Mittwoch, 22. April 2015

Brief an einen jungen Mann

Dienstag, 15. Mai 2007

Lieber Andy,
zuerst gratuliere ich Dir ganz herzlich zu Deinem 12. Geburtstag. Heute ist ein großer Tag in Deinem Leben. Du bist jetzt auf dem Weg, von einem Jungen zu einem Mann zu werden. Einem richtigen, großen, starken Mann, wie Dein Papa einer ist.
Lieber Andy, Du wirst Dich fragen, wer ich bin, woher ich Dich kenne und was ich von Dir will. Die ersten zwei Fragen sind nicht so wichtig, aber ich werde sie Dir auch noch beantworten, wenn Du etwas Geduld hast. Nicht mehr heute, aber irgendwann schon noch. Vermutlich kennst Du mich noch nicht. Dafür kenne ich Dich ziemlich gut. Und mein Wunsch ist es, Dich in dieser Zeit, in der Du Dich befindest, zu begleiten. Ich werde mich Dir nicht aufzwingen, nur wenn Du es auch willst. Das ist Deine Entscheidung. Ich werde Dir hin und wieder einen Brief schreiben. Das ist die beste Möglichkeit, wie wir beide Kontakt haben können. Ob Du ihn öffnest, überlasse ich Dir.
Heute also bist Du 12 Jahre alt geworden. Das ist schon eine ganze Menge. Du hast viel gelernt, Du kannst sogar lesen und schreiben. Das finde ich super! Du gehst fast jeden Tag zur Schule. Dort lernst Du viele Sachen, die wichtig sind für Dein Leben. Eines Tages möchtest Du Astronaut werden und in das weite Weltall hinausfliegen. Auf den Mond oder noch weiter, bis zu einem weiter entfernten Stern. Ich weiß noch gut, wie Du gestaunt hast, als Du vor einem halben Jahr zum ersten Mal in ein großes Teleskop blicken durftest. Da war Dir gleich klar: Da will ich hin! Und dann, als Dir Dein Papa erklärt hat, dass derjenige, welcher dieses ganze, wunderschöne Weltall geschaffen hat, dies zu Deiner Freude gemacht hat, da konntest Du kaum noch erwarten, groß zu werden und selbst da hinausfliegen zu dürfen.
Andy, viel von dem, was Du in der Schule lernst, wird Dich dem Traum vom Weltall näher bringen. Das Rechnen und die Geometrie werden Dir eine große Hilfe sein. Du wirst lernen müssen, wie man eine Flugroute im Weltall berechnet. Du wirst lernen müssen, wie man mit den Kräften der Anziehung rechnet, die von allen Dingen ausgehen, die durchs All schwirren. Das ist oftmals nicht ganz einfach. Aber wenn Du es willst und Dich anstrengst, dann kannst Du es erreichen. Vermutlich wird es bedeuten, dass Du oft mehr wirst lernen müssen als andere Deiner Klasse. Dass Du weniger Zeit für den Fernseher haben wirst oder für die Spielkonsole. Aber Du kannst es, wenn Du es nur willst.
Aber ich möchte Dir auch noch etwas anderes sagen. Auch wenn Du wirklich viel von dem, was Du in der Schule lernst, wirst brauchen können, gibt es dennoch Dinge, die Dir die Schule nicht beibringen kann. Das Wichtigste im Leben, so sagte einmal ein Politiker Deines Landes, das Wichtigste ist, dass das Wichtigste das Wichtigste bleibt. Für Dich, Andy, ist das Wichtigste, dass Du lernst, Dein Leben auf den auszurichten, der Dich gemacht hat. Du bist ein neugieriger junger Mann, und das ist total klasse! So wie die Sonne der Mittelpunkt unseres Sonnensystems, der so genannten Milchstaße, ist, so soll in Deinem Leben derjenige der Mittelpunkt sein, der Dich gemacht hat. Er hat das ganze Weltall mit allem, was darin ist, zu Deiner Freude und Dich zu seiner eigenen Freude gemacht. Das wirst Du leider kaum in der Schule lernen. Deshalb habe ich Dir heute diesen Brief geschrieben. Und wenn Du möchtest, werde ich Dir noch mehr Briefe schreiben. Immer wieder, um Dir zu helfen, Deinen Weg zu finden.
Einen letzten Punkt habe ich noch. Andy, denk dran, Deine Eltern sind ein Geschenk. Du hast Papa und Mama zu Hause. Das ist ein wunderbares Geschenk. Sie haben die Aufgabe, Dir zu helfen in Deinem Leben. Sie haben die Aufgabe, Dir das beizubringen, was die Schule nicht kann, damit Du eines Tages selbst als großer, starker, selbständiger Mann Deinen Weg durchs Leben findest. Auch wenn es oft nicht leicht ist, aber ich bitte Dich um zwei Sachen. Erstens: Sei dankbar für Deine Eltern. Und zeige ihnen das auch. Sage oder schreibe es ihnen doch auch einmal. Und zweitens: Frage sie ruhig um Hilfe, wenn Du etwas nicht weißt. Sie freuen sich, wenn Du ihnen Dein Leben und Deine Fragen anvertraust. So, jetzt mache ich fürs Erste Schluss. Ich werde Dir in wenigen Wochen wieder schreiben.
Liebe Grüße,
Dein K. S.

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