Freitag, 8. Juli 2011

Der Wächterruf

Menschensohn, rede zu den Kindern deines Volkes und sage ihnen: Wenn ich das Schwert über ein Land bringe, so nimmt das Volk des Landes einen Mann aus seiner Mitte und bestimmt ihn zu seinem Wächter. Wenn nun dieser das Schwert über sein Land kommen sieht, so stößt er ins Schopharhorn und warnt das Volk. Wenn dann jemand den Schall des Schopharhornes hört und sich nicht warnen lassen will, und das Schwert kommt und rafft ihn weg, so kommt sein Blut auf seinen Kopf; denn da er den Schall des Schopharhornes hörte, sich aber nicht warnen ließ, so sei sein Blut auf ihm! Hätte er sich warnen lassen, so hätte er seine Seele gerettet. Wenn aber der Wächter das Schwert kommen sieht und nicht ins Schopharhorn stößt und das Volk nicht gewarnt wird und das Schwert kommt und einen von ihnen wegrafft, so wird derjenige zwar um seiner Sünde willen weggerafft, aber sein Blut werde ich von der Hand des Wächters fordern. (Hesekiel 33, 2 - 6)

Diese Verse gehen mir seit vielen Jahren nach. Gott setzt Wächter ein. Hesekiel war so einer für das Volk Israel. Im Grunde ist jede und jeder von uns solch ein Wächter oder eine Wächterin für unsere Mitmenschen. Wie oft sehen wir, wie unsere geliebten Mitmenschen, Angehörige, Verwandte, Bekannte, gute Freunde, Nachbarn, Kollegen und so weiter, in ihr Verderben rennen. Sei es, dass sie ihre Ehe ruinieren, sei es, dass sie sich in falsche Abhängigkeiten, Süchte, Egoismus verstricken lassen, dass sie von Gott weglaufen und nichts mit IHM, dem Herrn der Herrn, zu tun haben wollen. Wir müssen nicht auf eine besondere Berufung warten, denn die Berufung besteht darin, dass wir das Schwert sehen über ihren Köpfen. Dadurch, dass wir das Unheil sehen, in das unsere Mitmenschen geradewegs hineinlaufen, sind wir von Gott bereits zum Wächterdienst berufen.
Ein Wächterdienst besteht aus zwei Teilen. Der eine Teil ist es, "in den Riss zu treten". Das bedeutet: Fürbitte zu tun für diese Menschen. Für sie zu beten, dass sie die Wahrheit erkennen und dem Schwert, das drohend über ihnen hängt, entfliehen können. Der zweite Teil ist der Wächterruf. Er besteht darin, dass wir diesen Menschen in Liebe aber mit klaren, deutlichen Worten erklären, welch ein Damoklesschwert über ihren Köpfen hängt, gar nur noch an einem seidenen Faden befestigt, der jederzeit reißen kann. Es ist unser Auftrag, ihnen dies klar zu machen, denn Gott hat uns zum Wächterdienst berufen. Man kann es aber auch Kain nachmachen, der fragte: "Bin ich denn meines Bruders Hüter?" Ja, du bist es. Ich bin es. Wir alle sind vor Gott füreinander verantwortlich. Wir dürfen es nicht auf die leichte Schulter nehmen, dass Gott uns mitteilen lässt: Wenn wir nicht ins Horn stoßen und deutlich machen, dass ein Unheil droht, so sind wir an diesem Unheil mitschuldig geworden. Sei mutig und geh voran als Wächter im Namen des HERRN!

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