zeit zu haben, um über das nachzudenken, was ich Dir geschrieben habe und um meine Tipps umzusetzen. Ich habe mich riesig gefreut, als Du letzte Woche Deine Eltern gefragt hast, was für sie derjenige bedeutet, der alles gemacht hat. Da hast Du sie ganz schön nachdenklich gemacht. Frage sie ruhig weiter darüber aus. Ihr werdet zusammen noch viel mehr Antworten finden.
Ich schreibe Dir heute aus einem ganz bestimmten Grund. Ich habe gesehen, wie die Nachbarskinder am letzten Samstag zu Dir kamen und mit Dir eine Bande gründen wollten. Mit anderen Menschen Zeit zu verbringen ist etwas wirklich Gutes. Aber bitte passe gut auf, mit wem Du Dich befreundest. Gute Freunde sind wichtig, und wir alle brauchen sie. Jedoch ist es immer so, dass unsere Freundschaften auch uns selbst verändern. Sie machen etwas mit unserem Charakter, da wir viel Zeit mit Freunden verbringen. Dann wird der Charakter Deiner Freunde etwas mehr wie der von Dir und der von Dir etwas mehr so wie der von Deinen Freunden. Deshalb: Suche Dir Menschen als Freunde aus, die einen Charakter haben, der so ist, wie Du werden möchtest.
Schau mal, Andy, die Kinder der Familie nebenan, was haben sie vor? Sie wollen sich zusammentun, um andere Leute zu ärgern. Es ist gut, auch mal zu lernen, Geheimnisse zu haben. Aber das müssen schon gute Geheimnisse sein. Nichts Verbotenes. Sie wollen sich mit anderen jungen Menschen zusammen stärker fühlen, um bei anderen Nachbarn im Garten Ball zu spielen und Dinge kaputt zu machen. Stell Dir mal vor, wenn sie so erwachsen und groß und stark werden, dann wird niemand mehr vor ihnen sicher sein. Aus kleinen Streichen werden plötzlich Diebstähle und Raubüberfälle. Das kommt nicht gut. Sie wollen, dass Du Dein Taschengeld mit ihnen zusammenlegst, damit ihr euch gemeinsam größere Sachen kaufen könnt. Aber passe auf, sie werden nur versuchen, Dich übers Ohr zu hauen. Das wäre doch schade um Dein schwer erarbeitetes Taschengeld.
Lieber Andy, bedenke diese Dinge, wenn Du ihnen Bescheid gibst, ob Du mitmachst. Ich habe schon viele Leute auf diese Weise in ihr eigenes Verderben rennen sehen. Es tut mir weh, dabei zuschauen zu müssen, und ich würde mir für Dich etwas Besseres wünschen. Wer Unrechtes tut, wird am Ende immer dafür bezahlen müssen. Und wer einmal wegen so etwas gefasst wurde, wird nur sehr schwer wieder den Weg in ein normales Leben finden.
Andy, ich schreibe Dir diesen Brief, weil ich das Beste für Dich möchte. Jeder von uns macht immer wieder Fehler. Wir alle. Aber wir müssen nicht jeden möglichen Fehler selbst machen. Dafür ist unser Leben zu kurz. Außerdem gibt es Fehler, die so groß sind, dass wir oder andere Menschen ein Leben lang darunter leiden müssen. Erinnerst Du Dich, als vor zwei Wochen im Fernsehen berichtet wurde, dass ein junger Autofahrer mit Alkohol einen Unfall gebaut hat, bei dem jemand anders schwer verletzt wurde? Das ist Dir immer wieder durch den Kopf gegangen. Warum dieses Leid? Warum musste das sein? Es war deshalb, weil ein Mensch einen Fehler gemacht hat, der nicht nötig gewesen wäre. Verstehst Du jetzt, warum ich Dir heute schreibe? Ich wünsche mir, dass Du aus den Fehlern anderer lernen kannst und nicht alle selbst machen musst. Bitte denke daran.
Ich werde Dir wieder schreiben, Andy. Ich freue mich, dass Du bis hierhin gelesen hast und bin sicher, dass Du die richtige Entscheidung treffen wirst.

Liebe Grüße
Dein K. S.


Freitag, 15. Mai 2015

Gott wird Mensch

Als alles bereit war, sagt uns die Bibel, kam Jesus Christus, die zweite Person der göttlichen Dreieinheit, auf die Erde und wurde Mensch. Moment mal – Gott wird Mensch? Das gibt es doch nicht! Das wäre doch ein unerhörtes Wunder, geradezu ein Eingriff, eine Invasion aus dem All! Und doch macht uns die ganze Bibel klar, dass genau das passiert ist. Ein unerhörtes Wunder.
Aber werfen wir noch einen Blick auf die Texte des Neuen Testaments, die uns aufzeigen, dass Jesus Christus tatsächlich Gott ist und schon existierte, bevor Er als Mensch in die Welt kam. Besonders häufig finden wir diese in den Schriften von Johannes und Paulus:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. [...] Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1, 1 – 3, 14) Hier greift Johannes den Anfang auf, das griechische Wort Arché, und verbindet es mit 1. Mose 1, wo Gott am Anfang alles erschaffen hat, indem Er sprach. Das Wort Gottes ist laut Vers 14 Fleisch geworden, Gott und Mensch zugleich, Jesus Christus.
Abraham, euer Vater, frohlockte, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freute sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht 50 Jahre alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich! (Johannes 8, 56 – 58) Hier haben wir es aus dem Mund Jesu selbst in diesem Text, denn Er behauptet, dass Er bereits vor Abraham existiert habe. Entweder das ist wahr oder es ist falsch. Entweder Jesus war ein Lügner und damit kein Vorbild oder ein guter Lehrer, oder Er ist Gott.
Dies redete Jesus und hob seine Augen zum Himmel empor und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit auch dein Sohn dich verherrliche - gleichwie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, damit er allen ewiges Leben gebe, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf Erden; ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tun soll. Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. (Johannes 17, 1 – 5) Hier betet Jesus zu Gott Vater und bittet darum, dass dieser Ihm wieder die Herrlichkeit geben möge, die Er bereits vor der Erschaffung der Welt hatte.
Denn ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, daß er, obwohl er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet. (2. Korinther 8, 9) Hier geht es um die Geldsammlung; und Paulus stellt Christus seinen Lesern als ein gutes Vorbild vor: Er war unendlich reich und wurde unendlich arm, um uns zu retten, deshalb sollen wir auch großzügig sein.
Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen (Philipper 2, 5 – 7) Auch hier nimmt Paulus wieder den Herrn Jesus als Vorbild dafür, dass wir einander dienen sollen.
Dieser ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist. Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; und er ist vor allem, und alles hat seinen Bestand in ihm. (Kolosser 1, 15 – 17) Die Rede ist von Jesus Christus, dem Schöpfer und Erhalter aller Dinge. Alles ist durch Ihn erschaffen und wird durch Ihn erhalten.
Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott ist geoffenbart worden im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, verkündigt unter den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. (1. Timotheus 3, 16) Paulus macht es uns hier noch einmal ganz ganz deutlich: Jesus Christus ist Gott, der Mensch geworden ist.
Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen; dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. (Hebräer 1, 1 – 3) Auch der unbekannte Autor des Hebräerbriefs gibt uns einen wichtigen Hinweis auf den Herrn Jesus: Er ist Schöpfer und Erhalter aller Dinge und in Ihm sehen wir Gott persönlich.
Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens — und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist —, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. (1. Johannes 1, 1 – 3) Hier schreibt der Apostel Johannes schon wieder davon, dass Jesus Christus von Anfang an bei Gott dem Vater war.
Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist nicht aus Gott. Und das ist der Geist des Antichristen, von dem ihr gehört habt, daß er kommt; und jetzt schon ist er in der Welt. (1. Johannes 4, 2 – 3) Johannes gebraucht hier deutliche Worte: Wer leugnet, dass Jesus Christus vor Seiner Geburt beim Vater war und nicht nur Mensch, sondern Gott ist, der bezeugt damit, dass er nicht von Gott kommt, sondern im Gegenteil den antichristlichen Geist hat.
Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen nieder wie tot. Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebende; und ich war tot, und siehe, ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! Und ich habe die Schlüssel des Totenreiches und des Todes. (Offenbarung 1, 17 – 18) Als der Apostel Johannes auf der Insel Patmos in der Verbannung war, ist ihm Jesus Christus in einer Vision begegnet. Dort machte Jesus erneut klar, dass Er der Erste und der Letzte, der Alpha und Omega ist, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt.
Und dem Engel der Gemeinde von Laodizea schreibe: Das sagt der »Amen«, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Ursprung der Schöpfung Gottes. (Offenbarung 3, 14) An die Gemeinde von Laodizea stellt Sich der Herr Jesus als Ursprung der Schöpfung vor. Ich bin überzeugt, dass diese Worte an Laodizea auch in ganz besonderer Weise unserer Zeit gilt.
So sehen wir also, dass das ganze Zeugnis des Neuen Testaments eindeutig und ohne jeglichen Widerspruch den Herrn Jesus als Mensch gewordenen Gott darstellt. Daran gibt es nichts zu rütteln, denn diese Wahrheit bleibt in alle Ewigkeit bestehen. Wenn wir dem Zeugnis der Bibel glauben, können wir nicht anders, als den Herrn Jesus, den ewigen Gott, den Schöpfer und Erhalter der Welt, die zweite Person der göttlichen Dreieinigkeit, anzubeten.
Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. (Galater 4, 4 – 5)
Als alles vorbereitet war, wurde Gott Mensch und lebte unter uns auf der Erde. Er wurde von einer Frau zur Welt gebracht und erlebte das ganze Leben so, wie wir alle auch. Sein Leben war so normal, dass die Mitmenschen fragten, als Er Seinen Dienst begonnen hatte: Ist dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria, der Bruder von Jakobus und Joses und Judas und Simon? Und sind nicht seine Schwestern hier bei uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm. (Markus 6, 3)
In zwei Evangelien lesen wir von der Geburt und den Vorfahren Jesu: Bei Matthäus und Lukas. Matthäus nimmt sehr häufig auf das Alte Testament bezug und erklärt, wie das Leben des Herrn Jesus bereits viele Jahrhunderte davor beschrieben wurde. Zuerst zeigt Matthäus, dass Jesus in direkter Linie von David abstammt – deshalb können die Zusagen Gottes, die sich auf den Sohn Davids oder Nachkommen Davids beziehen, auf den Herrn Jesus angewendet werden.
Dann folgt der Bericht von der Geburt, an den sich dann ein etwas späteres Ereignis anschließt, nämlich die Ankunft der Sterndeuter aus dem Osten. Diese zeigt, dass die Geburt Jesu kein spezifisch jüdisches Ereignis war, sondern Seine Bedeutung die ganze Welt umfasste.
Zwei wichtige Zitate aus dem Alten Testament finden sich in diesen zwei ersten Kapiteln von Matthäus. Das erste stammt von Jesaja: Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben. (Jesaja 7, 14) Der Engel, welcher Joseph im Traum erschien, zitierte diesen Vers: Dies alles aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten geredet hat, der spricht: »Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären; und man wird ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: »Gott mit uns«. (Matthäus 1, 22 – 23)
Das zweite Zitat stammt aus dem Buch des Propheten Micha: Und du, Bethlehem-Ephrata, du bist zwar gering unter den Hauptorten von Juda; aber aus dir soll mir hervorkommen, der Herrscher über Israel werden soll, dessen Hervorgehen von Anfang, von den Tagen der Ewigkeit her gewesen ist. Darum gibt er sie hin bis zu der Zeit, da die, welche gebären soll, geboren haben wird; und der Überrest seiner Brüder wird zurückkehren zu den Kindern Israels. Und Er wird auftreten und sie weiden in der Kraft des Herrn und in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes; und sie werden sicher wohnen; denn nun wird Er groß sein bis an die Enden der Erde. (Micha 5, 1 – 3) Dies wird im zweiten Kapitel bei Matthäus zitiert: Sie aber sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben durch den Propheten: »Und du, Bethlehem im Land Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fürstenstädten Judas; denn aus dir wird ein Herrscher hervorgehen, der mein Volk Israel weiden soll«. (Matthäus 2, 5 – 6) Hier hat der Prophet Micha den Geburtsort des Herrn Jesus vorausgesagt – und zwar etwa 700 Jahre vor dem Eintreffen.
Das Evangelium von Lukas geht das Ganze etwas anders an. Erzählt wird natürlich vom Inhalt her dasselbe, aber Lukas legt auf etwas anderes mehr Wert. Während Matthäus vor allem das Alte Testament mit den Vorhersagen im Mittelpunkt hat, ist es bei Lukas das Wunder der Geburt.
Dies sieht man daran, dass Lukas zwei verschiedene Geburtsberichte nebeneinander stellt – und beide Male ist es ein Wunder. Johannes der Täufer wird geboren, obwohl seine Mutter Elisabeth nicht schwanger werden konnte – und obwohl sie und ihr Mann schon zu alt dazu waren. Der zweite Bericht ist derjenige von Maria, die schwanger wurde, ohne jemals zuvor mit einem Mann geschlafen zu haben. Was interessant ist: Lukas war ein Arzt. Er kannte sich mit der Medizin und Biologie gut aus. Und gerade er ist es, der die Wunder ganz speziell wissenschaftlich exakt beschreibt. Er legt viel Wert darauf, dass die Wunder, die geschehen sind, auch im wissenschaftlichen Sinn Wunder waren und tatsächlich so passiert sind.