Donnerstag, 6. November 2014

Moralistisch-therapeutischer Deismus: Lösungsansätze

Gestern habe ich den Begriff des „moralistisch-therapeutischen Deismus“ vorgestellt. In einem späteren Kapitel seines Buches „Soul Searching – The Religious and Spiritual Lives of American Teenagers“ versucht Christian Smith, konstruktive Lösungsansätze zu entwickeln. Er kommt zu folgenden Schlüssen (Übersetzung jeweils von mir):

Die beste Art, um die meisten Jugendlichen stärker und ernsthafter in Bezug auf ihre Glaubensgemeinschaft miteinbezogen zu bekommen, besteht darin, ihre Eltern stärker und ernsthafter in Bezug auf ihre Glaubensgemeinschaft miteinzubeziehen. Für Jahrzehnte bestand in vielen religiösen Traditionen die vorherrschende Art der Jugendarbeit darin, die Teenager von ihren Eltern wegzuziehen. In manchen Fällen haben Jugendpastoren sogar begonnen, die Eltern als Feinde zu betrachten. Es gibt ohne Zweifel eine Zeit und einen Platz für Situationen und Aktivitäten nur unter Teenagern; doch unsere Erkenntnisse zeigen, dass insgesamt eine Jugendarbeit am besten im größeren Kontext einer Familienarbeit betrieben wird, dass Eltern als unverzichtbare Partner in der religiösen Formung der Jugend betrachtet werden müssen.“ (S. 267)

Eltern und Glaubensgemeinschaften sollten sich nicht davor scheuen, Teenager zu lehren. Erwachsene zögern nicht, Teenager anzuweisen und von ihnen bestimmte Dinge zu erwarten, wenn es um Schule, Sport, Musik und mehr geht. Aber es scheint eine merkwürdige Zurückhaltung unter Erwachsenen zu geben, Teenager zu belehren, wenn es um den Glauben geht. Erwachsene scheinen häufig nicht mehr zu tun wollen, als Teenager mit dem Glauben in Kontakt zu bringen. Viele Erwachsene scheinen uns beinahe eingeschüchtert zu sein von Teenagers, sie haben Angst davor, als „uncool“ gesehen zu werden. Und es scheint, dass viele Jugendmitarbeiter unter einem großen Druck stehen, die Teenager zu unterhalten. Tatsächlich jedoch glauben wir, dass die meisten Teens belehrbar sind, auch wenn sie selbst das nicht wirklich wissen oder sich anmerken lassen, dass sie interessiert seien.“ (S. 267)

Drittens scheint es uns, dass religiöse Erzieher viel stärker an der Artikulation arbeiten müssen. Wir waren erstaunt, zu realisieren, dass es für viele der Teens, die wir interviewten, schien, als ob unser Interview das erste Mal war, dass irgend ein Erwachsener sie überhaupt gefragt hätte, was sie glaubten. Im Gegensatz dazu konnten sich dieselben Teenagers erstaunlich gut zu anderen Themen äußern, in denen sie ausgebildet wurden, wie etwa das Trinken [von Alkohol], Drogen, Geschlechtskrankheiten und Empfängnisverhütung. Es war auch überraschend, wie viele christliche Teens zum Beispiel sich dabei wohl fühlten, allgemein über Gott zu reden, aber nicht spezifisch über Jesus.“ (S. 267)

Religiöse Gemeinschaften sollten sorgfältiger darüber nachdenken und auch der Jugend helfen, darüber nachzudenken, was die Unterschiede sind zwischen (1) ernsthaftem, gut verständlichem, persönlich überzeugtem und gemeinschaftlichem Glauben gegenüber (2) respektvollem, bürgerlichem Diskurs im pluralistischen öffentlichen Bereich gegenüber (3) anstößigem, offensivem Reden über den Glauben, der lediglich die Leute abstößt. Die meisten Teens in den USA halten sich eifrig an das Zweite und verzichten auf das Dritte von diesen. Aus einem allgemeinen Mangel an Unterscheidung zwischen diesen dreien scheint es, dass das Erste oft verloren geht.“ (S. 268)

Glaubensgemeinschaften würden auch gut daran tun, so denken wir, sich bewusst zu werden, dass eine primär instrumentalistische Sicht vom Glauben ein zweischneidiges Schwert ist. Für viele Eltern sind die religiösen Gemeinschaften gut und wertvoll, weil sie in ihren Kindern gute Ergebnisse erzielen. Viele Gemeinden scheinen daraus Kapital zu schlagen, um an Familien von Kindern und Jugendlichen zu appellieren. Es ist eine empirische Tatsache, dass Jugendliche, die im Glauben engagiert sind, im Leben weiter kommen als Jugendliche, die nicht im Glauben engagiert sind, und zwar aus verschiedenen Gründen. Das kann ermutigend sein für Gläubige. Aber das zur hauptsächlichen Legitimation des Glaubens zu machen, verkommt leicht zu einer „Gemeinde-ist-gut-weil-sie-hilft-meinem-Kind-von-den-Drogen-wegzubleiben-und-die-Benutzungsrate-der-Sicherheitsgurte-erhöht“-Mentalität.“ (S. 270)

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