Donnerstag, 26. Januar 2017

Wie man ein Schiff kapert...


...und keiner es merkt, bis es zu spät ist.

Man stelle sich vor: Da ist eine Gruppe von Seeräubern, die ein Schiff übernehmen will, aber nicht im Kampf auf offener See; vielleicht schon deshalb, weil diese Gruppe kein eigenes Schiff hat. Was macht sie? Sie ist an Land und lässt sich anheuern. Der erste Schritt ist derjenige der Einheit mit der echten Mannschaft. Die Seeräuber rufen nach Frieden und Toleranz. „Dass wir Augenklappen und Holzbeine haben, tut nichts zur Sache. Ihr solltet uns vielmehr unterstützen und anheuern, damit wir nicht mehr ausgeschlossen und intolerant behandelt werden.“ Keiner lässt sich anmerken, was der Zweck der Sache ist. Sollte jemand Bedenken äußern, kommt der Verweis auf die gemeinsame Stärke: „Zusammen können wir mehr erreichen und mehr Einfluss auf das Boot und die See haben.“

In vielen Gesprächen unter vier (oder müsste man sagen unter drei?) Augen wird Zweifel am Kapitän geäußert. Immer mehr nimmt die Unzufriedenheit zu, bis eines Tages eine Meuterei ausbricht. Wenn die Zahl der Unzufriedenen groß genug ist, kann der Kapitän durch einen Seeräuber ersetzt werden. Noch werden die restlichen Leute der Mannschaft als einfache Mitarbeiter toleriert. Schon bald stehen sie aber vor der Frage, ob sie bereit sind, nur noch dem neuen Kapitän gegenüber loyal zu sein. Wer sich weigert, geht kurzerhand über Bord und wird den Haien zum Fraß vorgeworfen. Wer jetzt noch auf dem Schiff ist, der ist selbst zum Seeräuber geworden. Das Ganze ging ohne Gewalt, ohne jedes Aufsehen und ganz „natürlich“.

Die neuere Kirchengeschichte ist voll von diesem Vorgehen. So ähnlich erging es etwa der Presbyterianischen Kirche, die sich von John Gresham Machen distanzierte und leider stattdessen eine liberale Theologie übernahm, wodurch sie sich selbst zerstörte. Weitere Beispiele werden sich auch heute zur Genüge finden.


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