Mittwoch, 31. Oktober 2012

Zum 495. Reformationstag

Zum 495. Reformationstag

Vor 495 Jahren hat die Reformation begonnen – Martin Luther schlug seine 95 Thesen gegen den Ablass an die Türe der Wittenberger Schlosskirche. Dies war am 31. Oktober 1517. Zwei Jahre später verschärfte er bereits seine deutlichen Worte des Thesenanschlags – sehr zu recht! 1520 schrieb er in seiner Schrift „Vom babylonischen Gefängnis der Kirche“:

Ich wolle oder wolle nicht, so werde ich gezwungen von Tag zu Tag gelehrter zu werden, indem so großgeachtete magistri haufen- und wechselweise auf mich dringen und mir zu schaffen machen. Von dem Ablaß habe ich vor zweien Jahren geschrieben, aber so, daß mich jetzt über die Maßen sehr gereuet, daß dasselbe Büchlein ausgegangen. Denn ich zu derselben Zeit zweifelhaft war aus großem Aberglauben gegen die römische Tyrannei. Deshalb ich dazumal vermeinete, daß der Ablaß nicht gar zu verwerfen wäre, welchen ich sah mit großer Einhelligkeit vieler Menschen angenommen; und das war kein Wunder, denn ich allein zu der Zeit darin bemühet war. Aber später, was ich Sylvestern und andern Brüdern zu verdanken habe, die solchen Ablaß eifrig verteidigten, habe ich verstanden, daß der Ablaß nichts anderes sei ein denn lautrer Betrug der römischen Schmeichler, durch welchen sie den Glauben an Gott und das Geld der Menschen verderbeten. Und darum wünsche ich, daß ich von den Buchführern erlangen könnte und alle, die es gelesen haben, bereden, daß sie alle meine Büchlein vom Ablaß verbrenneten und anstatt dessen, was ich davon geschrieben habe, diesen Satz annähmen:
Der Ablaß ist der römischen Schmeichler Bosheit. (Luther, Martin, Ausgewählte Werke, Bd. 2, Chr. Kaiser Verlag München, 3. Aufl. 1948, S. 153)

Auch heute gibt es eine weit verbreitete Form des Ablasses: Der Appell an das "Gute im Menschen", der sich ja seine Erlösung durch seinen Willensakt der Entscheidung und seine guten Werke, die ihm dabei helfen, besser da zu stehen, verdienen kann. Die Bibel fordert dagegen auf, Buße zu tun und zu glauben. Martin Luther schreibt dazu sehr treffend in seiner Vorrede zum Römerbrief:

Glaube ist nicht der menschliche Wahn und Traum, den etliche für Glauben halten. Und wenn sie sehen, daß keine Besserung des Lebens noch gute Werke folgen, und doch vom Glauben viel reden hören, so fallen sie in den Irrtum und sagen: der Glaube sei nicht genug, man müsse Werke tun, soll man fromm und selig werden. Das macht: wenn sie das Evangelium hören, so fallen sie daher und machen sich aus eigenen Kräften einen Gedanken im Herzen, der spricht: Ich glaube. Das halten sie dann für einen rechten Glauben. Aber wie das eine menschliche Erdichtung und Gedanke ist, den des Herzens Grund nimmer erfährt, so tut er auch nichts, und es folgt keine Besserung darauf.
Aber Glaube ist ein göttliches Werk in uns, das uns wandelt und neu gebiert aus Gott und den alten Adam tötet, aus uns ganz andere Menschen in Herz, Gemüt, Sinn und allen Kräften macht und den heiligen Geist mit sich bringt. O es ist ein lebendig, geschäftig, tätig, mächtig Ding um den Glauben, daß es unmöglich ist, daß er nicht ohn Unterlaß Gutes wirken sollte. Er fragt auch nicht, ob gute Werke zu tun sind, sondern ehe man fragt, hat er sie getan, und er ist immer im Tun. Wer aber nicht solche Werk tut, der ist ein glaubloser Mensch, tappt und sieht um sich nach dem Glauben und guten Werken und weiß weder was Glaube noch was gute Werke sind, wäscht und schwatzt doch viel Worte vom Glauben und von guten Werken.
Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiß, daß er tausendmal drüber stürbe. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und voller Lust gegen Gott und alle Kreaturen: das macht der Heilige Geist im Glauben. Daher wird der Mensch ohne Zwang willig und voller Lust, jedermann Gutes zu tun, jedermann zu dienen, allerlei zu leiden, Gott zu Liebe und zu Lob, der einem solche Gnade erzeigt hat. Daher ist es unmöglich, Werk und Glauben zu scheiden, ja so unmöglich, wie Brennen und Leuchten vom Feuer nicht geschieden werden kann. Darum sieh dich vor vor deinen eigenen Gedanken und unnützen Schwätzern, die vom Glauben und guten Werken zu urteilen klug sein wollen und dabei die größten Narren sind. Bitte Gott, daß er den Glauben in dir wirke: sonst bleibst du wohl ewiglich ohne Glauben, ob du auch schaffst und tust, was du willst oder kannst.“ (Aus Martin Luthers Vorrede zum Römerbrief, die ganze Vorrede findet man hier)

1 Kommentar: