Sonntag, 23. Oktober 2016

Die Wahrheit hinter der Porno-Lüge

Shelley Lubben, Pornographie. Die größte Illusion der Welt, Ruhland Verlag Bad Soden, 2016, 330 Seiten. Link zum Buch / Amazon

Vielen Dank an den Ruhland Verlag und an die Agentur Literaturtest für die Zusendung des Rezensionexemplars.

Die Autorin Shelley Lubben erzählt ihre Lebensgeschichte. Wie sie als junge Frau in der Prostitution und später in der Pornographie gelandet ist, aber auch wie sie einen Weg aus dieser schrecklichen Zeit gefunden hat.

Als Kind hatten ihre Eltern nur wenig Zeit und Aufmerksamkeit für sie – der Vater hatte immer irgendwelche Erfindungen, die er gerade austüftelte, die Mutter hatte nur böse Worte für sie übrig. Sie schreibt von ihrer Kindheit: „Meine Mutter sagte immer, der Fernseher sei der beste Babysitter. Klar, von einem solchen Babysitter lernte ich eine Menge! Als Kind lernte ich aus Sendungen wie 'Herzbube mit zwei Damen' (Three's Company) und 'Wo die Liebe hinfällt' (Love American Style) mehr über Sex als irgendwo sonst. Wozu Pubertät, wenn man gleich mehrere Komödienserien voll übersteigerten Sextriebs konsumieren kann?“ (S. 46)

Mit 9 Jahren wurde sie vom älteren Bruder einer Freundin sexuell missbraucht. Leider ist solcher Missbrauch für sehr viele Frauen, die in der Prostitution oder Pornographie landen, der Einstieg. Sexueller Missbrauch senkt nicht nur die Hemmschwelle zu außerehelichem Sex, sondern raubt den Missbrauchten auch den letzten Rest Selbstvertrauen. Shelley wurde zu einer aufmerksamkeitshungrigen jungen Frau, die sich ihrer äußeren Reize bald klar wurde und diese nutzte, um den männlichen Mitmenschen ihre Macht zu demonstrieren. Sie verkaufte sich selbst, um die Aufmerksamkeit zu bekommen, die ihr eigentlich ihre Eltern schuldig waren. Da war der Schritt in die Prostitution vergleichsweise klein; und als sie mit 17 Jahren aus dem Elternhaus gewiesen wurde (O-Ton ihres Vaters: „Für mich bist du tot.“), wurde dieser Schritt auch tatsächlich gegangen; nach zwei Tagen ohne etwas zu Essen.

Die nächsten Kapitel des Buches sind schwer zu lesen. Shelley gibt einen kleinen Einblick ins „Business“. Mit 19 war sie schwanger und behielt ihr Baby, eine Tochter, die später oft bei Freunden wohnen musste, da die Alleinerziehende sie nicht überall mitnehmen konnte. Nach einer Weile kam sie von der Prostitution zum Film. Schon als kleines Mädchen war sie eine geborene Schauspielerin, und unter dem Künstlernamen „Roxy“ nahm sie an über 30 Pornofilmen teil. Diese schreckliche Zeit kann sie nur überstehen, da sie Alkohol, andere Drogen, aber auch dämonische Einflüsse in ihrem Leben hatte. Mehrmals wollte sie sich das Leben nehmen, aber immer war da Gott, der das zu verhindern wusste.

Mit 26 kam ein Mann in ihr Leben, wie sie es sich wohl nie zu träumen gewagt hatte. Sie hasste Männer seit Langem, aber brauchte sie halt, um an ihnen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dieser Mann war erst 22, aber er war der erste Mann in ihrem Leben, der ihr zeigte, dass sie ihm tatsächlich wertvoll war. Er war Garrett (Gary) Lubben, der sie heiratete. Und damit kam eine Wende in ihr Leben. Sie musste ihren Körper nicht mehr verkaufen. Sie gingen zusammen in eine Gemeinde (ins „Champion Centre“ in Tacoma). Sie lernte Gott kennen. Und nun dürfen wir sie auf diesem langen und beschwerlichen Weg der Heilung begleiten.

Sie hatte lange Zeit ständig mit den dämonischen Einflüssen zu kämpfen. Widerstehen muss da gelernt sein. Sie musste lernen, den Menschen zu vergeben, die ihr so viele Jahre lang unendliche Schmerzen und Leid zugefügt hatten. Sie musste überhaupt erst mal lernen, dass sie auch nebst dem horizontalen Gewerbe Fähigkeiten besaß, die sie für Gott einsetzen kann. So lernte sie erst Webdesign und später Journalistik.

Doch dann kommt ein weiterer Ruf: Sie durfte in einem Gefängnis ihre eigene Geschichte von Ablehnung, Missbrauch, Prostitution, Pornographie und der Erlösung durch Jesus Christus erzählen und merkte, wie begierig viele Menschen nach der Botschaft von der Befreiung durch Jesus Christus sind. Ein weiterer Schritt bestand darin, einen Verein (Pink Cross) zu gründen, der anderen in ihrem ehemaligen „Gewerbe“ beim Ausstieg hilft. Nicht zuletzt bestand dieser Schritt auch darin, ihre Geschichte in Buchform zu bringen und so zu veröffentlichen. In all diesen Schritten hatte sie mit riesigen Widerständen zu kämpfen. Es gab (und gibt) sehr viele Menschen, die an Prostitution und Pornographie verdienen; gerade deshalb werden auch hier viele Menschen dem Gott Mammon geopfert. Statistiken zur Selbstmordrate sprechen eine deutliche Sprache.

Besonders berührt hat mich aber auch das Kapitel 28, in welchem Shelleys Tochter Tiffany aus ihrem eigenen Leben erzählt, wie sie das Leben mit ihrer Mutter wahrgenommen hatte. Sie war die erste Tochter, die Shelley als Prostituierte mit 19 bekommen hatte, als sie einen Asiaten bediente. Obwohl ihre Mutter jahrelang davon nichts wusste, war auch Tiffany sexuell missbraucht worden. Sie begann mit SVV (Selbstverletzendes Verhalten), indem sie sich immer wieder absichtlich schnitt, da der körperliche Schmerz angenehmer war als der seelische Schmerz. Am Ende wollte auch sie sich umbringen und landete mit offenem Handgelenk im Krankenhaus – Gott hatte ihrer Mutter gesagt, dass sie schnell zu ihrer Tochter nach Hause fahren solle. Bisher war Tiffany nicht groß aufgefallen – nicht zuletzt auch deshalb, weil ihre Eltern in dem ganzen Kampf gegen die Pornographie mit sich selbst zu beschäftigt waren. Moment mal – hatten wir das nicht schon mal?

So weit zum Buch selbst. Ich möchte es mit einer Einschränkung weiterempfehlen: Es ist nichts für schwache Nerven. Es ist aufrüttelnd, schamlos ehrlich und wird so manchen Widerspruch im Leser wecken. Hat es auch bei mir, aber das ist ok. Theologisch gehe ich nicht in allem mit ihr einig, aber mit wem kann ich das schon? ;-) Viele Fragen, die aufgeworfen werden, sind es wirklich wert, lange und tief darüber nachzudenken. Es ist ein mitreißendes Buch, das ich nur schwer aus der Hand legen konnte. 

Was nehme ich vom Buch mit?
1. Einen heiligen Zorn gegen die Unterhaltungsindustrie. Das betrifft Filme, Hollywood, aber auch viele andere. Man muss heute schon sehr weit suchen, um Filme zu finden, die keine pornographischen Ausschnitte beinhalten. Selbes gilt auch für Literatur, PC-Spiele und viele weitere Bereiche der Unterhaltungsindustrie.
2. Den dringenden Ruf: Eltern, lasst uns unsere Kinder ernst nehmen. Schieben wir sie nicht ab – weder vor den Fernseher noch in die Betreuungsinstitute. Begegnen wir ihnen gegenüber mit echtem Interesse und echter Anerkennung. In vielen Familien ist die mangelnde Zeit und Anerkennung für die Kinder ein Fluch, der sich von Generation zu Generation weitervererbt.
3. Das eigentliche Anliegen des Buches, welches ich schon seit vielen Jahren teile, nämlich die Schrecklichkeit der Prostitution und Pornographie und deren hohe Suchtgefahr bloßzustellen. Wir brauchen aber viel mehr als nur Predigten dagegen. Wir brauchen Unterstützung für die Menschen, die da raus wollen. Wir brauchen Angebote, die diesen Menschen zugute kommen, die aussteigen. Die Hürde ist extrem hoch: Finanziell, drogenabhängigkeitsbedingt, und nicht zuletzt auch geistlich. Hinzu kommt ein enormer psychischer Druck durch die Drohungen jener, welche daran verdienen wollen.

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