Mittwoch, 21. September 2011

Fromm-fröhliches Solochristentum

Lasset uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung, ohne zu wanken (denn er ist treu, der die Verheißung gegeben hat); und lasset uns aufeinander achten, uns gegenseitig anzuspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie etliche zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so viel mehr, als ihr den Tag herannahen seht! (Hebräer 10, 23 - 25)


Wir leben in einer Zeit, in welcher man meinen könnte, die Gemeinde sei eine überholte Institution für Ewiggestrige. Der heutige Christ kann sich seine Predigten im Internet anhören, kann ganze Gottesdienste im Fernsehen verfolgen oder im Radio anhören. Je mehr diese Tendenz zunimmt, desto mehr fragt sich der einzelne Mensch aber auch: Was kann Gott für MICH tun? Ich, Mich, Mir und Mein bestimmen unser Denken. Dabei vergessen wir viel zu schnell, dass in all den Bildern, die Jesus und die Apostel vom Christsein gebrauchen, gar nicht so sehr auf den Einzelnen bezogen sind. Nehmen wir zum Beispiel das Gleichnis Jesu vom Guten Hirten, der das hundertste Schäflein suchen geht. Da ist es normal, dass die Herde beisammen bleibt. Das einsame, fromm-fröhliche Soloschäflein ist hier ungehorsam und muss wieder zur ganzen Herde gebracht werden. Im Epheserbrief gebraucht Paulus das Bild einer geistlichen Armee, die gegen die Mächte des Bösen kämpft. Sie ist für den Kampf als gesamte Armee ausgerüstet und nicht für den Nahkampf einzelner Soldaten. Wer so ausgerüstet ist, wie Paulus dies im Epheser 6 beschreibt, wird allein keine große Chance haben, einen Kampf zu überstehen. Gott hat sich nie gedacht, dass das Solochristentum eine legitime Form des Glaubens sein kann. Ein einzelner Stein, so schön er auch zugehauen ist, und so passgenau er auch ist, er macht kein geistliches Haus aus, wie Petrus dies im zweiten Kapitel seines ersten Briefes beschreibt.

Nein, Gott hat klar festgelegt, dass jeder Gläubige eine Heimat, ein Zuhause, eine Gemeinde braucht. Wer dies nicht einsehen will, beweist damit nur, dass er Gottes Plan noch nicht verstanden hat. Die Gemeinde hat eine ganz zentrale Funktion im Plan Gottes, und deshalb haben wir alle auch die Verantwortung, ein Vorbild in Bezug auf unsere Treue zu unserer Ortsgemeinde zu sein und andere damit anzureizen und zu ermahnen, ihre Gemeinde nicht zu verlassen. Ich möchte hier in aller Kürze versuchen zu umreißen, weshalb wir alle ein geistliches Zuhause brauchen, eine Ortsgemeinde, der wir uns verbindlich anschließen:


1. Die Gemeinde ist Gottes Rettungsanstalt für die Welt. Gott hat das aktive Hören der Predigt in der Gemeinde als Mittel zur Rettung eingesetzt (Römer 10, 17). Dies ist die einzige von Gott offiziell verordnete Möglichkeit, um gerettet zu werden. Die Predigt ist nur vor Ort in der Gemeinde dynamisch und kräftig und dazu geschaffen, um verlorene Sünder zu Heiligen im Herrn zu machen. Wo eine Gemeinde vorhanden ist, und diese Möglichkeit (aus welchen Gründen auch immer) nicht genutzt wird, ist absolut keine Entschuldigung für den fehlenden Glauben zu finden. Auch wenn uns, die wir vielleicht bereits zum Glauben gekommen sind, der Glaube in einer bestimmten Situation fehlt oder abhanden gekommen ist, so ist die Predigt in der Ortsgemeinde der von Gott dafür verordnete Ort.


2. Die Gemeinde ist von Gott dafür eingesetzt, damit wir in der Liebe und in der Mündigkeit wachsen. Gottes Absicht mit der Gemeinde ist es, dass dort viele verschiedene gerechtfertigte Sünder aufeinander treffen und aneinander Liebe lernen. Dies ist sehr oft mit schweren Enttäuschungen verbunden, weil wir vielleicht Dinge erleben müssen, von denen wir denken, dass wir von Gläubigen etwas Besseres erwarten dürften. Solche zu hohen Erwartungen, gepaart mit schweren Verletzungen, helfen uns, Menschen besser kennen und einschätzen zu lernen. Außerdem ist die Gemeinde auch der Ort, an welchem wir in unserer Mündigkeit wachsen dürfen. Mündigkeit bedeutet, dass wir lernen, alle Dinge aus der Sicht Gottes zu sehen und zu beurteilen.


3. Die Gemeinde ist der Ort, an welchem wir unsere Gaben und Talente einsetzen dürfen. Jede und jeder von uns hat bestimmte Gaben und Talente von Gott bekommen. Dies sind Aufgaben, die wir gut und gerne machen. Sie alle gehören zuerst der Gemeinde, sobald wir dem Herrn Jesus gehören. Die Gemeinde ist der Leib Christi, also der Körper des Herrn Jesus Christus. Und wenn wir Ihm dienen wollen, so tun wir dies in der Gemeinde. Dort sind wir Hände und Füße des Herrn Jesus, mit denen wir gemeinsam die Welt als Salz und Licht verändern. Ein Lichtfünklein und ein Salzkörnchen bleibt unbemerkt. Erst durch den gemeinsamen Dienst in der Welt wird diese aufmerksam auf die Liebe des Herrn.

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