Mittwoch, 16. November 2016

Euer Emergenz, die Postmoderne hat versagt!

Der Blick in die Blogger- und Social-Media-Szene der Emergenten und derer, die ihnen nahe stehen, zeigt sehr schön, wie spätestens die Trump-Wahl das letztliche Versagen der Postmoderne deutlich macht. Die postmoderne Gefühlszentriertheit hat letztlich gesiegt – und nun müssen sich auch die Freunde des Postmodernismus überlegen, welche unverrückbaren und ewig gültigen Werte und Wahrheiten hochgehalten werden müssen, damit man am Ende nicht im Lager der postfaktischen Trump- und AfD-Anhänger landet.

Insgesamt herrscht allerdings noch eine Unsicherheit, in welche Richtung man gehen soll. Vorerst bleibt es also bei tollen Slogans wie „Liebe“, „Barmherzigkeit“ und „gegen die Angst“, die jeder im Prinzip selbst füllen kann. Klar stammen diese Begriffe aus der Bibel. Klar dürfen sie verwendet werden. Was allerdings immer fehlt, sind klare Definitionen, denn jeder der Begriffe umfasst im Grunde genommen einen engen Bereich des Lebens, der klar abgegrenzt werden müsste. Liebe ist exakt das Gegenteil der postmodern verstandenen Gleichmacherei, die alles mit der Dampfwalze einebnet und gleich-gültig macht. Liebe, wie sie die Bibel versteht, ist Gottes eifersüchtiges Verlangen, uns ganz für Sich zu haben und es ist das eifersüchtige Verlangen des Menschen, seine Mitmenschen vor Gott noch heiliger präsentieren zu können.

Ich freue mich, dass hier ein langsames Weiterdenken zu sehen ist. Unsere Gesellschaft ist in einer nachpostmodernen Wüste gefangen und dreht sich immerzu im Kreise um sich selbst. Es ist schon längst bekannt, dass der ethische Relativismus nirgendwo hinführt. Der ethische Relativismus ist eine wert-lose Haltung, die nur so lange etwas bringt, wie Wohlstand und Verantwortungslosigkeit anhält. Sobald es ans Eingemachte geht, wenn Entscheidungen anstehen, für welche Verantwortung getragen werden muss, ist er nicht nur unsinnig, sondern geradezu kontraproduktiv. Vermutlich wird es noch weitere 15 – 20 Jahre dauern, bis die ganze Emergenz in der Gegenwart angekommen ist und nicht mehr weiterhin der Vergangenheit nachtrauert. Der Ansatz einer postmodernen Kirche ist von seinem Ursprung her zum Scheitern verurteilt. Zu diesem Schluss kann man entweder logisch oder experimentell kommen – beide Arten führen zur selben Antwort.

Auf der logischen Ebene ist es so, dass das Evangelium jede Kultur in Frage stellt. Es kann deshalb weder ein modernes, noch ein postmodernes Evangelium geben. Jede Kultur und jede Zeit enthält Wahrheiten, Halbwahrheiten und Verführungen, und die Bibel will alle prüfen und korrigieren. Echte Gemeinschaft und Einheit kann es nur am Boden vor dem Kreuz geben – und zwar vor dem Kreuz Jesu Christi, an welchem unsere Schuld vor Gott bezahlt wurde und wir Christi Gerechtigkeit bekommen haben. Echte Gemeinschaft und Einheit brauchen die Kraft der leiblichen Auferstehung Jesu Christi. Gemeinschaft und Einheit gibt es nur auf der Grundlage, dass Gottes Wort, die ganze Bibel, vollumfassend wahr ist. Ohne Wenn und Aber. Auf der experimentellen Ebene kann man schon lange erkennen, dass die Postmoderne nicht dabei geblieben ist, nur ihre Mutter, die Moderne, zu verschlingen, sondern zur Autophagie neigt: Sie frisst sich selbst auf, indem sie sich die Grundlage entzieht, auf der sie baut. Sie kritisiert die Sprache – muss sich aber zugleich jener bedienen, um diese kritisieren zu können. Sie stellt das lineare Denken in Frage – wobei sie zugleich dem linearen Gedanken folgt, dass das lineare Denken falsch sei. Sie rebelliert gegen Metanarrative, während sie sich selbst eines solchen bedient. Sie meint, es gebe keine absolute Wahrheit – sagt dies jedoch mit dem Selbstbewusstsein dessen, der im Besitz einer solchen ist.

Und dann, spätestens wenn ein postfaktisch agierender, Hass verbreitender, weißer Mann in Amerika Präsident wird, zeigt sich diese Schwäche auch äußerlich. Solange alles gut geht, es keine größeren Krisen gibt, jeder genug zu Essen und eine Rente hat, lässt sich gut mit der Postmoderne leben. Doch ist dieser Wohlstand keine Selbstverständlichkeit. Irgendwann wird es wieder Schwierigkeiten geben. Und spätestens dann kann das Denken eines Weltbilds einen Reality-Check durchlaufen. Dies ist nun der Fall. Bis zur nächsten Wahl in Deutschland sind nur noch wenige Monate. Vielleicht kann dies ein Ansporn zum tiefen Nachdenken über die biblische Weltanschauung und unsere Kultur in der nachpostmodernen Wüste sein. Vielleicht wird dies zu einer erneuten Reformation, zu einer Rückkehr zur Bibel allein, zum Glauben allein, zur Gnade allein, zu Christus allein führen. Es wäre zu hoffen. Alle Ehre Gott allein!


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