Sonntag, 23. Januar 2011

1. Korinther 12, 4 - 7

1. Korinther 12, 4 - 7



Griechisch

Deutsch

4 διαιρεσεις δε χαρισματων εισιν το δε αυτο πνευμα

5 και διαιρεσεις διακονιων εισιν και ο αυτος κυριος

6 και διαιρεσεις ενεργηματων εισιν ο δε αυτος εστιν θεος ο ενεργων τα παντα εν πασιν

7 εκαστω δε διδοται η φανερωσις του πνευματος προς το συμφερον

Es gibt aber Unterschiede bezüglich der Geistesgaben, aber es ist derselbe Geist

und es gibt Unterschiede bezüglich der Dienste, und ist (doch) derselbe Herr

und es gibt Unterschiede bezüglich der Kraftwirkungen, es ist aber der eine Gott, der alles in allen wirkt.

Jedem aber wird gegeben die Manifestation des Geistes für den gemeinsamen Nutzen.



Auslegung:


Damit wir den Abschnitt richtig verstehen können, möchte ich zuerst den roten Faden heraus-arbeiten, der sich durch diese Verse hindurchzieht. Es geht Paulus hier in aller erster Linie noch nicht um die genauen Unterschiede, die hier vorliegen. Vielmehr möchte er aufzeigen, dass Gott eine wahre Vielfalt an Gaben, Diensten und sonstigen Wirkungen in der Gemeinde möchte, und dass diese alle, gerade weil der eine Gott sie schenkt, eben kein Chaos bewirken sollen, sondern eine freiheitliche, von Gott gelenkte Ordnung. Gott stellt jeden in der Gemeinde an seinen speziellen, für ihn vorgesehenen Platz. Schon wenn wir das erste Wort im griechischen Text betrachten, wird das deutlich: dihairesis (Unterschiede) ist eine zusammengesetzte Form von hairesis (das Fremdwort Häresie kommt davon). Hairesis bedeutet Spaltung, Teilung und Paulus benutzt das Wort im Kapitel 11, Vers 19 um von den Parteiungen oder Spaltungen zu sprechen, die es in der Gemeinde gab. Dihairesis bedeutet dann ungefähr Aufspaltung oder Durchtrennung und bedeutet so viel wie Unterschied. Ansonsten benutzt Paulus immer andere Worte, um von den Unterschieden zu sprechen, hier ist die Verwendung ganz offensichtlich mit Absicht so gewählt. Die Korinther haben den Brief schließlich am Stück auf Griechisch vorgelesen bekommen, da fiel ihnen diese Verwendung bestimmt auf. Paulus tadelt sie zuerst wegen den Spaltungen, die sie verursacht hatten und zeigt hier auf, dass es dann keine Spaltungen gibt, wenn alles in der göttlichen Ordnung abläuft.


Paulus spricht hier immer davon, dass ein und derselbe Gott all die Manifestationen wirkt, benutzt aber in den Versen die drei Personen der Dreieinigkeit: in Vers 4 Gott Heiliger Geist, in Vers 5 Gott Sohn (der Herr Jesus) und in Vers 6 Gott (der Vater). Damit streicht er einmal mehr die Bedeutung der Lehre von der göttlichen Dreieinigkeit hervor. Auch die Manifestationen werden in drei unterschiedliche Teile aufgeteilt. Wir müssen aufgrund anderer Gabenlisten davon ausgehen, dass er sie folgendermaßen aufteilte:


Vers 4: Charismata, damit meint er wahrscheinlich die Sprachgaben (Zungenrede, Prophetie, Lehre, Predigt, Wort der Weisheit, Wort der Erkenntnis, Wort der Ermahnung, etc.)

Vers 5: Diakonia, das sind wohltätige Handlungsgaben (Barmherzigkeit, freudiges Geben, Gastfreundschaft, sonstige administrative und organisatorische Gaben)

Vers 6: Energemata, das sind speziell sichtbare Kraftwirkungen (Heilung, Totenauferweckung, bergeversetzender Glaube, Dämonenaustreibung, andere Zeichen- und Wundertaten)


Wir sehen also, dass das ganze Spektrum der Gaben hier drin schon vorhanden ist. Die Liste ist natürlich nicht vollständig, wer möchte, darf mir gerne noch Ergänzungen zukommen lassen. Etwas anderes ist es jetzt mit den Ämtern (ich möchte sie mal so nennen, um eine Verwechslung mit dem hiesigen Begriff „Dienst“ zu vermeiden). Es gibt verschiedene Ämter, von welchen die Bibel spricht. Ein Amt ist das des Hirten, des Evangelisten, des Propheten, etc. In ein Amt hinein kommt man durch eine Einsetzung durch die örtliche Gemeinde. Jedes Amt erfordert eine bestimmte Gabenkonstellation, zum Beispiel sollte ein Lobpreisleiter ein gewisses Verständnis von Musik haben, aber auch die Gabe der Leitung und wenn möglich noch irgend eine Form der Prophetie ausüben. Oder der Hirte braucht die Gabe der Lehre und der Leitung, und wenn möglich auch eine Form der Prophetie. Für die Seelsorge, das apostolische Amt, die Evangelisation, und so weiter, braucht jedes Amt ihre spezielle Zusammensetzung aus den verschiedenen Gaben, die wir hier aufgezählt haben.


Im Vers 7 betont Paulus ganz deutlich, dass die Gabennicht dem Begabten, sondern der örtlichen Gemeinde gehören. Sie sind dazu bestimmt, der gesamten Ortsgemeinde zu dienen, in welcher sie ausgeübt werden. Wenn wir beginnen, unsere Geistesgaben für unsere eigene Ehre zu missbrauchen, werden sie von unserer fleischlichen Haltung verunreinigt. Oft lässt Gott dann zu, dass wir dann trotz besten Willens mehr von unseren menschlichen Gedanken und Gefühlen reinstecken als es dann wirklich Gottes Wort und Wirken ist.


Eine wichtige Frage möchte ich hier schon ein wenig vorwegnehmen, nämlich ob diese Gaben oder irgend ein Teil von ihnen, bereits aufgehört haben sollen. Solches nämlich wird immer wieder gefragt. Wenn dem nämlich so wäre, würde es keinen Sinn machen, diese Verse überhaupt so detailliert zu betrachten. Wenn man die gesamte Kirchengeschichte betrachtet, könnte man auf den ersten Blick tatsächlich vermuten, dass so etwas geschehen ist. In der Zeit nämlich, als der christliche Glaube nach und nach legalisiert wurde, ist auch zugleich eine große Spaltung oder Aufteilung der gesamten Christenheit geschehen. Ich meine damit nicht das Ost-West-Schisma, das war erst später. Worauf ich hinaus will, ist die Spaltung zwischen (gelehrten) kirchlichen Amtsträgern und dem restlichen Volk, den sogenannten Laien. Waren die Gottesdienste zu Beginn der Gemeinde noch sehr lebendig und von einer Gemeinschaft geprägt, in welcher jeder allen dienen durfte, bestand dieses Dienen und Empfangen bald nur noch zwischen dem Amtsträger, der predigte, beseelsorgerte und das Herrenmahl austeilte und dem Volk, das seinen Dienst noch durch steuerliche Abgaben tun durfte. Je mehr die Ausübung der Ämter auf einen sehr geringen Teil der Gemeinde beschränkt wurde, desto weniger Gaben wurden sichtbar. Die Gabe der Heilung wurde bald nur noch durch vereinzelte Mönche ausgeübt. Nicht etwa deshalb, weil sie verschwunden wäre, sondern weil nur noch eine sehr kleine Oberschicht der Gläubigen das Anrecht bekamen, überhaupt irgendwelche Gaben auszuüben.


Wir werden im Verlaufe der weiteren Ausführungen noch mehr Argumente näher betrachten müssen. Der kirchengeschichtliche Aspekt wäre nun kurz angesprochen. Die gesamte Kirchengeschichte zeigt immer wieder in erwecklichen Aufbrüchen die Suche der Menschen nach der Geistesfülle, nach der Vollmacht und damit auch nach der Fülle der Gaben. Es gibt Gaben, welche auf die Zeit der Gemeinde beschränkt sind, doch die Zeit der Gemeinde dauert vom ersten Pfingsten bis zur Entrückung der gesamten Gemeinde. Bis zu dem einen Moment, der noch unmöglich eingetroffen sein kann, sind alle Charismata den örtlichen Gemeinden übergeben und anvertraut. Gott möchte, dass wir sie allesamt gebrauchen und keine einzige von ihnen verschmähen. Sie alle sind Hilfsmittel von Gott, um unseren Auftrag als Gemeinde auszuführen. Natürlich lässt sich der Auftrag, einen Nagel in die Wand zu schlagen, auch mit Hilfe einer Zange ausführen. Dies ist jedoch viel anstrengender, zeitaufwändiger und dadurch auch ein Schwachsinn. So hat jede Gabe und jedes Amt seinen Platz, seinen Auftrag und seine Möglichkeiten und Grenzen. Je mehr sich die Gemeinde davon überzeugen lässt, dass sie alle Gaben in dynamischer Zusammenarbeit braucht, so wie man um ein Haus zu bauen auch eine ganze Fülle an Werkzeugen braucht, desto mehr wird Gott sie mit dieser Fülle der Gaben segnen und vermehren.


Leider haben wir uns damit abgefunden, dass viele unserer Gemeinden nicht mehr wachsen, andere kleiner werden und manche sich spalten. Wir versuchen das dann mit ein paar Bibelstellen, die wir uns dafür zurechtbiegen, um unsere Unfähigkeit zum Wachstum zu entschuldigen. Dahinter steckt reiner Pragmatismus, der denkt: Alles, was die Gemeinde braucht, um richtig zu funktionieren, können wir von Managern und Psychologieprofessoren lernen. Wir sehen plötzlich nicht mehr, dass geistliches aber auch zahlenmäßiges Wachstum im Willen Gottes für unsere Gemeinde ist. Dass eine Gemeinde kleiner wird oder sich spaltet, das ist die Schuld von Menschen, nicht aber von Gott. Und über diese Haltung, nämlich dass Gott in der heutigen Zeit kein Wachstum mehr möchte, müssen wir Buße tun. Als nächsten Schritt müssen wir uns anhand der Bibel überlegen, was unserer Gemeinde fehlt. In der Apostelgeschichte haben wir ein schönes, gutes und nachahmenswertes Vorbild für gesunde, wachsende Gemeinden. Dazu waren aber verschiedene übernatürliche Gaben (zum Beispiel Zeichen und Wunder, Heilung, Prophetie, Dämonenaustreibung) notwendig. Diese stehen auch uns zur Verfügung, wenn wir uns nach ihnen sehnen und streben. Und wenn eines Tages dieses dynamische Zusammenspiel der Gaben vorhanden ist, wird auch spätenstens dann das Wachstum nicht mehr länger auf sich warten lassen.

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