Dienstag, 31. März 2015

Gregory Koukl - Taktik

Ich möchte in diesem Post von heute das Buch „Tactics“ von Gregory Koukl vorstellen. Es soll keine Rezension sein, sondern ich werde einfach meine Notizen, die ich mir beim Lesen gemacht habe, teilweise mit Anmerkungen von mir, posten. Insgesamt gesehen ist es ein exzellentes Buch, das ich nur weiterempfehlen kann.

Was ist das Ziel des Buches? Koukl möchte seine Leser dazu ausrüsten, auf freundliche Art und Weise Menschen zum Nachdenken über den Glauben zu bringen. Man muss dazu kein Evangelist sein oder sonstwas, sondern es sind ein paar einfache Schritte, die jeder Mensch lernen kann, der seinen Mitmenschen einen Anstoß zum Nachdenken geben möchte.

Koukl nennt das wichtigste Werkzeug für diese Art und Weise die Frage. Dabei gibt es einige verschiedene Arten von Fragen, die er auf bestimmte Weise benennt. Es ist m. E. Nicht so wichtig, dass man diese Arten von Fragen genau auswendig lernen kann, wichtig ist, zu wissen, wie man sie anwendet.

Am Anfang steht ganz grundlegend die Frage zur Definition. Die meisten Menschen, die dem Glauben kritisch oder skeptisch gegenüber stehen, haben sich noch viel zu wenig Gedanken darüber gemacht. Ich kann das bestätigen; das gilt nicht nur für die USA, wo Koukl lehrt, sondern genauso für unsere Gegenden. Solche Fragen sind etwa:
- Wie meinst du das? Kannst du das näher erklären?
- Noch genauer: Was soll daran irrational (oder unglaubwürdig, etc.) sein?
- An was für einen Gott glaubst du nicht?
Das Ziel dieser Fragen ist, dass der Andere sich überhaupt erst damit auseinandersetzen muss, was seine Überzeugungen sind (und was nicht). Viele Menschen kommen bereits damit an ihre Grenzen, weil es für sie bisher einfach selbstverständlich war: Wer nicht glaubt, ist auf der neutralen Seite und wer glaubt, muss das erklären können. Tatsache ist: Auch derjenige, der etwas nicht glaubt, muss dies ebenso begründen können wie der, welcher etwas glaubt.

Nach den Fragen zur Definition gibt es Fragen, um Schwächen zu finden. Wenn der Andere also imstande ist, seine Überzeugungen näher zu definieren, so können wir ihn mit weiteren Fragen konfrontieren, die dazu dienen, seine Überzeugungen zu überprüfen:
- Wie gut hast du dich mit anderen Glaubensrichtungen befasst?
- Was denkst du, was Jesus gelehrt hat?
Manchmal meinen Menschen, dass Christen intolerant sind, weil sie möchten, dass auch alle anderen ihre Weltanschauung teilen. Hier hilft etwa die Frage:
- Gehst du wählen? → Wer wählen geht, möchte auch, dass allen anderen Menschen des Landes das Leben unter seiner Weltanschuung teilen müssen.
- Was ist deine Weltanschauung? → Warum sollte irgend jemand anderes diese ernst nehmen?
- Wie bist du zu diesem Schluss gekommen?
Wie überprüft man Weltanschauungen?
1.) Ist sie möglich?
2.) Ist sie plausibel / vernünftig?
3.) Ist sie wahrscheinlich? Ist es die beste Erklärung?

Man tut gut daran, mit diesen Fragen das Gespräch in eine bestimmte Richtung zu leiten. Dazu eignen sich richtungsweisende Fragen. Am besten man sucht sich dabei etwas aus, was der Andere kennt. Beispiel Strafe bei Verbrechen:
- Denkst du, dass Menschen, die ein Verbrechen begehen, dafür bestraft werden sollen?
Beispiel Abtreibung:
- Das Kind ist vor der Geburt bereits auf der Welt – nur eben im Mutterleib versteckt! Warum sollte man ein verstecktes Kind ermodern dürfen, aber nach der Geburt nicht mehr?
Es ist wichtig, dass man zuerst eine Basis schafft, der beide Personen zustimmen können. Von dieser Basis aus kann die Weltanschauung des Anderen gezielt befragt und getestet werden.

Der Umgang mit „Suizid-Sätzen“. Manchmal gebrauchen Menschen Sätze, die sich – offen oder versteckt – selbst widersprechen:
- Es gibt keine Wahrheit! (Dann ist diese Aussage auch nicht wahr)
- Es gibt keine absoluten Aussagen! (Aber dann wäre diese Aussage auch nicht absolut)
- Niemand kann irgend eine Wahrheit über den Glauben wissen! (Woher weißt du das?)
- Du kannst nichts sicher wissen! (Bist du dir sicher?)
- Über Gott zu reden ist bedeutungslos! (Was bedeutet dieser Satz über Gott?)
- Wahrheit lässt sich nur durch Erfahrung ermitteln! (Woher weißt du diese Wahrheit? Durch Erfahrung?)
Bei jedem Satz können wir prüfen, ob der Satz seinem Inhalt tatsächlich standhält!

Häufig wenden Menschen ihre eigenen Überzeugungen auf andere an, obwohl sie sich selbst als tolerant betrachten. Koukl nennt dies „Praktischer Suizid“, also dass die Praxis nicht mit der Theorie übereinstimmt.
- Ein echter Relativist müsste sagen: „Für mich ist XY falsch, aber das hat nichts mit dir zu tun. Bitte ignoriere mich einfach.“
- Ein echter Determinist müsste sagen: „Ich gebrauche überhaupt keine Argumente, um meine Sicht darzulegen, denn es ist ja eh schon alles determiniert.“

Irgendwann im Gespräch können wir versuchen, dem Anderen „das Dach abzunehmen“ (to take off the roof). Diese Strategie bedeutet, wir nehmen die Weltanschauung des Anderen wie eine Landkarte und machen darauf eine Testfahrt in der Realität.
Zu Beginn tun wir dann gut daran, die wichtigsten Punkte der Überzeugung des Anderen noch einmal zusammenzufassen. Damit sehen wir selbst, ob wir den Anderen verstanden haben (er bekommt die Gelegenheit, sich selbst in unseren Worten zu hören und kann dem zustimmen oder es noch ergänzen) und zugleich bemerkt der Andere, dass wir ihn ernst nehmen, weil wir gut zugehört haben.
Wenn der Andere zustimmt, dann schauen wir uns die Realität an, in der wir täglich leben. Zum Beispiel das Problem der Schuld: → Wir alle fühlen uns immer wieder schuldig. Warum? → Weil wir es sind!
Beispiel Realität und intelligentes Design: Alles in der Welt läuft passend wie eine Uhr, bei welcher ein Zahnrad ins andere passt. Warum? → Weil alles einen intelligenten Designer hat!
Beispiel Realität und der persönliche Wert des Menschen: Wenn alles Zufall wäre, so hätte der Mensch keinen persönlichen Wert. Dennoch behandeln wir (zumindest bestimmte) andere Menschen so, als ob sie einen Wert hätten. Warum? → Weil wir merken, dass sie den tatsächlich haben und uns entsprechend verhalten. Somit ist nicht alles zufällig entstanden.

Zum Schluss gibt uns Koukl noch acht Tipps für solche Gespräche:

1.) Sei bereit dazu.
2.) Halte es möglichst einfach.
3.) Keine religiöse Sprache.
4.) Fokussiere dich auf Jesus Christus
5.) Gib gute Gründe.
6.) Bleibe ruhig.
7.) Erzwinge nichts.
8.) Lass den Anderen nicht gehen, ohne ihm etwas zum Nachdenken zu geben.

Wichtig ist dabei immer, dass wir wissen: Unsere Aufgabe ist es nicht, den Anderen zu überzeugen. Häufig ist das ein schwieriger Schritt, den der Andere gehen muss, um sich überhaupt erst einmal von seinen Überzeugungen zu trennen. Wir müssen da keinen Druck machen, denn Druck ist häufig kontraproduktiv.

Ein letzter Tipp noch, den Koukl auch irgendwo erwähnt: Wir müssen nicht auf jede Frage eine Antwort wissen. Wir dürfen auch einmal sagen: Das ist eine gute Frage, dem werde ich nachgehen. Und dann können wir zu Hause unsere Aufgaben machen und eine Antwort suchen. Koukl empfiehlt, sich für solche Fragen ein Heft anzulegen, in welches man die Fragen mit ihren Antworten einträgt. Dann kann man auf diese immer wachsende Anzahl von Antworten ganz leicht zurückgreifen.

Wer sich für weitere Infos zu diesen Gesprächen interessiert oder auch viele solche Fallbeispiele lesen möchte, sollte sich das ganze Buch nicht entgehen lassen. Leider ist es bisher nur in Englisch erhältlich.

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