Montag, 26. August 2013

Der Siegeszug Friedrich Schleiermachers

Der Theologe und Philosoph Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher schrieb 1799 über das „Wesen der Religion“:

Ihr Wesen ist weder Denken noch Handeln, sondern Anschauung und Gefühl. Anschauen will sie das Universum, in seinen eigenen Darstellungen und Handlungen will sie es andächtig belauschen, von seinen unmittelbaren Einflüssen will sie sich in kindlicher Passivität ergreifen und erfüllen lassen.“ (Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 2. Aufl. der Ausgabe zum Hundertjahr-Gedächtnis, herausgegeben von Rudolf Otto, S. 32)

Diese Gefühlsvergötzung greift in unserer Zeit um sich wie kaum zuvor. Das Denken und Erfassen mit dem Verstand wird immer mehr vernachlässigt, vielmehr steht das Gemeinschaftserlebnis und die dabei entstehenden Gefühle von Massensuggestion im Mittelpunkt. Nach Schleiermacher hat der Glaube also nichts mehr mit Nachdenken und auch nichts mit ethischem Handeln zu tun. Das gehört für ihn auch zum Leben, aber er teilt das ganze Leben in zwei getrennte Bereiche ein: Auf der einen Seite das Denken, Wollen und Handeln, das der Wissenschaft entspringt und auf der anderen Seite die Gefühlswelt und das passive Sich-Ergreifen-Lassen vom Unbekannten in – wie er das nennt - „kindlichem“ Glauben.

Wir müssen zwei Dinge dazu festhalten: Die Bibel spricht an keiner Stelle gegen Gefühle, denn die Gefühle gehören zu unserem Leben dazu, genauso wie das Denken auch. Aber die Bibel ruft zu einer Nüchternheit auf, was bedeutet, dass Gefühle – genau so wie das Denken – an einem absoluten Maßstab, nämlich der Bibel, geprüft werden müssen. Die postmoderne Haltung sagt aus: es ist gut, solange es mir ein gutes Gefühl gibt. Diese Haltung verkennt, dass Satan, der Gegenspieler Gottes, wie ein Engel des Lichts ist. Er kann ebenfalls wunderschöne Gefühle machen. Und als Drittes leben wir in einem menschlichen Körper, in dem man mit bestimmten Dingen ebenfalls Hormone ausschütten lassen kann, die uns dann ein gutes Gefühl geben. Ein gutes Beispiel ist die Tafel Schokolade, die uns einen Moment lang ein wunderbares Gefühl gibt, doch schon bald ihre Schwäche zeigt, indem man an den ungewolltesten Orten zuzunehmen beginnt.

Ein Zweites dazu: Die Bibel ruft uns dazu auf, uns verändern zu lassen. Dies geschieht dadurch, dass Gott uns einen fixen Maßstab gibt, der durch alle Jahrhunderte und Jahrtausende Gültigkeit hat. An diesem Maßstab muss unser Denken, Fühlen, Wollen und Handeln geprüft werden. Nicht unser Gefühl ist dabei ausschlaggebend, nicht unsere Erfahrung, sondern Gottes Wort, die Bibel. Gott möchte, dass wir uns an Seinen Maßstab anpassen, keinesfalls aber die Bibel an unseren persönlichen Maßstab. Paulus schreibt zu dieser Veränderung: Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst! Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. (Römer 12, 1 – 2)

Diese Veränderung ist es, die wir brauchen. Ein neues Vertrauen in das irrtumslose Wort Gottes und eine gewisse Art von Zweifel an uns selbst. Wir haben in unserer Zeit nicht zu wenig Selbstvertrauen, sondern eher zu viel Selbstvertrauen und zu wenig Gottesvertrauen.

Freitag, 23. August 2013

Kurzbiographie: John Bunyan

Das Leben von John Bunyan

1. Einleitung
John Bunyans Buch „Die Pilgerreise“ ist nach der Bibel das meistgedruckte und meistverkaufte Buch auf dem christlichen Buchmarkt. Es ist ein geistlicher Roman, der mit Gleichnissen versucht, den Weg eines Gläubigen zu beschreiben. Häufig greift er dazu auch auf die Bibel zurück, wo das Leben als Christ auch als Pilgerweg durch eine fremde Welt hindurch beschrieben wird.

Dieses Buch geht nicht auf einen studierten Theologen zurück, sondern auf einen ganz gewöhnlichen Mann, einen Kesselflicker mit nicht einmal besonders guter schulischer Bildung. Doch selbst der große puritanische Theologe John Owen ging oft und gerne dorthin, wo Bunyan predigte. Was ihn auszeichnete, war seine große Erfahrung, seine Menschenkenntnis, aber auch und gerade sein großes Vertrauen in das Wort Gottes.

Wir wollen nun in aller Kürze sein Leben und Werk betrachten, immer mit der Frage im Hinterkopf, was wir für heute von diesem John Bunyan lernen können.

2. Kindheit, Jugend, Heirat
John Bunyan kam am 28. November 1628 in Elstow bei Bedford, in der Nähe von Northampton, in England, zur Welt. Er hatte zwei jüngere Geschwister. Wir wissen leider sehr wenig über seine frühere Zeit, selbst in der Autobiographie „Grace Abounding“ (überströmende Gnade) wird die gesamte Kindheit und Jugendzeit in ein paar Nebensätzen abgehandelt.

Er ging in Bedford zur Schule und lernte dort wohl gerade mal das Nötigste zum Leben: Lesen, schreiben, rechnen. Dann lernte er den Beruf seines Vaters: Kesselflicker. Das ist eine Art Kupferschmied, die sich darauf spezialisiert hatte, alle möglichen Geräte des Haushalts zu reparieren. Die meisten von ihnen hatten keine feste Werkstatt, da es dann zu wenig zu tun gab, um überleben zu können. Vielmehr zogen sie in den Dörfern umher und kamen in die Häuser, um dort vor Ort gleich alles wieder reparieren zu können.

1648 heiratete er seine erste Frau. Wir wissen ihren Namen nicht aus sicheren Quellen, wir wissen nur, dass die erste Tochter der beiden Mary genannt wurde, und weil es damals üblich war, dass das erste Mädchen den Vornamen der Mutter bekam, lässt sich mit einiger Sicherheit sagen, dass die Frau auch so hieß. Mit ihr hatte er zwei Töchter, Mary und Elizabeth, sowie zwei Söhne, John und Thomas. Leider ist sie schon nach acht Jahren der Ehe gestorben. Drei Jahre nach ihrem Tod heiratete Bunyan erneut, diesmal eine Elisabeth, mit der er auch noch einmal zwei Kinder hatte, welche sie Sarah und Joseph nannten.

3. Gottes Werk der Bekehrung
Kurz vor seiner Hochzeit hatte John noch ungefähr drei Jahre bei der Armee gedient. Dort wird er wohl bereits öfter mit puritanischen Predigten der Feldpfarrer konfrontiert worden sein. Dennoch dauerte es noch eine gute Weile, bis er zu einer endgültigen Bekehrung und der völligen Heilsgewissheit gedrungen war. Seine Frau Mary war tief gläubig, und auch ihr Vater war ihm darin zu einem Vorbild geworden. Doch vorerst wollte der junge Kesselflicker noch nichts davon wissen. Er ging zwar in die Kirche, doch war der Inhalt der Predigten – so eindrücklich sie auch gewesen sein mochten – nach einem leckeren Sonntagsbraten schnell wieder vergessen.

Inzwischen war John vor allem in Bedford zur Arbeit unterwegs, denn in Elstow gab es für ihn zu wenig zu tun, und da seine erste Tochter blind zur Welt gekommen war, brauchte er ein Einkommen, das für sie als Familie zum Auskommen reichte. In Bedford traf er eine Gruppe von älteren Frauen, die sich über geistliche Dinge, wie zum Beispiel die Notwendigkeit der Wiedergeburt, unterhielten. Da erfasste ihn der Wunsch, noch mehr darüber zu erfahren, und so suchte er immer wieder die Gemeinschaft mit diesen Menschen. Dieser Kontakt führte immer mehr dazu, dass er die Dummheit seines Selbstvertrauens und die überführende Kraft von Gottes Wort erkannte.

Doch immer mehr nahmen auch die Versuchungen zu, die ihm schwer zu schaffen machten. Immer wieder kam der „Vater der Lüge“ und wollte ihn davon abbringen, weiter nach dem Weg zu suchen. John war sehr empfindsam für solche Dinge, und so geschah es immer wieder, dass er sich verwirren ließ und manchmal über Tage in einer niedergeschlagenen Stimmung verbrachte. Als er den gläubigen Leuten von Bedford erzählte, brachten sie ihn in Kontakt mit John Gifford, ebenfalls ein Laienprediger, der einst als Major in der englischen Armee gedient hatte, und eine schwere Zeit hinter sich hatte, ähnlich jener, in der sich Bunyan gerade befand.

Durch all diese schweren Zeiten hindurch, diese von Selbstzweifel und inneren Nöte geprägten Wochen und Monate, wurde John Bunyan zu einem Dienst vorbereitet, der in seinen Tagen vielen Tausenden und über die Jahrhunderte hinweg bis zum heutigen Tag wohl etlichen Millionen Menschen zum Segen werden sollte. Im Jahre 1653 ließ er sich in der Ouse, einem Fluss in der Nähe, taufen.

4. Der Kesselflicker als Prediger
1655 zog er mit der Familie ganz nach Bedford um. Er war inzwischen in der Versammlung von John Gifford zum Diakon gewählt worden. Doch schon kurz darauf starb seine Frau Mary. Und nicht allzu viel später stirbt auch John Gifford, der Pastor der Versammlung in Bedford. Nun gibt es für alle noch viel mehr zu tun. Vier Kinder zu Hause, die Arbeit für den Lebensunterhalt, der Dienst in der Gemeinde, und so weiter.

Gerade auch in seiner Versammlung hat er immer wieder gezeigt, dass sein Bibelstudium sehr exakt und wirklich ausführlich war. Schließlich hatte er sie ja während Jahren verzweifelt durchforscht, um darin das ewige Leben zu finden und die Gewissheit, zu den Auserwählten zu gehören. So haben immer mehr Menschen in seinem Umfeld gemerkt, wozu er berufen war. Nur ihm selbst machte das große Probleme. Erst nach langem Bitten ließ er sich dazu überreden, in einer Privatversammlung Gottes Wort zu lesen und auszulegen. Dies war immer mit großem Segen verbunden, sodass er begann, an verschiedenen Orten zu predigen, wohin er eingeladen wurde.

Schon bald wurde er bekannt, und es dauerte nicht lange, bis ihm das Predigen verboten wurde. Weil er sich gewohnt war, kräftig und deutlich zu predigen und kein Blatt vor den Mund zu nehmen, regte sich der Widerstand aus den Großkirchen. Inzwischen war Oliver Cromwell gestorben, und im Mai 1660 bestieg Charles II den Thron von England. Unter ihm wurde die Uniformitätsakte zum Gesetz gemacht, die das „Book of Common Prayer“, eine von kirchlichen Theologen verfasste Sammlung von Liturgien, Liedern und Gebeten, zum offiziellen Dokument gemacht, dessen regelmäßigen Gebrauch jeder Pfarrer mit der Unterschrift bezeugen musste. Unter anderem wurde auch das Predigen nur noch denjenigen erlaubt, welche von der anglikanischen Kirche als Pfarrer eingesetzt wurden.

5. Die Zeiten im Gefängnis
So wurde bald eine Gelegenheit gefunden, um John Bunyan festzunehmen. Dies geschah am 12. November 1660. Er wurde verhört, und durfte gerade während dieses Verhörs erfahren, wie Gott ihn mit den richtigen Worten im richtigen Moment getröstet hat. Seine Gegner hatten bald kaum noch etwas zu erwidern, so sprachen sie ihn wütend schuldig und ließen ihn ins Gefängnis bringen. Inzwischen hatte er ja noch ein zweites Mal geheiratet. Seine zweite Frau, Elisabeth, musste eine ganz besonders schwere Zeit durchmachen. Da Bunyan weit herum bekannt war, und deshalb viele Feinde hatte, konnte auch sie mit ihren Worten nichts ausrichten, um die Freiheit ihres Mannes zu erbitten.

Sechs Jahre musste er im Gefängnis verbringen. 1662 wurde die Verwendung des Common Prayer Book als Gesetz erlassen, und ungefähr 2000 Pastoren ihres Amtes enthoben. Zahlreiche von ihnen wurden ebenfalls inhaftiert, weil sie ebenfalls ohne Erlaubnis mit Predigen fortfuhren. Im Gefängnis flocht er bunte Schnüre und Bänder, die er an Händler verkaufen konnte, um so seiner Familie etwas Geld fürs Allernötigste zukommen zu lassen. Daneben kümmerte er sich um das geistliche Wohl der Mitgefangenen und ging auch weiterhin seiner schriftstellerischen Tätigkeit nach.

Nach Verlauf der sechsjährigen Haft wurde Bunyan freigelassen. Unter stetiger Beobachtung durch Spione führte er seine Berufung fort. Die Freiheit dauerte nicht besonders lange, und schon wurde er wieder nach kurzem Verhör ins Gefängnis gebracht. In dieser Zeit starb auch sein ältestes Mädchen, die blinde Mary.

1672 kam John endlich wieder frei. Der König hatte inzwischen erkannt, dass er etwas diplomatischer vorgehen musste. So durften sich die freien Gemeinden wieder treffen, sie mussten nur ihre Orte offiziell anmelden. John Bunyan bekam eine Predigtlizenz, mit der er in jeder offiziell angemeldeten Gemeinde predigen durfte. Nun wurde in Bedford eine ehemalige Scheune ausgebaut und angemeldet. Diese Gemeinde in Bedford stellte ihn nun als Pastor an. Doch schon 1874 wurde ein neuer Haftbefehl gegen ihn ausgestellt, mit der Behauptung, Bunyan würde gegen den König predigen. Im Stadtgefängnis hat er jetzt die Pilgerreise geschrieben, sein bekanntestes Werk. 1676 wurde er auf den Wunsch des großen Puritaners John Owen wieder auf freien Fuß gelassen. 1687 wurde die Pilgerreise in London gedruckt. Bereits bis Ende dieses Jahres wurden weit mehr als 2000 Exemplare verkauft. Sein Dienst war in den darauf folgenden Jahren sehr gesegnet. Doch leider war seine Gesundheit schon immer etwas schwierig. Im Alter von fast 60 Jahren starb John Bunyan an Fieber am 31. August 1688.

6. Die Pilgerreise
Dieses weitaus bekannteste Werk von Bunyan wurde seit seinem Erscheinen in über 120 Sprachen übersetzt und ist nach der Bibel das meistgelesene Buch von einem Gläubigen. Seine gesamte Kenntnis der Schrift, seine Kenntnis des Menschen und seine Kenntnis der schrecklichen Abgründe im Herzen des Menschen haben ihn zu einem Schriftsteller gemacht, der wie kaum ein anderer dazu gebraucht werden konnte, um Menschen aller Zeiten und Kulturen zu einem Segen zu werden.

Die Pilgerreise beschreibt das Leben des Gläubigen als eine Art Gleichnis. Er beschreibt den Weg zum Glauben, und das ist in gewisser Weise auch eine autobiographische Szene. Das Herz des Menschen, das lange suchen muss, bis es Christus gefunden hat, und auch danach ständig in Gefahr steht, versucht zu werden, wird wunderschön dargestellt.

Die Hauptperson ist Herr Christ. Er wohnte in der Stadt Zerstörung und trug eine schwere Last. In einem Buch hatte er gelesen, dass ihn diese Last ins ewige Verderben bringt. So macht er sich auf die Suche nach der Rettung. Er findet durch Evangelist den Weg zur engen Pforte, wo er hindurch geht. Doch kaum ist er drüben, prasseln die bösen Pfeile auf ihn ein, und er muss den Weg schnell fortsetzen. Dann kommt er an verschiedenen Orten vorbei. Manchmal sind es Menschen, die ihn vom Weg abbringen wollen, oder auch Situationen, die ihm Angst machen. So etwa das Tal der Todesschatten. Aber zwischendurch findet er immer wieder Ermutigung, die ihm hilft, weiter zu gehen. So geht es immerzu weiter, bis sie am Ende in der himmlischen Stadt ankommen.

Wer das Buch liest, wird sich selbst schnell darin wiederfinden. Es ist ein exzellentes Gleichnis für unser Leben als Gläubige, die den Weg durch die enge Pforte gefunden haben. Mit großer geistlicher Erkenntnis führt John Bunyan all die Schwierigkeiten auf, die auf uns zukommen auf diesem schmalen Weg. Dies hilft dem Leser, sich in dieser Welt zurecht zu finden und ermutigt immer wieder, zum weitermachen. Es gibt übrigens auch einen zweiten Band der Pilgerreise, die Bunyan einige Zeit nach dem ersten verfasst hatte. In diesem geht es dann um die Frau von Herrn Christ, um Christin und deren Kinder.

7. Weitere Werke
John Bunyan hat einige Bücher und Predigtsammlungen geschrieben. Besonders zu erwähnen sind vor allem zwei Bücher nebst der Pilgerreise. Das erste ist seine Autobiographie namens „Grace Abounding“ (Überreiche Gnade). Er beschreibt darin zuerst sein schlimmes Leben vor seiner Bekehrung (in unserer Zeit würden wohl manche fragen, was daran denn so schlimm sei). Interessanterweise erwähnt er Elstow als Ort, wo er aufgewachsen ist, nur zweimal nebenbei. Dann fährt er fort, die wunderbare Gnade Gottes zu beschreiben, wie der Herr ihn nie aufgegeben hat, sondern dafür gesorgt, dass das göttliche Geschehen an seiner Seele auch tatsächlich bis zum Ende durchgeführt wurde. Wie er unter dem Dienst von John Gifford immer mehr gestärkt wurde und wie er letztendlich herausfand, dass Gott ihm die Gnadengabe des Predigens verliehen hatte. Das Buch endet damit, dass er die Verhaftung schildert, in der er sich gerade befand.

Das zweite Buch, das auch eine besondere Erwähnung verdient, ist „The Holy War“ (der heilige Krieg), in dem es jedoch keinesfalls um politische Kämpfe geht, sondern um den geistlichen Kampf, der ständig um die Seele des Menschen tobt. Auch dieses Werk ist als Gleichnis geschrieben. Im Zentrum steht die Stadt namens „Menschenseele“. Shaddai ist der Herrscher und Schöpfer des Universums und der Stadt Menschenseele. Aber leider hat Diabolus, der Feind von Shaddai, die Stadt eingenommen. Und nun geht es um diesen Kampf, um die Mittel zum Kampf, und im Zentrum steht Immanuel, der Sohn von Shaddai, der den Kampf gegen Diabolus anführt. Dieses Werk ist auch von großer geistlicher Bedeutung für das Leben als Christen. Es zeigt ebenfalls, wie groß Bunyans Kenntnis des Menschen war.

8. John Bunyans Vorbild für uns
Ich möchte an dieser Stelle drei Bereiche nennen, in welchen uns John Bunyan ein Vorbild werden kann. Es gäbe bestimmt noch viel mehr aufzuzählen, aber diese drei sind mir besonders wichtig geworden.

1. Er war kein ausgebildeter Theologe, aber ein ausgezeichneter Menschen- und Bibelkenner. Seine schulische Bildung war gering, sie reichte aus, dass er lesen und schreiben konnte, hatte jedoch keinen akademischen Grad, und dennoch hat Gott ihn als Werkzeug für viele Generationen und Jahrhunderte gebraucht. Was wir heute brauchen, sind Menschen, die bereit sind, sich mit einer solchen Hingabe an die Bibel zu wenden. Bunyan hat wohl recht wenige andere Bücher als die Bibel gekannt. Aber seine Bibel kannte er und war in ihr zu Hause. Und wichtiger noch: Er hatte gelernt, ihr zu vertrauen. Wir haben viel zu oft nur ein oberflächliches Vertrauen in die Bibel und ein viel zu großes Vertrauen in uns selbst. Es sollte umgekehrt sein: Dass wir an uns selbst zweifeln, das tut not, aber unser solides Fundament, an dem wir alles andere, inklusive uns selbst, prüfen, das muss das Wort Gottes sein. Es braucht keine Ausbildung an einer Universität, um Gott zu kennen. Aber es braucht viel Liebe zu dem Buch, in dem Gottes Wort steht.

2. Er hatte seine Erkenntnis mit großem Kraftaufwand erkämpft. Bunyan wusste darum, dass das Leben als Gläubige ein Kampf ist. Dass man immerzu den Regungen seines eigenen, betrügerischen Herzens und den Verführungspfeilen Satans ausgeliefert ist. Es hat bei ihm Jahre gedauert, bis er den ersten Kampf, denjenigen um die absolute Heilsgewissheit, errungen hatte. Aber diese Kämpfe führten dazu, dass er kein oberflächlicher Mann wurde, sondern dass seine Erkenntnis wirklich in die Tiefe des Seins ging. Dorthin, wo sie sein Leben tatsächlich beeinflusste. Viele Predigten zielen heute nur auf eine ganz oberflächliche Zustimmung ab, aber sie werden nicht erkämpft. Deshalb gibt es auch so viel moralischen Verfall in den Gemeinden.

3. Diese Erkenntnis in der Tiefe seines Lebens gab ihm die Kraft, um auch in den schweren Zeiten im Gefängnis standhaft zu bleiben. Sein Wissen um die absolute Wahrheit und Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift und die totale Treue seines Gottes, ließen ihn die langen Jahre des Aufenthalts im Gefängnis als etwas Positives sehen. Er wusste, dass er nicht nachgeben konnte, weil er seinen Gott nicht verleugnen durfte. Sein Gott hatte ihn zum Predigen begabt, deshalb musste er das tun und durfte keinen Kompromiss eingehen und zustimmen, dass er aufhören würde mit dem Predigen. Er war bereit, unter den schwersten Umständen seines Lebens Gott treu zu bleiben. Wenn wir diese Kraft auch wollen, so wird uns nichts daran vorbeiführen, diesen Kampf um die echte, tiefe Erkenntnis auch selbst zu durchleben.

Zum Abschluss noch vier Amazon-Links für Leseratten:

Hier gibt es eine gute deutsche Biographie über John Bunyan von Frank Mott Harrison
Hier kann man die Pilgerreise kaufen
Hier gibt es seine Autobiographie "Überreiche Gnade"
Hier ist der Link zum Heiligen Krieg

Mittwoch, 14. August 2013

Timotheus Magazin #12: Gute Werke

Timotheus Magazin #12: Gute Werke

Einmal mehr eine wirklich schöne Ausgabe des Timotheus-Magazins. Man könnte sich an die liebevolle Gestaltung gewöhnen, aber auch diesmal ist es eine Erwähnung wert. Das Thema ist „Gute Werke“ - ein durch und durch spannendes Thema. Diese Ausgabe ist deutlich kürzer geworden und was auch auffällt – die „Werbung“ für Bücher, Konferenzen und für das Timotheus-Magazin selbst nimmt immer mehr Platz ein.

Die Artikel sind lesenswert. Im ersten Beitrag führt Waldemar Dirksen in das Thema ein und schreibt über Glaube und Werke: „Ein unverzichtbarer Bestandteil des rettenden Glaubens sind gute Werke, die letztlich Beweis der wirksamen Gnade Gottes sind. In seiner souveränen Gnade bewirkt Gott den Glauben bei seinen Kindern. Dieser Glaube ist nicht ein lebloses Gedankenkonstrukt, das der Mensch nach seinem Gutdünken aufrichtet. Nein! Es ist ein Ergriffensein des ganzen Menschen von Gott. Dabei entfacht und erhält Gott den Glauben im Herzen derart, dass der Gläubige nicht faul und träge herumlungert, sondern mit heiligem Eifer gute Werke verrichtet.“ (S. 5)

Im zweiten Artikel schreibt Peter Voth vom Unterschied zwischen guten Werken und guten Werken. Er zitiert den deutschen Reformatoren Martin Luther: „Sünder müssen nicht nur von ihren schlechten Taten gerettet werden, sondern auch von ihren verdammniswürdigen guten Werken.“ (S. 10) Er schlussfolgert daraus, dass gute Werke sehr oft einfach „pure Heuchelei“ seien. (S. 11) Ein wirklich sehr lesenswerter Artikel!

Im Anschluss daran nimmt Andreas Münch den Text von der Schunemiterin (in 2. Könige 4 zu finden), um uns ein Vorbild für gute Werke zu geben. Er fragt zum Schluss: „Was können wir von dem Vorbild dieser Frau lernen? Nun, zum einen können wir für uns mitnehmen, dass wir Gelegenheiten für gute Werke nutzen sollten, wenn sie sich uns bieten. Mancher Dienst lässt sich im Vorfeld planen, andere wiederum erwarten von uns eine spontane Reaktion. Die Schunemiterin bemerkte Elisa und wollte ihm dienen.“ (S. 15)

Thomas Reiner stellt uns sodann das Leben von Georg Müller vor. In seiner Jugend war Müller ein Verschwender und Betrüger, nach seiner Bekehrung wurde er Missionar und ging nach London. Er zog später nach Bristol, wo er ein Waisenhaus gründete, wo er schon nach einem Jahr 60 verwaiste Kinder zu pflegen, versorgen und erziehen hatte. Am Ende war diese Arbeit so sehr gewachsen, dass er in fünf großen Häusern 2000 Kinder beherbergte. Ein wahrlich großes Werk, das Gott durch diesen Mann tat.

Zum Schluss finden wir noch eine kurze Vorstellung der Biographie von Eric Metaxas über den Mann, der die Sklaverei abschaffte, William Wilberforce. Auch bei ihm geht eine gründliche Sündenerkenntnis und Bekehrung voraus. David Dirksen schreibt zu der Biographie: „Die packende Lebensgeschichte „Wilberforce – Der Mann, der die Sklaverei abschaffte“ illustriert, wie Gott auch so verachteten politischen Sphäre Menschen im Kampf gegen Ungerechtigkeit gebraucht und diese einen nachhaltigen Eindruck auf die Gesellschaft ausüben können.“ (S. 21)

Insgesamt gesehen ist auch dies wieder eine sehr gute und lesenswerte Ausgabe des Timotheus Magazins. Was sich bei so spannenden, aber eben auch spannungsgeladenen Themen eventuell noch lohnen würde, wären zwei weitere Artikel, von denen sich der eine mit der biblisch-theologischen (also heilsgeschichtlichen) Entfaltung des Themas befasst, während ein weiterer der geschichtlichen Entwicklung der verschiedenen Strömungen innerhalb der Kirchengeschichte zum jeweiligen Thema gewidmet ist.

Auch diesmal lohnt es sich wieder sehr, das Magazin zu lesen. Falls du es noch nicht abonniert hast, so kann ich dir nur empfehlen, dies noch zu tun. Möglich ist das hier: *klick*

Montag, 12. August 2013

Geschaffen zur Ehre Gottes

Geschaffen zur Ehre Gottes

Und nun, so spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. Wenn du durchs Wasser gehst, so will ich bei dir sein, und wenn durch Ströme, so sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du durchs Feuer gehst, sollst du nicht versengt werden, und die Flamme soll dich nicht verbrennen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Erretter! Ich habe Ägypten hingegeben als Lösegeld für dich, Kusch und Saba an deiner Stelle. Darum, weil du kostbar bist in meinen Augen [und] wertgeachtet, und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen für dich hin und Völker für dein Leben. Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir. Ich will deinen Samen vom Osten herführen und dich vom Westen her sammeln. Ich will zum Norden sagen: Gib heraus! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bringe meine Söhne aus der Ferne herbei und meine Töchter vom Ende der Welt, einen jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen habe, den ich gebildet und gemacht habe. (Jesaja 43, 1 - 7)

Einleitung

Wenn wir als Christen davon ausgehen, dass Gott alles geschaffen hat, was in dieser Welt ist, dann gibt es für unser Leben zwei Fragen, die uns unbedingt betreffen. Dies sind dann die zwei wichtigsten Fragen, die sich jemals irgend ein Mensch stellen kann.

1. Wozu oder wofür hat Gott dieses alles geschaffen und wohin wird alles gelenkt?
2. Was können wir tun, um im Einklang mit diesem Ziel zu leben?

Wenn wir einfach drauflos leben und uns diese Fragen nicht stellen, so kann es recht schnell passieren, dass wir entgegen diesem Ziel leben und deshalb mit unserem Leben in ernsthaften Konflikt geraten mit der Weltherrschaft Gottes. 

 
1. Fürchte dich nicht

a. Die Situation Israels
Wir wollen in unserem Text die Antworten auf diese Fragen suchen und auch finden. Bevor wir uns auf diese Suche machen, tun wir gut daran, uns zu fragen, in welcher Zeit und welcher Situation Gott dies durch den Propheten Jesaja hat verkünden lassen.

Auffällig ist der Beginn der Rede Gottes, nämlich dieses „Fürchte dich nicht!“. Dieser Befehl findet sich 365 Mal in der Bibel – manche Prediger haben schon gesagt, es sei deshalb für jeden Tag im Jahr ein solches „Fürchte dich nicht!“.

Der Prophet Jesaja war in den Jahren von 740 – 680 vor unserer Zeit-rechnung Gottes Prophet im israelischen Südreich Juda. Im Jahre 738 hat der assyrische König Tiglat-Pileser einen Feldzug begonnen. Nachdem die ersten Städte eingenommen worden waren, haben sich verschiedene Staaten zu einer Koalition zusammengeschlossen, um sich dagegen zu wehren. Das Land Juda unter dem König Ahas nicht. So wurde Juda von dieser Koalition als Feind betrachtet. Im 7. Kapitel des Jesaja-Buches lesen wir, dass Gott das Volk Juda durch Jesaja warnte, eine falsche Koalition mit Ungläubigen einzugehen. Gott wollte die Menschen selbst verteidigen, damit Sein Name weit herum bekannt gemacht wird.

Die Predigten von Jesaja sind also in einer verzweifelten Situation entstanden. Von allen Seiten wurde das Volk bedrängt: Vom großen Staat Assyrien, von der Koalition, die rings um es her lebte, und so weiter.

b. Es gibt keine hoffnungslose Situation
Die wichtigste Aussage in unserem Text ist die Aufforderung, sich nicht zu fürchten. Dann wird später aufgezeigt, was Menschen so alles nutzen können, um einem zu schaden. Sogar die natürlichen Gewalten des Wassers und des Feuers können sie missbrauchen, um einen zu ertränken oder zu verbrennen. Damit sind nur die letzten und äußersten Methoden genannt. Hoffnungslosigkeit beginnt oft auf eine viel subtilere Art. Vielleicht betest du seit Jahren für dein Kind, dass es gläubig werden möge, und alles, was du siehst, deutet auf das Gegenteil hin. Vielleicht betest du für deine Arbeit, dass der Chef das sieht, was du tust, und mehr Verständnis zeigt, aber alles, was du sehen kannst, ist zunehmendes Unverständnis von seiner Seite her. Oder vielleicht hast du mit einem Mitmenschen ein angespanntes Verhältnis und wünschst dir darin mehr Klarheit, doch die gesamte Situation läuft auf das Gegenteil hinaus. So ähnlich – nur in deutlich größerem Ausmaß – erging es Juda und seinen Königen damals, in der Zeit, als Jesaja lebte.

c. Gott möchte in deinem Leben sichtbar sein
Gott wollte, dass Juda keine ungöttlichen Allianzen mit Völkern ein-geht, die nicht an den Gott Abrahams glauben. Gott wollte dem Volk selbst beistehen, damit Sein Name unter den fremden Völkern be-kannt und genannt würde. So bringt Gott manchmal auch in unser Leben hinein schwierige Situationen, die uns fast ausweglos scheinen und möchte, dass wir mit Seiner Kraft und mit Seiner Geduld und mit Seiner Hilfe an das Ziel kommen. Gott sagt heute zu dir: Fürchte dich nicht! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! Welch ein wundervolles Versprechen ist das doch.


2. Weil du kostbar bist in Gottes Augen

a. Gott hat dich gewollt
Und dann fährt dieser Gott, der das ganze Universum geschaffen hat, fort: Darum, weil du kostbar bist in meinen Augen [und] wert-geachtet, und ich dich lieb habe, so gebe ich Menschen für dich hin und Völker für dein Leben. Wenn Gott uns also in so einer Situation hilft, die für uns hoffnungslos aussieht, dann tut Er das nicht weil wir es irgendwie verdient hätten oder weil wir genügend gute Taten voll-bracht haben. Der einzige Grund, weshalb Gott Sich überhaupt dafür interessiert, uns zu helfen, ist Seine Liebe. Weil Gott dich genau so geschaffen und gewollt hat wie du bist. Mit deinen Stärken, aber auch mit deinen Grenzen. Weil Er für dich einen Plan hat und dich für Sich gebrauchen möchte. Auf diese Weise spricht Gott dich an: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Wenn du jemanden beim Namen rufst, dann bedeutet das, dass du die Person kennst und dass sie dir etwas bedeutet. So sagt Gott: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Ich kenne dich. Ich weiß, wie es dir geht und in welcher Situation du gerade feststeckst. Die Menschen können dir manches antun, aber egal was passiert, Ich bin bei dir, denn du bist mein Eigentum, dich habe ich gewollt und genau so wie ich dich wollte, habe ich dich geschaffen.

b. Gott hat dich wertvoll geschaffen
So sagt uns der Psalmist im Psalm 139 auch: Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Es war dir mein Gebein nicht verborgen, / als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war. (Psalm 139, 13 - 16)
Ich danke dir Gott, sagt er, dass ich wunderbar gemacht bin. Wow. Hast du dir heute schon Zeit genommen, um Gott danke zu sagen, dass Er dich so wunderbar geschaffen hat? Es passiert so schnell, dass uns all das Gute, was Gott uns auf den Weg mitgegeben hat, so selbstverständlich wird, dass uns nur noch das auffällt, worüber wir uns beklagen können. Wir wären gern perfekt, weil wir es nicht mögen, auf einander angewiesen zu sein.

c. Gott hat dich freigekauft
Gott hat dich also gewollt und nach Seinem Plan geschaffen. Weil wir aber alle immer wieder daran versagen, nach diesem Plan Gottes für unser Leben zu leben, fangen wir an, an unserem Wert zu zweifeln. Man hat einmal ausgerechnet, wenn man den Körper eines durch-schnittlichen Menschen in seine Bestandteile zerlegt, hat alles zu-sammen einen Wert von 3,75€. Wenn man alle Organe komplett im Organhandel verschachert, so kann man damit knapp 45 Millionen Euro verdienen. Der Unterschied ist schon gewaltig. Aber wenn man dann noch einen Schritt weiter geht und das Ganze aus Gottes Sicht anschaut, kann man nur staunen. Gott beginnt mit den Worten: Du bist kostbar in Meinen Augen. Das sagt der Gott, welcher alle diese Kostbarkeiten geschaffen hat, die wir auf der Erde kennen. Alles Gold und Silber, alle teuren Edelsteine, Diamanten, und so weiter, hat Gott geschaffen. Und Er sagt jetzt zu dir: Weil du kostbar bist in Meinen Augen. Dieser Gott, der alles geschaffen hat, der hat Sich Selbst geopfert, damit du den Wert bekommst, den Er für dich will. Unbezahlbar. Selbst mit allem Geld auf dieser Welt, selbst mit der Weltherrschaft, selbst mit dem Wert von allen Sternen des ganzen Universums kann man nicht den Wert ausdrücken, den du von Gott bekommen hast, weil Er dich liebt und erlöst hat.


3. Zu Gottes Ehre geschaffen

a. Vom Turmbau Babels zur Verheißung an Abraham
Und dann gibt uns Gott den Grund an, weshalb Er uns geschaffen hat: jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen habe, den ich gebildet und gemacht habe. Ich will dazu anhand des ersten Buches Mose etwas zeigen. Im Kapitel 11 von diesem Buch lesen wir vom Turmbau zu Babel. Dort sehen wir, dass die Menschen einen Turm bauen wollten, der so groß ist, dass er bis zu Gott in den Himmel hinauf reichen soll. Warum taten sie das? Wir lesen das in Vers 4: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen (1. Mose 11,4) Damit wir uns einen Namen machen. Das war der Grund, weshalb dieser Turm gebaut werden sollte. Und es war auch der Grund, weshalb Gott ein Nein dazu hatte.

Menschen tun vieles, um bekannt zu werden, um sich selbst groß und gut fühlen zu können, um sich einreden zu können, dass sie etwas geleistet haben. Nachdem Gott in Babel die Sprachen durcheinander gebracht hatte, wendet sich das Bild und wir kommen zum Kapitel 12, wo uns etwas ebenso Interessantes begegnet: Wir finden uns plötzlich in Ur in Chaldäa und kommen zu Abram, dem Gott befiehlt, aus seiner Verwandtschaft hinauszugehen, damit nämlich etwas geschehen kann: Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. (1. Mose 12,2) Im Kapitel 11 haben wir Menschen, die sich selbst einen großen Namen machen wollen, die stolz sind, die sich auf ihre eigene Leistung verlassen wollen. Und in Kapitel 12 sind wir bei einem Mann, der demütig Gottes Willen tut, damit Gott ihm einen großen Namen geben kann.

b. Gott möchte, dass Er bekannt wird – durch dich
Gott hatte bei Israel immer mal wieder schwierige Situationen zugelassen, damit Er das Volk aus den Schwierigkeiten retten konnte und dadurch unter den anderen Völkern als der rettende Gott Israels bekannt wurde. So geschieht es auch in unserem Leben. Wenn uns die Geduld fehlt, möchte Gott sie geben. Wenn uns die Kraft fehlt, so dürfen wir sie aus den Zeiten der Gemeinschaft mit Gott beziehen. Gott möchte bekannt gemacht werden – durch dich. Durch dein Leben, dein Verhalten, und so weiter. Zu Gottes Ehre leben, das heißt, dass wir mit unserem Leben Gottes Größe, Liebe und Kraft bekannt machen.

c. Geschaffen für gute Taten
So sagte der Herr Jesus in der Bergpredigt: Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Matthäus 5, 14 – 16) und Paulus führt dazu weiter aus: Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch — Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen. (Epheser 2, 8 - 10)
Paulus hat die Worte Jesu ausgelegt, indem er sagte, dass unser gutes Verhalten nichts zu unserer Erlösung beitragen kann, aber dass Gott schon im Voraus die guten Werke vorbereitet hat, durch die Er in unserem Leben sichtbar werden möchte. Das gibt uns eine geniale Freiheit: Gott hat diese Sachen vorbereitet, Er wird sie uns zeigen und dann dürfen wir sie tun und der Erfolg wird langfristig die Ehre Gottes sein – also genau das, wozu Gott uns geschaffen hat.

Die Frage, die sich uns zum Schluss stellt, ist folgende: Wenn das, was wir tun, zu Gottes Ehre getan werden soll, wie können wir denn unterscheiden, ob unsere Taten zu Gottes Ehre oder zu unserer Ehre geschehen? Ich möchte euch die Frage mit auf den Weg geben und später dieses Jahr noch einmal darauf zurück kommen.


Schluss

Wir sehen also, dass Gott uns zu Seiner Ehre geschaffen hat, uns ganz genau so wollte, uns durch und durch liebt und beisteht und schon im Voraus einiges vorbereitet hat, was wir anderen Menschen Gutes tun können. Er wünscht sich, durch unser Leben unter den Menschen bekannt zu werden, dadurch, dass wir das tun, was Er in unserem Leben für uns vorbereitet hat.

Hier geht es zum Predigt-Archiv, wo dies auch als MP3 angehört werden kann.

Samstag, 10. August 2013

C. S. Lewis - Vom Lesen der alten Bücher

Vor einigen Jahrzehnten hat C. S. Lewis, besonders durch seine Chroniken von Narnia bekannt geworden, einen wertvollen Aufsatz über das Lesen der alten Bücher geschrieben. Er ist im Band "God in the Dock" zu finden. Hier ein Auszug von diesem Aufsatz:

"Es gibt eine merkwürdige, weit verbreitete Idee, dass zu allen Themen die alten Bücher nur von den Fachleuten gelesen werden sollen, und der Laie sich mit den modernen Büchern begnügen soll. So habe ich als Tutor für englische Literatur empfunden, dass wenn der durchschnittliche Student etwas über den Platonismus herausfinden wollte, es das Letzte ist, was er tun würde, dass er eine Übersetzung von Plato aus dem Regal der Bibliothek nehmen würde und das Symposium lesen. Viel eher würde er ein paar langweilige moderne Bücher lesen, die zehn mal so lang sind, mit vielen „-Ismen“ drin und wer davon beeinflusst wurde, und sich gerade mal zwölf Seiten mit dem befassen, was Plato tatsächlich sagte. Der Fehler ist eigentlich eher ein liebenswerter, denn er entspringt der Demut. Der Student ist nun halbwegs verängstigt, einen von den Philosophen von Angesicht zu Angesicht zu treffen. Er fühlt sich unzulänglich und denkt, er würde ihn nicht verstehen. Doch wenn er nur wüsste, dass der große Mann gerade wegen seiner Größe viel besser verständlich ist als der moderne Kommentator. Der einfachste Student wird fähig sein, wenn nicht alles, so doch einen sehr großen Teil von dem zu verstehen, was Plato sagte; aber schwerlich wird irgendwer fähig sein, manche der modernen Bücher über den Platonismus zu verstehen. Als Lehrer war es deshalb immer einer meiner größten Bestrebung, die jungen Leute zu überzeugen, dass das Wissen aus erster Hand zu erwerben nicht nur mehr Wert hat als Wissen aus zweiter Hand, sondern dass es normalerweise auch viel einfacher und angenehmer zu erwerben ist.

Dieser irrtümliche Vorzug für die modernen Bücher und die Scheu vor den alten ist nirgendwo zügelloser als in der Theologie. Wo immer man einen kleinen Studienkreis von christlichen Laien findet, kann man sich fast gewiss sein, dass sie nicht die Apostel Lukas oder Paulus oder den Kirchenvater Augustinus oder Thomas von Aquin oder Hooker oder Butler lesen, sondern M. Berdyaev oder M. Maritain oder M. Niebuhr oder Miss Sayers oder gar mich.

Nun, dies erscheint mir auf den Kopf gestellt. Natürlich, da ich selbst ein Autor bin, wünsche ich nun nicht, dass der durchschnittliche Leser keine modernen Bücher mehr liest. Aber wenn er sich entscheiden müsste, entweder nur die neuen oder nur die alten Bücher zu lesen, so würde ich ihm den Rat geben, die alten zu lesen. Und ich würde ihm diesen Ratschlag genau deshalb geben, weil er ein Laie ist und deshalb viel weniger gut geschützt vor den Gefahren einer exklusiv modernen Diät als der Experte. Ein neues Buch ist immer noch auf dem Prüfstand und der Amateur ist nicht in der Position, um das zu beurteilen. Es muss getestet werden im Licht der Gesamtheit des christlichen Denkens durch all die Jahrhunderte hindurch, und all seine verborgenen Auswirkungen (die ja oft vom Autor selbst gar nicht gewollt sind) müssen zuerst ans Licht kommen. Oft kann es gar nicht ganz verstanden werden, ohne dass man eine ganze Reihe anderer moderner Bücher kennt. Wenn du um elf Uhr zu einem Gespräch hinzustößt, welches um acht Uhr begonnen hat, wirst du oft gar nicht die ganze Tragweite dessen sehen, was gesagt wurde. Bemerkungen, die dir sehr normal erscheinen, werden Gelächter oder Verwirrung hervorbringen, ohne dass du verstehst, warum – der Grund liegt natürlich darin, dass die vorangehenden Stationen der Diskussion diesen einen besonderen Punkt gegeben hat. In derselben Weise ist es möglich, dass Aussagen in einem modernen Buch, die total normal aussehen, an ein anderes Buch gerichtet sind; auf diese Weise kann es geschehen, dass du dazu geführt wirst, etwas zu akzeptieren, was du sonst empört abgelehnt hättest, wenn du seine tatsächliche Bedeutung kennen würdest. Die einzige Sicherheit, die wir haben können, besteht darin, dass wir einen Standard des klaren, zentralen christlichen Glaubens haben („bloßes Christentum“, wie Baxter es nannte), welcher die Kontroversen der eigenen Zeit in ihre richtige Perspektive bringt. Es ist eine gute Regel, nachdem man ein neues Buch gelesen hat, sich nie zu erlauben, schon wieder ein neues Buch zu lesen, bis man zwischendurch ein altes Buch gelesen hat. Wenn dir das zu viel ist, solltest du mindestens pro drei neue Bücher ein altes lesen.

Jedes Zeitalter hat seinen eigenen Standpunkt. Es ist besonders gut darin, bestimmte Wahrheiten zu sehen und neigt besonders zu bestimmten Fehlern. Wir alle brauchen die Bücher, welche die charakteristischen Fehler unserer Zeit korrigieren. Und das bedeutet: Die alten Bücher. Alle zeitgenössischen Autoren haben ein Stück weit den zeitgenössischen Standpunkt – sogar jene, wie ich selbst, welche ihm am meisten zu opponieren zu scheinen. Nichts macht mich mehr betroffen, wenn ich die Kontroversen der vergangenen Jahrhunderte lese, als die Tatsache, dass beide Seiten normalerweise Dinge voraussetzten, ohne sie in Frage zu stellen, von denen wir einiges absolut ablehnen müssen. Sie dachten, sie wären einander derart entgegengesetzt, wie es nur geht, aber in Wahrheit waren sie im Geheimen Verbündete – verbündet miteinander gegen frühere und spätere Zeiten – durch eine gute Menge an gemeinsamen Annahmen. Wir können uns sicher sein, dass die charakteristische Blindheit des 20. Jahrhunderts – die Blindheit, von der die Nachkommenschaft fragen wird: „Aber wie konnten sie nur so etwas gedacht haben?“ - genau dort liegt, wo wir sie nie vermutet hätten, und das betrifft etwas, worüber sich ungetrübte Übereinstimmung zwischen Hitler und Präsident Roosevelt oder zwischen H. G. Wells und Karl Barth ist. Niemand von uns kann dieser Blindheit vollkommen entgehen, aber wenn wir nur moderne Bücher lesen, werden wir sie mit Sicherheit vergrößern und unsere Wachsamkeit davor schwächen. Wo sie wahr sind, da werden sie uns Wahrheiten geben, die wir zum Teil schon kennen. Wo sie falsch sind, da werden sie den Fehler verstärken, an dem wir schon gefährlich erkrankt sind. Das einzige Mittel zur Linderung ist es, die saubere Meeresbrise der Jahrhunderte durch unseren Verstand wehen zu lassen, und dies kann nur durch das Lesen alter Bücher geschehen. Natürlich gibt es keine Magie des Vergangenen. Die Menschen waren dann nicht klüger als als sie es jetzt sind; sie machten etwa gleich viele Fehler wie wir. Aber nicht dieselben Fehler. Sie werden uns nicht in unseren Fehlern schmeicheln, die wir bereits begehen, und ihre eigenen Fehler, die jetzt offensichtlich und greifbar sind, werden uns nicht in Gefahr bringen. Zwei Köpfe sind besser als einer, nicht weil einer unfehlbar wäre, sondern weil es unwahrscheinlich ist, dass beide in dieselbe Richtung falsch gehen. Um sicher zu gehen, wären die Bücher der Zukunft eine ebenso gute Möglichkeit zur Korrektur wie die Bücher der Vergangenheit, aber leider können wir nicht an sie gelangen."

(aus: C. S. Lewis – Vom Lesen der alten Bücher, in: God in the Dock; eigene Übersetzung)

Mittwoch, 7. August 2013

Neues aus Verbotistan

Die grüne Verbotspartei schlägt wieder zu: Ein "Veggie-Day" soll eingeführt werden. Also ein Tag pro Woche, an dem in allen öffentlichen staatlichen Kantinen nur vegetarisch gekocht werden darf. An und für sich spricht ja nichts gegen vegetarisches Essen. Im Gegenteil, es ist ebenso gesund wie fleischhaltige Speisen und dazu oft noch günstiger. Aber einen Tag durch staatliche Doktrin festzulegen, das ist frech. Es ist ein unberechtigter Eingriff in die menschliche Privatsphäre. Vergleichbar wäre es, wenn Ehepaaren staatlich vorgeschrieben würde, an welchen Wochentagen der Sex zur Pflicht gemacht wird.

Dazu wird es aber unter einer grünen Regierung nicht mehr kommen können, soll doch die Ehe auch gleich noch verboten werden. Zumindest wenn es nach den Jungen Grünen ginge. Wenn man die grüne Bewegung international betrachtet, könnte es relativ bald auch darauf hinauslaufen, dass das Krank- und Altwerden verboten wird. In verschiedenen und zunehmend mehr Ländern gibt es grüne Forderungen nach einer Vereinfachung der gesetzlichen Regelung zur Euthanasie.

Auch die Kindererziehung durch Eltern soll verboten werden. Die Forderung nach einem Verbot von Hausaufgaben und stattdessen Einführung von Ganztagesschulen kann wohl nur aus einer Ecke kommen. Man darf sich aber wohl noch fragen, wohin das führen soll, wenn Kinder den ganzen Tag von ihren Eltern getrennt werden und möglichst der größte Kontakt somit unterbunden wird. Es stellt sich damit auch die Frage um die Zukunft der kommenden Generationen. Da man nun nämlich das Ministerium für Staatssicherheit getrost in die Vereinigten Staaten auslagern kann, bleiben für die hiesigen Nachkommen nur noch zwei Berufsfelder mit echten Zukunftschancen übrig: Bauarbeiter_Innen für Kinderkrippen und Ganztagesschulen und von grüner Ideologie geleitete Erzieher_Innen. Willkommen in Verbotistan.

Dienstag, 6. August 2013

Sommercamp 2013

Hier möchte ich Interessierten noch ein paar Bilder vom Sommercamp 2013 zum Anschauen zur Verfügung stellen.












Freitag, 19. Juli 2013

Jonathan Edwards - ein Leben zur Ehre Gottes

Den folgenden Artikel habe ich für das Timotheus-Magazin #11 zum Thema "Vorbilder" geschrieben. Wer das Heft oder ein Jahresabo bestellen möchte, kann dies gerne hier tun. Ich kann es sehr empfehlen.


Jonathan Edwards – ein Leben zur Ehre Gottes

Als Christen, die wir dem Herrn Jesus Christus nachfolgen, wünschen wir uns doch alle, ein Leben zur Ehre Gottes zu führen. Wenn wir darin nach einem Vorbild suchen, werden wir in Jonathan Edwards ganz bestimmt fündig. Er war keinesfalls perfekt, aber sein ganzes Leben war von dem Wunsch durchdrungen, dass alles, was er tat, zur Ehre Gottes geschehen möge.

Kindheit und Jugend
Jonathan Edwards kam am 5. Oktober 1703 als fünftes Kind und einziger Sohn – ihm folgten noch sechs weitere Schwestern – von Timothy und Esther Edwards, geborene Stoddard, in East Windsor zur Welt. Sein Großvater mütterlicherseits war Solomon Stoddard, der Pastor von Northampton, dessen Nachfolger Jonathan eines Tages werden sollte. Timothy Edwards, der Vater von Jonathan, war Prediger in East Windsor.

Zu Beginn hatte ihn sein Vater in vielen Dingen unterrichtet, er hat also die Schulzeit zu Hause verbracht. 1716 begann seine Zeit am College, was durch verschiedene Umstände eine recht chaotische Zeit war. Timothy wollte, dass sein Sohn im reformierten Glauben erzogen wurde. In Harvard, wo er selbst diese Zeit verbracht hatte, wurden die Lehrer, welche noch recht glaubten, durch andere ersetzt, die den reformierten Glauben ablehnten, und den Menschen mit seinem freien Willen in den Mittelpunkt stellten. Es musste ein neues College her. So gründete man das College, aus welchem später die Yale-University wurde. Jonathan war vielseitig interessiert, ein wacher Beobachter mit einer alles durchdringenden Logik. So schrieb er schon in der Zeit am College Abhandlungen über bestimmte Naturphänomene.

In diese Zeit am College fällt auch seine Bekehrung. Diese muss im März 1721 stattgefunden haben und hat sein Leben recht stark verändert. Er schreibt dazu: „Das erste Mal erinnerte ich mich dieser Art von inwendiger, lieblicher Freude an Gott und an göttlichen Dingen, die ich seither vielfach genossen habe, beim Lesen folgender Worte (1. Timotheus 1,17): „Dem König der Zeitalter aber, dem unvergänglichen, unsichtbaren, alleinigen Gott, sei Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ Als ich diese Worte las, da kam in meine Seele ein Empfinden für die Herrlichkeit des göttlichen Wesens, und es war, als sei sie ganz davon erfüllt. Es war ein neues Empfinden, völlig anders als alles, was ich bisher erlebt hatte. Nie kamen mir irgendwelche Schriftstellen so vor, wie es bei diesen Worten der Fall war. Ich dachte bei mir, welch wunderbares Wesen dies sei und wie glücklich ich doch sein müsste, wenn ich mich dieses Gottes erfreuen könnte und zu ihm in den Himmel entrückt würde und gleichsam ewig in ihm aufginge! […] Ich ging zu Gott, um ihn zu bitten, dass ich mich seiner freuen möge, und betete auf eine Weise, die sich völlig von allem unterschied, was ich zu tun gewohnt war; eine ganz neue Art der Herzensregung und Liebe war aufgebrochen.“i

Entschieden für Gott
In den Jahren nach seiner Bekehrung wuchs in Jonathan das Verlangen, ein immer heiligeres Leben führen zu können. Ein Leben, das Gott gefällt. Er wollte seinem Herrn dienen, und das möglichst schnell. So wartete er gar nicht erst, bis er den Master-Titel bekommen hatte, was bis 1723 gedauert hätte, sondern ging bereits im Alter von 19 Jahren nach New York, wo er die Arbeit eines stellvertretenden Predigers der dortigen Presbyterianischen Kirche tat. Im August 1722 begann er seine Arbeit in New York, welche bis im April 1723 dauerte. Er merkte sehr wohl, dass er in vielen Dingen noch zu lernen hatte. Aus diesem Grund begann er in der Zeit von Sommer 1722 bis im darauffolgenden Sommer, seine Entschlüsse („Resolutions“) zu Papier zu bringen. Innerhalb von einem Jahr wuchs das Werk auf 70 Entschlüsse, zu denen er sich verpflichtete. Die ersten sind schon sehr deutlich: „1. Ich verpflichte mich, dass ich alles tun werde, was immer zu Gottes Verherrlichung dient, und zu meiner Freude, solange ich lebe, ungeachtet des Zeitaufwands, sei es jetzt oder nie, unzählige Zeitalter von jetzt an. Ich habe mich entschlossen, was auch immer nötig ist, zu tun, was ich glaube, was meine Pflicht ist, und was am meisten dem Wohl und dem Allgemeinwohl dient. Ich verpflichte mich dazu, unabhängig davon, auf welche Weise, und auf wie viele oder wie große Schwierigkeiten ich stoße. 2. Ich verpflichte mich, mich fortwährend zu bemühen, neue Hilfsmittel oder Vorrichtungen zu suchen, um die vorigen Dinge zu fördern. 3. Ich verpflichte mich, dass, wenn ich je fallen sollte oder lau werde, d.h. wenn ich eines dieser Dinge vernachlässigen sollte, dass ich Buße tun werde für alles woran ich mich erinnere, sobald ich wieder zu mir komme. 4. Ich verpflichte mich, keine Art von Dingen zu tun, weder im Geist noch mit meinem Körper, außer dem, was Gott verherrlicht; noch werde ich so sein, wie es Gott missfällt, noch so etwas zu dulden, wenn ich es vermeiden kann. 5. Ich verpflichte mich, niemals einen Moment Zeit zu verlieren, sondern Zeit, so gut ich das kann, in günstigster Weise zu nutzen.“ii Auf diese Art und Weise geht es weiter. Jonathan Edwards wünschte sich nichts sehnlicher als dies, dass sein ganzes Leben unter die Herrschaft Gottes gestellt wird. Die Deutlichkeit dieser Entschlüsse erstaunt uns. Wir leben in einer Zeit, in der nichts mehr gebraucht würde, als entschiedene, entschlossene Nachfolger Christi. Deshalb wäre es von riesigem Gewinn, wenn wir wieder beginnen würden, Edwards zu lesen, von ihm zu lernen und uns mit seiner Entschiedenheit der Nachfolge Jesu hinzugeben.


Die große Erweckung
Nach seinem stellvertretenden Predigtdienst in New York ging er zurück nach Yale, wo er als Tutor arbeitete. Das heißt, er half einer Anzahl von Studenten bei Fragen, die das Studium oder auch die persönliche Entwicklung betraf. Dort arbeitete er und konnte in seiner Freizeit weiter seinen Studien nachgehen. 1727 wurde er als Helfer und Nachfolger für seinen Großvater Solomon Stoddard nach Northampton berufen. In diesem Jahr heiratete er Sarah Pierrepont, die auch aus einer wichtigen Predigerfamilie stammte. 1729 starb Solomon Stoddard, von nun an war Edwards allein für die Gemeinde in Nothampton verantwortlich. Zwei Jahre danach begann eine Bewegung im Ort: Die Menschen begannen vermehrt nach dem Glauben zu fragen. Die Kneipe wurde kaum noch besucht, dafür wurde an allen Orten von Gott und seinem Wirken gesprochen. Interessant ist, dass in jener Zeit in vielen Orten Amerikas eine ähnliche Bewegung begann, die ihren gemeinsamen Höhepunkt in den Jahren 1741 und 1742 hatte. Diese Zeit nennt man „The Great Awakening“ (die große Erweckung).

In jener Zeit hatte Edwards seine berühmteste Predigt gehalten, nämlich „Sinners in the Hands of an angry God“ (Sünder in den Händen eines zornigen Gottes). Eine der größten Herausforderungen von Edwards, die sich jedoch auch uns heute stellt, ist die Frage, wie man das, was die Bibel lehrt, möglichst verständlich erklären kann. Die Bibel lehrt den Zorn Gottes über Sünder, die nicht bereit sind, Buße zu tun. Deshalb muss man den Menschen dies so klar machen, dass sie es verstehen und sich zu Herzen nehmen. So predigt er über 5. Mose 32,35: Der Gott, der dich über dem Abgrund der Hölle festhält, so, wie man eine Spinne oder ein widerliches Insekt über das Feuer hält, ist furchtbar provoziert: Sein Zorn gegen dich brennt wie ein Feuer; er sieht, dass du nichts anderes verdienst, als ins Feuer geworfen zu werden; […] Du hast ihn unendlich mehr beleidigt, als ein Rebell jemals seinen Fürsten beleidigen könnte; und es gibt nichts außer Seiner Hand, was dich halten könnte, sodass du nicht jeden Moment ins Feuer fallen könntest.“iii

Die Auswirkungen dieser Predigten waren groß. Viele Menschen wurden sich plötzlich schlagartig der Heiligkeit Gottes bewusst, ebenso aber auch, dass sie selbst Sünder waren und welch eine große Kluft sich zwischen ihnen und dem herrlichen Gott befindet. Manche begannen zu weinen, andere schrien in ihrer Erkenntnis auf, wieder andere lachten und freuten sich, dass sie die Erlösung annehmen durften. Das führte aber auch zu Problemen, denn es tauchte die Frage auf, inwieweit diese Gefühle tatsächlich die Echtheit eines Glaubens bezeugen konnten. In der Auseinandersetzung mit dieser Frage entstand eines seiner wichtigsten Werke: „Religious Affections“ (Religiöse Gefühle). Hierzu muss man vorausschicken, dass Edwards wohl der Letzte gewesen wäre, der die Gefühle als solche grundsätzlich verdammt hätte. Für ihn gehören Gefühle zum Glauben wie das Wasser zum Fisch. Dies wird auch in seinen Resolutions deutlich. Gefühle führen zu Handlungen, deshalb müssen die richtigen Gefühle gefördert werden. Ein Glaube, der nur aus den richtigen Gedanken und Bekenntnissen besteht, ist für Edwards gar kein Glaube. So schreibt er zu der Haltung, die alle Gefühle verwirft: „Statt glaubensmäßige Regungen ohne Prüfung zu schätzen und zu bewundern, verwirft und verachtet man sie ohne Prüfung. Hierin erkennt man die List Satans … Er weiß genau, dass er auf diese Weise alle Frömmigkeit zu einem rein äußerlichen Formalismus ohne jedes geistliche Leben machen und die Kraft der Gottseligkeit samt allen geistlichen Sachverhalten ausschließen kann. So wird allem wahren Christentum die Tür verschlossen.“iv

Man kann aber auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen. In der Zeit der großen Erweckung gab es zahlreiche Menschen, die Predigten vor allem um der Gefühle willen aufgesucht haben. Manche haben gar nicht mehr richtig gearbeitet, weil sie so verrückt nach diesen Gefühlen waren, die manche Predigten hervorriefen. So geriet die Erweckung als Ganzes ins Kreuzfeuer. Edwards hielt deshalb auch einmal eine Predigt, in der er die Kennzeichen der echten Erweckung nannte: „1. stärkt sie in den Menschen die Hochachtung vor Jesus als Sohn Gottes und Retter der Welt. 2. führt sie dazu, dass sie sich von ihren Verderben und Begierden weg der Gerechtigkeit Gottes zuwenden. 3. verstärkt sie ihre Achtung vor der Heiligen Schrift. 4. erbaut sie ihren Verstand in den objektiven Wahrheiten des offenbarten Glaubens. 5. erweckt sie echte Liebe zu Gott und den Mitmenschen.“v Auch hier ist es an der Zeit, von Jonathan Edwards zu lernen, wenn wir uns Erweckung wünschen. Sein Predigtstil hatte sich immer mehr dem Werk des Heiligen Geistes angepasst, von dem der Herr Jesus sagte: „Und wenn jener kommt, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und vom Gericht.“ (Johannes 16,8) Edwards hatte erkannt: Wenn wir Erweckung wollen, so müssen wir mit dem Geist Gottes zusammenarbeiten.

Ein Streit und seine Folgen
Als Jonathan Edwards die Gemeinde in Northampton übernahm, war dort von seinem Großvater die Praxis gewesen, dass jeder beim Abendmahl teilnehmen durfte, der nicht gerade in auffälliger Sünde gelebt hatte. Dazu muss man natürlich wissen, dass in jener Zeit das Abendmahl nicht ein Teil des Gottesdienstes war, sondern eine gesonderte Veranstaltung, die alle acht Wochen stattfand. Zu dieser wurden nur die Personen hereingelassen, die für sich eine Zulassung erbeten hatten. Nun ging es um die Frage, wer diese Zulassung bekommen sollte. Solomon Stoddard hatte die Gemeinde aufgefordert, dass möglichst viele zu dieser Veranstaltung kommen mögen. Er verstand das Abendmahl als etwas, was auch zur Bekehrung hinführen kann. Die einzige Bedingung, die er festlegte, war ein gottgemäßes Leben. Im Laufe seines Dienstes und seiner zunehmenden Erkenntnis von Gottes Wort kam Jonathan Edwards zu einem anderen Ergebnis. Er erkannte, dass das Abendmahl für die vorbehalten ist, die bereits gläubig sind. Seinen Grundsätzen folgend, wollte er möglichst keine Zeit verlieren und eine neue Ordnung für die Zulassung erstellen. Mit diesem Wunsch kam eine Kontroverse zum Vorschein, die untergründig schon länger am schwelen war. Es gab einige, die mit Edwards unzufrieden waren, und diese Frage als Anlass nahmen, nun offen gegen ihn zu arbeiten. Ein Gemeindeausschuss konnte sich nicht einmal einigen, ob Edwards zu dem Thema eine öffentliche Veranstaltung einberufen durfte oder nicht. So sah er als einzigen Ausweg die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge schriftlich festzuhalten. Was entstand, war ein Buch, von dem er verlangte, dass alle, die abstimmen wollten, wie es mit der Gemeinde weitergehen sollte, dieses zuerst lesen müssten. Kurze Zeit darauf wurde er in Northampton abgewählt und trat im Juli 1750 von seinem Amt zurück.

Hier sehen wir einen der Charakterzüge, die es ihm in seinem Beruf wohl oft nicht leicht machte. Er war sehr hilfsbereit und hatte auch oft und viele Gäste bei sich, aber in erster Linie brannte er für Gott und für die Heiligung seiner Gemeinde. Wo er etwas Neues erkannt hatte, musste es möglichst schnell umgesetzt werden. Da kam wohl seine Gemeinde nicht mehr hinterher, was zu Konflikten führte. Auch hier können wir von ihm lernen. Es braucht Geduld, um eine ganze Gemeinde dorthin zu führen, dass sie mit solch gravierenden Neuerungen einverstanden ist. Vergleichbar ist dieser Konflikt zum Beispiel mit unseren heutigen Fragen nach dem Musikstil in der Gemeinde.

Das Ende und Erbe eines Gottesmannes
Nachdem er von seinem Amt in Northampton zurückgetreten war, zog er nach Stockbridge um. Dies war ein kleiner Ort, der am Rande der Wildnis lag. Hier übernahm er eine kleine Gemeinde von Siedlern und half in der Indianermission mit. Die Zeit dort war recht schwierig, denn er litt an finanziellen und auch gesundheitlichen Nöten. Außerdem hatte er auch dort Gegner, die sich gegen ihn wandten. Theologisch gesehen war die Zeit nach dem Rücktritt in Northampton die erfolgreichste, denn in dieser Zeit fand er Gelegenheit, um verschiedene Werke fertigzustellen und zu schreiben. Im Alter von 55 Jahren starb er am 22. März 1758.

Die Yale-Universität hat die ganzen Werke von Jonathan Edwards in 73 Bänden herausgegeben. Das ist ein immenses Erbe, das wir dankbar annehmen dürfen. Seine Biographie des Indianermissionars David Brainerd hat in vielen Generationen dazu geführt, dass sich junge Menschen für die Mission begeistern ließen. Seine Schriften zur Erweckung können uns auch heute helfen, wenn wir uns Erweckung wünschen. Seine Auseinandersetzungen mit dem freien Willen zeigt auch uns, wo die Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Willens liegen. Und dass uns seine „Resolutions“ zu einem hingegebenen, christuszentrierten und dienstbereiten Leben anspornen mögen, das ist mein Gebet.

Soli Deo Gloria – Gott allein die Ehre!


Quellenangaben:
i Jonathan Edwards, Personal Narrative in: Murray, Iain H., Jonathan Edwards – ein Lehrer der Gnade und die große Erweckung, Christliche Literaturverbreitung, Bielefeld, 2011, S. 71
ii Jonathan Edwards, Resolutions, eigene Übersetzung
iii Jonathan Edwards, The Works of Jonathan Edwards Volume Two, Sinners in the Hands of an Angry God, eigene Übersetzung
iv Jonathan Edwards, Religious Affections in: Murray, Iain H., Jonathan Edwards – ein Lehrer der Gnade und die große Erweckung, Christliche Literaturverbreitung, Bielefeld, 2011, S. 331
v Lawson, Steven J., The Unwavering Resolve of Jonathan Edwards, Reformation Trust Publishing, Orlando, Florida, 2008, S. 13, eigene Übersetzung

Mittwoch, 19. Juni 2013

Familie als gesellschaftliches Konstrukt

Nachdem mit dem ganzen Genderismus-Wahnsinn das menschliche Geschlecht dekonstruiert wurde, muss nun - wie könnte es auch anders sein - die Familie als nächstes Opfer dran glauben. Gut versteckt hinter soziologischen Begriffen (man spricht nicht mehr von "familiär", sondern von "familial") lautet der Befehl zur kompletten Destruktion der Familie im EKD-Papier von heute "Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken" nun so:

"Wir bringen tradierte Bilder und Vorstellungen von Familie mit, aber Familie ist kein fixes Gebilde, sondern eine alltägliche Gestaltungsaufgabe, die uns in jeder Lebensphase neu herausfordert und neue Erfahrungen mit sich bringt." (S. 21)

In perfekter Übereinstimmung mit dem postmodernen Dogma, dass Sprache immer Konstruktion sei, wird uns so nach und nach das ganze Leben gestohlen und neu definiert. Nachdem nun seit Längerem die Abtreibung in den frühen Schwangerschaftswochen legalisiert ist, kann es nicht mehr allzu lange dauern, bis auch da dieses "gesellschaftliche Konstrukt der Abtreibung" neu definiert und auf postnatale Schwangerschaftsabbrüche erweitert werden muss. Die Zeit wird es zeigen...

Wie dankbar bin ich da für die klaren Worte von Paulus, mit denen er uns anleitet, gerade NICHT mit dem jeweiligen Zeitgeist zu gehen:

"Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst! Und paßt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist." (Römer 12, 1 - 2)

Montag, 17. Juni 2013

60 Jahre nach dem Aufstand in der DDR

Heute vor 60 Jahren - am 17. 06. 1953 - war der große Aufstand in der DDR. Ein Aufstand, der in erster Linie ein Kampf um die Freiheit war. Ein Aufstand gegen das Mehr an Staat, gegen die Zentralisierung der Bestimmungen und gegen die Einschränkungen der freien Marktwirtschaft, welche unter anderem durch Steuererhöhungen darauf abzielte, dass möglichst viele Selbständige wegen Armut ihre Selbständigkeit aufgeben mussten. 60 Jahre später werden die Aufständischen als Helden gefeiert. Sie sind es auch. Sie haben den Mut gehabt, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um für die Freiheit zu kämpfen. Einige haben ihr Leben gelassen bei diesen Demonstrationen. Andere sind mit Verletzungen davongekommen. Der damaligen Regierung hat der Aufstand vor allem eines gezeigt: Dass das System der Überwachung noch deutlich weiter ausgebaut werden muss.

Heute, 60 Jahre später, braucht es kein Ministerium für Staatssicherheit mehr. Heute ist die Überwachung der Bürger durch computergesteuerte Algorithmen perfektioniert. Datenkraken sammeln online zu Millionen ihr Futter und werten es aus. Und der Bürger? Der sitzt vor dem Bildschirm und feiert die Helden von 1953. Und vergisst natürlich keineswegs, sich über die sozialen Netzwerke anzumelden und so die modernen Akten der Staatssicherheit 2.0 möglichst ausführlich up to date zu halten.