Samstag, 27. Mai 2017

Ein bisschen Glauben gibt es nicht

Böcking, Daniel, Ein bisschen Glauben gibt es nicht: Wie Gott mein Leben umkrempelt, Gütersloher Verlagshaus, 2015, Verlags-Link, Amazon-Link

Zunächst einmal vielen Dank an das Gütersloher Verlagshaus für das Zur-Verfügung-Stellen eines Rezensionsexemplars des vorliegenden Buches.

Dass der stellvertretende Chefredakteur der BILD-Zeitung Daniel Böcking zu seinem Glauben steht und davon in einem (gerade für BILD-Verhältnisse erstaunlich langen) Artikel berichtet, hat mich bereits im April 2015 begeistert. Schon damals (und nicht erst dann) machte ich mir meine Gedanken darüber, ob das undifferenzierte BILD-Bashing, das in manchen christlichen Kreisen ebenfalls beliebt ist, tatsächlich so gut ist. Und heute, zwei Jahre später und im Zeitalter von „Fake-News“- und „Lügenpresse“-Geschrei muss ich mich erst recht davon distanzieren. Viele Journalisten machen einen sehr guten Job – und dafür bin ich dankbar.

Daniel Böcking beschreibt seinen Lebensweg im Buch sehr anschaulich, ehrlich und auch immer wieder selbstkritisch. Zunächst erzählt er von seinem erfolgreichen Leben – nicht nur im Beruf, sondern auch im Fettnäpfchentreten. Von einigen Stories, die ihn beschämt machen, wenn er sich daran erinnert. Aber auch, wie er als Jugendlicher sein eigenes Gottesbild nach dem Prinzip Bibelbastelbogen zusammenstellte. Für eine schlechte Tat kasteite er sich sich selbst eine Weile und dann war die Sache gegessen. Gott ist Liebe, und damit hat sich das. Punkt. Und dann kam 2010, das Jahr, welches mit dem großen Erdbeben in Haiti begann. Er flog selbst mit einem Hilfstransport nach Haiti und lernte dort Menschen der christlichen Hilfsorganisation „humedica“ kennen. Das war eine neue Art von Glauben. So machte er sich auf die Suche.

Was mich an dem Buch begeistert, ist die neue, unverbrauchte Art, von Dingen zu schreiben, die man kaum in Worte fassen kann, ohne dabei auf allzu viel theologisches Vokabular zurückzugreifen. Die ehrliche Art, in sich selbst hineinzusehen und festzustellen, dass da was fehlt. Dass was anders sein sollte. Und die genial einfache Art, seine Bekehrung zu beschreiben. Ein kleiner Auszug:"Es war das glücklichste JA, das man sich vorstellen kann. JA, ich kehre JETZT um! Ab hier gibt es kein Zurück mehr. Auch kein Rechts und kein Links oder ein bisschen kurvig. Nur JA! Geradeaus! JA zu Gott. Ich hatte das Gefühl, als würde mich Gott persönlich umarmen. Alles war so klar, hell und freundlich. Es gab keine Zweifel. Nur Gewissheit und Ruhe." (S. 101f) Also diese Beschreibung hat mich enorm berührt. Da fühlte ich mich um etwa 15 Jahre zurückversetzt, zu dem Zeitpunkt, in welchem es mir sehr ähnlich erging.

Es gab manche Momente, die ich dem Autor gerne erspart hätte, so etwa die mantraartige Meditation nach fernöstlichem Vorbild. Christliche Meditation füllt das Gedächtnis mit dem Inhalt von Gottes Wort, während fernöstliche Meditation darauf abzielt, den Geist des Menschen so zu „leeren“, bis man sich mit der ganzen Welt eins fühlt. In dieser Hinsicht kann Daniel Böcking daraus jedenfalls kein Vorwurf gemacht werden, da es kirchliche Einrichtungen gibt, die solche Praktiken anbieten. Insgesamt finde ich den Bericht auf jeden Fall sehr lesenswert und empfehle ihn mit der vollen Punktzahl sehr gerne weiter.

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