Freitag, 16. September 2011

Der Hinduismus aus biblischer Sicht

Es ist nicht ganz einfach, in der heutigen Zeit den Hinduismus zu verstehen. Wenn man mit Hindus zusammenkommt, ist es aber wichtig, ein wenig über diese Religion zu wissen. Hinduismus ist eine Religion der inneren Widersprüche – zumindest für unsere Vorstellung. Jede Lehre und jeder Kult hat darin Platz und wird von anderen Hindus (auch wenn sie diese nicht annehmen) toleriert. Es gibt sozusagen unendlich viele Erlösungswege und -möglichkeiten. Jeder kann sich seinen Weg aussuchen und danach leben. Jeder kann sich aussuchen, ob er an viele Götter, nur einen Gott oder gar keinen Gott glauben will. Manche wählen den Weg der Askese und der Meditation, andere suchen ihr Heil in ekstatischen Erlebnissen. Später mehr dazu. Was ist es denn, was die Hindus gemeinsam haben? Da sind drei wichtige Dinge:

Erstens kann man nur Hindu sein, wenn man als solcher geboren wird. Nur wer in einem der Stände des hinduistischen Kastensystems hineingeboren wurde, kann Hindu sein. Es gibt vier bis fünf Stände der Hindus: Brahmanen sind Priester-Lehrer. Sie leben nur von den Geschenken ihrer Schüler und ihre Aufgaben sind: Geschenke annehmen, die Veden vorlesen und auslegen und der Opferdienst in den Tempeln. Brahmanen sind der oberste Stand der Hindus. Der zweite Stand ist derjenige der Krieger, Feldherren Könige (Kshatriyas). Sie arbeiten nur als Regierungsbeamte, Könige und Soldaten im Kriegsfall und leben von den Steuerabgaben. Der dritte Stand ist der Nährstand (Vaishyas): Sie sind Händler, Bauern, Handwerker, und so weiter. Der vierte Stand sind die Diener (Shudras). Sie sind die Fabrikarbeiter, Küchenhilfen, Lastenträger, Töpfer, etc. Sie sind die unterste Kaste und dürfen zum Beispiel nicht in den Veden lesen oder sie vorgelesen bekommen. Die unterste Bevölkerungsschicht sind die Kastenlosen (Parias). Niemand darf sie berühren, weil er sich sonst verunreinigen würde.


Zweitens muss jeder Hindu die Veden irgendwie in sein Glaubenssystem einbauen. Wie ist letzten Endes egal, Hauptsache sie sind irgendwo integriert. Veda bedeutet „göttliches Wissen“ und bezeichnet die heiligen Schriften der Hindus. Sie sind seit ca. 2000 v. Chr. Bekannt und die Hindus behaupten, sie hätten keinen Verfasser. Darin enthalten sind Erzählungen von den Göttern, wie sie zum Beispiel für die Bewegung und Erhaltung des Lebens sorgen, etc. Ob man sie aber als personale Götter sieht oder lediglich als göttliche Kräfte, kann jeder Hindu selbst auswählen.


Drittens muss jeder Hindu am Dharma festhalten. Der Dharma ist das Weltgesetz, das den ganzen Kosmos zusammenhält und sozusagen „regiert“. Er beinhaltet das Gesetz des Karma, das besagt, dass jede Tat einen Einfluss auf unsere Zukunft hat, vor allem auf das nächste Leben, in das wir „wiedergeboren“ (Reinkarnation) werden. Das bedeutet zum Beispiel: Wer als Kastenloser geboren wird, ist selbst schuld und verdient kein Mitleid, denn das hat er sich selbst zu verdanken, da er in seinem letzten Leben zu viele schlechte Taten vollbracht hat. Jedes Lebewesen (von den Göttern zu oberst bis hinab zu den Pflanzen) hat je nach seiner Ordnung, in die er hineingeboren wurde, seine spezifischen Pflichten. Ein Brahmane hat zum Beispiel als Pflicht unter anderem, Geschenke anzunehmen. Ein Kshatriya hat die Pflicht, die unteren Stände finanziell auszubeuten mit Steuern und Abgaben. Jemand im Nährstand hat die Pflicht, seine Steuern zu zahlen und Geschenke zu machen. Wer seine Pflichten nicht treu einhält, wird im nächsten Leben mit einer Geburt im „tieferen Level“ sozusagen bestraft. Je tiefer unten man ist, desto mehr Wiedergeburten ist man noch von der Erlösung entfernt.


Da sieht man, dass der Hinduismus trotz seiner toleranten Haltung gegenüber allen Lehren eine total harte und unbarmherzige Religion ist. Was aber versteht der Hindu unter der Erlösung? Für den Hindu ist der Gedanke an ein ewiges Leben eine absolute Qual: Ist doch die Existenz nichts anderes als ein ewiger Kreislauf der Reinkarnationen. Somit ist für ihn die wahre Erlösung das Eintreten in die Nichtexistenz. Für ihn ist der Körper das Gefängnis der Seele und er wünscht sich, dass die Seele einmal nach einem körperlichen Tod nicht mehr in einen neuen Körper hineinkommen muss. Das ist wichtig zu wissen, wenn wir mit einem Hindu über die Erlösung sprechen. Wenn ein Hindu erlöst werden will, dann kann er zwischen drei Haupterlösungswegen aussuchen: Entweder er nimmt irgend einen beliebigen Hindugott (deren soll es 330 Millionen geben) und bringt diesem möglichst viele Opfer und rituelle Gebete dar, oder er sucht den Weg der Askese und Selbstdisziplin sowie Meditation oder er kann den dritten Weg der Ekstase wählen, in der er so lange durch wilde Tänze und das Anrufen einer bestimmten Gottheit verharrt bis er sich ganz als diese Gottheit fühlt, also sozusagen eins wird mit der Gottheit, mit ihr verschmilzt und dadurch die Erlösung erfährt. Wer einmal auf diese Art mit einer Gottheit eins geworden ist, so glaubt der Hindu, kann seine Erlösung nicht mehr verlieren. Sein einziges Ziel besteht von nun an darin, andere zu lehren, wie sie durch seinen Heilsweg gerettet werden können. Üblicherweise sind die Hindus überzeugt, dass fast nur Leute in der Brahmanenkaste erlöst werden können, die in den Krieger- und Ernährerkaste eventuell auch aber nur äußerst schwer, alle darunter müssen sich zuerst Leben für Leben und Kaste für Kaste „hocharbeiten“ um in die Reichweite der Erlösung zu kommen.


Nun wollen wir uns Gedanken machen, was die Bibel zu dieser Religion zu sagen hat und wo wir als Christen im Gespräch anknüpfen können. Wenn wir mit einem Hindu sprechen, darf uns überhaupt nichts überraschen. Noch einmal: Es ist möglich, jede andere Religion oder Philosophie zu einem guten Stück weit in den Hinduismus einzubauen. Wenn jemand sagt: Ich bin Hindu, aber ich habe den Jesus der Bibel zu meinem Gott gemacht, so bedeutet das noch lange nicht, dass er wirklich gläubig geworden ist. Das gibt es nämlich recht häufig, dass ein Hindu zufällig mal in der Bibel las und dann Jesus einfach ein wenig in seine hinduistische Philosophie eingebaut hat. Ein Hindu glaubt nämlich einiges, was nicht mit der Bibel übereinstimmt:


-Die Welt hat keinen Anfang und kein Ende (die Bibel lehrt, dass Gott die Welt erschaffen hat!)

-Der Mensch kann sich durch seine guten Taten hocharbeiten und letztendlich auch selbst erlösen (die Bibel lehrt, dass kein Mensch sich selbst erlösen kann!)

-Der Mensch ist von Grund auf gut und fähig zu einem moralisch guten Leben (die Bibel lehrt, dass der Mensch von Geburt auf gefallen und verderbt ist durch die Erbsünde und aus sich zu keinem guten Werk fähig ist, das Gott gefällt)

-Die Götter sind nicht allmächtig, sondern nur länger lebende und höher entwickelte Menschen (die Bibel lehrt, dass Gott allmächtig ist und über alles erhaben, über alle Schöpfung und alle Naturgesetze auch mit geschaffen hat)

-Einzig das Dharma, das Weltgesetz, nach dem alles funktioniert und sich in sich selbst erhält, ist allmächtig (die Bibel lehrt, dass Gott personal ist und kein „Weltgesetz“)

-Jeder Mensch ist austauschbar und hat keinen persönlichen eigenen Charakter (die Bibel lehrt, dass jeder Mensch einzigartig und als Person mit eigenem Charakter, etc. geschaffen ist)

-Wer in seinem Leben keine moralisch absolute Perfektion schafft – die durch Opfer ausgeglichen werden kann – wird immer wieder in einem neuen Leben in dieser Welt hineingeboren (die Bibel lehrt, dass es jedem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, dann aber das Gericht kommt)

-Die Erlösung besteht im Eintreten in die Nichtexistenz oder absolute Auflösung des Seins (die Bibel lehrt, dass die Erlösung im ewigen Leben besteht)


Wo können wir also anknüpfen?

-beim personalen Gott der Bibel

-bei der Allmacht Gottes

-beim personalen Menschenbild der Bibel (Menschen mit unterschiedlichen Begabungen, etc.)


Und vor allem:


Lasst den Hindu in euer Leben hineinsehen, seid authentisch und lebt den Glauben kompromisslos!

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