Montag, 17. Januar 2011

An die Heiligen und Gläubigen

An die Heiligen und Gläubigen


Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, an die Heiligen, die in Ephesus sind, und Gläubigen in Christus Jesus. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unsrem Vater und dem Herrn Jesus Christus! (Epheser 1, 1 - 2)


Wie es in den damaligen Briefen üblich war, stellt Paulus sich zuerst selbst vor. Es handelt sich dabei ohne Zweifel um den früheren Saulus von Tarsus, von dem wir in der Apostelgeschichte lesen. Im Jahre 30 oder 31 ungefähr hat er sich bekehrt, als er nach Damaskus geritten war, um die dortigen Christen zu verfolgen. Nun ist es ungefähr 30 Jahre später: Paulus hatte viele Gemeinden gegründet, viele Menschen zu Jesus geführt und sitzt wegen seines Glaubens in Rom in Gefangenschaft.

Aus Apg. 28, 16 sowie 30 – 31 können wir entnehmen, dass er nicht in einem üblichen Gefängnis war, sondern in einer Mietwohnung, aber unter strenger Bewachung römischer Soldaten. Deshalb, aber auch wegen seiner treffenden Parallele mit der Waffenrüstung der römischen Legionäre ist es anzunehmen, dass sich diese Wohnung direkt beim Exerzierplatz der römischen Legion befand.

Zusammen mit dem Epheserbrief hat Paulus auf jeden Fall auch den Kolosser- und den Philemonbrief versandt. Diese drei, sowie auch der Philipperbrief sind in dieser Zeit der Gefangenschaft geschrieben worden. Im Epheser- und Kolosserbrief lesen wir jeweils in den Schlussworten, dass Tychikus der Briefbote ist. Und Onesimus, um den es im Philemonbrief geht, ist ein Mitüberbringer des Kolosser-briefes.

Spannend ist nun die Frage, ob der Brief an die Gemeinde in Ephesus geschrieben wurde oder ursprünglich ein anderes Ziel hatte. In zahlreichen frühen Handschriften wird „in Ephesus“ weggelassen, in anderen jedoch steht es drin. Es wurde schon viel darüber gestritten, ob der Brief wirklich an die Epheser gerichtet war. Leider haben wir keine Handschrift, von der wir mit absoluter Gewissheit sagen können, dass sie die ursprüngliche sei. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Sinn machen: Entweder der Brief ist wirklich an die ephesinische Gemeinde gerichtet, und dann stimmen alle Handschriften, wo das „in Ephesus“ drinsteht. Oder der Brief war als eine Art Rundbrief gedacht, der an alle Gemeinden kopiert und versandt wurde. Die Vertreter beider Theorien haben genügend Gründe, um ihre Ansicht zu stützen. Im gesamten Brief steht nichts über sein persönliches Verhältnis zu der Gemeinde, die er selbst gegründet und drei Jahre lang als Pastor betreut hatte. Dies erklärt jedoch andererseits nicht, weshalb wir keine echte Handschrift mit der Gemeinde in irgendeiner anderen Stadt haben. Für mich persönlich spielt es nicht so eine große Rolle, welche Theorie nun stimmt (zumal man das wohl nie wirklich herausfinden wird in unserer Erdenzeit). Vielmehr denke ich, dass beide ihre Berechtigung haben: Der Brief war tatsächlich an eine oder mehrere echte Gemeinden gerichtet. Aber es ist auch klar, dass alle Briefe des Paulus ziemlich schnell auch in den übrigen Gemeinden verteilt wurden. Nur deshalb sind sie uns heute noch erhalten und in die Sammlung der biblischen Schriften eingegangen. Außerdem enthält dieser Brief wirklich sehr wenig Details über die Gemeinde, an die er geschickt wurde. Er ist ein allgemeingültiger Lehrbrief, der für jede Gemeinde ein wichtiges apostolisches Fundament legt.

Auf seiner ersten Missionsreise kam Paulus ungefähr im Jahr 47 oder 48 nach Ephesus. Dort lehrte er in der Synagoge. Später, auf der zweiten Missionsreise, kam er 52 nach unserer Zeitrechnung erneut nach Ephesus. Wiederum lehrte er zuerst in der Synagoge, doch es gab regen Widerstand gegen ihn, so dass er sich mit der neu gegründeten Gemeinde in die Schule des Tyrannus zurückzog. Die Gemeinde wuchs, in der Stadt gab es immer weniger, welche das dort heimische Geschäft mit Statuen der griechischen Göttin Artemis unterstützten. So kam es zum Aufstand des Demetrius, von dem wir in Apg. Ab 19, 26 lesen können. Insgesamt war Paulus – abgesehen von einem kurzen Zwischenbesuch in Korinth – drei Jahre in Ephesus und lehrte die dort entstandene Gemeinde.

Paulus schreibt diesen Brief in der Vollmacht eines Apostels Jesu Christi. Die Bibel unterscheidet zwei Größen von Aposteln: es gibt die Apostel Jesu (oder des Lammes, denn der Herr Jesus ist ja das Lamm). Von diesen gibt es genau 12 (siehe Offb. 21, 14), nämlich die elf übrigen Jünger des Herrn nach dem Tod des Judas Ishkariot und Paulus. Daneben gibt es aber zahlreiche Apostel der Gemeinden. Von diesen kennen wir zum Beispiel Barnabas (Apg. 14, 14), Jakobus (Gal. 1, 19), Epaphroditus (Phil. 2, 25). Ein Apostel zeichnet sich durch die Berufung zum übergemeindlichen Dienst sowie durch eine speziell große Vollmacht bezüglich Zeichen und Wundern aus. So gibt es auch heute Apostel der Gemeinde, die ausgesandt werden, um anderen Gemeinden zu dienen oder neue Gemeinden zu gründen. Das ist das, was einen Apostel wirklich ausmacht.

Paulus nennt die Empfänger dieses Briefes interessanterweise nicht „die Gemeinde in Ephesus“, sondern „die Heiligen und Gläubigen in Christus Jesus“. Dies ist eine Anrede, welche sehr genau wiedergibt, was eine Gemeinde wirklich ausmacht. Sie besteht aus Heiligen und Gläubigen. Ein Heiliger wird man nicht dadurch, dass man von der Gemeinde oder Kirche heiliggesprochen wird, auch nicht einfach durch das Tun von vielen guten Werken. Das alles kann niemals ausreichend sein, um vor Gott heilig zu werden. Vielmehr bedarf es des Glaubens an den Herrn Jesus, dass dieser für uns gestorben ist, um unsere Schuld vor Gott zu bezahlen, und dass er von den Toten auferstanden ist, damit wir ewiges Leben haben. Dies ist, was jemanden vor Gott zum Heiligen macht.

Wir sehen da auch den Zusammenhang zwischen heilig und gläubig, der Paulus hier sehr wichtig ist: Nur wer gläubig ist, kann auch heilig sein, und nur wer heilig ist, ist wirklich gläubig. Gläubig zu sein bedeutet auch nicht einfach, das für richtig zu halten, was uns die Bibel sagt, denn auf diese Weise glauben ja selbst die Dämonen auch an Gott, und ihnen ist dennoch der Feuersee bereitet. Der Glaube ist etwas Göttliches, das kein Mensch selbst verdienen oder herstellen kann. Erst dann, wenn der Heilige Geist das Herz eines Menschen öffnet und ihm den Verstand erleuchtet, wird es ihm möglich, zu glauben. Somit ist der Glaube und damit die Rettung vor dem ewigen Tod ein ganz und gar göttliches Werk. Nichtsdestotrotz bleibt dem Menschen dennoch die Verantwortung, durch sein Handeln diese Gnade auszuleben. Gott heilt die Blindheit unseres verderbten Verstandes und lässt uns seinen Willen kennen. Daraus praktische Konsequenzen zu ziehen, das ist unsere Verantwortung und Herausforderung.

Den Heiligen und Gläubigen in Christus Jesus spricht Paulus zwei Dinge zu: Gnade und Friede. Wenn die Bibel von der Gnade spricht, so meint sie damit die freundliche Zuwendung Gottes zu uns, indem uns die Erkenntnis gegeben wird, was Gottes Wille ist: Nämlich dass wir gerettet sein sollen und als Gerettete und Befreite nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade leben sollen. Dies gibt uns die Freiheit, damit wir Gott und unseren Mitmenschen dienen können.

Der Friede, der uns da zugesprochen wird, das ist der göttliche Friede, der unsere Herzen in ihm still macht. Es geht keinesfalls um einen politischen Frieden, denn einen solchen kann es in der Zeit der neutestamentlichen Gemeinde niemals geben. Dieser wird erst nach der Entrückung der Gemeinde kommen, wenn nämlich der Herr Jesus wiederkommt und sein tausendjähriges Reich errichtet. Nein, es geht um den Frieden, den wir mit Gott haben: Da alle unsere Schuld voll und ganz bezahlt ist, leben wir seit dem Moment der Wiedergeburt nicht länger unter dem grimmigen Zorn Gottes, sondern in Frieden mit Gott als seine Kinder.

Manchmal fühlen wir uns ganz unfriedlich und fragen uns, ob das mit diesem Frieden denn wirklich stimmt. Dann sollten wir zuerst den Herrn fragen, ob es in unserem Leben Dinge gibt, die ihm nicht ge-fallen. Vielleicht haben wir wissentlich gesündigt und sollten deshalb im Gebet dies bekennen und erneut Vergebung empfangen. Lies dazu doch im 1. Johannesbrief 1 die Verse 6 – 9.

Es kann aber auch sein, dass die Umstände uns dermaßen bedrängen und uns zu schaffen machen, sodass wir uns rast- und ruhelos fühlen. Dann dürfen wir wissen: Unser Friede mit Gott übersteigt nicht nur unseren Verstand, sondern auch all unsere Gefühle. Auch im tiefsten Tal der Todesschatten ist Gott da, an unserer Seite. Nicht nur dann, wenn wir ihn fühlen. Dann darfst du den Psalm 23 nehmen und lesen, dass der Herr dein Hirte ist und in jeder Situation für dich sorgt.


Wo stehst du grad? Hast du Frieden mit Gott? Bist du im dunklen Tal oder brauchst du neu die Vergebung? Manchmal brauchen wir nicht nur die Vergebung von Gott, sondern auch die von den Mitmenschen. Sei bereit, auch sie um Vergebung zu bitten.

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