Dienstag, 18. Februar 2014

Mortimer Adler – Wie man ein Buch liest

Nachdem ich mich bereits Ende letzten Jahres mit dem Lesen von Büchern befasst habe (siehe hier: http://jonaserne.blogspot.de/2013/12/gedanken-zum-lesen.html), war ich sehr interessiert daran, auch mal einen echten Profi dazu zu lesen. Über den amerikanischen Pastor und Theologen John Piper bin ich auf das Buch „How to read a book“ von Mortimer Adler gestoßen. Mehr als einmal empfiehlt Piper das Buch von Adler, so zum Beispiel, wo er in seinem relativ neuen Buch „Think!“ (kostenloser Download als PDF) schreibt:My most moving introduction to the exciting world of serious reading came from Mortimer Adler’s classic, How to Read a Book, which is still in print (and doing nicely at Amazon) seventy years after first being published in 1939.“ (S. 43).

Zunächst unterscheidet Adler zwischen zwei – besser gesagt drei – Arten von Lesen. Es gibt das Lesen rein zum Vergnügen, auf das er im Buch nicht weiter eingeht. Und dann gibt es zwei Arten von Lesen, die er klar unterscheidet: Das Lesen zum Gewinn neuer Information und das Lesen zum Gewinn neuer Erkenntnis. Der Unterschied – so könnte man ihn nennen – besteht zwischen dem passiven und dem aktiven Lesen. Wer passiv liest, meint schon von vornherein, dass er das Gelesene verstehen würde, in Wirklichkeit gewinnt er aber nur neue Information. Er kann nicht wirklich verstehen, was der Autor nun eigentlich sagen wollte und warum er das sagt.

Adler betont sehr zu Recht die Wichtigkeit der Bücher früherer Generationen. Er bedauert, dass dies nicht mehr als so wichtig betrachtet wird und nur noch den Historikern überlassen wird. Wer wissen will, wer wir sind und wie wir zu diesem jetzigen Dasein gekommen sind, wird nicht um die alten Bücher herumkommen. So kritisiert er auch das Schulsystem. Das Bildungssystem, so sagt Adler, und die Kultur erhalten sich gegenseitig aufrecht.

Nach den einführenden Kapiteln kommt Adler auf drei Wege des aktiven Lesens zu sprechen. Wer das aktive Lesen lernen wolle, müsse die drei Wege des Lesens zuerst separat lernen und üben, mit der Zeit würden sie aber leichter zusammenfallen. Dies sind die drei „Wege“:
1. der analytische Weg (der Weg vom Gesamten zu den einzelnen Teilen)
2. der synthetische Weg (der Weg von den Teilen zum Ganzen)
3. der evaluative oder kritische Weg (dabei wird der Autor und sein Bemühen im Buch kritisch unter die Lupe genommen)

Nun gibt es viele Regeln für diese drei Lesewege. Ich versuche sie möglichst kurz und einfach zusammenzufassen.

Für den ersten Weg des Lesens (analytisch) sind vier Fragen wichtig:
1. Worum handelt das Buch? Was ist das Hauptthema oder die Hauptthemen?
2. Was möchte das Buch als Ganzes über dieses Thema aussagen? (in einer kurzen Aussage)
3. Aus welchen Teilen besteht das Buch? Wie gehören diese Teile zusammen?
4. Welches Problem (oder welche Probleme) versucht es zu lösen?

Dazu kommt noch die Schwierigkeit, dass viele Bücher nur dann verständlich sind, wenn sie im Zusammenhang mit anderen Büchern gelesen werden. So zum Beispiel bei Immanuel Kant sein Hauptwerk über die Vernunft, welches aus viel Bänden besteht, die nur im Zusammenhang mit einander verständlich werden. Oder es gibt Bücher, die als Antwort und Entgegnung auf andere Bücher geschrieben wurden. Und dazu kommt, dass Autoren oft dasselbe mit unterschiedlichen Worten beschreiben und verschiedene Dinge mit ähnlichen Worten. Das muss man dabei alles bedenken.

Für den zweiten Weg des Lesens (synthetisch) sind auch wieder vier Fragen wichtig:
1. Welches sind die wichtigen Worte und was bedeuten sie in diesem Buch?
2. Welches sind die wichtigen Sätze und was sagen diese aus? (jeweils in eigene Worte fassen)
3. Welche Argumente gebraucht der Autor, indem er diese wichtigen Sätze zusammensetzt?
4. Von all den Problemen, die der Autor lösen wollte, welche hat er denn nun tatsächlich erfolgreich gelöst?

Dann kommt der dritte Weg (kritisches Lesen):
Bei diesem Lesen geht es darum, dass man bei jedem Buch, das man liest, ein persönliches Urteil abgeben muss. Stimme ich dem Autor zu in seinen Schlussfolgerungen? Falls nicht, sind folgende Fragen hilfreich:
1. Habe ich verstanden, was der Autor nun tatsächlich sagen wollte? Falls nein, habe ich tatsächlich mit all meinen Möglichkeiten versucht, das Beste aus dem Buch zu holen?
2. Bin ich mir sicher, dass ich ehrlich sagen kann, dass ich den Bereich, den das Buch abdeckt, so gut kenne, dass ich mir erlauben kann, den Autor zu kritisieren?
3. Bin ich mir bewusst, dass eigentlich alle Unstimmigkeiten gelöst werden können? Wenn man sich darüber nicht im Klaren ist, kann man die Diskussion auch gleich bleiben lassen.

Wenn man mit dem Autor nicht übereinstimmt, so gibt es nach Adler nur vier mögliche Kritikpunkte:
1. Der Autor ist uninformiert, das heißt, ihm fehlen bestimmte Bestandteile, die zur Lösung seiner Probleme nötig wären.
2. Der Autor ist falsch informiert, das heißt, er geht von falschen Voraussetzungen aus und behauptet, Wissen zu besitzen, das er nicht besitzt.
3. Der Autor ist unlogisch, das heißt, er zieht aus den richtigen Informationen die falschen Schlüsse.
4. Die Analyse des Autors ist unvollständig, das heißt nicht, dass man das Thema noch beliebig erweitern könnte, sondern es bezieht sich darauf, dass für die Lösung seiner Probleme noch mehr Analysen gemacht werden müssten.

Das Buch schließt mit einem Überblick über das Lesen von guten Büchern und der Einführung in die Sammlung der „Great Books of theWestern World“, die unter anderem auch von Adler und Robert M. Hutchins zusammengestellt wurde. Diese Sammlung umfasst 54 Bände – in einer späteren Auflage wurde sie auf 60 Bände erweitert – und sollte meines Erachtens wirklich zu jeder guten gymnasialen Bildung dazu gehören.

Auch wenn mir manche der Regeln nicht ganz neu waren, habe ich dennoch enorm viel Neues dazulernen können. Insbesondere der Aufbau mit den drei Lesewegen finde ich hilfreich – und wünschte, man hätte mir dies schon an der Schule beigebracht. Ich möchte jedem, der gerne liest, dieses hilfreiche Buch ans Herz legen. Ich habe es auf englisch gelesen – kurz bevor ich damit zu Ende war, habe ich gesehen, dass man es auch auf deutsch kaufen kann. 

Übrigens hat vor Kurzem Hanniel Strebel im Blog von Josia - Truth for Youth - auch sehr hilfreiche Tipps zum gewinnbringenden Lesen gegeben. 

Donnerstag, 30. Januar 2014

Timotheus Magazin #14 „Der Zorn Gottes“

Timotheus Magazin #14 „Der Zorn Gottes“

„Der Zorn Gottes – Warum ein Gott der Liebe auch zornig sein muss“. Als ich diese Ausgabe erstmals in den Händen hielt, war mein erster Gedanke: Spannend! Noch mehr stieg meine Spannung, als ich das Editorial las:
Es ist nicht unsere Absicht, ein Gottesbild der Angst zu vermitteln, ganz im Gegenteil! Unsere Absicht ist, ein ganz und gar biblisches Gottesbild aufzuzeigen. Keines, das dem Zeitgeist folgt und keines, das politisch korrekt sein möchte. Gegen was oder wen genau richtet sich nun sein Zorn? Wie groß ist das Ausmaß seines Zornes? Wie unterscheidet er sich vom menschlichen Zorn? Wie wird sein Zorn gestillt? Welche Rolle spielt Jesus Christus dabei? Und was hat das alles mit mir zu tun? Fragen über Fragen, die wir in diesem Heft beantworten wollen.“ (Peter Voth, S. 2)
Nun wollte ich doch wissen, ob diese Versprechen alle auf den insgesamt 32 Seiten eingelöst werden können. Hier ein kurzer Überblick über die besten Zitate der jeweiligen Artikel, am Schluss mein Fazit.

Zorn und Sühnung (S. 4 – 6) von Waldemar Dirksen
Unser mangelndes Bewusstsein für den Zorn Gottes ist doch darauf zurückzuführen, dass unsere Lauheit und unsere persönlichen Sünden nicht unseren eigenen Zorn erregen. Statt Selbstmitleid sollte heiliger Zorn gegenüber unserem eigenen Versagen die Regel sein.“ (Waldemar Dirksen, S. 5)

Das Wesen Seines Zorns (S. 8 – 10) von Kurt Vetterli
Unter der Überschrift „Gottes Zorn verstehen“ schreibt Kurt Vetterli: „Wenn wir die Bibel diesbezüglich etwas genauer anschauen, so werden wir finden, dass Gottes Liebe und sein Zorn sogar in einem engen Zusammenhang stehen. Gott liebt zuerst seine eigene Ehre und sein Zorn richtet sich gegen alles, was seine Ehre nicht sucht oder ablehnt. Gott liebt das Heilige und das Gute, darum hasst er, was unheilig und böse ist; dagegen ist sein Zorn gerichtet.“ (S. 9)

Der Kelch des Zorns (S. 12 – 15) von Nils Freerksema
Das eigentliche Problem des Menschen ist ein hartes Herz, das Gott ablehnt und keine Anstalten macht, von seiner Rebellion umzukehren. Tag für Tag gehen aus diesem Herzen sündige Werke hervor, und durch diese Werke wird göttlicher Zorn angehäuft. Das geschieht bis zu einem bestimmten Tag, an dem dieser Mensch in das gerechte Gericht Gottes kommt. Dort wird Gott entsprechend der sündigen Werke Vergeltung üben. Die Tage des Sündigens sind vorbei und der Tag des Zorns hat begonnen.“ (S. 14)

Zorn vs. Zorn (S. 16 – 19) von Jörn Krebs
Worin unterscheiden sich menschlicher Zorn vom göttlichen Zorn? „Die Ursache für Gottes Zorn ist also in Gottes gütiger Perfektion und Vollkommenheit begründet. Sein Zorn steht nicht im Widerspruch zu seiner Perfektion, sondern ist gerade ein Ausdruck ihres Wesens.“ (S. 18) schreibt Jörn Krebs. Später fährt er fort: „Im Kern fehlt uns Menschen einfach die Fähigkeit, Zorn und Liebe miteinander zu vereinbaren, so wie es Gott nur in seiner Vollkommenheit kann. Auf ganz praktische Weise drückt sich dieser Mangel an Vollkommenheit in Bezug auf zorniges Handeln auf folgende Eigenschaften aus: Menschen sind, anders als Gott, in ihrer Äußerung von Zorn unbeherrscht, spontan und es fehlt ihnen an Weisheit, zu wissen, was wirklich aus Gottes Sicht gerecht ist.“ (S. 19)

Der Zorn Gottes im Alten Testament (S. 20 – 23) von Andreas Münch
Andreas Münch geht in seinem Artikel vor allem auf die Frage nach der Ausführung des Zornes Gottes durch das Volk Israel bei der Landnahme an den Kanaanitern ein. Mit dem Hinweis aus 5. Mose 5,4 zeigt Münch auf, dass die Kanaaniter wegen ihrer Gottlosigkeit gerichtet wurden: „Dass es sich bei dieser Gottlosigkeit um keine Kleinigkeiten handelte, machte Gott an anderer Stelle klar: „Macht euch nicht unrein durch all dieses [Inzest, Homosexualität, Sodomie, Kinderopfer]! Denn durch all dieses haben sich die Nationen unrein gemacht, die ich vor euch vertreibe. Und das Land wurde unrein gemacht, und ich suchte seine Schuld an ihm heim, und das Land spie seine Bewohner aus“ (3. Mose 18,24-25). Gott spielte kein Russisch-Roulette mit den Völkern, wobei die Kanaaniter halt Pech hatten. Nein, Gott strafte ganz gezielt Völker, deren Sünden das Maß für den Zorn Gottes vollgemacht hatten.“ (S. 22)

Wahre Reformation... bekämpft Falsches! (S. 24 – 27) von Jochen Klautke
Wir leben in einer Zeit, in der es nicht mehr darum geht, nach wahr und falsch zu fragen. „Wahr“ ist, was für dich wahr ist. Im Umkehrschluss gibt es auch nichts „Falsches“ mehr. Aber das ist nicht biblisch. Die Bibel macht unmissverständlich klar, dass es einerseits Dinge gibt, die gut sind, weil sie Gott gefallen und andererseits Dinge, die schlecht sind, weil Gott sie hasst.“ (S. 27)

Sünder in den Händen eines zornigen Gottes (S. 28 – 29) von Benedikt Peters
Der Inhalt dieser Predigt hebt sich scharf von allem ab, was wir heute gewohnt sind. Der Hauptunterschied besteht hierin: Im Gegensatz zu damals steht in der heutigen Verkündigung nicht mehr Gott mit Seinen gerechten Forderungen und Seiner souveränen Gnade im Mittelpunkt, sondern der Mensch mit seinen Bedürfnissen und seinen Fähigkeiten.“ (S. 28) Aus der Predigt: „Der Bogen des göttlichen Zorns ist gespannt und der Pfeil an die Sehne gelegt und die Gerechtigkeit richtet den Pfeil auf dein Herz, der Bogen will schier zerspringen, und nichts hält den Pfeil zurück als das bloße Wohlgefallen Gottes, eines zürnenden Gottes, der in keiner Weise dem Sünder verpflichtet ist … Oh Sünder! Bedenke die große Gefahr, in der du schwebst!“ (S. 29)

Der deutsche „Puritaner“ (S. 7 + 11) von Hans-Werner Deppe
Etwas unglücklich versteckt ist der Bericht über das Leben von Gottfried Daniel Krummacher, der sich über zwei Seiten erstreckt, die durch einen anderen Artikel unterbrochen wurde. Vom Design her fehlt auf Seite 11 ein Element, welches die Seite mit der vorhergehenden Seite 7 verbindet.

Fazit:
Die Versprechen aus dem Editorial sind tatsächlich erfüllt. Die Fragen – wenn auch teilweise etwas oberflächlich und an manchen Stellen zu kompliziert für eine Zeitschrift „für junge Christen“, aber es wurde tatsächlich eingehalten, was uns Peter zu Beginn versprochen hat. Das Design ist auch dieses Mal wieder gewöhnungsbedürftig, was aber nicht schlecht sein muss. Ich denke, dass irgendwann ein Stil gefunden werden sollte, auf den sich der Leser dann auch längerfristig gewöhnen kann.
- Den ersten Punkt, den ich zu bemängeln habe, habe ich im obigen Text bereits angesprochen. Der eine Artikel, nämlich die Biographie von G. D. Krummacher bräuchte ein Design-Element, das auch auf S. 11 auf den ersten Blick erkennen lässt, dass es sich bei der Seite nicht um eine Fortsetzung der Seite 10 sondern der Seite 7 handelt.
- Der zweite Punkt betrifft die Korrektur der Zeitschrift. Bereits beim schnellen Überfliegen des Textes sind mir drei Fehler aufgefallen: Auf S. 2 oben bei der Vorstellung des Coverdesigners steht „Theolgie“ statt „Theologie“ und im Artikel der Josia-Serie ist zweimal eine Bibelstelle falsch angegeben: S. 26: „[...] eine ganze Waffenrüstung an geistlichen Waffen (Epheser 5,13-17)“ statt Epheser 6,13-17 und auf S. 27 dasselbe noch einmal: „Die Waffe, die Paulus dir in der Waffenrüstung dafür an die Hand gibt, ist das Schwert des Geistes, das Wort Gottes (Epheser 5,17)“ statt Epheser 6,17.
- Insgesamt gesehen ist die ganze Ausgabe sprachlich wie theologisch auf einem mittleren bis hohen Niveau geschrieben. Es wird relativ viel Wissen vorausgesetzt, das junge Menschen, die in der Gemeinde aufgewachsen sind, durchaus haben sollten. Für Neueinsteiger bzw. frisch Bekehrte wird es zu viel sein, was unerklärt vorausgesetzt wird. Die Ausrichtung und das Zielpublikum sollten evtl. noch einmal überdacht werden.
Alles in allem habe ich die Lektüre jedoch genossen und empfehle sie gerne weiter. Falls du es noch nicht abonniert hast, so kann ich dir nur empfehlen, dies noch zu tun. Möglich ist das hier: *klick*

Mittwoch, 22. Januar 2014

Was die NSA wirklich kann

Gestern kam auf der Seite der FAZ online ein kurzer Artikel mit der Überschrift: "Das kann die NSA wirklich".

Darin werden verschiedene Möglichkeiten der Spionage durch die NSA beschrieben, so etwa:
"...kann bei Telefongesprächen die Rufnummern und den Aufenthaltsort der Gesprächspartner zurückverfolgen.
...kann aus abgegriffenen Handydaten Bewegungsprofile von privaten Nutzern erstellen. Auch in den Vereinigten Staaten
...kann die Mobiltelefone von ausländischen Staatschefs abhören."
Und manche mehr. Das mögen schon beunruhigende Tatsachen sein. Allerdings hat man damit das wahre Ausmaß der Sache noch nicht verstanden. Die drei wichtigsten Instrumente sind dabei noch komplett außer Acht gelassen.

1. Der Algorithmus
Während früher alles von Hand durchsucht werden musste, übernimmt dies heutzutage der Algorithmus der Computer. Alles kann damit nach bestimmten Wortfolgen, Geheimcodes und vielem mehr durchsucht und automatisch abgelegt werden. Dies macht die heutige Technik zu einem wahnsinnig starken Partner der Überwachung. Der Computeralgorithmus ist dabei viel exakter als der Mensch - er überspringt oder -liest nichts.

2. Die Datenbank
Vermutlich muss man erst einmal mit Datenbanken gearbeitet haben, um deren Stärke auch nur ansatzweise verstehen zu können. Eine Datenbank kann man sich vorstellen wie eine riesige Tabelle, die mit vielen unter einander verknüpften Einträgen gespeist wird. Je mehr da drin ist, desto mehr kann man damit machen. Mit Datenbanken kann die NSA ganze Nutzerprofile von Millionen von Usern herstellen, die Tag für Tag mit noch mehr Infos gespeist werden. Eine Datenbank vergisst nie. Während der Mensch oft nach einem Jahr schon nicht mehr weiß, was er wem wann gesagt und geschrieben hat, wird sich die Datenbank immer daran "erinnern". Eine Datenbank kann genutzt werden, um daraus Beziehungsgeflechte zwischen Menschen zu generieren, das Kaufverhalten sagt viel über einen Menschen aus, und so weiter.

3. Die Abfrage
Datenbanken sind solange wertlos, bis sie abgefragt werden können. Auch Abfragen können automatisiert werden. Was früher in der DDR-Zeit noch von Hand gemacht werden musste - Einträge in einem riesigen System von Akten finden - erledigt die Datenbankabfrage in einem Bruchteil einer Sekunde. Mit 40'000 Mitarbeitern und einem jährlichen Budget von 10 Mrd. USDollar ist eine ganze Menge machbar. Interessant ist auch die Tatsache, dass pro Tag ungefähr 29 PetaBytes an Daten analysiert und verarbeitet werden. Zum Vergleich: Ein kleiner USB-Stick hat 1 GigaByte an Speicherplatz. Da passen etwa 500 Bilder in einer einigermaßen guten Auflösung drauf. Die NSA verarbeitet jeden Tag die Menge von 29 Millionen solcher USB-Sticks. Dies ist etwa ein Zwanzigstel der Gesamtmenge von allem, was täglich übers Internet gemacht wird. Wenn man bedenkt, dass von diesem Gesamtdatenaufkommen vieles mehrmals heruntergeladen wird, ist das eine Zahl, die durchaus beängstigen kann.

Noch ein kleiner Hinweis am Rande: Kürzlich wurde bekannt, dass das vielgerühmte De-Mail gar nicht erst so sicher ist wie es vom Anbieter versprochen wurde. Es ist in Wirklichkeit genauso unsicher wie das Versenden von unverschlüsselten Mails. Viel besser ist es, eine Verschlüsselung zu wählen, die nur der Sender und der Empfänger entschlüsseln können (End-to-End-Verschlüsselung).

Montag, 20. Januar 2014

Warum ein Bildungsplan alle angeht

Warum ein Bildungsplan alle angeht

Ich begrüße die Debatte, die in Baden-Württemberg und nicht nur hier durch eine Petition von Gabriel Stängle begonnen hat. Der schulische Bildungsplan ist etwas, was alle angeht, deshalb ist dieser Diskurs sehr wichtig. Doch zunächst ist es wichtig, dass wir verstehen, was ein Bildungsplan überhaupt ist. Der Bildungsplan ist ein Lehrplan mit Erweiterungen. Im Lehrplan findet man im Normalfall Lehrziele, Lerninhalte und Informationen über die Lernerfolgskontrollen1. Wo jedoch auch Ausführungen über die zu erlernenden Kernkompetenzen ausgeführt sind, spricht man von einem Bildungsplan2.

Welchen Unterschied macht das nun? Auf den ersten Blick scheint es nur eine kleine Modifikation der bereits bestehenden Lehrpläne zu sein. Im Vorwort zum Bildungsplan 2004 für die Grundschule in Baden-Württemberg schreibt Prof. Dr. Hartmut von Hentig über diesen Unterschied:  

Lehrpläne geben an, was „gelehrt“ werden soll. Ein Bildungsplan gibt an, was junge Menschen im weitesten Sinne des Wortes „lernen“ sollen: Auf welche Anforderungen und Ziele hin sie sich am besten an welchen Erfahrungen formen und welche Mittel zur Gestaltung ihres Lebens, welche Übung in welchen Fähigkeiten dabei dienlich sind – Mittel und Fähigkeiten, die ihnen ermöglichen, als Person und Bürger in ihrer Zeit zu bestehen.“3

Das Problem liegt nun nicht direkt darin, dass der Bildungsplan Kompetenzen an sich aufnimmt, die an der Schule gelehrt und gelernt werden sollen. Jeder Lehrer, der seinen Schülern zeigt, wie man bestimmte Gleichungen lösen kann, vermittelt damit Kompetenzen. Und hier ist es durchaus sehr sinnvoll, dass diese immer wieder reflektiert werden. Die Schwierigkeit liegt an drei anderen Orten in dieser Sache: Erstens wird verlangt, dass Kompetenzen nicht nur entwickelt, sondern auch entsprechend kontrolliert werden müssen. Statt dass – wie dies viele Jahrhunderte problemlos funktioniert hat – die Kompetenzen in der täglichen Auseinandersetzung mit neuen Situationen entwickelt werden, werden sie in den Vordergrund gedrängt und kosten ihre Zeit der besonderen Einübung und Kontrolle, die auf der anderen Seite viele wichtige Lehrinhalte zu kurz kommen lassen. Eine zweite Schwierigkeit besteht darin, dass diese Kompetenzen kontrolliert werden müssen. Man muss diese Kompetenzen losgelöst vom Alltag – unter sterilen Laborbedingungen sozusagen – überprüfen und in Zahlenwerte übertragen. Hier zählt nicht mehr der tatsächliche Umgang – also die echte Kompetenz – sondern nur das Vermögen, das Gelernte richtig wiederzugeben. Dadurch wird nicht nur der Begriff der Kompetenz falsch ausgelegt, sondern die Kompetenz wird auf die korrekte Wiedergabe verkürzt.

Ein drittes Problem bezieht sich nicht nur auf die gewünschten Kompetenzen, sondern auf den gesamten Bildungsplan als solches. Was letzten Endes von einem Schüler verlangt wird, das bestimmt ein Gremium von Fachleuten im Geheimen. Hier sehe ich die eigentliche Problematik des ganzen Falls. Geheimniskrämerei führt immer zu Gerüchten, Verzerrungen und Halbwahrheiten. Schauen wir den Tatsachen ins Auge: Die Qualität eines Ergebnisses – so lehrt uns die Geschichte – wird umso größer, je mehr Menschen sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten einbringen können. Jeder Zentralismus und jede aufoktroyierte Ideologie wird meilenweit hinter dem Ergebnis einer gemeinsamen, demokratischen Debatte und Entscheidungsfindung liegen.

Ebenso muss davon ausgegangen werden, dass jede zentralistisch installierte Ideologie, welche dem steten Wandel des Zeitgeistes unterworfen ist, jede Menge blinde Flecken aufweisen wird, die nur durch Widerspruch und gemeinsamen Diskurs von unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Meinungen zu Tage gefördert werden können. Erst durch die ehrliche Auseinandersetzung mit Fehlern, aber auch Lösungen und zu Würdigendem früherer Generationen können diese ermittelt und eliminiert werden.

Wo Menschen in zentralistischer und konkurrenzloser Weise planen und Richtlinien unhinterfragbar herausgeben, leidet nicht nur die Qualität darunter, sondern es wird dadurch automatisch immer auch Misstrauen geschürt. Zentralistisches Handeln schließt immer die Allgemeinheit aus – ist also einer großen Mehrheit gegenüber diskriminierend – und entmündigt alle, die von diesem Prozess ausgeschlossen werden. Eltern wollen grundsätzlich das Beste für ihre Kinder, und sobald wir ihnen mit Misstrauen begegnen und sie ausschließen, werden wir auch die Zusammenarbeit mit ihnen verderben, von deren Wichtigkeit selbst im Bildungsplan von 2004 noch ausgegangen wird:

Bildung beginnt nicht erst in der Schule. So sehr die Schule in den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen verankert ist, so sehr braucht sie in ihrer Arbeit die Unterstützung der Familie, der Medien und jener Einflussfaktoren, die heute die Kindheit und Jugend auch prägen. Deshalb ist die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule zentral bedeutsam. Je selbstständiger unsere Schulen werden, umso notwendiger ist ein guter Dialog mit den Eltern über schulspezifische Akzente und Profile.“4

Dass die Wahl und Mitbestimmung der Bildungsart in erster Linie eine Aufgabe und Verantwortung der Eltern ist, steht in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sehr deutlich festgehalten:

Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll.“5

Inzwischen ist die Diskussion um die Inhalte und Kernkompetenzen angestoßen worden. Dank der Petition haben Eltern die Möglichkeit bekommen, ihre Stimme in diesem Prozess zu erheben. Leider haben sich auch manche Menschen eingemischt, welche die Petition für ihre menschenverachtende Ideologie zu instrumentalisieren versuchten, was leider zu Polarisierung innerhalb der Diskussion führte. Dies lässt sich in einer demokratischen Meinungsbildung kaum vermeiden. Dennoch denke ich, dass uns dies nicht davon abhalten sollte, für die entstandene Möglichkeit des Dialogs dankbar zu sein. Demokratie lebt vom Dialog der verschiedenen Meinungen. Und wenn durch diese Petition ein solcher Dialog möglich geworden ist, so ist sie es meines Erachtens wert, unterstützt zu werden.

Was es braucht, ist eine Vielzahl von unterschiedlichen Einrichtungen und Möglichkeiten zur Bildung. Durch eine große Konkurrenz im Bildungsmarkt wächst die Qualität der Bildung und nur so wird eine Zukunft des Wachstums und des Wohlstands ermöglicht werden können.

2Ebd.

3Der Bildungsplan 2004 für die Grundschule kann hier heruntergeladen und eingesehen werden: http://www.bildung-staerkt-menschen.de/service/downloads/Bildungsplaene/Grundschule/Grundschule_Bildungsplan_Gesamt.pdf obiges Zitat stammt von S. 7

4Ebd. S. 5

5Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 in Artikel 26, Absatz 3: http://www.ohchr.org/EN/UDHR/Pages/Language.aspx?LangID=ger

Mittwoch, 1. Januar 2014

Warum wir Auftragsmorde legalisieren sollten

Vorsicht, Satire!!! Den folgenden Artikel habe ich im Blog von The Gospel Coalition (engl. Original) auf englisch gefunden. Da ich den Artikel der deutschsprachigen Welt nicht vorenthalten wollte, habe ich ihn mit freundlicher Genehmigung der Autorin, Betsy Childs, übersetzt.


Warum wir Auftragsmorde legalisieren sollten


Ich werde die Erste sein, die es eingesteht: Berufskiller sind fragwürdig. Aber sie sind fragwürdig, weil sie eine Arbeit erledigen, die niemand anders tun will, eine Arbeit, die tatsächlich illegal ist. Indem wir Auftragsmorde ein „Verbrechen“ nennen, haben wir die Tatsache verschleiert, dass Berufskiller der Gesellschaft einen wertvollen Dienst bereitstellen.
Viele Frauen finden sich gefangen in ungewollten Ehen. Der Ehebund beschneidet die Freiheit einer Frau ernstlich, und Ehemänner können unangemessen fordernd sein. Eine Frau in einer solchen Situation ist verletzlich. Sie sieht nur noch einen Ausweg, und so trifft sie die schwierige Entscheidung, ihren Ehemann zu töten.
Doch die unbequeme Wahrheit ist, dass eine Frau, die einen Mord gegen ihren Ehemann in Auftrag gibt, mit größter Wahrscheinlichkeit tausende von Dollars zahlen muss, ohne die Garantie zu haben, dass der Mord tatsächlich ausgeführt wird. Diesen Auftrag zu legalisieren, würde die Unsicherheit beseitigen. Gemietete Schützen könnten überprüft und trainiert, sowie auf professionelle Sicherheitsstandards angehalten werden. Niemand will, dass ein Treffer daneben geht. Wenn keine Gefahr der Anklage mehr bestünde, würde dies die Kosten von Auftragsmorden drastisch senken. Auftragsmord zu legalisieren würde ein schmutziges Geschäft ins rechte Licht rücken.
Während eine Scheidung in den meisten Fällen eine attraktive Alternative für einen Auftragsmord sein könnte, haben manche Frauen nicht die emotionalen und finanziellen Ressourcen, um eine Scheidung hinter sich zu bringen. Eine strittige Scheidung durchzuführen kann mehr als ein Jahr Zeit in Anspruch nehmen. Nachdem Anwälte die Finanzen des Paares geleert haben, bleibt der Frau nur wenig Geld zurück, um ihr Leben fortzusetzen. Außerdem: Ein diskreter Mord zur rechten Zeit schützt den Ehemann vor dem Schmerz, herausfinden zu müssen, dass er nicht mehr gewollt ist. Ein wahrlich erfahrener Attentäter kann seine Zielperson schmerzlos in einem Moment umlegen ohne jedes Leiden. Das Ende einer Ehe hat das Potential, das Leben einer Frau zu ruinieren, aber wenn ihr Ehemann schnell und sauber herausgeholt wird, so kann dies ein neuer Anfang für sie sein.
Auftragsmord ist ein unbequemes Thema, und ich persönlich könnte nie einen Mord beauftragen. Besser wäre es, zuerst ungewollte Ehen zu vermeiden. Das ist aber keine Entscheidung, die jemand anderes für eine Frau machen kann. Es ist ihre Ehe, nur sie kann entscheiden, wann sie enden muss.
Ich bin mir bewusst, dass manche Leser damit zögern, diesen Vorschlag zu befürworten, aber haltet doch einmal inne, um zu betrachten, wie sehr die Legalisierung der Abtreibung dazu beigetragen hat, dass eine Frau, die ihr Kind töten will, nicht mehr stigmatisiert wird. Einst wurde die Abtreibung als Mord gesehen und konnte deshalb nur im Geheimen und mit großem Risiko für die Frauen durchgeführt werden. Jetzt feiert unser Staat Frauen, die ihr Recht ausüben, Familienmitglieder zu töten. Weshalb sollten wir dieses Recht nicht ausweiten und den Frauen das Recht geben, ihre Partner zu töten?

(Original in Englisch von Betsy Childs, Übersetzung von mir)

Montag, 16. Dezember 2013

Die Menschenopfer des 21. Jahrhunderts

Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, so sollst du nicht lernen, nach den Greueln jener Heidenvölker zu handeln. Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, oder einer, der Wahrsagerei betreibt oder Zeichendeuterei oder ein Beschwörer oder ein Zauberer, oder einer, der Geister bannt, oder ein Geisterbefrager, oder ein Hellseher oder jemand, der sich an die Toten wendet. Denn wer so etwas tut, ist dem Herrn ein Greuel, und um solcher Greuel willen vertreibt der Herr, dein Gott, sie vor dir aus ihrem Besitz. (5. Mose 18, 9 - 12)

Wir brauchen heute weder in den Busch zu gehen, noch sonst wo hinzufahren, um die nächsten Menschenopfer zu finden. Sie finden tagtäglich in unseren Städten und Krankenhäusern statt. Dort, wo Menschen eigentlich den Auftrag hätten, Leben zu retten, wird es heute zerstört. Das ist eine schreckliche Perversion unserer Zeit.

Denn sie haben Ehebruch getrieben, und Blut ist an ihren Händen; ja, mit ihren Götzen haben sie Ehebruch getrieben, und für sie sogar ihre eigenen Kinder, die sie mir geboren haben, durchs Feuer gehen lassen, so dass sie verzehrt wurden! Überdies haben sie mir auch das angetan: Sie haben an demselben Tag mein Heiligtum verunreinigt und meine Sabbate entheiligt. Denn wenn sie ihre Kinder ihren Götzen geschlachtet hatten, so kamen sie noch am selben Tag in mein Heiligtum, um es zu entweihen. Siehe, das haben sie mitten in meinem Haus getrieben! (Hesekiel 23, 37 - 39)

Dadurch, dass man meint, man könne – in postmodernem Konstruktivismus – das Leben einfach neu definieren und dadurch ein Verbrechen zur neuen Tugend machen, werden die schlimmsten Morde nicht nur erlaubt, sondern regelrecht befürwortet. Es gibt eine riesige Lobby der „Pro Choice“ („für die Wahl“)-Fraktion. Noch schlimmer ist der Druck, der durch diese Legalisierung und all die Möglichkeiten der pränatalen Diagnose entsteht. Und doch ist es bezeichnend, wie sehr Gott für das Leben ist – auch für das Leben in der Gefangenschaft in Ägypten. Auch für das Leben unter schweren Umständen – als Sklaven der Ägypter. So wertvoll ist das Leben für Gott, dass sogar eine offensichtliche Lüge, die gezielt zum Schutze dieses Lebens eingesetzt wurde, durch Gottes Segen bestätigt wurde.

Und der König von Ägypten redete mit den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schiphra, die andere Pua hieß, und er sprach: Wenn ihr die Hebräerinnen entbindet, so seht auf der Stelle nach; wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn, ist es aber eine Tochter, so lasst sie leben! Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, was ihnen der König von Ägypten befohlen hatte, sondern sie ließen die Knaben leben. Da ließ der König von Ägypten die Hebammen rufen und fragte sie: Warum tut ihr das, dass ihr die Knaben leben lasst? Da antworteten die Hebammen dem Pharao: Nun, die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen; sie sind lebhafter; ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren! Und Gott segnete die Hebammen; das Volk aber vermehrte sich und nahm gewaltig zu. (2. Mose 1, 15 - 20)

Zwischen 110'000 und 120'000 Menschenopfer werden dem modernen Moloch der Selbstbestimmung jedes Jahr in den Rachen geworfen. In Deutschland. Weltweit geht man von etwa 42'000'000 pränatal ermordeten Kindern pro Jahr aus. Zum Vergleich: Der 2. Weltkrieg hat weltweit insgesamt etwa 66'000'000 Menschenleben gekostet. Somit kommt man mit den Abtreibungen in 1,5 - 2 Jahren ungefähr auf die Zahl der Menschenleben, die der 2. Weltkrieg in 6 Jahren gekostet hat. Nur mal so weit ein kleiner Vergleich. Das sind schreckliche Zahlen.

Weitaus schrecklicher ist allerdings die Gleichgültigkeit der Kirchen und Gemeinden heutzutage. Gerade da uns die Bibel auffordert, uns für die Schwachen einzusetzen:

Ein Psalm Asaphs. Gott steht in der Gottesversammlung, inmitten der Mächtigen richtet er: »Wie lange wollt ihr ungerecht richten und die Person des Gottlosen ansehen? (Sela.) Schafft Recht dem Geringen und der Waise, den Elenden und Armen laßt Gerechtigkeit widerfahren! Befreit den Geringen und Bedürftigen, errettet ihn aus der Hand der Gottlosen!« (Psalm 82, 1 - 4)

»Warum fasten wir, und du siehst es nicht, warum kasteien wir unsere Seelen, und du beachtest es nicht?« — Seht, an eurem Fastentag geht ihr euren Geschäften nach und treibt alle eure Arbeiter an! Siehe, ihr fastet, um zu zanken und zu streiten und dreinzuschlagen mit gottloser Faust; ihr fastet gegenwärtig nicht so, dass euer Schreien in der Höhe Erhörung finden könnte. Meint ihr, dass mir ein solches Fasten gefällt, wenn der Mensch sich selbst einen Tag lang quält und seinen Kopf hängen lässt wie ein Schilfhalm und sich in Sacktuch und Asche bettet? Willst du das ein Fasten nennen und einen dem Herrn wohlgefälligen Tag? Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: dass ihr ungerechte Fesseln losmacht, dass ihr die Knoten des Joches löst, dass ihr die Unterdrückten freilasst und jegliches Joch zerbrecht? Besteht es nicht darin, dass du dem Hungrigen dein Brot brichst und arme Verfolgte in dein Haus führst, dass, wenn du einen Entblößten siehst, du ihn bekleidest und dich deinem eigenen Fleisch nicht entziehst? (Jesaja 58, 3 - 7)

Die Schwächsten unserer Gesellschaft sind die Ungeborenen. Sie bedürfen am allermeisten unseres Schutzes. Sie haben keine eigene Stimme, um sich wehren oder auch nur zu Wort melden zu können. In einer zunehmend sozialistisch gestalteten Gesellschaft bekommt der Mensch seinen Wert nicht durch sein Menschsein, sondern durch den Wert, den er seiner Gesellschaft bringt. Sprich: Seiner Arbeit. Deshalb müssen Frauen auch weg von den Kindern, hin an den Arbeitsplatz, um einen von der Gesellschaft anerkannten Wert zu bekommen. Dies war bereits in der DDR so, und wird jetzt in der EUdSSR immer stärker vertreten. Es geht nicht mehr um Gleichberechtigung. Diese ist nur ein Vorwand, um möglichst viele Arbeiterinnen und Arbeiter für den Staat ausbeuten zu können. Und so sind es auch die Schwächsten und Kleinsten, denen ihr Wert als Menschen abgesprochen wird. Die Kranken und die Alten. Wo die Abtreibung eine so große Lobby hat, wird es nicht lange dauern, bis auch die Euthanasie eingeführt wird, damit am Ende nur noch die leben dürfen, welche der Gesellschaft einen größtmöglichen Nutzen bringen.

Alle Tiere sind gleich, nur manche Tiere sind gleicher.“ (George Orwell)

Montag, 9. Dezember 2013

Die Himmel erzählen

Die Himmel erzählen

Die Himmel erzählen von Dir, mein Herr,
die Sterne von Deiner Herrlichkeit.
Ein Tag ruft dem andern zu, wie sehr
das Werk Deiner Hand Dir Ehre verleiht

Du hast die Sonne so schön gemacht,
die jeden Tag uns vom Himmel lacht.
Wir freuen uns an ihrem Glanz,
bewundern von Ost bis West ihren Tanz.

Auch durch Dein Wort sprichst Du uns an,
zeigst uns darin, wie alles begann.
Möchtest uns führen und leiten darin,
Dein ganzer Wille gibt uns Sinn.

All Deine Wahrheit wird offenbar,
durch Deinen Maßstab sehen wir klar.
Zeig' meine Schuld, vergib' die Sünd'
Du bist mein Erlöser, ich Dein Kind.

(frei nach Ps. 19; Jonas Erne)

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Fundamente des christlichen Glaubens für jedermann

Das Gemeinsam-Lesen-Projekt

Der amerikanische Theologe Wayne A. Grudem hat 1994 eine biblische Glaubenslehre (der Fachbegriff dafür ist „Systematische Theologie“ oder „Biblische Dogmatik“) herausgegeben, die nicht nur sehr gut geschrieben und dadurch leicht verständlich ist, sondern die auch geradezu auf den Gebrauch in Gemeinden, Bibelstunden und Hauskreisen zugeschnitten ist. Sie ist exakt, schaut immer verschiedene Auslegungsmöglichkeiten an, die im Laufe der Kirchengeschichte propagiert wurden, und zieht Schlussfolgerungen direkt aus dem gesamten Zeugnis der Bibel.

Er definiert die „Systematische Theologie“ folgendermaßen: „Systematische Theologie ist jedes Studium, das die Frage beantwortet: 'Was lehrt die Bibel uns heute über jedes denkbare Thema?'“ (S. 27). Daraus schlussfolgert er: „Tatsächlich betreibt ein Christ jedes Mal, wenn er etwas über die Lehraussage der ganzen Bibel sagt, nach unserer Definition in gewissem Sinne 'systematische Theologie' – indem er über verschiedene Themen nachdenkt und die Frage beantwortet: 'Was lehrt die Bibel uns heute?'“ (S. 30)

Nachdem nun 2013 endlich die deutsche Übersetzung dieses genialen Werks erschienen ist, haben wir, Waldemar Justus, Pastor und Blogger von www.jesus24.de und Jonas Erne, Vikar und Blogger von http://jonaserne.blogspot.de, die Idee entwickelt, dass man dieses Buch von Grudem auch als größeres Leseprojekt gemeinsam lesen kann. Dazu ist jeder, der dies möchte, aufgefordert, nach jeweiliger Möglichkeit jede Woche ein Kapitel zu lesen. Dieses wird dann in unserer dazugehörigen Facebook-Gruppe (Link) kurz vorgestellt und dann darf jede und jeder über den Inhalt dieses Kapitels mitdiskutieren, Fragen stellen, andere Fragen beantworten, und so weiter. Jede Woche wird nur ein neues Kapitel zur Diskussion freigegeben.

Das Leseprojekt beginnt in der ersten Kalenderwoche des neuen Jahres, in dem Fall also am 30.12.2013. Jeder, der interessiert ist, kann sich den gesamten Leseplan ab sofort in unserer Facebook-Gruppe herunterladen. Die Teilnahme ist völlig unverbindlich, wir würden uns jedoch über rege Diskussion bis zum Ende des Buches wünschen. Durch dieses Projekt des gemeinsamen Lesens können wir uns gegenseitig dazu motivieren, beim Lesen dran zu bleiben und haben zugleich auch immer die Möglichkeit zum regen Austausch darüber.

Wer das Buch von Grudem noch kaufen möchte, kann dies auf deutsch oder englisch bei Amazon.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Dietrich Bonhoeffer – Gemeinsames Leben

Dietrich Bonhoeffer – Gemeinsames Leben

Die letzten 10 Tage habe ich in kleinen Häppchen das Buch „Gemeinsames Leben“ von Dietrich Bonhoeffer gelesen. Es ist ein wahrer Genuss. Meine Ausgabe stammt von 1955 und wurde im Chr. Kaiser Verlag München gedruckt. Nachfolgend ein paar der besonderen Leckerbissen:

Von der christlichen Gemeinschaft
"Christliche Gemeinschaft heißt Gemeinschaft durch Jesus Christus und in Jesus Christus. Es gibt keine christliche Gemeinschaft, die mehr, und keine, die weniger wäre als dieses. Von der kurzen einmaligen Begegnung bis zur langjährigen täglichen Gemeinschaft ist christliche Gemeinschaft nur dieses. Wir gehören einander allein durch und in Jesus Christus.
Was heißt das? Es heißt erstens, dass ein Christ den anderen braucht um Jesu Christi willen. Es heißt zweitens, dass ein Christ zum anderen nur durch Jesus Christus kommt. Es heißt drittens, dass wir in Jesus Christus von Ewigkeit her erwählt, in der Zeit angenommen und für die Ewigkeit vereinigt sind." (S. 8)

Von der seelischen und der geistlichen Liebe
"Seelische Liebe ist ihrem Wesen nach Begehren, und zwar Begehren nach seelischer Gemeinschaft. So lange sie dies Begehren noch irgendwie befriedigen kann, wird sie es nicht aufgeben, auch um der Wahrheit willen nicht, auch um der wahren Liebe zum Anderen willen nicht. Wo sie aber für ihr Begehren keine Erfüllung mehr erwarten kann, dort ist sie am Ende, nämlich beim Feind. Hier schlägt sie um in Hass, Verachtung und Verleumdung.
Eben hier ist aber auch der Ort, an dem die geistliche Liebe anfängt. Darum wird die seelische Liebe zum persönlichen Hass, wo sie der echten geistlichen Liebe begegnet, die nicht begehrt, sondern dient. Seelische Liebe macht sich zum Selbstzweck, zum Werk, zum Götzen, den sie anbetet, dem sie alles unterwerfen muss. Sie pflegt, sie kultiviert, sie liebt sich selbst und sonst nichts auf der Welt. Geistliche Liebe aber kommt von Jesus Christus her, sie dient ihm allein, sie weiß, dass sie keinen anderen unmittelbaren Zugang zum anderen Menschen hat. Christus steht zwischen mir und dem Andern. Was Liebe zum Andern heißt, weiß ich nicht schon im Voraus aus dem allgemeinen Begriff von Liebe her, der aus meinem seelischen Verlangen erwachsen ist, - das alles mag vielmehr vor Christus gerade Hass und böseste Selbstsucht sein, - was Liebe ist, wird mir allein Christus in seinem Wort sagen." (S. 18f)

Vom Wert der täglichen Losung
"Wir sind fast alle mit der Meinung groß geworden, es handle sich in der Schriftlesung allein darum, das Gotteswort für den heutigen Tag zu hören. Darum besteht die Schriftlesung bei Vielen nur aus einigen kurzen, ausgewählten Versen, die das Leitwort des Tages ausmachen sollen. Es ist nun kein Zweifel, dass etwa auf den Losungen der Brüdergemeinde für alle, die sie gebrauchen, bis zur Stunde ein wirklicher Segen liegt. Gerade in den Kampfzeiten der Kirche ist das vielen zu ihrem großen und dankbaren Erstaunen aufgegangen. Aber es kann ebensowenig ein Zweifel darüber bestehen, dass kurze Leit- und Losungsworte nicht an die Stelle der Schriftlesung überhaupt treten können und dürfen. Die Losung für den Tag ist noch nichtz die Heilige Schrift, die durch alle Zeiten hindurch bis in den jüngsten Tag bleiben wird. Die Heilige Schrift ist mehr als Losung. Sie ist auch mehr als "Brot für den Tag". Sie ist Gottes Offenbarungswort für alle Menschen, für alle Zeiten. Die Heilige Schrift besteht nicht aus einzelnen Sprüchen, sondern sie ist ein Ganzes, das als solches zur Geltung kommen will." (S. 30f)

Gottes Wort, das Lied der Kirche und das Gebet der Gemeinde
"Gottes Wort, das Lied der Kirche und das Gebet der Gemeinde stehen am Anfang des Tages. Erst wenn die Gemeinschaft mit dem Brote des ewigen Lebens versorgt und gestärkt worden ist, vereinigt sie sich, um von Gott das irdische Brot für dieses leibliche Leben zu empfangen. Danksagend und um Gottes Segen bittend nimmt die christliche Hausgemeinde das tägliche Brot aus der Hand des Herrn. Seit Jesus Christus mit seinen Jüngern zu Tische saß, ist die Tischgemeinschaft seiner Gemeinde durch seine Gegenwart gesegnet." (S. 42)

Einsam in der unchristlichen Umwelt
"Jeder Tag bringt dem Christen viele Stunden des Alleinseins mitten in einer unchristlichen Umwelt. Das ist die Zeit der Bewährung. Das ist die Probe auf eine rechte Meditationszeit und auf eine rechte christliche Gemeinschaft. Hat die Gemeinschaft dazu gedient, den einzelnen frei, stark und mündig zu machen, oder hat sie ihn unselbständig und abhängig gemacht? Hat sie ihn eine Weile an die Hand genommen, damit er wieder lernt, eigene Schritte zu tun, oder hat sie ihn ängstlich und unsicher gemacht? Das ist eine der ernstesten und schwersten Fragen an jede christliche Lebensgemeinschaft. Weiter wird sich hier entscheiden, ob die Meditationszeit den Christen in eine unwirkliche Welt geführt hat, aus der er mit Schrecken erwacht, wenn er wieder in die irdische Welt seiner Arbeit hinaustritt, oder ob sie ihn in die wirkliche Welt Gottes geführt hat, aus der er gestärkt und gereinigt in den Tag hineingeht?" (S. 59)

Von der Demut
"Wer lernen will zu dienen, der muss zuerst lernen, gering von sich selbst zu denken. "Niemand halte weiter von sich, denn sich gebührt zu halten" (Röm. 12, 3) "Sich selbst recht kennen und gering von sich denken zu lernen, das ist die höchste und nützlichste Aufgabe. Nichts aus sich selber machen und dabei stets von anderen eine gute Meinung haben, das ist große Weisheit und Vollkommenheit" (Thomas a Kempis). "Haltet euch nicht selbst für klug" (Röm. 12,17). Nur wer aus der Vergebung seiner Schuld in Jesus Christus lebt, wird in rechter Weise gering von sich denken, der wird wissen, dass seine Klugheit hier ganz an ihr Ende kam, als Christus ihm vergab, der erinnert sich der Klugheit der ersten Menschen, die wissen wollten, was gut und böse ist und in dieser Klugheit umkamen. Der erste aber, der auf dieser Erde geboren wurde, war Kain, der Brudermörder. Das ist die Frucht der Klugheit des Menschen. Weil der Christ nicht mehr sich selbst für klug halten kann, darum wird er auch von seinen Plänen und Absichten gering denken, er wird wissen, dass es gut ist, dass der eigene Wille gebrochen wird in der Begegnung mit dem Nächsten. Er wird bereit sein, den Willen des Nächsten für wichtiger und dringlicher zu halten als den eigenen. Was schadet es, wenn der eigene Plan durchkreuzt wird? Ist es nicht besser, dem Nächsten zu dienen, als den eigenen Plan durchzusetzen?" (S. 64)

Keiner zu gut, dem Nächsten zu dienen
"Keiner ist für den geringsten Dienst zu gut. Die Sorge um den Zeitverlust, den eine so geringe und äußerliche Hilfeleistung mit sich bringt, nimmt meist die eigene Arbeit zu wichtig. Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Gott wird unsere Wege und Pläne immer wieder, ja täglich, durchkreuzen, indem er uns Menschen mit ihren Ansprüchen und Bitten über den Weg schickt. Wir können dann an ihnen vorübergehen, beschäftigt mit den Wichtigkeiten unseres Tages, wie der Priester an dem unter die Räuber Gefallenen vorüberging, vielleicht - in der Bibel lesend. Wir gehen dann an dem sichtbar in unserem Leben aufgerichteten Kreuzeszeichen vorüber, das uns zeigen will, dass nicht unser Weg, sondern Gottes Weg gilt. Es ist eine seltsame Tatsache, dass gerade Christen und Theologen ihre Arbeit oft für so wichtig halten, dass sie sich darin durch nichts unterbrechen lassen wollen. Sie meinen damit Gott einen Dienst zu tun, und verachten dabei den 'krummen und doch geraden Weg' Gottes (Gottfried Arnold). Sie wollen von den durchkreuzten Menschenweg nichts wissen. Es gehört aber zur Schule der Demut, dass wir unsere Hand nicht schonen, wo sie Dienst verrichten kann, und dass wir unsere Zeit nicht in eigene Regie nehmen, sondern sie von Gott füllen lassen." (S. 67f)

Vom Wert der Beichte
"In der Beichte geschieht der Durchbruch zur Gemeinschaft. Die Sünde will mit dem Menschen allein sein. Sie entzieht ihn der Gemeinschaft. Je einsamer der Mensch wird, desto zerstörender wird die Macht der Sünde über ihn, und je tiefer wieder die Verstrickung, desto heilloser die Einsamkeit. Sünde will unerkannt bleiben. Sie scheut das Licht. Im Dunkel des Unausgesprochenen vergiftet sie das ganze Wesen des Menschen. Das kann mitten in der frommen Gemeinschaft geschehen. In der Beichte bricht das Licht des Evangeliums in die Finsternis und Verschlossenheit des Herzens hinein. Die Sünde muss ans Licht. Das Unausgesprochene wird offen gesagt und bekannt. Alles Heimliche und Verborgene kommt nun an den Tag. Es ist ein harter Kampf, bis die Sünde im Geständnis über die Lippen kommt. Aber Gott zerbricht eherne Türen und eiserne Riegel (Ps. 107, 16). Indem das Sündenbekenntnis im Angesicht des christlichen Bruders geschieht, wird die letzte Festung der Selbstrechtfertigung preisgegeben. Der Sünder liefert sich aus, er gibt all sein Böses hin, er gibt sein Herz Gott, und er findet die Vergebung all seiner Sünde in der Gemeinschaft Jesu Christi und des Bruders." (S. 77f)

Sonntag, 1. Dezember 2013

Gedanken zum Lesen

Gedanken zum Lesen

Wir leben in einer Zeit, in der wir mit einer zunehmenden Flut von Büchern, eBooks, PDFs, Zeitschriften, Zeitungen, aber auch vielen anderen Medien überflutet werden, die durch ihr Auftreten allesamt den Wunsch äußern, von uns gelesen, gehört, oder sonst wie wahrgenommen zu werden. Ich bin eine Leseratte, ein Bücherwurm. Schon als kleiner Junge hat es mich fast „magisch“ zu den Bücherregalen hingezogen. In den letzten Tagen habe ich mir vermehrt Zeit genommen, um meine Lesegewohnheiten unter die Lupe zu nehmen, und möchte dazu ein paar Gedanken weitergeben.

1. Lesen mit einem Ziel
Wenn wir lesen, dann geht es zunächst einmal um uns selbst. Auch wenn es inzwischen schon den Nebenjob des Rezensenten gibt, werden wohl doch nur wenige so viel Zeit haben, um einfach nach Lust und Laune querfeldein zu lesen. Davon abgesehen ist das auch nicht besonders sinnvoll, denn dadurch gewöhnen wir uns ein Muster an, nach welchem wir bald dazu tendieren werden, Bücher nur anzufangen und zum nächsten zu springen, bevor wir überhaupt das erste beendet haben. Wir lesen also nicht für den Autor, auch nicht für den Verlag, sondern für uns selbst. Und jeder von uns steht an seinem individuellen Platz im Leben, hat seine individuellen Stärken und Schwächen, sein bisheriges Wachstum, seine aktuellen Fragen und blinden Flecke im Leben. Um Bücher so zu nutzen, dass sie uns tatsächlich das größtmögliche weitere Wachstum geben, tun wir gut daran, die Bücher nach diesen Themen auszusuchen. Dazu hilft es, vielleicht auch mit Hilfe von Menschen, die uns gut kennen, diese Themen zu finden und aufzuschreiben. Und dann nach entsprechender Literatur zu suchen.

TL;DR: Es ist gut, wenn wir die Bücher, die wir lesen, nach den Themen auswählen, die für uns gerade wichtig sind.

2. Lesen mit klarem Verstand
Jeder Autor kann immer nur eine Art Stückwerk bieten. Niemand hat in allem die Wahrheit voll erfasst. Jeder ist noch unterwegs dazu. Deshalb wird auch niemand in einem Buch alles korrekt schreiben können. Jedes Buch nebst der Bibel bedarf der Prüfung an Gottes ewig gültigem, ein für alle Mal überlieferten Wort. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch da alles prüfen und das Gute behalten. Gerade bei Büchern mit Lebensberichten und sogenannten Zeugnissen ist große Vorsicht geboten. Immer wieder kommen zum Beispiel Berichte von Menschen, die behaupten, sie seien schon in der Hölle gewesen und danach – aus welchem Grund auch immer – wieder zurückgekehrt seien. Es gibt auf jeden Fall Visionen der Hölle, es gibt Nahtoderlebnisse, aber die Bibel schließt von Grund auf aus, dass jemand in unserer Zeit tatsächlich die Hölle besuchen und von dort wieder zurückkommen kann. Wir brauchen bei jedem Buch die Möglichkeit, es am Maßstab der Bibel zu messen und unter Umständen falsche Dinge klar zurückzuweisen.

TL;DR: Beim Lesen brauchen wir klaren Verstand und immer den Maßstab der Heiligen Schrift, um alles Gelesene auf den Prüfstand zu stellen.

3. Lesen von neuen und alten Texten
Ich habe hier auf einen sehr guten Text von C. S. Lewis hingewiesen, der herausstellte, wie wichtig es sei, dass wir nicht nur neue Bücher lesen, sondern auch alte. Mit neuen Büchern meine ich jetzt nicht nur diejenigen ab 2010, sondern ich würde den Beginn unserer momentanen Zeit ab etwa 1980 rechnen. Wir tun also gut daran, Bücher zu lesen, die vor dieser Zeit geschrieben wurden, und zwar auch welche, deren Autoren einige Zeit davor lebten. Die Schriften und Bücher der Reformation und anschließend der englischen und amerikanischen Puritaner, diejenigen der frühen Methodisten, des deutschen Pietismus und der Heiligungsbewegung, aber auch der frühen Jahre unserer Pfingstbewegung sind nicht nur lehrreich, sondern sehr stärkend. Ich bin für mich persönlich stark von den Puritanern beeinflusst. Die Bücher ihrer Zeit haben eine Tiefe, eine Klarheit und ein Verständnis, das heute vielfach fehlt.

TL;DR: Wir brauchen nicht nur (post)moderne Bücher, sondern tun gut daran, auch ältere zu lesen.

4. Lesen zur Selbsterbauung
Bücher sollen uns helfen, im Glauben zu wachsen, im täglichen Leben Probleme zu lösen und auf unsere zahlreichen Fragen Antworten zu geben. Daneben gibt es aber auch Bücher, die uns helfen wollen, dass wir uns entspannen können. Dazu dienen zum Beispiel Romane oder andere klassische Literatur. Dazu ist es gut, wenn wir uns zweierlei Dinge bewusst sind: Auf der einen Seite können wir nicht sagen, dass es Romane gibt, die dem Gläubigen verboten sind. Auf der anderen Seite sollten wir aber auch unserer Grenzen bewusst sein. Jeder „Input“, dem wir ausgesetzt sind, wird uns in irgend einer Weise verändern. Gerade für die erbauliche Literatur ist es wertvoll, auf ältere Bücher zurückzugreifen. Diese haben bereits den Test der Zeit überstanden. Sie sind von Generationen von Menschen gelesen worden und haben trotz allem überlebt. So wurde zum Beispiel John Bunyans Roman „Die Pilgerreise“ zum am zweithäufigsten verkauften Buch – direkt nach der Bibel.

TL;DR: Lesen zur Entspannung und Erbauung ist gut – dabei ist wichtig, dass wir uns bewusst sind, welchen Einflüssen wir uns aussetzen wollen.

5. Lesen mit dem Notizblock
Um den größtmöglichen Gewinn aus dem Lesen herausholen zu können, braucht es etwas Arbeit. Die wichtigste Regel für gewinnbringendes Lesen ist Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Solange wir mit dem Inhalt nur einverstanden sind und ihn abnicken, bleiben wir auf unserem Level stehen. Meine Empfehlung wäre, beim Lesen immer einen Notizblock dabei zu haben und wichtige Sätze und Gedanken daraus zu notieren. Was es zumindest braucht, ist aktive Reflektion des Gelesenen, also aktiv darüber nachdenken, weiterdenken, vergleichen, an der Bibel prüfen, nach Analogien (Vergleichen) suchen, und – ganz wichtig – nach Möglichkeiten zur praktischen Umsetzung Ausschau halten. Erst durch diese aktive Auseinandersetzung macht unser Gehirn etwas wirklich Bleibendes: Es lernt. Deshalb ist es auch gut, ab und an mal wieder ein Buch zu lesen, in welchem das Gegenteil behauptet wird. So lernt man noch klarer zu prüfen und sich mit der Materie auseinanderzusetzen.

TL;DR: Die aktive Auseinandersetzung mit dem Gelesenen ist wichtig, deshalb ist es hilfreich, sich zum Gelesenen Notizen zu machen und immer wieder darüber nachzudenken.

6. Das Lesen der Bibel ist unersetzlich
Manche Bücher können tatsächlich eine Hilfe zum Verstehen der Bibel sein, aber sie können niemals das Lesen der Bibel ersetzen. Dies gilt übrigens auch Losungs- und Andachtsbücher. Dort werden häufig nur einzelne Verse aufgelistet und im Falle von Andachtsbüchern auch erklärt. Dabei fehlt jedoch etwas: Man verpasst dabei, die Bibel in ihrer Gesamtheit kennenzulernen. In diesen Büchern wird immer nur ein sehr kleines Spektrum der Bibel abgedeckt, eine ganze Menge geht verloren. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, in jedem Jahr einmal die Bibel ganz durchzulesen. Dies ist bei drei Kapiteln pro Tag möglich. Wem dies zuviel ist, kann es mit einem Kapitel pro Tag auch in drei Jahren machen. Es ist einfach wichtig, dass wir auf diese Weise lernen, was die Bibel alles zu sagen hat.

TL;DR: Die Bibel zu lesen und zu kennen ist das Wichtigste. Wir sollten Andachtsbücher nur als Mittel dazu nutzen, die Bibel jedoch in ihrer Gesamtheit immer wieder von vorne bis hinten durchlesen.

7. Lesen, wenn zu wenig Zeit ist
Was, wenn nun zu wenig Zeit ist? Was wir mit unserer Zeit machen, ist immer eine Frage der Priorität. Wenn es uns wichtig ist, unseren Verstand so zu schulen, dass auch er zur Ehre Gottes genutzt werden kann, werden wir nicht darum herum kommen, immer wieder zu lesen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gut machbar ist, pro Tag eine bestimmte Zeit – etwa eine halbe Stunde – für solches aktives Lesen einzuteilen – und dann auch dafür zu nutzen. Auf diese Weise kann man zwar nicht innerhalb weniger Tage dicke Schmöker durchlesen, aber auf längere Zeit verteilt kommt man so auch ans Ziel. Manchmal lohnt es sich auch, die Prioritäten unserer Aktivitäten zu überdenken und neu auszurichten. Dabei kann man sich etwa die Frage stellen, welchen Stellenwert die sozialen Medien, der Fernseher oder das neue Computerspiel haben sollen.

TL;DR: Um zum Lesen Zeit zu finden, kann es nötig sein, Prioritäten neu zu ordnen. Bücher können auch mit wenig Zeitaufwand pro Tag über längere Zeit hinweg gelesen werden.


Was denkst Du zu diesen Gedanken, lieber Leser? Welche der Tipps gefallen Dir gut, welche vermisst Du? Gibt es Themen, zu welchen Bücher gesucht werden? Auf Wunsch kann ich gerne mal mein stetig wachsendes Bücherregal durchsuchen. Ich freue mich über jeden konstruktiven Kommentar!