Dienstag, 27. September 2016

Metanoia: Umkehr, Buße tun, was ist das?

Eines der wichtigsten Dinge, die Jesus in Seinem Leben immer wieder gelehrt hat, war: „Tut Buße!“ (zB Matthäus 4,17 u.a.) Da das Wort „Buße“ entweder als altmodisch oder von anderen Bedeutungen überlagert (Strafzahlung fürs Falschparken o.ä.) betrachtet wird, stellt sich immer wieder die Frage, wie man das besser übersetzt. In einer kürzlichen Diskussion auf Facebook wurde das Wort mit „umdenken“ übersetzt. In der Tat ist diese Übersetzung nicht falsch, aber sie scheint mir unvollständig zu sein. Umdenken ist ein wichtiger Teil des Umkehrprozesses, aber längst nicht alles. Metanoia bedeutet, das ganze Leben an Gott als Zentrum auszurichten. Denken, Wollen, Fühlen, Handeln, alles soll Gott unterstellt sein. Dann haben wir Metanoia.

Die Juden, zu welchen Jesus und davor auch schon Johannes der Täufer gesprochen hatte, hörten das griechische Wort „metanoia“ bzw. „metanoeite!“ und dachten dabei an das hebräische Wort „schuw“. Dieses Wort wurde zum Beispiel gebraucht, wenn sich jemand verlaufen hatte und seinen Weg nicht mehr fand. Dann musste er zurückkehren, er musste umkehren, Buße tun. Das geschah in dem Fall mit den Füßen. Die biblischen Propheten erweiterten die Bedeutung und fügten eine geistliche hinzu: Umkehr zu Gott. Als der Prophet Joel zum Volk Israel sprach, forderte er sie in Joel 2,12-13 auf: Doch auch jetzt noch, spricht der Herr, kehrt um zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen! Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider, und kehrt um zu dem Herrn, eurem Gott; denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und von großer Gnade, und das Übel reut ihn.

Wenn die Israeliten Buße taten, so geschah dies unter Tränen, Kleider zerreißen, Asche aufs Haupt streuen, und so weiter. Nicht nur umdenken; es war keine kühl rationale Entscheidung: Ab heute will ich anders denken. Das Problem dabei ist doch auch: Das funktioniert gar nicht! Wenn ich wirklich umkehren will und alles anders werden soll, so gehört auch das Wollen, Fühlen, Reden und Handeln dazu. Es geht dabei nicht so sehr um die äußere Form; Buße ist kein Ritual, sondern es ist eine ganzheitliche Veränderung der menschlichen Existenz. Paulus beschreibt das schön im zweiten Korinther: Nun freue ich mich — nicht darüber, dass ihr betrübt wurdet, sondern darüber, dass ihr zur Buße betrübt worden seid; denn ihr seid in gottgewollter Weise betrübt worden, so dass ihr von uns keinerlei Schaden genommen habt. Denn die gottgewollte Betrübnis bewirkt eine Buße zum Heil, die man nicht bereuen muss; die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod. Denn siehe, wieviel ernstes Bemühen hat dies bei euch bewirkt, dass ihr in gottgewollter Weise betrübt worden seid, dazu Verantwortung, Entrüstung, Furcht, Verlangen, Eifer, Bestrafung! Ihr habt in jeder Hinsicht bewiesen, dass ihr in der Sache rein seid. (2Kor. 7,9-11)

Gerade weil die Bibel im AT wie im NT die Umkehr als ganzheitliche Sache bezeichnet, gehe ich davon aus, dass „nous“ (Denken) im Wort „Metanoia“ als „pars pro toto“ gebraucht wird. Ein „pars pro toto“ ist ein Wort, in dem man nur einen Teil einer Sache bezeichnet, damit aber das Ganze meint. Wenn ich zum Beispiel von einem „Dach über dem Kopf“ rede, meine ich meist nicht nur ein Wellblech, sondern ein ganzes Haus. Oder wenn man davon spricht, wie viele Seelen ein Ort hat, ist die Frage nicht, ob da dann weniger Körper als Seelen wohnen, sondern das Wort wird einfach verwendet, um den ganzen Menschen zu bezeichnen. Lukas berichtet in Apostelgeschichte 27,14 auch davon, dass auf dem Schiff insgesamt 276 Seelen waren. Die Bibel gebraucht somit dieselben sprachlichen Mittel wie wir auch (und manche, die wir nicht mehr gebrauchen). All das tut der Klarheit und Verständlichkeit der Bibel keinen Abbruch.

Fragen wir deshalb zum Schluss, wie man das Wort übersetzen kann. Ich sehe mehrere Möglichkeiten:
  • Umdenken mit der Erklärung dazu, dass es eine Veränderung des ganzen Lebens notwendig mit sich bringt
  • Buße tun mit der Erklärung, dass das nichts mit Strafzetteln zu tun hat, sondern mit einer Veränderung des ganzen Lebens
  • Umkehr mit einer ähnlichen Erklärung dazu
  • Lebensveränderung (mein persönlicher Favorit), würde vermutlich am wenigsten Erklärung benötigen

Keine dieser Möglichkeiten ist vollständig ohne Erklärung verständlich. Es ist deshalb auch wichtig, dass immer wieder darüber gepredigt wird und dadurch jeder einzelne Christ fähig wird, dieses Geschehen erklären zu können. Die Umkehr ist übrigens ein Geschehen, das ein Leben lang andauert. Kein Ich-bin-da-einmal-nach-vorne-gegangen-jetzt-hab-ich-Urlaub.


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