Montag, 25. März 2013

Das Jubeljahr und unsere Ökonomie

Das biblische Jubeljahr und die moderne Ökonomie

In 3. Mose 25 finden wir das so genannte „Jubeljahr“ oder „Halljahr“, das so genannt wird, weil es mit Schopharhörnern eingeläutet wird. Es gibt immer wieder Menschen, die versuchen, das biblische Prinzip dieses Halljahres auf die moderne Ökonomie anzuwenden und daraus die Forderung zu stellen, dass Länder anderen Ländern Schulden vergeben sollen.

Ich möchte hier mal in aller Kürze skizzieren, was das Jubeljahr in Wirklichkeit war, und warum man es nicht auf unsere heutige ökonomische Situation übertragen darf, bzw. kann. Noch viel mehr Probleme bereiten allerdings die falschen Vorstellungen, die an diesen Bibeltext geknüpft werden.

Am besten ist, man liest an dieser Stelle das vorliegende Kapitel mal selbst durch. Das hilft, die weiteren Ausführungen besser zu verstehen, da ich mich dabei eher kurz fassen werde.

Was ist der Hintergrund zum Jubeljahr?
Israel stand am Fuße des Berges Sinai, hatte die Zehn Gebote bekommen und die Stiftshütte gebaut, die Priester eingesetzt und stand jetzt kurz davor, weiter zu ziehen, um das Verheißene Land einzunehmen. Von der Einnahme und Verteilung berichtet das Buch Josua. Jede Familie bekam ein Stück Land, je nachdem, wie groß die Familie war und was sie brauchten. Sie hatten dann den Auftrag, dieses Stück Land zu bebauen, Vieh zu züchten und von all diesem zu leben. Für den Fall aber, dass eine Familie eine schlechte Ernte einbrachte oder das Vieh an einer Seuche starb, brauchte es Regeln, wie man in dem Fall mit derjenigen Familie umgehen soll. Das Ziel ist, dass dabei jede Familie letzten Endes wieder die Möglichkeit hatte, ihre Schulden zu bezahlen und wieder selbständig zu werden. Dafür war jenes Halljahr da. Der zentrale Vers ist V. 13: „In diesem Halljahr soll jeder wieder zu seinem Eigentum kommen.“ Damit ist aber nicht alles gesagt. Es gibt Regeln, die dafür sorgen sollten, dass keiner jemand anderes übers Ohr hauen konnte. Diese sind alle in 3. Mose 25 beschrieben.

Sieben Gründe, weshalb das nicht auf unsere Weltwirtschaft bezogen werden darf:
1. Es darf nur der nächste Blutsverwandte das Land kaufen. Das ist ganz wichtig. Es steht ganz klar in 3. Mose 25, 25 geschrieben. Und weil ein Land aus vielen Menschen besteht, kann kein einzelner nächster Blutsverwandter ausgemacht werden.
2. Es gilt nur für privates Eigentum. Da Staaten so genannt öffentliches oder allgemeines Eigentum haben, kann das nicht auf Staaten bezogen werden.
3. Der Kaufpreis ist abhängig vom letzten Halljahr. Wenn jemand es kaufen will, dann ist der Preis davon abhängig, wie viel Zeit zwischen dem letzten und dem nächsten Halljahr noch liegt. Eine solche Regelung kennt niemand heute, deshalb lässt sich auch kein Preis vereinbaren.
4. Das Halljahr dient gar nicht der Erlassung von Schulden, sondern der Bezahlung derselben. Gerade das wird ja oft behauptet, dass im Halljahr Schulden erlassen würden. In Wahrheit ging es aber darum, dass jemand fähig wird, seine Schulden durch zeitlich überlassenes Land und Arbeitskraft zu bezahlen.
5. Das Halljahr dient nicht dazu, finanzielle Gleichheit zu sichern. Wer vorher reich war, konnte auch nach dem Halljahr weiter reich werden. Überhaupt hat Gott die Menschen mit unterschiedlicher Fähigkeit, mit Geld umzugehen, ausgestattet. Der Eine verdient immer viel, weil er ein gutes Gefühl für gute Geschäfte hat, der andere weniger.
6. Das Halljahr zeigt gerade, dass privates Eigentum wichtig ist. Gerade dadurch, dass dieses Land, das jemand gegen einen Preis übernimmt, um jemand anderem in finanzieller Not zu helfen, wieder an den ersten Besitzer zurückgegeben werden muss, wird deutlich, wie wichtig Gott der Besitz und die Verwaltung von privatem Eigentum ist.
7. Das Gesetz vom Halljahr gilt nur für Israel. Gerade die unterschiedliche Behandlung von Israeliten und Nichtisraeliten zeigt das. Nachzulesen in 3. Mose 25, 45. Deshalb sollten wir uns hüten, aus diesen Bestimmungen eine universale Regel für heutige Weltökonomie abzuleiten. Was wir daraus ableiten dürfen und sollen, ist natürlich die Wertschätzung der einzelnen Person, der verwandtschaftlichen Bindung, des privaten Eigentums und der Gerechtigkeit, die eben nicht auf Erlass, sondern auf Bezahlung von Schulden besteht.

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